Was unsere Umfrage über die Bindungsstile von Gleichklang-Mitgliedern zeigt
An unserer großen Gleichklang-Umfrage haben bisher 1.069 Personen teilgenommen, unter ihnen 469 Männer, 575 Frauen und 25 nichtbinäre oder andersgeschlechtliche Personen.
Übrigens läuft die Umfrage weiter und wir freuen uns über weitere Teilnehmende!
Gleichklang nutzt solche Umfragen, um wichtige Erkenntnisse über Partnersuche, Beziehung und Lebensweisen zu gewinnen und diese anschließend mit unseren Mitgliedern zu teilen. Auch Nicht-Mitglieder können teilnehmen und erhalten als Dank einen besonderen Rabatt, falls sie anschließend neu Mitglied werden oder zu Gleichklang zurückkehren möchten.
Wie wir die Bindungsstile erfasst haben
Eine Aufgabe in der Umfrage bestand darin, sich selbst danach einzuordnen, welcher von vier Bindungsstilen dem eigenen gegenwärtigen Erleben am ehesten entspricht. Die Instruktion lautete:
„Lesen Sie alle vier Schilderungen aufmerksam durch und kreuzen Sie die an, die am ehesten zu Ihnen passt. Geben Sie wieder die Antwort, die Ihrem aktuellen Entwicklungsstand entspricht.“
Zur Auswahl standen vier Beschreibungen.
Sichere Bindung:
„Es fällt mir leicht, anderen emotional nahezukommen. Ich fühle mich wohl dabei, mich auf andere zu verlassen und wenn andere sich auf mich verlassen. Ich mache mir keine Sorgen darüber, allein zu sein oder von anderen nicht akzeptiert zu werden.“
Die sichere Bindung steht für die Fähigkeit, Nähe zuzulassen und gleichzeitig die eigene Selbstständigkeit zu erhalten. Vertrauen in andere und Vertrauen in die eigene Beziehungsfähigkeit können nebeneinander bestehen, ohne dass starke Verlustängste oder ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Distanz dominieren.
Ängstliche Bindung:
„Ich möchte anderen emotional vollkommen nahe sein, stelle jedoch häufig fest, dass andere nicht bereit sind, mir so nahezukommen, wie ich es mir wünsche. Ich fühle mich unwohl, wenn ich keine engen Beziehungen habe, mache mir aber manchmal Sorgen, dass andere mich nicht so sehr schätzen, wie ich sie schätze.“
Die ängstliche Bindung ist durch einen starken Wunsch nach Nähe gekennzeichnet. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass die andere Person weniger Nähe möchte, sich zurückziehen oder die Beziehung beenden könnte. Verlustängste, ein starkes Bedürfnis nach Rückversicherung und mitunter auch Eifersucht können daher eine wichtige Rolle spielen.
Vermeidende Bindung:
„Ich fühle mich auch ohne enge emotionale Beziehungen wohl. Es ist mir sehr wichtig, unabhängig und selbstständig zu sein, und ich ziehe es vor, mich nicht auf andere zu verlassen und auch nicht zu wollen, dass andere sich auf mich verlassen.“
Bei der vermeidenden Bindung stehen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit besonders stark im Vordergrund. Nähe wird nicht unbedingt grundsätzlich abgelehnt, aber zu viel Nähe kann als Einengung, Interferenz oder Störung der eigenen Lebensstruktur erlebt werden.
Ängstlich-vermeidende Bindung:
„Ich fühle mich unwohl dabei, anderen nahezukommen. Ich wünsche mir emotional enge Beziehungen, finde es jedoch schwierig, anderen vollständig zu vertrauen oder mich auf sie zu verlassen. Ich mache mir Sorgen, verletzt zu werden, wenn ich zulasse, dass andere mir zu nahe kommen.“
Bei der ängstlich-vermeidenden Bindung kommen beide Tendenzen zusammen. Einerseits besteht ein starker Wunsch nach emotionaler Nähe und Beziehung, andererseits wird genau diese Nähe zugleich als riskant und potenziell verletzend erlebt.
Diese vier Selbstbeschreibungen gehen auf Kim Bartholomew und Leonard M. Horowitz zurück. Die Methode ist sehr kurz, wird aber auch in neuerer Forschung verwandt und ermöglicht eine schnelle Selbsteinordnung in einen der vier Bindungsstile.
Wie häufig sind die vier Bindungsstile?
Am häufigsten entschieden sich die Teilnehmenden für die sichere Bindung:
- 37,3 % sahen sich am besten als sicher gebunden. 24,8 % ordneten sich der ängstlich-vermeidenden Bindung zu, 21,9 % der ängstlichen Bindung und 16,0 % der vermeidenden Bindung.

Bindungsstile bei Gleichklang Mitgliedern
Wir sehen damit auch bei den Gleichklang-Mitgliedern ein Muster, das aus anderen Untersuchungen bekannt ist:
- Die sichere Bindung ist die häufigste einzelne Kategorie. Es ist also keineswegs so, dass wir alle unsere Bindungsfähigkeit verloren hätten oder unter Bindung leiden würden.
- Allerdings sehen wir auch, dass mit 37,3 % der Anteil derjenigen mit sicherer Bindung eine Minderheit ist. Umgekehrt bedeutet dies, dass bei 62,7 % nach dem eigenen Erleben keine sichere Bindung vorliegt.
