Vorbemerkungen
Heute schreibe ich über die Bedeutsamkeit der Übereinstimmung in politischen Überzeugungen. Dazu greife ich auf eine aktuelle Studie zurück, die die Zusammenhänge im Längsschnitt beobachtete und auswertete.
Die Ergebnisse korrespondieren letztlich sehr gut mit einer Befragung, die wir bei Gleichklang durchführten und die ebenfalls noch einmal kurz vorgestellt wird.
Im Anschluss leite ich zu einem anderen Thema über, das Sie auf keinen Fall auslassen sollten, wenn wir uns mit Beziehungsfragen beschäftigen. Tatsächlich ist keineswegs alles Matching, also Vermittlung nach Passung. Vielmehr gibt es auch gewisse Grundeinstellungen und Werte, die an sich liebesbeeinflussend sind.
Hierzu gehört der Materialismus, der nach ebenfalls neuesten Studien unrealistische und irrelevante Idealvorstellungen erzeugt, die wiederum auf Partner:innen übertragen werden. Ergebnis ist Konflikt und Unzufriedenheit.
Gleichzeitig können wir einiges für gute Matches und ebenso einiges gegen oberflächlich-schädliche Wertorientierungen tun.
Im Artikel werden die wesentlichen Grundkonzepte, Befunde und Empfehlungen vorgestellt.
Politische Übereinstimmung und Trennungswahrscheinlichkeit
Bruno Arpino und Alessandro Di Nallo veröffentlichten kürzlich im Fachjournal Demography einen Artikel zu den Auswirkungen von politischer Übereinstimmung versus Gegensätzlichkeit bei Paaren auf die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Paare im weiteren Verlauf trennen. In einer Längsschnitt-Beobachtungsstudie über den Zeitraum 1991–2019 ermittelten die Autor:innen die jährlichen Trennungsraten und verglichen diese zwischen Paaren mit übereinstimmenden politischen Auffassungen und Paaren mit gegensätzlichen politischen Auffassungen. Die Autor:innen operationalisierten dabei politische Übereinstimmung versus Gegensätzlichkeit anhand zweier zentraler Maße:
- Unterstützung für eine Partei (z. B. Tories, Labour, Liberaldemokraten, Grüne)
- Unterstützung oder Ablehnung des Austritts von Großbritannien aus der Europäischen Union (Brexit).
- Ebenfalls berücksichtigt wurden Konstellationen, in denen eine Person eine dezidierte Meinung vertritt (z. B. Parteienunterstützung), die andere Person aber keine pointierte Meinung hat.
An der Studie beteiligten sich 28.173 Paare (Partei-Analyse) bzw. 14.857 Paare (Brexit-Analyse). Die Beobachtungsdauer betrug bis zu 29 Jahre, unterschied sich aber zwischen den Paaren stark. Erfasst wurden zu Beginn der Befragungen die Parteipräferenzen sowie die Zustimmung oder Ablehnung zum Brexit.
Beide Partner wurden jeweils unabhängig voneinander befragt, sodass die tatsächliche Übereinstimmung oder Widersprüchlichkeit erhoben und nicht nur subjektiv eingeschätzt wurde. In regelmäßigen Abständen wurde erfasst, ob die Paare noch zusammenlebten oder sich bereits getrennt hatten.
Die Autor:innen machten nun folgende Beobachtungen:
- Parteipräferenz: Paare, in denen beide Partner die gleiche Partei unterstützten, hatten eine jährliche Trennungsrate von 0,71 %, während Paare mit unterschiedlicher Parteienunterstützung eine Rate von 0,97 % aufwiesen. Dies entspricht einem um 39 % höheren Trennungsrisiko bei parteipolitisch gegensätzlichen Paaren. Wenn eine Person eine Partei unterstützte, die andere aber keine Parteipräferenz äußerte, lag die jährliche Trennungsrate bei 1,08 %, also höher als bei parteiübereinstimmenden Paaren (0,71 %).
