Faktoren der Selbstsabotage beim Online-Dating
Soeben habe ich eine qualitative Studie gelesen dazu, wie wir uns selbst sabotieren und dadurch unsere Beziehungen gefährden. Identifiziert wurden eine Reihe von Faktoren der Selbstsabotage, die mit vielem aus dem Kontext des Online-Datings bekannt sind. So mag der eine oder die andere Leser:in einen oder mehrere dieser Faktoren bei sich selbst erkennen. Das ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern zur Erleichterung. Denn nur wenn wir die hemmenden Faktoren unserer Beziehungsfindung und unserer Beziehungsführung identifizieren, können wir sie verändern. Genau hier möchte der heutige Artikel Anregung geben.
Qualitative Studie zur Selbstsabotage in Beziehungen
Die Autorinnen Raquel Peel und Nerina Caltabiano führten die bislang umfangreichste qualitative Untersuchung zurSelbstsabotage in romantischen Beziehungen durch. Befragt wurden 696 Personen aus über 50 Ländern im Alter von 15 bis 80 Jahren – Männer und Frauen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen.
Die Teilnehmenden beantworteten sieben offene Leitfragen:
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Was erwarten Sie von Ihren romantischen Beziehungen?
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Wie schützen Sie sich vor Verletzungen in romantischen Beziehungen?
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Welche Verhaltensmuster erkennen Sie bei sich in romantischen Beziehungen?
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Was hindert Sie daran, eine erfolgreiche Beziehung aufrechtzuerhalten?
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Wie beenden Sie gewöhnlich eine Beziehung?
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Was tun Sie oder möchten Sie tun, um eine erfolgreiche Beziehung zu erhalten?
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Was hindert Sie daran, eine erfolgreiche Beziehung aufrechtzuerhalten?
Die thematische Auswertung ergab zahlreiche Faktoren der Selbstsabotage, von denen ich diejenigen aufzähle, die ich sofort auch für die vorgelagerte Stufe der Partnersuche wiedererkennen konnte: Angstkomponenten, Selbstwert, gebrochenes Vertrauen, hohe Erwartungen sowie Strategien zur Vermeidung von Verletzungen (einschließlich Abwehrhaltung).
Angstkomponenten – vier Facetten
Angst vor Verletzung
„Ich habe Angst, dass mir noch einmal das Herz gebrochen wird.“
„Ich versuche oft, mich der anderen Person nicht so sehr zu nähern, wie ich es gerne würde. Ich fürchte ständig, dass es nicht klappt oder dass ich verletzt werde …“
Angst vor Verletzung aktiviert Scripte der Beziehungsvermeidung: Manche ziehen sich zurück, sobald online ein Kontakt konkreter wird, meiden den Übergang zu Telefon- oder Videogespräch oder brechen den Schritt zum ersten Treffen ab. Andere steigen mitten in eigentlich positiv verlaufenden Kennenlernprozessen aus, weil sie plötzlich Angst vor dem eigenen Mut entwickeln. Dieses Muster kann sich dauerhaft wiederholen; es endet nicht automatisch.
Angst vor Zurückweisung
„Ich habe Angst vor Zurückweisung, was mich gewöhnlich davon abhält, Beziehungen einzugehen.“
„Die Angst, nicht akzeptiert zu werden, führt dazu, dass ich Geheimnisse vor meinem Partner habe.“
Je häufiger echte oder virtuelle Ablehnungen erfolgen, desto ausgeprägter wird diese Angst. Lasse ich mich gar nicht erst ein, bleibe ich unversehrt – das Ergebnis ist dauerhafte Singleschaft. Hyperkritisches, vorsorglich ablehnendes Verhalten scheint kurzfristig Schutz zu bieten, verhindert aber Beziehungen.
Angst vor Verlassenwerden
„Ich lasse nicht zu, dass ich mich zu sehr an jemanden binde, den ich wirklich mag, aus Angst, verlassen zu werden.“
„Ich bleibe bei meinem Partner, selbst wenn er mich schwer verletzt.“
Je häufiger vorherige Abbrüche erlebt wurden, desto stärker wirkt diese Furcht. Einige Betroffene blocken neue Chancen ab, andere klammern an ungünstigen Beziehungen, nur um Verlassenwerden zu vermeiden.
