Online-Dating: Was Gleichklang von anderen Dating-Plattformen unterscheidet
Warum Partnerfindung anders funktioniert, als es uns das moderne Online-Dating vermittelt
In meinem heutigen Artikel möchte ich noch einmal in möglichst gut verständlicher Form darlegen, auf welchen Grundprinzipien unsere Dating-Plattform beruht, was sie von allen uns bekannten Dating-Plattformen unterscheidet. Hieraus folgen gleichzeitig Antworten auf die Frage, was wir als Partnersuchende tatsächlich tun können, damit unsere Beziehungssuche zum Ziel gelangt.
Vieles, das meiste, vielleicht sogar alles, was ich in diesem Artikel schreibe, habe ich bereits mehrfach an anderer Stelle dargestellt. Aber ältere Artikel werden weniger gelesen als neue. Jeden Tag kommen neue Mitglieder von Gleichklang hinzu, sodass Wiederholungen notwendig sind. Außerdem ergibt sich die eigentliche Botschaft oft nicht nur aus den einzelnen Teilen, sondern aus ihrer Kombination.
Meine Hoffnung und Erwartung ist jedenfalls, dass eine Reihe von Leser:innen durch diesen Artikel besser versteht, was die psychologische Essenz von Beziehungssuche ist, wie sehr unsere heutige Dating-Welt, ebenso wie die gesamte Gesellschaft, auf dem Kopf steht und warum es gerade die entscheidende Differenz ist, die es uns bei Gleichklang ermöglicht, Beziehungsfindung zu fördern.
Der entscheidende Irrtum: Partnersuche als permanenter Auswahlprozess
Die Grundidee nahezu des gesamten modernen Online-Datings besteht darin, dass Partnersuche so etwas wie ein permanenter Auswahlprozess ist:
- Wir können uns möglichst viele, am besten eine unbegrenzte Anzahl an Profilen anschauen, miteinander in Kontakt treten und so eine Partnerschaft finden.
In Wirklichkeit ist die Partnerfindung von uns Menschen anders strukturiert:
- Wenn wir uns viele Profile anschauen, müssen wir notwendigerweise auf äußerst oberflächliche, primitive Entscheidungskriterien zurückgreifen. Je mehr Profile wir uns anschauen, desto schneller scrollen wir durch sie und desto mehr ist es am Ende allein das initiale Foto, das darüber entscheidet, ob ein Interesse besteht oder nicht.
Selbst die Art und Weise, wie wir Menschen als attraktiv erleben, beruht jedoch nicht ausschließlich auf einem sekundenschnellen ersten Eindruck:
- Unsere Attraktivitätswahrnehmung verändert sich, wenn wir Menschen kennenlernen. Wir mögen nicht nur diejenigen, die wir attraktiv finden, sondern wir beginnen auch, diejenigen attraktiv zu finden, die wir mögen.
Dieser langsamere, spätere Eindruck gründet sich nicht allein auf bestimmte Körpermerkmale oder Bildmerkmale, sondern entsteht aus der Gesamtheit der Person:
- Die rein körperliche Attraktivität sagt nichts darüber aus, ob Menschen in Beziehungen miteinander glücklich werden können oder werden.
Wenn insofern körperliche Attraktivität als Vorschalt-Selektionsmerkmal verwendet wird, bedeutet dies, dass wir ein Kriterium zugrunde legen, das in Wirklichkeit nicht die geringste Relevanz hat.
Wie Auswahl Ablehnung fördert und Bindungsbereitschaft schwächt
Leider endet das Ganze aber keineswegs bei der angeregten Oberflächlichkeit von Entscheidungsprozessen:
- Je mehr wir glauben, dass Partnersuche ein Auswahlprozess ist, desto kritischer werden wir mit unserem Blick. Denn je mehr Auswahl es gibt, desto strenger dürfen wir sein, und ohne dass wir es wirklich merken, sind wir es auch.
Gleichzeitig nährt die Auswahl die Hoffnung, dass noch bessere Profile vorbeikommen:
- Wenn morgen schon wieder x andere Profile da sind, warum sollte ich mich jetzt binden?
Entsprechend zeigen psychologische Studien – ich habe es vielfach ausgeführt –, dass mit wachsender Profilanzahl eine immer stärkere Ablehnungsmentalität entsteht. Gleichzeitig sinkt unsere Bindungsbereitschaft in dem Moment, wenn wir uns auch nur mögliche Alternativen vorstellen.
Das moderne Online-Dating ist damit ein System der Erzeugung permanenter illusionärer Hoffnung, die Bindung sabotiert:
- So lehnen wir immer mehr Menschen ab, auch die, mit denen wir womöglich lebenslang glücklich werden würden, lassen uns auf eine Beziehungsentstehung nicht mehr ein und geben den langsameren Prozessen des Kennenlernens und der Beziehungsentstehung keinen Raum.