- Fast gleich stark vertreten sind die ängstlich-vermeidende Bindung mit 24,8 % und die ängstliche Bindung mit 21,9 %.
- Etwas seltener, aber mit 16,0 % nach wie vor deutlich vertreten, ist der vermeidende Bindungsstil.
Frauen häufiger sicher gebunden, Männer häufiger ängstlich gebunden
Bei den Geschlechtern zeigt sich bei unseren Mitgliedern eher ein in Teilen ungewöhnliches Muster:
- 43,5 % der Frauen, aber nur 30,9 % der Männer ordnen sich dem sicheren Bindungsstil zu. Ängstlich-vermeidende Bindung ist dagegen bei Männern mit 28,1 % häufiger als bei Frauen mit 21,6 %.
- Gleiches gilt für die ängstliche Bindung. Hier stehen 26,2 % der Männer 18,1 % der Frauen gegenüber.
- Beim vermeidenden Bindungsstil gibt es dagegen keinen signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Die Anteile liegen bei 14,7 % beziehungsweise 16,9 %.
- Bei den nichtbinären Teilnehmenden zeigen sich deutliche Tendenzen in Richtung unsicherer Bindung. Nur 16 % ordnen sich als sicher gebunden ein, während 36 % ängstlich-vermeidend, 28 % ängstlich und 20 % vermeidend gebunden sind. Aufgrund der geringen Zahl von lediglich 25 nichtbinären Personen werden die Unterschiede zu Männern und Frauen jedoch nicht signifikant.

Interessant ist insbesondere die stärkere ängstliche Bindung der Männer. In der internationalen Literatur findet sich im Durchschnitt eher die umgekehrte Richtung. Die Gleichklang-Community scheint sich hier also etwas anders zusammenzusetzen.
Möglicherweise finden sich bei Gleichklang Männer, deren Selbstverständnis weniger stark durch eine klassisch normativ-maskuline Selbstpräsentation geprägt ist. Sensitivität, der Wunsch nach emotionaler Nähe und umgekehrt die Sorge, diese Nähe nicht ausreichend zu erhalten, könnten in dieser Gruppe stärker vertreten sein oder offener wahrgenommen und angegeben werden. Das passt auch dazu, dass beispielsweise Hochsensibilität mit emotionaler Labilität assoziiert ist, wobei hochsensible Männer bei uns besonders häufig vorkommen.
Wie hängen die Bindungsstile mit anderen Merkmalen zusammen?
Wir haben unsere Teilnehmenden nicht nur nach ihren Bindungsstilen gefragt, sondern nach zahlreichen weiteren Faktoren, die sich auf ihr Dating-Verhalten und ihre Erfahrungen beim Dating, ihre Lebenssituation und besondere Lebensumstände beziehen:
- Dazu gehören beispielsweise psychische Erkrankungen, finanzielle Not, Autismus, ADHS oder Hochsensibilität. Außerdem haben wir danach gefragt, ob sie jemals oder aktuell eine Partnerschaft bei Gleichklang gefunden haben.
So können wir uns nun anschauen, welche charakteristischen Zusammenhangsmuster sich für die vier Bindungsstile mit diesen unterschiedlichen Aspekten ergeben.
Die Ergebnisse werden im Folgenden geschildert:
Zusammenhänge für sichere Bindung
Sicher gebundene Personen erleben weniger emotionale Erschöpfung beim Dating, dehumanisieren andere Menschen seltener, zeigen weniger Dating-Sucht und erleben sich beim Dating als effektiver. Sie berichten außerdem häufiger, bereits partnerschaftliche und sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben, und finden bei Gleichklang häufiger eine Partnerschaft, die bis heute fortbesteht. Auch beendete Partnerschaften treten bei ihnen häufiger auf, was insgesamt dafür spricht, dass sie häufiger überhaupt reale Partnerschaftserfahrungen sammeln.
Gleichzeitig geben sicher gebundene Personen seltener erhebliche psychische Erkrankungen, finanzielle Not oder prekäre Lebenssituationen, Autismus, ADHS, Hochsensibilität und gesellschaftliche Entfremdung an. Interessanterweise zeigen sie zudem eine stärkere Bereitschaft zu einer Fernbeziehung.
Insgesamt lässt sich sichere Bindung als Ausdruck von selbstbezogener und beziehungsbezogener Stabilität interpretieren. Weniger Erschöpfung, höhere Effektivität, geringere Dehumanisierung anderer und weniger Dating-Sucht passen gut zu einem Bindungsmuster, in dem Nähe möglich ist, ohne dass sie permanent mit Angst, Überforderung oder Rückzug verbunden sein muss.
Dass sichere Bindung gleichzeitig häufiger mit der Bereitschaft zu einer Fernbeziehung einhergeht, ist dabei besonders interessant. Hier bedeutet die Fernbeziehung vermutlich gerade nicht den Wunsch, Nähe zu vermeiden, sondern eher die Bereitschaft, sich auch auf die Entwicklung von Intimität und Liebe mit einer Person einzulassen, die wirklich kompatibel ist, obwohl sie weiter entfernt lebt.