- Brexit: Paare, in denen beide Partner die gleiche Position vertraten (Remain oder Leave), hatten sehr niedrige jährliche Trennungsraten (0,87 % bei Remain–Remain, 0,94 % bei Leave–Leave). Paare, in denen ein Partner Remain und der andere Leave befürwortete, wiesen dagegen eine Trennungsrate von 1,78 % auf, was einem 2,3-fach höheren Risiko im Vergleich zu einheitlich positionierten Paaren entspricht. Wenn nur ein Partner eine dezidierte Meinung zum Brexit vertrat, der andere jedoch keine klare Meinung hatte, lag die Trennungsrate ebenfalls erhöht bei 1,61–1,79 %.
Die Autor:innen schlussfolgerten, dass politische Gegensätzlichkeit die Stabilität von Partnerschaften beeinträchtigt. Besonders stark zeigte sich dieser Effekt bei unterschiedlichen Positionen zum Brexit, die sogar noch ausgeprägter mit Trennungen assoziiert waren als Unterschiede in der Parteienpräferenz.
Politische Übereinstimmung trägt demnach deutlich zur Partnerschaftsstabilität bei, während Gegensätzlichkeit die Trennungswahrscheinlichkeit erhöht – unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Bildung, Religion oder sozioökonomischem Status, die in der Studie kontrolliert wurden.
Indifferenz versus Gegensätzlichkeit
Ich möchte einen Befund herausgreifen, der mir besonders interessant und auch weiterführend erscheint:
- Die Konstellation mit einer starken Präferenz bei einer Person in einer Beziehung (z. B. eine Partei, Meinung zum Brexit) und einer Indifferenz (keine pointierte Auffassung der anderen Person) schnitt nicht besser, tendenziell sogar schlechter ab als Gegensätzlichkeit. Wenn wir uns emotional und geistig stark positionieren, benötigen wir demnach Partner:innen, die dies ebenso tun. Indifferenz ist nicht besser, womöglich sogar schlechter als Gegensätzlichkeit.
Wie kann das psychologisch erklärt werden?
- Wenn ich desinteressiert bin, teile ich mit Partner:innen nicht einmal die Sachlage des Interesses an sich und die dadurch stattfindende emotionale, geistige Aktivierung. Bei Gegensätzlichkeit ist dieses Interesse geteilt, auch wenn sich dann bei Aktivierung insgesamt im Vergleich zur Übereinstimmung negative Auswirkungen ergeben.
Empirische Befunde aus der Gleichklang-Umfrage
Übrigens hatten wir auch bei Gleichklang eine Umfrage zur Bedeutsamkeit von politischer Gemeinsamkeit qualitativ und quantitativ über längere Zeit durchgeführt – die Ergebnisse im Detail können alle hier im Originalartikel nachgelesen werden:
Wir baten 971 partnersuchende Singles (500 Frauen, 462 Männer, 9 nicht-binär, Alter 18–82 Jahre) anzugeben, inwiefern sie eine Übereinstimmung in politischen Meinungen für wichtig halten für eine künftige Beziehung. Zudem wurden alle Teilnehmenden gebeten, ihre Ansicht zu begründen. Die freien Texte wurden qualitativ ausgewertet.
- 84 % hielten politische Übereinstimmung für wichtig. Hauptgründe hierfür waren die Wahrnehmung politischer Einstellungen als Ausdruck von Grundwerten, die Erleichterung eines konsistenten gemeinsamen Lebensstils, die Möglichkeit gemeinsamen politischen Engagements sowie die Vermeidung von Konflikten und die Förderung von Harmonie.
- Eine weitere Gruppe von Befragten betonte, dass politische Übereinstimmung aber nicht perfekt sein muss. Hier wurde angegeben, dass das Ausmaß der Übereinstimmung oder Gegensätzlichkeit entscheidend sei, also ob die Differenzen geringfügig oder gravierend sind.
- Ein kleinerer Anteil der Befragten (16 Personen) gab zudem spontan Gründe gegen die Notwendigkeit politischer Übereinstimmung an. Die hier genannten Kategorien waren vorwiegend die Betonung von Individualität, die Offenheit für unterschiedliche Sichtweisen sowie die Trennung von Beziehung und Politik.
- Im Anschluss haben wir auch eine quantitative Befragung durchgeführt, bei der sich die hohe Bedeutungszuschreibung von Übereinstimmung in politischen und gesellschaftlichen Grundansichten noch einmal bestätigte. Mehr als 90 % gaben an, dass ihnen eine solche Übereinstimmung wichtig sei.