Die hyperkapitalistische Objektifizierung
Das Modell des Online-Datings ist ein hyperkapitalistisches System, bei dem Menschen, ob wir es wollen oder nicht, allein durch die vorgegebenen Strukturen der Plattformen zu austauschbaren Optionen und Objekten werden.
Diese hyperkapitalistische Struktur ist das Gegenteil dessen, worauf romantische Liebesbeziehungen beruhen:
- Die Online-Plattformen leben davon, dass wir ständig dabei bleiben, so oft wie möglich zu ihnen gehen und, sollten wir sie verlassen, möglichst schnell wiederkehren.
Dies erreichen die Online-Dating-Plattformen durch das Einstreuen kurzfristiger Belohnungen, die zu Thrill und Spannung führen, aber von der eigentlichen Beziehungsfindung ablenken.
- Treten im Verlauf letztendlich durch die dauerhafte Erfolglosigkeit Langeweile und Leere ein, oder erkennen wir unsere eigene Dehumanisierung, entwickeln wir einen Burnout und bleiben den Dating-Plattformen dennoch typischerweise nicht lange fern, denn sobald wir sie verlassen haben, tritt Alternativlosigkeit ein: Wir sehen keinen anderen Weg mehr, um eine Beziehung zu finden. Die bereits durch die Dating-Strukturen induzierte innere Leere und Langeweile nimmt nun weiter zu, sodass viele am Ende keinen anderen Weg sehen, als den Teufel zum Beelzebub zu machen und die nunmehr noch verschärfte innere Leere und Langeweile durch erneutes Dating zu reduzieren.
So entsteht ein Teufelskreis, der manchmal selbst diejenigen nicht loslässt, die tatsächlich eine Beziehung finden:
- So zeigt eine Studie, dass ungefähr zwei von drei Nutzer:innen von Tinder in Wirklichkeit längst in einer partnerschaftlichen Beziehung sind. Durch dieses fortwährende Dating selbst derjenigen, die scheinbar gebunden sind, wird die Tragfähigkeit partnerschaftlicher Beziehungen untergraben.
Die Ideologie des modernen Online-Datings
Das moderne Dating verankert bei denjenigen, die sich an ihm beteiligen, eine Ideologie, die die Betreffenden selbst nicht durchschauen:
- Genährt wird die Vorstellung, dass Dating auf Unterhaltung beruhe, Spaß mache und die kurzfristigen Belohnungen, wie attraktive Matches, tatsächlich ein sinnvoller Weg zu einer Beziehung seien.
Gleichzeitig veröffentlichen die Dating-Plattformen keinerlei Daten dazu, wie ihre tatsächlichen Erfolgsraten sind:
- Selbst eine milliardenschwere Dating-Plattform wie Tinder hat (meines Wissens) keine einzige unabhängige Studie beauftragt, die anhand einer repräsentativen Stichprobe aufzeigen würde, wie viel Prozent derjenigen, die sie nutzen, über welchen Suchzeitraum eine partnerschaftliche Beziehung finden, die sich auch tatsächlich über die Jahre als tragfähig erweist.
Die Ideologie ist also ohne empirische Substanz und führt doch zu festen Überzeugungen:
- Folge ist, dass andere Dating-Strukturen, die denen des modernen Online-Datings nicht entsprechen, als von vornherein zwecklos, langweilig und sinnlos erlebt und insofern gar nicht erst genutzt oder sofort verlassen werden.
Denn wenn wir erwarten, dass eine Anmeldung innerhalb von Sekunden und Minuten abgeschlossen ist, sofort zahlreiche Profile zur Verfügung stehen und jederzeit auch neue Profile vorhanden sind, dann werden wir kaum bei einem System bleiben, wo genau dies nicht der Fall ist.
Nicht selten haben diejenigen, die sich in den modernen Dating-Strukturen verfangen haben, den Eindruck, etwas Sinnvolles für ihre Beziehungsfindung zu tun:
Sie meinen wohl, dass sich aus ihren ständigen Dating-Aktivitäten mehr oder weniger kumulativ tatsächlich eine Beziehung aufbauen werde. Genau dies ist jedoch oft nicht der Fall, sondern im Gegenteil sinken durch abnehmende Bindungsbereitschaft und steigende Ablehnungshaltung ihre Beziehungschancen.
Hinzu kommt, dass für eine Beziehung immer Wechselseitigkeit erforderlich ist:
- Selbst wenn ich in der Lage sein sollte, mich innerlich von den negativen Folgewirkungen des modernen Datings abzugrenzen, ist dies womöglich genau bei derjenigen Person nicht der Fall, auf die ich gerade meine Hoffnung setze.