Bei den Gleichklang-Mitgliedern zeigt sich zudem, dass sichere Bindung tatsächlich häufiger mit der Wahrscheinlichkeit einhergeht, überhaupt eine Beziehung zu finden, und auch eine Beziehung zu finden, die fortbesteht. Menschen mit sicherer Bindung sind zugleich seltener mit bestimmten biografischen, sozialen und psychischen Herausforderungen konfrontiert. Dies mag mit erklären, warum sie sich in den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen weniger entfremdet fühlen. Ebenso kann es durchaus sein, dass sichere Bindung an sich gegenüber bestimmten Belastungsfaktoren stabilisierend oder präventiv wirkt. Solche kausalen Zusammenhänge können wir in unserer Umfrage nicht belegen, sondern nur interpretierend vermuten.
Zusammenhänge für ängstliche Bindung
Ängstlich gebundene Personen erleben mehr emotionale Erschöpfung beim Dating, zeigen etwas mehr Dating-Sucht und daten häufiger und intensiver. Sie wünschen sich stärker Heirat und Zusammenleben und deutlich seltener getrennte Wohnungen oder eine Fernbeziehung. Gleichzeitig haben sie häufiger noch nie eine Partnerschaft erlebt, befinden sich häufiger in finanzieller Not oder in einer prekären Lebenssituation und fühlen sich häufiger von der Gesellschaft entfremdet.
Der stärkere Wunsch ängstlich gebundener Personen nach Heirat und Zusammenleben und ihr intensiveres Dating deuten in Kombination mit stärkerer materieller Belastung und gesellschaftlicher Entfremdung darauf hin, dass womöglich auch Motive der Liebe als Erweiterung oder Verbesserung einer als belastend erlebten psychischen oder sozialen Lebenssituation zum Tragen kommen. Partnerschaft könnte in solchen Fällen nicht nur als Beziehung zu einem geliebten Menschen erlebt werden, sondern auch als Hoffnung auf mehr Sicherheit, Zugehörigkeit und Halt.
Die höhere emotionale Erschöpfung korrespondiert mit diesem starken Wunsch und den starken Bemühungen. Wer besonders intensiv nach Partnerschaft sucht, viel Hoffnung investiert und wiederholt mit ausbleibendem Erfolg oder Zurückweisung konfrontiert wird, kann leichter in Frustration und Erschöpfung geraten.
Zusammenhänge für vermeidende Bindung
Vermeidend gebundene Personen zeigen keine erhöhte emotionale Erschöpfung. Sie dehumanisieren andere beim Dating jedoch stärker und betreiben weniger intensives Dating. Sie wünschen sich seltener Heirat und Zusammenleben und häufiger getrennte Wohnungen sowie eine Fernbeziehung.
Gleichzeitig haben sie häufiger bereits partnerschaftliche Erfahrungen gemacht und häufiger eine Partnerperson durch Tod verloren. Erhebliche psychische Erkrankungen und Hochsensibilität werden von ihnen seltener angegeben.
Gerade die Kombination aus vorhandenen Beziehungserfahrungen, häufigerem Verlust einer Partnerperson durch Tod und dem Wunsch nach eigenständigeren Beziehungsformen ergibt ein durchaus erstaunliches Muster. Womöglich entsteht bei einem Teil der vermeidend gebundenen Gleichklang-Mitglieder gerade daraus eine starke Orientierung an Autonomie. Sie haben Beziehungen erlebt, teilweise auch einen einschneidenden Verlust erfahren und sich anschließend eine eigenständige und unabhängige Lebensstruktur aufgebaut, die sie nicht mehr missen möchten.
Die Vermeidung ist hier vermutlich nicht nur dysfunktional, sondern kann auch Ausdruck gelebter Autonomie sein. Partnerschaft wird nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern in einer Form gewünscht, die Eigenständigkeit, eigenen Raum und ein hohes Maß an Unabhängigkeit erhält. Dass diese Gruppe gleichzeitig keine erhöhte emotionale Erschöpfung zeigt, passt zu diesem Bild.
Zusammenhänge für ängstlich-vermeidende Bindung
Ängstlich-vermeidend gebundene Personen erleben mehr emotionale Erschöpfung und Dehumanisierung und fühlen sich beim Dating weniger effektiv. Sie haben häufiger noch nie eine Partnerschaft und noch nie eine sexuelle Begegnung erlebt und berichten seltener von einer bis heute bestehenden Gleichklang-Partnerschaft.
Erhebliche psychische Erkrankungen, finanzielle Not oder prekäre Lebenssituationen, Sinnesbehinderungen, Autismus, ADHS, Hochsensibilität und gesellschaftliche Entfremdung werden häufiger angegeben. Eine Fernbeziehung wird seltener gewünscht. Zudem berichten diese Personen häufiger von einer über Gleichklang entstandenen Reisefreundschaft, die inzwischen nicht mehr besteht.
Die besonders komplexe Situation der ängstlich-vermeidenden Bindung spiegelt sich in diesen Befunden deutlich wider. Es kommen zwei sich widersprechende Tendenzen zusammen, die schwer zu integrieren sind. Einerseits besteht ein starker Wunsch nach Beziehung und Nähe, andererseits werden genau diese Nähe, Abhängigkeit und mögliche Verletzbarkeit gefürchtet. Daraus kann eine hohe innere Anspannung und Dissonanz entstehen.