Auch wenn manche Personen also von einer Übereinstimmung in politischen Grundeinstellungen absehen können, sind diese doch typischerweise für ein Beziehungsglück wichtig.
Materialistische Werte und ihre negativen Auswirkungen
Manchmal aber geht es nicht nur um Übereinstimmung oder Gegensätzlichkeit, sondern es geht auch um die Lebenseinstellungen an sich, die wir vertreten:
- Manche Ansichten machen uns in Beziehungen eher glücklich, andere eher unglücklich.
Ein bekanntes Thema ist hier der Materialismus, also das Streben nach Besitz und Status. Dieses Streben unterscheidet sich stark zwischen Menschen, wobei die Extreme von absolutem Minimalismus und Loslassen bis zu kompletter Besitz- und Statusfixierung reichen. Die meisten sind in der Mitte.
In einer umfassenden Metaanalyse gelangten Dittmar und Kolleg:innen zu einer sehr ungünstigen Schlussfolgerung bezüglich materialistischer Einstellungen, die sich demnach generalisiert negativ auf unser Wohlbefinden auswirken – Zitat dazu aus einem vorherigen Artikel in diesem Blog:
Die Autoren finden Belege für einen alle Kulturen, Geschlechter, Altersstufen und ökonomische Systeme umfassenden negativen Effekt materialistischer Bestrebungen auf das individuelle Wohlbefinden. Diese negativen Auswirkungen materialistischer Strebungen werden nach den Befunden der Autoren dabei offenbar auch dadurch bedingt, dass materialistische Strebungen die Befriedigung der Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und zwischenmenschlicher Verbundenheit behindern und – so die Autoren – die „Fähigkeit des Menschen beeinträchtigen, auf eine Weise zu leben, die sie glücklich und gesund macht“.
Der Forschungsansatz von Olaya Moldes
Jetzt gibt es eine ganz neue und sehr instruktive Studie dazu, warum wir bei materialistischen Einstellungen in unseren Beziehungen unzufriedener werden:
- Olaya Moldes veröffentlichte 2025 im British Journal of Social Psychology den Artikel Unpacking the effects of materialism on interpersonal relationships: A cognitive approach.
Die Arbeit untersuchte, warum Materialismus Beziehungen belastet.
Die Hypothese der Autorin war, dass der eigentliche Mechanismus in den Erwartungen liegt. Materialistische Menschen entwickeln demnach ein überhöhtes Idealbild von nahen Bezugspersonen, insbesondere in den Bereichen Leistung und Attraktivität. Diese unrealistischen Ideale führen dazu, dass die reale Person ständig mit einem überzogenen Maßstab verglichen wird, was zu Konflikten und sinkender Zufriedenheit beiträgt.
Die Hypothese konnte in zwei Studien bestätigt werden:
- In einer ersten reinen Befragung-Untersuchung mit 394 Personen zeigte sich, dass Materialismus tatsächlich mit häufigeren Konflikten und größeren Idealvorstellungen an Partner:innen verbunden war. Die statistischen Analysen ergaben zusätzlich, dass diese erhöhten Erwartungen den Zusammenhang zwischen Materialismus und Konflikten teilweise erklärten. Ein Teil des Konfliktpotenzials entstand also wirklich dadurch, dass Materialisten ihre Bezugspersonen stärker an überhöhten Idealen messen.
- In einem Experiment mit 476 Personen, die sich alle in einer Partnerschaft befanden, wurde sodann Materialismus experimentell angeregt oder abgeschwächt. In der materialistischen Bedingung sollten die Teilnehmenden Konsumaussagen zustimmen, bekamen ein verstärkendes Feedback und sollten sodann Begründungen schreiben, warum Luxus wichtig ist. In der Kontrollbedingung wurden die Teilnehmenden zur Ablehnung von Luxus animiert, erhielten auch hierfür wiederum ein verstärkendes Feedback und sollten sodann Begründungen schreiben, warum sie Luxus ablehnen. Anschließend wurden die Teilnehmenden zu ihren Idealvorstellungen von Partner:innen sowie ihrer Beziehungszufriedenheit und der aktuell subjektiv wahrgenommenen Konfliktlage befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass Materialismus die Ideale für Leistung und Attraktivität deutlich erhöhte. Diese überzogenen Erwartungen sagten dann mehr aktuell wahrgenommene Konflikte und geringere Beziehungszufriedenheit vorher.