Die ständige Interferenz durch neue Vorschläge, mehr Gleichzeitigkeit und die Erwartung, dass noch bessere Vorschläge folgen, gibt mir in Wirklichkeit keine Freiheit, sondern erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Person, auf die ich meine Hoffnung setze, nur rein illusionär zur Verfügung steht.
Wie Monetarisierung die negativen Dating-Prozesse verstärkt
Die Monetarisierungssysteme maximieren den Schaden:
- Wir alle gehen davon aus, dass wir dann, wenn wir etwas bezahlen, Leistungen erhalten. Tatsächlich entwickelt sich bei uns sogar schnell die Vorstellung, dass das, wofür wir bezahlen, gut ist. Gleichzeitig gibt es – dem gegenläufig – im Internet die Erwartung, zunächst einmal kostenlos zu beginnen.
Nahezu alle Dating-Plattformen greifen auf diesen Weg zurück, um ihre Dateien so schnell wie möglich anwachsen zu lassen. Ob die Betreffenden dann tatsächlich ernsthaft auf Beziehungssuche sind oder nicht, spielt für die Werbung mit großen Mitgliederdateien und die Möglichkeit, permanente Vorschläge zu offerieren, erst einmal keine Rolle.
Viel schlimmer wirken sich jedoch sodann die Monetarisierungsalgorithmen aus. Diese sind nämlich darauf ausgerichtet, all das in seinen negativen Folgewirkungen zu maximieren, was in diesem Artikel dargestellt wird:
- Menschen bezahlen dafür, mehr Vorschläge zu erhalten, häufiger anderen angezeigt zu werden, mehr Matches zu haben. Manchmal zahlen sie auch dafür, irgendwelche virtuellen Rosen zu versenden. Bei all diesen scheinbaren Leistungen, für die Menschen bezahlen, handelt es sich jedoch in Wirklichkeit um reine Gamifizierungselemente.
Online-Dating wird so zum Spiel:
- Mit dem spielerischen Charakter verschwindet die Ernsthaftigkeit, die jeder Beziehungsaufbau verlangt. Weil wir gleichzeitig nun für diese Belohnungen, für dieses Spiel auch noch bezahlen, gelangen wir umso mehr zu der Überzeugung, dass es auch sinnvoll ist. Schließlich wollen wir uns ungern eingestehen, dass wir ausgerechnet für solche Sachen Geld und Mittel aufwenden, die zwecklos sind.
Wie der Mainstream menschliche Vielfalt ausblendet
Dating-Plattformen leben davon, eine Masse anzuziehen, um über ihre Monetarisierung ihre Gewinne zu maximieren.
Um solch eine Masse anzuziehen, werden entsprechend auch durchschnittliche (eben auf die Masse ausgerichtete) Attraktions- und Kommunikationskriterien etabliert.
Während wir als Menschen zahlreiche Merkmale miteinander teilen, gibt es gleichzeitig eine differentielle Psychologie, die Unterschiede zwischen uns untersucht.
So sehr wir einander ähneln, so gibt es gleichzeitig überall individuelle Differenzen:
- Wenn wir es genauer betrachten, gehört jeder Mensch auch in dem einen oder anderen Merkmal zu einer scheinbar kleinen – viele denken sogar gleich irrelevanten – Minderheit. Genau diese Merkmale fallen bei den modernen Dating-Systemen jedoch weitgehend unter den Tisch.
Warum dies so ist und auch so sein muss, sei durch dieses Beispiel verdeutlicht:
- Eine kleine Anzahl an Menschen ist asexuell, sucht also, wenn sie eine partnerschaftliche Beziehung suchen, nach einer Beziehung ohne Sexualität. Damit wir nun dieser sehr kleinen Anzahl an asexuellen Menschen passende Partnervorschläge vermitteln können, müssten wir alle Personen fragen, ob sie asexuell sind beziehungsweise ob sie sich gegebenenfalls auch unabhängig von einer Asexualität eine Beziehung ohne Sexualität gerne vorstellen können.
- Stellt eine sich an die große Masse wendende Dating-Plattform jedoch zu viele Fragen, die sich auf solche Minderheitenmerkmale beziehen, sinkt unweigerlich das Interesse des Mainstreams, sich an der entsprechenden Plattform zu beteiligen. Es entsteht der Eindruck, dass die ganzen Merkmale ja für die eigene Person nicht zutreffen würden.