Diese Kombination korrespondiert offenbar auch mit einer stärkeren Konfrontation mit verschiedenen Belastungsfaktoren. Womöglich deutet sogar die häufiger entstandene, aber nicht fortbestehende Reisefreundschaft auf eine Schwierigkeit beim Aufbau einer partnerschaftlichen Beziehung hin. Nähe kann in einem zeitlich und situativ begrenzten Rahmen entstehen, etwa durch eine gemeinsame Reise, ohne dass daraus anschließend eine dauerhafte partnerschaftliche Beziehung wird.
Gerade der Vergleich zwischen vermeidend und ängstlich-vermeidend gebundenen Teilnehmenden ist hier besonders aufschlussreich. Vermeidung allein kann im Grunde relativ unproblematisch gelebt werden. Menschen können sich zufrieden in einem Single-Dasein einrichten, genügend soziale Kontakte pflegen und auf die starke Nähe einer Partnerschaft verzichten.
Kommt jedoch zur vermeidenden Tendenz gleichzeitig eine ängstlich-klammernde Tendenz hinzu, die unbedingt Beziehung und Nähe möchte, wird es deutlich schwieriger. Dann stehen Annäherungswunsch und Rückzugswunsch gleichzeitig im Raum.
Bindungsstil und Bildung
Übrigens zeigen sich kaum Zusammenhänge zwischen dem höchsten formalen Bildungsabschluss, der von keinem Schulabschluss bis zur Habilitation reichte, und der Selbsteinordnung in die vier Bindungsstile.
Lediglich in geringem Ausmaß weisen Menschen mit sicherer Bindung einen etwas höheren Bildungsstand auf, während Menschen mit ängstlicher Bindung einen etwas niedrigeren Bildungsstand zeigen. Bei der vermeidenden und der ängstlich-vermeidenden Bindung bestehen keine entsprechenden Zusammenhänge:
- Bei Bindungsstilen handelt es sich also nicht um eine Bildungsfrage. Es geht vielmehr um etwas, das wir jenseits aller formalen Bildungsabschlüsse miteinander teilen. Es gibt viele solcher universalen Erlebensweisen, die auch ein Grund dafür sind, warum wir über alle Kulturen, Sprachen, Religionen und Nationalitäten hinweg miteinander in Frieden und auch in Liebe leben können, wenn wir dafür offen und bereit sind.
Unterschiede sind Tendenzen und keine Schubladen
- Allerdings möchte ich vor einer Pauschalisierung aller genannten Ergebnisse warnen. Sie waren zwar statistisch signifikant – nicht signifikante Ergebnisse habe ich unerwähnt gelassen –, ließen sich also nicht einfach durch Zufall erklären. Die Stärke der Zusammenhänge war jedoch durchgängig gering bis höchstens moderat:
- Das ist auch gut so. Denn es bedeutet, dass sich in Wirklichkeit unsere Möglichkeiten und Erfahrungen alle miteinander überlappen und Menschen mit allen Bindungsstilen damit auch über Möglichkeiten für eigene Stabilität und Beziehungsstabilität verfügen.
Dass die Zusammenhänge nicht so durchgreifend sind und viel Verschiedenartigkeit auch innerhalb der Bindungsstile besteht, lässt sich beispielsweise aus der folgenden Darstellung entnehmen, in der gezeigt wird, wie viele Gleichklang-Mitglieder mit den verschiedenen Bindungsstilen jemals eine Partnerschaft bei Gleichklang fanden:
- Statistisch führen die Mitglieder mit sicherer Bindung mit 23,8 %. Sie unterscheiden sich auch tatsächlich signifikant von Mitgliedern mit vermeidender Bindung mit 12,9 % und ängstlich-vermeidender Bindung mit 14,3 %. Im Mittelfeld liegen die Teilnehmenden mit ängstlicher Bindung mit 18,4 %.

Es handelt sich hier nicht um eine Auswertung der Erfolgsraten von Gleichklang-Mitgliedern insgesamt. Die große Mehrheit der Teilnehmenden waren aktuelle Mitglieder und die meisten kündigen, wenn sie eine Beziehung gefunden haben. Entsprechend war auch der Prozentsatz der aktuell in einer Gleichklang-Beziehung lebenden Mitglieder mit 6,3 % erheblich geringer als derjenigen, die früher einmal eine Gleichklang-Beziehung hatten, die nicht mehr besteht, mit 20,8 %.
Diese Zahlen geben also keinen Anlass zur Sorge:
- Wie gesagt, ist es normal, dass partnersuchende Singles noch keine Beziehung gefunden haben. Und diejenigen, die bereits einmal eine Beziehung fanden, die doch zerbrach, kehren vermutlich auch deshalb oft zu Gleichklang zurück, weil sie Gleichklang keine Schuld am späteren Scheitern der Beziehung geben, sich aber an die Möglichkeit der Beziehungsfindung bei uns erinnern.
Übrigens wissen wir auch aus früheren Umfragen, dass diejenigen Gleichklang-Paare, die sich trennen, dies in großer Mehrheit im Guten tun und oft positiv auf ihre Beziehung zurückblicken, auch wenn es fraglos eine kleinere Gruppe gibt, die über belastende oder sogar toxische Beziehungserfahrungen spricht.
Eine Sicherheit in Gleichklang-Beziehungen können auch wir leider nicht gewährleisten, trotz unserer Bemühungen.