Angst vor Bindung
„Ich habe Angst vor Bindung. Ich glaube, wenn ich mich jemandem hingebe, wird er meiner müde und wirft mich weg, wenn er fertig ist.“
„Ich mag keine Bindung. Ich hatte im Leben keine guten Beispiele für gesunde Bindung.“
Bindungsvermeidung betrifft einen Typus, der Verlust von Unabhängigkeit, Nähe und gemeinschaftlicher Zukunft fürchtet. So beginnt eine Beziehung zwar reizvoll, löst aber Rückzug aus, sobald es ernst wird.
Selbstwert – personale Disposition
Geringes Selbstwertgefühl ist eine personenbezogene Disposition, die sämtliche Angstkomponenten aktiviert: Wer sich nicht liebenswert findet, rechnet mit Ablehnung und verhält sich abwehrend:
„Ich bin nicht gut genug für meinen Partner, und eines Tages wird er das merken und mich verlassen.“
„Mir fehlt das Selbstvertrauen, um Beziehungen aufrechtzuerhalten.“
Online kann geringes Selbstwertgefühl die Partnersuche erschweren:
- Einerseits könnte digitaler Kontakt den eigenen Wert stärken, andererseits löst Selbstzweifel die Frage aus, ob man überhaupt liebenswert oder attraktiv sei. Manche sehen sich keine Profile an, schreiben niemanden an oder antworten nicht – ein Teufelskreis aus Aufschieben und Absagen.
Gebrochenes Vertrauen – Kristallisation vergangener Erfahrungen
„Ich vertraue meinen Partnern nicht mehr hundertprozentig. Ich denke ständig darüber nach, was ich tun würde, wenn sie mich verließen oder betrügen …“
„Nachdem ich betrogen wurde, fällt es mir sehr schwer, anderen zu vertrauen.“
Gebrochenes Vertrauen bündelt negative Beziehungserfahrungen, reaktiviert Angst und geringen Selbstwert und nährt Strategien zur Vermeidung von Verletzungen. Starker Argwohn sendet Signale, die das Gegenüber zum Rückzug veranlassen; Betroffene landen wiederholt bei Partner:innen, die Misstrauen bestätigen.
Hohe Erwartungen – perfektionistische Maßstäbe
„Hohe Erwartungen und die Fantasie eines perfekten Beziehungsideals halten mich zurück.“
„Ich halte Beziehungen nicht lange durch, wenn meine Erwartungen nicht erfüllt werden.“
Detailreiche Merkmalslisten wirken als Ablehnungsinstrument und zementieren den Singles‑Status. Menschen können trotz Unterschiede glücklich sein; stimmt die Basis, werden Checklisten zur Selbstsabotage.
Selbst erkannte Strategien zur Vermeidung von Verletzungen
„Ich werde abwehrend oder mache komplett dicht.“
„Ich schütze mich vor Verletzungen, indem ich Mauern errichte und niemals die Wachsamkeit aufgebe.“
Rückzug, verzögerte Antworten, Absagen oder emotionale Distanz vermeiden kurzfristig Verletzung, verhindern aber Resonanz und Beziehungsaufbau. Abwehrhaltung macht es nahezu unmöglich, eine Beziehung zu beginnen oder zu halten.
Die Autor:innen haben sich darauf bezogen, wie Menschen ihre Beziehungen sabotieren. Das Ganze lässt sich aber ebenso auf die frühere Phase der Partnersuche übertragen, worauf ich im Folgenden eingehe:
Ursachen und Dynamiken erfolgloser Online-Partnersuche
Unrealistische Erwartungen an die Plattformen
Viele Partnersuchende erwarten, dass Online‑Partnersuche quasi von selbst zu einer Beziehung führt. Gelingt es nicht, sind die Plattformen schuld oder die anderen Teilnehmenden.
In der Tat gibt es in modernen Plattformen, in den Dating‑Apps, zahlreiche intrinsische Faktoren, die eine Partnerfindung verhindern können. Aber auch bei Gleichklang, wo dies nicht der Fall ist, werden immer mal wieder Vorwürfe an uns herangetragen, wir seien schuld, dass eine Partnersuche nicht gelinge.
Subjektive Wahrnehmung und objektive Realität
Die Betreffenden operieren in gewisser Weise von einer hoffnungslos einseitigen Informationslage, da sie nur ihre eigenen Erfahrungen haben, aber sie sehen nicht die ebenso täglich bei uns eintreffenden Erfolgsmeldungen, die Mitglieder aller Altersgruppen, Geschlechter, Gender und sexuellen Orientierungen betreffen.