- Um jeden möglichen Abschreckungseffekt zu vermeiden, begnügen sich daher alle großen Dating-Plattformen damit, einen verschwindend geringen Ausschnitt menschlicher Lebens- und Beziehungsformen überhaupt nur zu berücksichtigen. Die Aussichten aller, die in dem einen oder dem anderen Merkmal von Relevanz mit diesem Mainstream nicht übereinstimmen, sinken dadurch ab.
Warum Spezialplattformen keine wirkliche Lösung bieten
Natürlich enthalten kapitalistische Maximierungsstrukturen auch scheinbar gleich die Lösung für dieses Problem:
- Es bilden sich eben Spezialplattformen, bei denen nicht der Mainstream, sondern ganz spezifische Merkmale im Vordergrund stehen. So gut, so scheinbar schön.
Ein Großteil dieser Plattformen führt dann jedoch seinerseits notwendigerweise zu einer komplett ineffektiven Vermittlung:
- Denn auch wenn die Betreffenden nun ein Merkmal, zum Beispiel eine Behinderung – Plattformen für Behinderungen – oder eine sexuelle Orientierung – Plattformen zum Beispiel für BDSM – oder ein hochspezifisches Hobby, zum Beispiel Plattformen für Liebhaber von Hip-Hop-Musik, miteinander teilen, sagt dies in aller Regel für sich allein genommen nahezu noch nichts darüber aus, ob die betroffenen Personen nun miteinander in eine Beziehung eintreten und diese auch glücklich und tragfähig gestalten können.
Spezialplattformen führen insofern zu einer Pseudodiversität, die in Wirklichkeit nicht der Inklusion, sondern der Exklusion dient und die Partnerfindung der Betreffenden auf einen nur noch minimalen Merkmalsausschnitt reduziert.
Effektive Vermittlung ist daher tatsächlich nur möglich, wenn Diversität in ihrer Vielfältigkeit von allen erhoben wird, sodass zentrale Aspekte überhaupt erst erkennbar sind, die einer Vermittlung zugrunde gelegt werden könnten.
Weder Mainstream- noch hochspezifische Einzelmerkmal-Plattformen können dem gerecht werden. Das moderne Online-Dating nimmt es letztendlich hin, dass zahlreiche Menschen durch die Nutzung seiner Strukturen kaum oder höchstens geringe Chancen auf eine Beziehungsfindung haben.
Beziehungsglück entscheidet sich nicht allein bei der Auswahl
Für eine glückliche Beziehung kommt es außerdem nicht allein auf eine gute Beziehungsentscheidung oder eine Anfangskompatibilität an. Vielmehr entscheidet es sich zu einem großen Teil im Verlauf einer Beziehung, ob die Beteiligten die Herausforderungen, ein gemeinsames, erfülltes Leben aufzubauen, meistern oder nicht.
Entscheidende Voraussetzungen hierfür liegen in unseren kommunikativen Fertigkeiten, der Bereitschaft zu authentischer und offener Kommunikation, der Orientierung an tiefergehenden Werten und Lebensprinzipien sowie auch der Bedeutsamkeit, die wir Beziehungen und dem Sinn zuweisen, dass wir an ihnen zu arbeiten.
Das auf Unterhaltung, Ablenkung und Gamifizierung ausgelegte Online-Dating unterstützt die Beteiligten hierbei jedoch genau nicht, sondern lässt eher die Versuchung entstehen, sich immer am einfachsten zu orientieren und, statt an Beziehungen zu arbeiten, erneut ins Dating einzusteigen.
Der Ratgebermarkt als Spiegel des modernen Datings
So ist ein ganzer Ratgebermarkt entstanden, der Menschen Tipps gibt, wie sie sich am besten präsentieren und darstellen können, wie sie das Interesse anderer auf sich ziehen können, wie sie mögliche Schwächen oder Problematiken unsichtbar machen. Auch dieser Ratgebermarkt spiegelt die Struktur des modernen Online-Datings wider und gibt Tipps, die die Beziehungsentfaltung und Aufrechterhaltung durch Förderung instrumentalisierender, strategischer und nicht-authentischer Handlungen weiter erschweren.
Partnerfindung als seltenes, singuläres und einzigartiges Ereignis
Die meisten suchen nach monogamen Beziehungen, manche suchen auch offene Beziehungen, Swingerbeziehungen oder polyamore Beziehungen:
- Allen gemeinsam ist jedoch, dass entweder nur eine oder eine eher geringe Anzahl an Personen gefunden werden muss, um zum Beziehungsglück zu gelangen.
Partnerfindung ist tatsächlich kein sich über die Zeit aufbauender inkrementeller Prozess, kein Prozess, der aus ständigen Chats oder neuen Profilen entsteht.