Hauptsächlich zeigen die Daten aber nach meiner Lesart, dass niemand von einer Beziehungsfindung wegen des Bindungsstils ausgeschlossen ist:
- Auch bei den vermeidend Gebundenen mit der geringsten Beziehungsfindungsquote hatte immerhin ungefähr jedes achte Mitglied eine Gleichklang-Beziehung gefunden, die mindestens temporär aufrechterhalten werden konnte.
Die Befunde zeigen also Tendenzen, die viele Lesende vielleicht bei sich selbst wiedererkennen können, aber keine starren Grenzen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Bindungsstilen.
Wie geht es weiter mit Ihrem Bindungsstil?
Eine genauere Einschätzung Ihres Bindungsstils können Sie zudem über die beiden Bindungstests von Gleichklang erhalten: „Bin ich bindungsvermeidend?“ und „Neige ich zu abhängigen Mustern in der Liebe?“. Wenn Sie beide kurzen Tests machen und in beiden keine hohen Werte erreichen, spricht dies für eine sichere Bindung.
Wenn Sie Ihren Bindungsstil kennen, können Sie sich als Nächstes fragen, ob Sie sich mit Ihrem aktuellen Erleben und Ihrer gegenwärtigen Beziehungssituation wohl und zufrieden fühlen. Ist dies der Fall, besteht kein Grund, an Ihrem Bindungsstil etwas zu verändern.
Ist dies dagegen nicht der Fall, können Sie auf Möglichkeiten zurückgreifen, die ich in meinem früheren Artikel „Bindungssicher werden: Wie wir unseren Bindungsstil verändern können“ ausführlicher beschrieben habe.
Damit Lesende aber auch hier bereits eine Vorstellung davon bekommen, wie Veränderung konkret aussehen kann, einige zentrale Gedanken aus diesem Artikel:
- „Meistens müssen wir genau das bewusst üben, was unser dysfunktionaler Bindungsstil vermeiden möchte.“
- „Als ängstlich gebundene Person übe ich daher, auf Rückversicherungen zu verzichten.“
- „Da ich außerdem immer Nähe will und Angst vor Distanz habe, plane ich bewusst Zeiten temporärer Trennung ein.“
- „So lerne ich über wiederholte Erfahrungen, dass Sicherheit auch dann bestehen kann, wenn die andere Person gerade nicht verfügbar ist.“
- „Anstatt einen Schritt zurückzugehen, tue ich daher einen Schritt nach vorn. Anstatt Nähe zu reduzieren, erhöhe ich sie.“
- „Ich lerne, in der Nähe zu verbleiben und gemeinsam positive Erfahrungen zu machen.“
- „Wenn ich sowohl ängstlich als auch vermeidend gebunden bin, also ängstlich-vermeidend, übe ich immer dann Nähe, wenn sich die Tendenz zur Vermeidung meldet, und ich übe Distanz, wenn Angst vor Verlust und übermäßiges Streben nach Nähe in den Vordergrund rücken.“
- „Bei denjenigen, bei denen beides jederzeit gleichzeitig oder ständig fluktuierend besteht, geht es direkt um die Einübung einer richtigen Balance.“
- „Ohne Vertrauensvorschuss kann Vertrauen nicht entstehen.“
- „Menschen verändern sich nicht im Kern dadurch, dass sie nur über Veränderung nachdenken, sondern dadurch, dass sie anders handeln und dabei neue Erfahrungen machen.“
- „Wenn ich aber zunehmend erlebe, dass ich auch allein handlungsfähig, wertvoll und lebensfähig bin, verliert Verlustangst einen Teil ihrer Macht.“
- „Bindung verändert sich nicht nur durch Gedanken, sondern vor allem durch konkrete soziale Begegnungen.“
Allerdings hatte ich auch bereits eine Coaching-Anfrage von einem Klienten, dessen ausdrückliches Ziel genau in die andere Richtung ging: Er wollte vom Wunsch nach Partnerschaft wegkommen, seinen Wunsch nach einer Partnerschaft überwinden und dauerhaft als Single glücklich werden.
In einem solchen Fall würde es entsprechend eher um eine Stärkung der vermeidenden Komponente gehen, wobei wir diese statt „vermeidend“ durchaus auch mit positiveren Begriffen wie unabhängig, eigenständig oder autonom beschreiben können.
Bindung bleibt zentral
Ich habe schon oft über das Thema Bindung geschrieben und hoffe, dass es dadurch nicht langweilig wird:
- Ich versuche, das Thema immer wieder um neue Aspekte zu erweitern und deutlich zu machen, warum wir im Grunde alle etwas über Beziehungen und unsere eigenen Beziehungsweisen wissen können und sollten.
Dabei steht unsere Bindungsfähigkeit oder Bindungsbereitschaft nicht isoliert nur in einer einzelnen Person, sondern ist ebenso in gesellschaftliche Zusammenhänge eingebettet:
Dating-Plattformen sind Teil dieser Strukturen und nehmen damit auch Einfluss darauf, was wir als Bindung erleben.
Studien zeigen, dass mit wachsenden Kontaktoptionen und der Vorstellung, es gebe immer wieder neue Vorschläge, unsere Bindungsbereitschaft sinken kann. Weitere Studien zeigen, dass Menschen mit geringerer Bindungsbereitschaft seltener eine Beziehung finden.