Materialismus entfaltet seine zerstörerische Kraft auf Beziehungen, indem er die Ansprüche an Partner:innen in unrealistische Höhen treibt.
Was können wir tun für ein hohes Beziehungsglück?
Aus diesen Studien und Betrachtungen ergeben sich meiner Ansicht nach zwei Dinge, die wir,tun können:
Echte Kompatibilität erleichtert das Beziehungsglück
Bei der Partnersuche ergibt es Sinn, auf eine Passung der grundlegenden Werte und Überzeugungen zu achten. Denn sonst ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass eines Tages nicht mehr lösbare Konflikte auftreten, die Zufriedenheit sinkt und die Trennungswahrscheinlichkeit steigt. Es muss nicht überall Übereinstimmung herrschen, aber die wichtigsten Werte sollten geteilt werden.
Genau hier treten wir als Gleichklang auch in Erscheinung und stellen für Sie sicher, dass diese Grundvoraussetzungen für eine tragfähige und sich weiterentwickelnde Beziehung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit erfüllt werden können.
Dies tun wir wiederum auf zweierlei Weise:
- Wir fokussieren gezielt auf Menschen mit hohem ökologischem und sozialem Bewusstsein, die für eine andere, eine bessere Welt eintreten als die, die wir aktuell haben. Vertiefend können Sie dies in diesem vorherigen Artikel in unserem Blog nachlesen.
- Wir stellen durch unseren Matching-Algorithmus sicher, dass ein hohes Ausmaß an Übereinstimmung in den wirklich zentralen Überzeugungen und Lebensmodellen vorliegt. So starten Sie als Gleichklang-Paar besonders günstig in Ihre Beziehungs-Zukunft.
Liebeskompatible Werte entwickeln
Nicht alles ist Matching. Hängen Sie stark an materialistischen Werten von Status und Wohlstand, liegen bei Ihnen Defizite vor, die sich ungünstig auch auf Ihre künftige Beziehung auswirken können.
Glücklicherweise braucht dies nicht für alle Zeit der Fall zu sein. Wir können uns von materialistischen Werten und Oberflächlichkeit innerlich lösen, unseren Fokus auf das legen, was wirklich wichtig ist, Mitmenschlichkeit und ökologische Bezüge kultivieren. Wir können lernen, uns über die Natur zu erfreuen, anstatt unseren Selbstwert durch Luxusgegenstände oder Aufenthalte an schicken Orten nur scheinbar zu stärken.
Für das Beziehungsglück ist es also wichtig, einen kompatiblen Menschen für ein gemeinsames Lebensprojekt zu finden. Ebenso wichtig ist es aber, liebeskompatible Grundeinstellungen und Werte aufzubauen. Mehr hierzu erfahren Sie unter anderem in meinem Video „Glück oder Sinn? Das sagt die Psychologie“.
Was Gleichklang tut
Unsere Aufgabe bei Gleichklang ist es, unsere Mitglieder in beiden Bereichen voranzubringen – Partnerwahl durch Matching und Aufbau liebesförderlicher Werte und Überzeugungen.
Denn die beste Partnerwahl kann ungünstige Grundeinstellungen nicht immer kompensieren und gleichzeitig können die günstigsten Grundeinstellungen für eine Beziehung auf taube Ohren stoßen, wenn die Person einfach nicht passt.
Gerne möchten wir diesen Weg zum Beziehungsglück gemeinsam mit Ihnen gehen:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
Weitere Links:
Informationen zum Coaching:
Einzeltermine für ein Coaching können Sie jederzeit über meine Website vereinbaren. Wie überall gilt auch für das Coaching unser Grundsatz, dass bei Gleichklang niemand an finanziellen Engpässen scheitern soll. Das Coaching-Honorar kann daher ohne Probleme auch in niedrigen Monatsraten beglichen werden.


13 Kommentare
Wirkt es sich nicht auch auf die Studienergebnisse und gleichen oder gegensätzlichen politischen Positionen aus, ob die Untersuchung im Kontext einer besonders polarisierten gesellschaftlichen Debatte durchgeführt wird? Die Brexit-Diskussion war hochemotional. In einer Situati8n, in der es eine stärkere Gleichberteilung von Positionen auf dem politischen Spektrum gibt und Koalitions- und Kompromissoptionen in der Politik verfügbar sind, würden sich politische Gegensätze in Beziehungen vielleicht anders auf die Trennungsrate auswirken.