Partnerfindung ist vielmehr das seltene Ereignis, das typischerweise eines Tages eintritt, wenn die Offenheit dafür vorhanden ist, dass zwei Menschen wechselseitig in ihr Blickfeld treten, die in der Lage und bereit sind, sich vertieft kennenzulernen und eine partnerschaftliche Beziehung miteinander aufzubauen.
Wenn wir uns jedoch permanent durch Mehrgleisigkeit, neue Profile, Unterhaltung, Ablenkung, kurzzeitige Kicks und Thrill von eben diesem Ereignis ablenken, werden wir womöglich den Moment nicht wahrnehmen, wenn das Ereignis eintritt, oder in diesem Moment nicht bereit sein, uns auf ihn einzulassen.
Partnersuche als seltenes, singuläres und einzigartiges Ereignis steht dem entgegen, was uns das moderne Online-Dating als Essenz der Partnerfindung verkaufen möchte. Im Ergebnis werden oftmals keine Beziehungen gestiftet, sondern ständige Ablenkungsprozesse erzeugt.
Das Gegenmodell von Gleichklang
Nachdem ich nun aufgezeigt habe, wie nach meiner Überzeugung das moderne Online-Dating ebenso auf dem Kopf steht wie eine Welt, die ausgerechnet dann, wenn die Klimakatastrophe zunimmt, den Klimaschutz herunterfährt, oder die dann Grenzen schließt, wenn Kriege, Gewalt und Verfolgung explodieren, besteht nun eine gute Möglichkeit, darzustellen, welches Gegenmodell wir bei Gleichklang vertreten:
- Partnerfindung beruht nicht auf vielen Kontakten, Mehrgleisigkeit, ständig neuen Profilen, der Eliminierung von allen Wartezeiten, Unterhaltung, Lebendigkeit, Spaß und Spiel. Partnerfindung beruht vielmehr allein darauf, dass wir eines Tages einem Menschen begegnen, mit dem wir in eine Beziehung eintreten. Partnerfindung ist daher ein Ereignis.
- Es macht auch keinen Sinn, die Partnerfindung möglichst darauf auszurichten, ständig neue oder viele Vorschläge machen zu können. Sinnvoll ist es vielmehr, eine Struktur zu etablieren, die die Wahrscheinlichkeit dafür maximiert, dass irgendwann im Verlauf, heute, morgen, in sechs Monaten oder in zwei Jahren, diese Begegnung von zwei Menschen tatsächlich stattfindet.
- Damit diese Wahrscheinlichkeit erhöht wird, ist es wichtig, alle Ablenkung zu entfernen, sodass die Betreffenden den entscheidenden Moment erkennen und wahrnehmen können. Spielerische Elemente jeder Art und Form haben daher bei der Partnersuche nichts zu suchen.
Kompatibilität von Werthaltungen und Beziehungsmodellen
Damit Menschen eine tragfähige Beziehung miteinander aufbauen können, ist es notwendig, dass eine gewisse Grundkompatibilität bezüglich tiefer reichender Werte, zentraler Lebensziele oder Beziehungsmodelle vorliegt.
Die Vermittlung bei Gleichklang beruht daher nicht vorwiegend auf Bildern oder oberflächlichen Merkmalen wie Alter und geografischer Distanz, sondern auf der Passung grundlegender Prinzipien. Zahlreiche Studien zeigen, dass Beziehungen unabhängig von der initialen Distanz mit gleicher Wahrscheinlichkeit glücklich werden. Dies zeigen ebenso die Gleichklang-Auswertungen.
Vermittlung in Ganzheitlichkeit
Gleichklang ist keine Plattform, die ein einziges Merkmal, etwa die Akzeptanz des Vorliegens einer Erkrankung oder einer Behinderung, den Alleinerziehungsstatus oder eine spezifische sexuelle Orientierung, in den Vordergrund stellt.
Vielmehr erheben wir umfangreiche Informationen aus zahlreichen Bereichen. Indem wir diese umfangreichen Informationen von allen erfragen, eröffnen wir die Chance einer tatsächlichen psychologischen Kompatibilität.
Übrigens halten wir bei Gleichklang auch fortwährend Ausschau nach besonderen Merkmalen oder Gruppen, die es weiterhin bei der Beziehungsfindung, auch bei uns, schwerer haben als andere. Im Austausch mit unseren Mitgliedern identifizieren wir solche Gruppen und suchen nach Möglichkeiten, unsere Vermittlung so weit anzupassen, dass wir auch diesen Betreffenden eine wirksame Beziehungsfindung ermöglichen.
Aktuell erarbeiten wir beispielsweise ein Konzept, welches spezifisch die Partnerfindung und Freundschaftsfindung für Menschen, die Angehörige pflegen, erleichtern soll.