Gleichzeitig sehen wir manchmal auch bei Gleichklang-Mitgliedern etwas, was uns wie eine Ablehnungshaltung erscheint, die von den Betroffenen selbst weniger als eigene Wahrnehmung, sondern eher als objektiver Fakt erlebt wird:
- Alle Vorschläge seien uninteressant, unmöglich, niemand passe.
Studien zeigen, dass genau solche Ablehnungshaltungen bereits in dem Moment beginnen können, in dem wir einfach nur durch Profile scrollen:
- So kann die Erfahrung der Austauschbarkeit von Personen entstehen, die den eigentlichen Kern ihres Menschseins für uns in den Hintergrund treten lässt. In einem bewussten Sinn als Dehumanisierung bezeichnet, nehmen wir dies selbst oft gar nicht wahr.
Aber unbewusst oder vorbewusst können sich Verzerrungen entwickeln, die uns, ohne dass wir dies wirklich bemerken, dazu bringen, immer weniger Menschen interessant zu finden. So reduziert sich wiederum ebenfalls unsere Bindungsbereitschaft.
Bei Gleichklang verfolgen wir deshalb ein alternatives System der Beziehungsfindung:
- Wir verzichten auf Mechanismen, die uns zwar kurzfristig belohnen können, langfristig aber möglicherweise unsere Bindungsbereitschaft reduzieren. Wir raten daher dazu, jeden Menschen als Menschen ernst zu nehmen und miteinander wirklich auszuloten, ob eine Beziehung entstehen kann.
Bitte gehen Sie in dieser Haltung auch an Ihre Partnersuche heran. Auf diesem Weg begleiten wir Sie gerne:
▶ Zur Beziehungsfindung bei Gleichklang
Wie ist Ihr eigenes Bindungserleben und welche Erfahrungen machen Sie mit Bindung bei Gleichklang und anderswo? Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Gedanken mit uns in den in den Kommentaren teilen – herzlichen Dank!
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10 Kommentare
Guten Morgen,
gerade las ich den Beitrag zum aktuellen Thema „Bindungsstil“. Wie immer im blog sind die Erläuterungen dazu interessant und oft auch hilfreich.
Angeregt durch den blog möchte euch von imeinen frühen Bindungserfahrungen berichten.
In unserer Familie lebte bei meiner Geburt (1951) eine warmherzige junge Frau, die im Haushalt und in der Betreuung der Kinder mithalf. Sie war damals 17 J.
Da meine Mutter kurz nach meiner Geburt erkrankte, übernahm diese junge Frau wohl etliche mütterliche Aufgaben.
Ich empfand sie immer als meine „gefühlte Mutter“. Bis heute habe ich Kontakt zu ihr. Sie ist inzwischen 92 J.
Leider wurde diese intensive Beziehung abrupt getrennt durch den Umzug unserer Familie von Niedersachsen nach Hessen. Damals war ich erst 3 J. Diese frühe Trennung war – wie ich vermute – ein traumatisches Erlebnis für mich.
Meinen Bindungsstil würde ich daher sowohl in Teilen als sicher, aber auch als ängstlich beschreiben durch den erlebten frühen Verlust. Dieser belastet mich glaube ich bis heute.
Falls du Guido oder dein Team einen Rat oder eine Idee dazu habt, würde ich mich über eine Rückmeldung sehr freuen. Danke schon mal.
Mit herzlichen Grüßen
Hilke Folkers
„Bei den Geschlechtern zeigt sich bei unseren Mitgliedern eher ein in Teilen ungewöhnliches Muster:
43,5 % der Frauen, aber nur 30,9 % der Männer ordnen sich dem sicheren Bindungsstil zu. Ängstlich-vermeidende Bindung ist dagegen bei Männern mit 28,1 % häufiger als bei Frauen mit 21,6 %.“
Ich vermute mal, dass es daran liegt, dass Frauen überdurchschnittlich oft Beziehungen beenden. Die Frauen ist in der westlichen Gesellschaft der Teil, welcher über Beendigung oder Fortbestehen einer Beziehung entscheidet, von daher liegt der Unsicherheitsfaktor dann beim Mann.
Ich bin passiv-ausweichend und lösche vermutlich sogar zu viele Vorschläge. Gleichklang ist eine Restpostenversteigerung.
Ich würde es eher als Kunstauktion bezeichnen. Besondere Menschen bei denen nicht jeder bereit ist, den hohen Preis zu bezahlen.
Für mich ist am interessantesten , wieviele Datingmitglieder Sie bei Gleichklang haben und wie die %tuale Verteilung Frauen : Männern ist, das ist doch wichtig für den Erfolg!
Wo finde ich diese Zahlen?
Mit freundlichen Grüßen
Barbara Menyhart
Warum ist das wichtig für den Erfolg? Wir schwanken bei der Mitgliederzahl seit Jahren um die +- 20.000. Vor Covid lagen wir bei 15 bis 16000 aktivien Mitglieder, stiegen dann auf 21500 im Zentrum der Covid-Zeit und liegen aktuell zwischen 17 bis 18000 aktivien Mitgliedern, nach dem Ende der Covid Zeit setze erst ein starker Einbruch ein und seit unserer Neuaufsetzung steigen wir wieder an, werden vermutlich Ende des Jahres wieder bei 20000 liegen und womögoch danach weiter wachsen. Bei uns sind gut 54 % Frauen, knapp 44 % Männer und etwa 2 % nicht-binäre Personen.