Das ist eine gute Überlegung, die Daten sprechen aber insgesamt nicht dafür, weil die Untersuchung ja einen langen Zeitraum beinhaltete (sie begann schon vor der Brexit-Diskussion und bezog sich damals nur auf Parteien). Auch bei der Parteiwahl zeigte sich über Jahrzehnte letztlich der gleiche Zusammenhang. Es gibt außerdem noch weitere Befunde aus anderen Ländern, dass sich politische Gegensätze eher schädlich auswirken. Ich denke, dies ist vor allem dann der Fall, wenn politische Gegensätze tatsächlich unterschiedliche ethische Grundwerte markieren. Es ist gut möglich, dass ein polarisiertes Klima diese Auswirkungen noch einmal verstärkt, aber sie sind wohl auch allgemein vorhanden.
Guten Morgen, liebes Team!
Ich finde es erfreulich, dass Ihr Euch über das weltanschauliche Matching in Beziehungsangelegenheiten ein wenig Gedanken macht.
Für mich ist die dahingehende Bedeutung sehr zutreffend, denn sie korrespondiert mit meiner eigenen, wirklich unglaublichen Entwicklung innhalb der letzten ca. 30 Jahre. Das Problem in partnerschaftlichen Angelegenheiten, an meinem heutigen persönlichen Ausgangspunkt angelangt, wird für mich dadurch nicht unbedingt leichter, wahrscheinlich sogar schwieriger, da ich nicht massenkompatibel bin. Sich meine Sicht nicht mit der vorherrschenden deckt, da sie uns alle in multikausaler Hinsicht existenziell gefährdet.
Wenn ich an die Fragen anderer Plattformen denke, die zur Erstellung eines Persönlichkeitsprofils herangezogen werden, läuft mir der blanke Schauer über den Rücken. Oberflächlicher könnte es kaum sein. Und es ist ja gerade diese von Schmerlosigkeit getragene Oberflächlichkeit, die sich in der Zwischenzeit der Mehrheit der Gesellschaft bemächtigt hat. Das wiederum ist der Grund für die eingetretene radikale Entpolitisierung – also jene Variante einer Indifferenz, die ihr in der von Euch erwähnten Studie selbst angesprochen habt – die längst abgeschlossen ist und in einer „Demokratie“ keinesfalls eintreten dürfte. Das wollte man nicht! Konsument :innen – nicht Bürger und Bürgerinnen – regiert man ohne gesellschaftliche(s) Bindung und Bewusstsein um vieles leichter. Daher ist die Entdemokratisierung sowie die aktuelle Empfänglichkeit für einen verheerenden Konservatismus – ein „weiter wie bisher“, aber noch schlimmer – logisch-konsekutiv.
Demokratie ist eine geteilte Sorgeverantwortung und Sicherstellung, dass jeder Bürger und jede Bürgerin an dieser Sorgeverantwortung teilhaben kann. Dieses Grundrecht wurde uns allen durch die Förderung von Privatkonzernen entzogen. Commons bleiben auf der Strecke.
Ich denke, dass ihr den gesellschaftlichen Tendenzen gerade Rechnung trägt und in den Andersdenkenden berechtigterweise eine Chance seht. Dabei könntet Ihr durchaus richtig liegen, andererseits in der Kontrastierung doch noch etwas deutlicher auftreten und damit an Reichweite gewinnen.
Liebe Grüße!
Ich erlebe es auch so, wie Du es in diesem Kommentar beschreibst. Und ich sehe ebenfalls unsere Chance hier im Kontrast, wobei wir auch schon versuchen, die Unterschiede deutlich zu machen. Ich glaube, dass es trotz der bestehenden gesellschaftlichen Entwicklungen immer Menschen geben wird, die sich eine andere Entwicklung wünschen und dies auch in ihren Beziehungen zum Ausdruck bringen werden. Dies wiederum kann eines Tages ebenso dazu beitragen, dass eine neue gesellschaftliche Richtung entsteht.