Pflegen Sie selbst jemanden? Wir sind Ihnen dankbar , wenn Sie sich an dieser Umfrage zu dem Thema kurz beteiligen könnten.
Warum Begrenzung und Wartezeiten die Beziehungsfindung fördern können
In einer Welt, in der Kurzweiligkeit, Geschwindigkeit, Unterhaltung, Spaß, Spiel und Sucht im Vordergrund stehen, ist die Anzahl von Menschen, die sich alternativen Plattformen wie Gleichklang anschließen, notwendigerweise begrenzt.
Genau dies ist für die Partnerfindung jedoch in diesem Fall sogar hilfreich, weil dadurch noch einmal in natürlicher Art und Weise die Vorschlagsanzahl begrenzt wird und die Mitglieder nicht den Eindruck gewinnen, dass morgen sowieso schon wieder XY andere Vorschläge vorhanden sind, sodass eine Bindungsentscheidung gar nicht gefällt werden muss.
Wer es lernt, auch Zeiten der Vorschlagsfreiheit zu überbrücken, kann sich auf einzelne Menschen tatsächlich einlassen und dadurch die Basis für eine Beziehungsfindung schaffen.
Ein Gegenmodell zur hyperkapitalistischen Objektifizierung
Da die Werte des modernen Online-Datings sich ausschließlich aus der Maximierung des Profits ergeben, gehören Gamifizierung und kurzfristige Belohnung zum dortigen Standardrepertoire. Indem Gleichklang auf all diese Elemente verzichtet, ergeben sich gleichzeitig Möglichkeiten, dem Gedanken der Austauschbarkeit von Menschen als Objekten und der Objektifizierung entgegenzuwirken. Gleichklang stellt insofern auch ein alternatives ethisches Modell dar.
Wir erheben Mitgliedschaftsgebühren, die auch notwendig sind, um Gleichklang weiter betreiben und weiterentwickeln zu können. Gleichzeitig führen diese Gebühren sogar dazu, dass die Ernsthaftigkeit der Motive im Vergleich zu Plattformen mit kostenlosen Angeboten ansteigt.
Andererseits stellen wir uns mit unserem Gebührensystem aber gleichzeitig einer reinen Monetarisierung zwischenmenschlicher Beziehungsbedürfnisse insofern entgegen, als bei Gleichklang niemand ausgeschlossen wird:
- Wir haben ein sozial gestaffeltes Gebührensystem, das bei finanzieller Not jedem eine Mitgliedschaft bei Gleichklang mit allen Optionen, wie sie alle anderen auch haben, möglich macht.
Monetarisierung ohne Gamifizierung und kurzfristige Belohnungsreize
Da wir eine komplette Entkoppelung der Monetarisierung von kurzfristigen Belohnungsreizen und damit auch von der Nutzungsintensität, der Anzahl versandter Nachrichten, der Anzahl angeschauter Vorschläge, der Anzahl eingestellter Bilder etc. umgesetzt haben und zudem als Dating-Gegenmodell zu den anderen Dating-Plattformen fungieren, können wir uns in unserer Tätigkeit ausschließlich darauf ausrichten, die Beziehungsfindung unserer Mitglieder zu fördern.
Hierzu dienen auch die vielfältigen psychologischen Informationen, zum Beispiel in diesen Blogartikeln oder auch in unseren Videos sowie im Kontext des Mitglieder-Supports. Denn weit entfernt von einer allein wegweisenden Bahnungsfunktion der initialen Auswahl sind es vor allem spätere Prozesse der Kommunikation, der Bindungsbereitschaft und der Bindungsfähigkeit, die maßgeblich über den Erfolg von Menschen bei ihrer Partnersuche entscheiden.
Wir bemühen uns, genau diese Prozesse durch die von uns zur Verfügung gestellten Informationen bei unseren Mitgliedern anzuregen.
Eine unserer weiteren Hauptleistungen ist dabei übrigens, über unser System der Beziehungsfindung so gut sichtbar und verständlich wie möglich zu informieren:
- Tun wir dies nämlich nicht, kommen Mitglieder mit falschen Erwartungen und können daher Gleichklang nicht effektiv nutzen oder verlassen uns verfrüht.
Ein besonders prägnantes Beispiel erreichte mich kürzlich, als ein neues Mitglied schrieb, dass sie innerhalb einer Woche nur zwei Zuschriften von Männern erhalten habe und dies ja auf keinen Fall mit der Jahresgebühr vereinbar sei. Entsprechend forderte das Mitglied eine Beendigung der Teilnahme und Rückzahlung der Gebühren ein.