In diesem Blog findest Du einen alten Artikel von 2012. Damals hatten wir, wie Du nachlesen kannst, 13000 Mitglieder und damals kamen auf einen Mann zwei Frauen. Seither hat sich das Geschlechter-Verhältnis angenähert. Ein Faktor mag sein, dass die Mitglieder zu uns zunehmend durch Internetsuch und etwas weniger durch Naturkostmagazine und psychologische Magazine kommen, die zu 80 % von Frauen gelesen werden. Du findest auch einen Artikel zu den Erfolgsraten von 2015, die damals bei einer mindestens durchgehaltenen Teilnahme von einem Jahr bei etwas über 36 % lagen. Mit wachsender Mitgliedschaft ist diese Quote dann minimal gesunken auf 34 % in unserer großen Auswertung von 2020. Demnächst werden wir eine neue Auswertung machen.
Allerdings ist es ein Irrtum, dass die Anzahl der Mitglieder oder das Geschlechterverhältnis etwas über die Erfolgschancen aussagt. Das können wir auch anhand unserer eigenen Entwicklung sehen. In den Anfangszeiten, als wir nur wenige Hundert Mitglieder hatten, kamen relativ gesehen genauso viele Partnerschaften zustande wie heute, womöglich sogar etwas mehr.
Partnerfindung ist ein Vorgang, bei dem eines Tages EINE Person in das Leben tritt und WECHSELSEITIG Resonanz entsteht. Das kann auch geschehen, wenn eine Partnerplattform gerade erst anfängt und erst zehn Mitglieder hat. Es braucht nur diese eine Person, die vorbeikommt und passt.
Je mehr Mitglieder eine Plattform hat, desto mehr Menschen kommen zwar potenziell vorbei, aber desto mehr Interferenz und Ablenkung entsteht auch. Wenn eine Plattform sehr wenige Mitglieder hat, sind die Chancen höher, dass eine bestehende Beziehungsmöglichkeit tatsächlich erkannt und wahrgenommen wird. Es handelt sich also um ein Dilemma, das wir auch in unseren eigenen Daten sehen. Unsere Vermittlung ist heute mit viel mehr Mitgliedern überhaupt nicht erfolgreicher als früher. Im Gegenteil: Die Vermittlungsraten sind sogar sehr leicht gesunken.
Andererseits wünschen sich Mitglieder unbedingt Vorschläge und kündigen sonst. Die Vorstellung, dass vielleicht erst in vier Monaten die passende Person kommt und daraus eine lebenslange Liebesbeziehung entstehen kann, liegt den meisten Menschen im heutigen Dating eher fern. Das sehen wir auch an den Zufriedenheitswerten. Diese lagen – siehe verlinkter Artikel – 2012 bei nur 58 %, was vor allem mit den damals im Vergleich zu heute sehr seltenen Vorschlägen zusammenhing, und dies trotz sogar besserer Vermittlungsraten. Heute liegt die Zufriedenheit in unseren Umfragen typischerweise bei etwa 70 %.
Wir müssen also mehr Mitglieder gewinnen, um die Zufriedenheit zu verbessern, was natürlich auch für unsere wirtschaftliche Basis wichtig ist. Die Vermittlungsraten verbessert dies jedoch überhaupt nicht, eher verschlechtern sie sich sogar leicht. Den negativen Auswirkungen einer wachsenden Teilnehmerzahl versuchen wir deshalb durch Informationen über Dating – auch in diesem Blog –, individuelle Beratung und weitere Maßnahmen entgegenzuwirken.
wobei helfen Dir Zahlen und Quoten, wenn Du eine Mailbenachrichtigung bekommst, dass Dir jemand geschrieben hat? oder im magischen Moment des ersten sich-sehens?
Lieber Guido,
spannende Analyse. Wieder mal. Das Thema geht aber m.E. tiefer als sonst.
Warum fragt Ihr den Bindungsstil nicht ab? Die sexuelle Orientierung wird abgefragt. Die Haarlänge. Aber ausgerechnet dieses zentrale Merkmal des Bindungsverhaltens wird nur analysiert, statt es aktiv in den Suchalgorithmus zu integrieren.
Jede/r könnte dann selbst entscheiden, ob sie/er bereit ist, auch auf die 63 Prozent der nicht sicher gebundenen Personen zuzugehen. In der Praxis sieht es so aus:
Vorschlag
Sichtung (ja/nein –> wahrscheinlich unsicher)
Anschreiben (ja/nein –> unsicher)
Verabredung
– „erst mal unverbindlich“ –> vermeidend
– „vielleicht“ –> ängstlich
– Ghosting –> ängstlich-vermeidend
Ich bin mir dessen bewusst, dass in dieser Kürze Stereotypen stecken. Es soll jedoch illustrativ auf die Konsequenzen verweisen, wenn das Bindungsverhalten nicht mit abgefragt wird. Zwischen Kontaktaufnahme, ersten Dates und schließlich Kontaktbeendigung liegen Wochen der Hoffnung, die sich vermeiden ließen, wenn sie/er schon gleich wüsste, auf welche Person sie/er sich einlässt.