Danke für die relativ eindeutige (ökologische und sozialpolitische) Partei-nahme dieser Plattform/ Partnerschafts- & Freundschafts“börse“. Zwar habe ich in der Vergangenheit wiederholt die Erfahrung gemacht, dass trotz weitgehender Übereinstimmung von politischen Einstellungen (und gemeinsamen Aktivitäten in diesem Feld), (monogame) Beziehungen auf kurz oder lang (nach ca einem Jahrzehnt) „gescheitert“ sind, aber ich halte eine gewisse Übereinstimmung von „alternativen“ Werten (z,B. „Degrowth“ o.ä.) auch in einer Partnerschaft für unumgänglich.
Kannst Du bitte die Orginalquelle der „Brexit“ Untersuchung angeben. Ich würde sie gerne an eine in UK lebende britische Gefährtin weiterleiten.
https://read.dukeupress.edu/demography/article/62/3/1059/401006/Sleeping-With-the-Enemy-Partners-Heterogamy-by Der Link war kaum als solcher im Artikel erkennbar, habe ihn jetzt in Fettdruck gesetzt. Ich glaube auch, dass sich gerade Themen wie Degrowth auf eine Beziehung auswirken. Wenn eine Seite vor allem konsumieren möchte und die andere nicht, kann es schwierig werden.
Wie nahezu jeden Sonntag habe ich nicht nur den Artikel, sondern auch die Kommentare interessiert gelesen. Was mich wirklich erstaunt, ist Folgendes: Würden mir die Kommentierenden als Partner vorgeschlagen, würde ich mich inzwischen wahrscheinlich längst auf das Lesen der Sonntagsartikel beschränken, da ich davon ausgehe, dass ich unter diesen fände, was ich suche.
Welche meiner Suchenstellungen kann ich ändern, um Menschen vorgeschlagen zu bekommen, mit denen ich mich wirklich unterhalten kann?
Ich glaube nicht, dass es eine reine Frage der Vermittlung ist, sondern eher ein Erkennen, dass die Personen solche Merkmale haben. Es ist unwahrscheinlich, dass hier in der Diskussion alle anders sind als die, die nicht kommentieren. Aber das Problem besteht darin, die Person zu erkennen und wirklich zu der richtigen Schlussfolgerung zu gelangen. Ich sehe, dass Du durchaus aktiv bist, aber indem Du beispielsweise 98 % Deiner Vorschläge gelöscht hast, hast Du folgende Möglichkeit, die uns so oft von Gleichklang-Paaren mitgeteilt wird, verloren: „Ich bin auf einen alten Vorschlag zurückgegangen, der mich nicht interessierte, und nun sind wir ein Paar.“
Fehlt nicht noch die 4te Seite?
Also Indifferent/Indifferent
Ja, die gab es nur bei der Parteienwahl, und die Trennungsrate liegt hier im hohen Bereich mit 1,13 pro Jahr. Warum das so ist, bleibt zu untersuchen. Der Studie ging es eher um den Vergleich Ähnlichkeit in Präferenzen versus Gegensätzlichkeit. Womöglich haben Personen, die gegenüber Parteien komplett indifferent sind, andere Merkmale, die ihre Beziehungszufriedenheit mindern.
Ich erinnere mich an Fragen zum Streit im fragenkatalog von Gleichklang. Inwiefern hat die Antwort, Streit in einer Beziehung sei wichtig mit Trennungsverhalten aufgrund politischer Unterschiede zu tun?
Das ist eine interessante Frage, für die es keine Daten gibt und die daher nur theoretisch beziehungsweise hypothetisch beantwortet werden kann. Womöglich ist es tatsächlich so, dass diejenigen, die gerne streiten und sich auch kontrovers auseinandersetzen, weniger unter politischen Differenzen in ihrer Beziehungszufriedenheit beeinträchtigt würden. Sicher ist das jedoch nicht, weil die Bereitschaft zum Streit und die Unterschiede in ethischen Werten nicht dasselbe sind.
Vielleicht sind politisch Indifferente in diversen Bereichen indifferent, resp. oberflächlich, tendieren zum Konsum und damit dem oben diskutierten Materialismus und allgemeinen Unzufriedenheit.
Nach dem Motto: andere müssen liefern, ich bediene mich.