Die Zuschrift ist inhaltlich offensichtlich absurd. Gleichzeitig ist sie psychologisch jedoch komplett verständlich:
- Das Mitglied ist offensichtlich mit völlig falschen Erwartungen zu uns gekommen, die sie vermutlich von den Dating-Apps übernommen hat. Und kommen wir mit solchen Erwartungen, sind wir selbstverständlich empört, wenn innerhalb einer Woche „nur“ zwei Männer uns anschreiben, und glauben, dies sei kein angemessener Wert für die Gebühren.
Tatsächlich haben unsere Auswertungen immer wieder ergeben, dass ungefähr 25 Prozent aller Mitglieder, die bei Gleichklang eine Partnerschaft fanden, keine einzige andere Person trafen als die Person des Partners, bei einer durchschnittlichen Suchdauer von zwei Jahren.
Eher wenige Mitglieder, die eine Beziehung fanden, hatten Begegnungen mit mehr als fünf verschiedenen Menschen.
- Die Leistung von Gleichklang besteht eben nicht in einer hohen Frequenz von Kontakten, sondern allein in der Bereitstellung einer Struktur, die die Wahrscheinlichkeit maximiert, dass eines Tages das seltene und einzigartige Ereignis der Beziehungsfindung eintreten wird.
Gleichklang als stille Option
Gleichklang ist so im wahrsten Sinne des Wortes für viele seiner Mitglieder eine stille Option, von der diese erst einmal wenig merken:
- Sobald wir aber mithilfe unseres psychologisch ausgerichteten Algorithmus feststellen, dass eine mögliche Passung mit einem anderen Menschen vorhanden ist, werden wir im Sinne der Offerierung eines Vorschlages aktiv. Nun können die betreffenden Mitglieder die Chance ergreifen, von sich aus in Kontakt zu treten, relativ bald zu anderen Medien überzugehen und relativ bald zu einer tatsächlichen Begegnung überzugehen.
Wir empfehlen, von jeder Mehrgleisigkeit Abstand zu halten und sich stattdessen an das von uns vorgeschlagene siebenschrittige Schema für eine erfolgreiche Partnersuche zu halten.
Gleichklang ist so kein Raum für Unterhaltung, Spaß und Abwechslung. Diejenigen, die mehr erwarten als eine stille Option, werden sogar oftmals Langeweile oder gar Ärger erleben. Diejenigen, die das Grundprinzip jedoch bejahen, werden dafür mit hohen Chancen für eine tatsächliche Beziehungsfindung vergolten.
Bei einem System wie Gleichklang, bei dem wir für die Verfügbarkeit der Plattform sorgen, unsere Mitglieder informieren und Gleichklang auch als Alternative in der Außendarstellung bekannt machen, ist es typischerweise nur eine Frage der Zeit, bis die entscheidende Begegnung stattfinden wird, aus der eine Beziehung erwächst.
Unsere Auswertungen zeigen, dass dies bei manchen sehr schnell geht, beispielsweise sogar innerhalb von wenigen Tagen, während es bei anderen viele Jahre dauert. Da Gleichklang jedoch nichts als eine stille Option ist, schadet es auch nicht, länger dabei zu sein, sondern gibt uns im Gegenteil die Möglichkeit, unseren Fokus auf die Beziehungsfindung zu richten und dabei gleichzeitig bereits jetzt, auch wenn wir noch Single sind, ein sinnerfülltes Leben aufzubauen, welches wir sodann in eine hoffentlich entstehende Beziehung einbringen können.
Die eigentliche Leistung von Gleichklang
Die Hauptleistung, die wir insofern bei Gleichklang für unsere Mitglieder erbringen, besteht darin, dass wir das moderne Online-Dating vom Kopf auf die Füße stellen und etwas anbieten, was ansonsten unseres Wissens im Dating-Bereich nirgendwo sonst verfügbar ist. Auf diesem Weg zur Beziehungsfindung begleiten wir Sie gerne:
▶ Zur Beziehungsfindung bei Gleichklang
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5 Kommentare
„Warum Spezialplattformen keine wirkliche Lösung bieten“
Ein ausführlicher Artikel hierzu würde mich sehr interessieren.
Ich danke euch. Ich bin auf dem Weg.
Die Parameter, die Gleichklang zur Partnerfindung festlegt und sich danach richtet (hoffentlich), finde ich positiv und kann ich Guten Gewissens, unterstützen.
Ein Punkt in dem Artikel überzeugt mich nicht: Die Aussage, dass Partnerfindung letztlich nur „die eine richtige Person“ brauche, ist kein Argument speziell für Gleichklang. Genau dasselbe könnte auch Tinder sagen. Auch dort braucht niemand 100 Matches oder 20 Dates, sondern am Ende nur eine Person, mit der eine Beziehung entsteht.