Ein Gedanke zur Erweiterung von Gleichklang.
Viele Grüße,
S.
(Gleichklangmitglied)
Hallo, danke für Deine Anmerkung, die auch sehr stimmig ist. Trotzdem hat es einen Grund, warum der Bindungsstil nicht DIREKT erfragt wird. Werden ängstlich Gebundene mit ängstlichen oder mit sicher gebundenen Menschen glücklicher? Was denkst Du? Und wie steht das bei vermeidender Bindung, glücklicher mit ebenfalls Vermeidenden oder mit Sicheren?
Der Forschungsstand zeigt hier insgesamt erstaunlich wenig Befunde, wobei der Befund komplex ist: Sowohl mit ängstlichen als auch mit sicher gebundenen Menschen erreichen ängstlich Gebundene offenbar ein gleiches Beziehungsglück, und ähnlich ist es mit vermeidend Gebundenen. Insofern ist vermutlich nur der Kontrast ängstliche Bindung versus vermeidende Bindung ein Problem bei einer Paarkonstellation, und diesen erheben wir auf Verhaltensebene an mehreren Stellen. Beispielsweise bei der Frage, ob viel gemeinsam oder viel getrennt unternommen werden soll. Vermeidend Gebundene sagen da meistens getrennt, ängstlich Gebundene sagen da meistens zusammen. So werden sie nicht mehr durch den Algorithmus vorgeschlagen. Aber auch Aspekte, die wir erheben, sind korreliert, wie Beziehungsformen, Zusammenleben, Fernbeziehung etc.
Was aber, wenn ein nicht vermeidend Gebundener sagt, vieles getrennt? Dann ist es auch kein Problem, weil diese aus anderen Gründen gegebene Unabhängigkeitspräferenz mit der Präferenz der vermeidenden Person gut passt. Genauso ist es auch bei Fernbeziehungen etc.
Ich glaube also, dass wir die Essenz dessen, was durch den Forschungsstand gedeckt ist, bereits berücksichtigen. Damit zeigen sich aber auch Grenzen von Matchingsystemen. Wir wissen nicht, mit wem ängstlich oder vermeidend Gebundene am glücklichsten werden, und zudem könnte das ja auch innerhalb des Paares widersprüchlich sein. Deshalb glaube ich, dass für viele Aspekte das Matching gar nicht hilft, sondern Menschen sich reflektieren, verändern und aufeinander zubewegen können.
Deshalb ist ein großer Schwerpunkt bei uns auch Support, Beratung, dieser Blog und Videos. Matching kann Voraussetzungen verbessern und sehr ungünstige Konstellationen vermeiden, aber es kann keine Beziehung vorwegnehmen. Entscheidend bleibt, was zwei Menschen aus einer Begegnung machen, ob sie bereit sind, eigene Muster zu erkennen, aufeinander einzugehen und gemeinsam eine Form von Beziehung zu entwickeln, die für beide passt.
Lieber Guido,
vielen Dank für Deine Antwort.
Wie ich es verstehe, legst Du dar und hinterfragst, ob der Bindungsstil Einfluss auf das Beziehungsglück hat und ob beispielsweise ängstliche oder vermeidende mit sicher gebundenen Menschen glücklicher werden. Dann verweist Du darauf, dass der Forschungsstand hierzu bisher wenige Ergebnisse zeigt. Bei Gleichklang würden im Algorithmus korrelierte Variablen bei diesem Aspekt mitberücksichtigt.
Du fragst auch, was ich denke. Was ich denke und glaube, spielt bei der Beantwortung der Frage keine Rolle. Es ist lediglich meine Meinung. Ich stimme Dir zu, dass die objektive Grundlage – wissenschaftliche Studien und Veröffentlichungen – bisher sehr rar gesät sind. Von allen Untersuchungen zu Bindungsstilen fokussiert wohl weniger als jede siebente auf die Verbindung von zwei (oder mehr) Personen. Der Großteil hat das Individuum im Auge.
Zur Beantwortung Deiner Frage, ob verschiedene individuelle Bindungsstile Einfluss auf das Beziehungsglück haben, gibt es vorsichtige Indikatoren, dass dem so ist, z.B.
– Simpson, J. A. (1990). Influence of attachment styles on romantic relationships. Journal of Personality and Social Psychology, 59(5), 971–980, https://doi.org/10.1037/0022-3514.59.5.971
– Okonkwo, Kingsley (2024): The Role of Attachment Styles in Marital Stability: A Psychological Approach to Strengthening Relationships, American Journal of Psychology 6(4):35-50, DOI:10.47672/ajp.2474.
Okonkwos Ergebnis lautet etwa: „This study confirms that attachment styles are crucial determinants of marital stability. The research, grounded in John Bowlby’s attachment theory, demonstrates how early childhood bonds significantly influence adult romantic relationships.“
Eine systematische Suche nach Publikationen wäre natürlich notwendig.
Unter dieser Prämisse wäre es für alle Gleichglangmitglieder nur fair und transparent, diesen Aspekt mit abzufragen (und gleichwohl den Teilnehmenden freizustellen, es zu veröffentlichen). Jedes Mitglied bei Gleichklang kann diese Information dann individuell für sich nutzen. Das war der Hintergrund meines Kommentars.
Viele Grüße,
S.