Der entscheidende Maßstab müsste deshalb doch sein, wie gut eine Plattform aus ihren Vorschlägen tatsächlich wechselseitige Kennenlernchancen erzeugt. Wenige Vorschläge sind nicht automatisch qualitativ hochwertige Vorschläge, genauso wie viele Vorschläge nicht automatisch oberflächlich sein müssen.
Bei mir persönlich sieht die Bilanz nach inzwischen rund 70 Vorschlägen so aus: Ich habe 10 Personen angeschrieben, weil nur diese für mich grundsätzlich interessant genug waren. Auf keine dieser 10 Nachrichten kam eine Antwort. Gleichzeitig hatte ich auf Tinder, Bumble und Hinge jeweils mehr tatsächliche Chats als bisher bei Gleichklang.
Natürlich beweist meine persönliche Erfahrung nicht, dass Gleichklang generell schlechter funktioniert. Aber sie zeigt für mich sehr deutlich das Problem an der Argumentation: Wenn wenige Vorschläge als bewusster Vorteil verkauft werden, müsste sich diese Knappheit irgendwann durch eine höhere Qualität oder zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit wechselseitigen Kontakts bemerkbar machen. Andernfalls ist „wenige Vorschläge“ zunächst einmal nur genau das: wenige Vorschläge.
Besonders schwierig finde ich deshalb die Formulierung, Wartezeiten und Vorschlagsfreiheit könnten die Partnerfindung fördern. Wenn gerade überhaupt kein gegenseitiger Kontakt entsteht, gibt es auch keine entstehende Bindung, die durch weitere Profile gestört werden könnte. Dann ist die Wartezeit schlicht Wartezeit.
Ich halte die Kritik an Gamification, endlosem Swipen und permanenter Austauschbarkeit durchaus für berechtigt. Aber daraus folgt meines Erachtens nicht automatisch, dass ein System mit sehr wenigen Vorschlägen die Wahrscheinlichkeit einer Beziehung maximiert. Genau dieser Zusammenhang müsste eigentlich empirisch gezeigt werden.
Danke für deine Anmerkung, auf die ich gerne noch genauer eingehen möchte. Aber leider kenne ich deinen Account nicht. Denn wenn eine Antwortrate von null vorliegt, ist das schon ungewöhnlich, und da würde ich mir, aber nur mit deiner Erlaubnis, einmal gerne anschauen: Profiltext, Angaben und auch die von dir geschriebenen Erstnachrichten.
Zwar sind 10 nicht so viel, dass es unbedingt schon statistisch wirklich auffällig ist (durchschnittliche Antwortrate über 60 %), aber schauen würde ich gerne einmal. Vielleicht fällt mir etwas auf. Du kannst mir gerne auch deinen Alias-Namen schreiben: gebauer@gleichklang.de. Dann kann ich dir hier genauer antworten.
70 Vorschläge würde ich nicht als sehr gering bezeichnen. Sehr gering sind eher besondere Gruppen, die manchmal nur eine Handvoll Vorschläge im Jahr erhalten. Wir haben ausgewertet, wie deren Vermittlungschancen sind, und sie sind durchschnittlich bis überdurchschnittlich. Dazu findest du einiges in diesem Artikel.
Selbstverständlich gilt das Prinzip der Partnerfindung für alle Kontexte und auch für alle Plattformen. Das ist nicht Gleichklang-spezifisch. Mein Argument ist, dass bei vielen Vorschlägen aber der Moment der Partnerfindung nicht erkannt wird oder eben gar nicht mehr entstehen kann, weil längst andere Motive durch die Gamifizierung entstanden sind. Diesem Motivwechsel versuchen wir bei Gleichklang entgegenzuwirken.
Natürlich hast du mit dem Empirischen recht:
Eine echte Studie zu Vermittlungschancen, die nicht nur schätzt, bräuchte sehr hohe finanzielle Mittel, die wir nicht haben, die Dating-Apps schon. Es könnte ein unabhängiges Institut beauftragt werden, eine repräsentative Stichprobe über einige Jahre zu beobachten, um herauszufinden, wie oft Beziehungen entstehen, unter welchen Voraussetzungen sie entstehen und wie die Beziehungen sich entwickeln. Das würde uns allen enorm weiterhelfen und echte Wissenslücken schließen.
Leider haben sich milliardenschwere Dating-Konzerne für solch eine Studie nicht durchringen können, und ich fürchte, sie wissen, warum. So können wir nur quasi im Dunkeln stochern und Teileinsichten gewinnen, ohne eine letzte, zwar mögliche, aber praktisch finanziell nicht umsetzbare Sicherheit zu gewinnen.