In diesem Sinne haben wir einen stärkeren Durchblick und stellen daher fest, dass viele Partnerschaften gefunden werden und andere systematisch scheitern.
Wir sind gerne bereit zu sagen, es liege an uns – nur leider löst dies das Problem nicht, denn die Betreffenden sind in der Regel auch bei anderen Plattformen erfolglos geblieben und oft über viele Jahre.
Fokusverschiebung: Ursachen in der Person erkennen
Es macht daher Sinn, nach Faktoren in der Person zu suchen. Denn lassen sich diese identifizieren und verändern, ist ein Ausweg möglich und das Ziel der Partnerfindung kann doch noch erreicht werden.
Es hilft also den Betreffenden nicht, wenn wir die Schuld auf uns nehmen, sondern stattdessen geht es um die Faktoren innerhalb der Person, die zu der Situation führen, um eine echte Veränderung zu ermöglichen.
Zentrale psychologische Hemmnisse bei der Online-Partnersuche
Angst als Schlüsselmechanismus
Damit ermöglichen die Ergebnisse von Autor:innen, die folgende Schlussfolgerungen für die Online‑Partnersuche aufzählen: Ängste spielen eine herausragende Rolle.
Wir sehen dies in unseren Umfragen und ich höre es im Coaching wieder und wieder. Nicht immer ist den Betreffenden aber bewusst, dass ihre Ängste das entscheidende Hemmnis sind.
Angst vor Verletzung
Die Angst, verletzt zu werden, aktiviert eine Abwehrhaltung.
So schrecken manche bereits zurück, wenn sich ein Online‑Kontakt vertieft, oder vermeiden den Übergang zu Telefonat oder Video-Gespräch, wiederum andere den Übergang zum ersten Treffen.
Und manche steigen aus eigentlich positiv erscheinenden Prozessen des Beziehungsaufbaus aus, weil sie plötzlich Angst vor dem eigenen Mut entwickeln.
Das Muster kann sich dauerhaft wiederholen und es endet nicht automatisch.
Angst vor Verlassenwerden
Die Angst, verlassen zu werden, ist ein weiterer Faktor und je häufiger echte Ablehnungen online erfolgen oder in der Vergangenheit auch offline erfolgten, desto stärker ist diese Angst.
Lasse ich mich gar nicht erst darauf ein, blocke ich lieber ab, sehe ich lieber alles überkritisch, kann ich diese Angst reduzieren und bleibe dann freilich Single.
Angst vor Nähe und Beziehungsentstehung
Die Angst vor einer echten Beziehungsentstehung kann ebenso relevant sein, ist oft aber ein anderer Typus, der typischerweise Nähe vermeidet, der Aufgabe von Unabhängigkeit, Nähe, Intimität, Gemeinsamkeit fürchtet.
Einerseits wird Beziehung ersehnt, andererseits leuchtet die Alarmglocke auf, wenn es ernst wird, sodass es letztlich nie ernst wird.
Geringes Selbstwertgefühl
Geringes Selbstwertgefühl kann auch online die Partnersuche entscheidend erschweren.
Einerseits mögen wir durch Kontakte online unser Selbstwertgefühl stärken, andererseits aktiviert das geringe Selbstwertgefühl unsere Ängste bis hin zu der Frage, ob wir überhaupt liebenswert, attraktiv etc. sind.
All diese Zweifel lassen uns bewusst oder unbewusst vor einer Vertiefung der Partnersuche zurückschrecken.
Manche schauen sich gar nicht erst Profile an, andere schreiben keine Erstnachrichten, beantworten nicht oder zeigen den bereits dargestellten Teufelskreis der Aufschiebe‑ und Absagehaltung.
Fehlendes Vertrauen durch vergangene Verletzungen
Verletztes Vertrauen macht deutlich, wie sehr die Vergangenheit uns oft nicht loslässt und wie sehr sie uns festhält, wenn wir sie nicht dezidiert verarbeiten und so eine Neuorientierung erreichen.
Liebe geht nicht ohne Vertrauen, und auch bei der Partnersuche ist ein gewisser Vertrauensvorschuss notwendig. Geben wir ihn nicht, kann eine Vertiefung nicht entstehen.
Misstrauen wir stark, werden Ängste aktiviert und wir ziehen uns lieber zurück oder wir tun dies nicht direkt, aber senden Signale aus, die zum Rückzug der anderen Person führen.
Auf paradoxe Art fühlen sich wiederum andere, die viel verletztes Vertrauen erlebten, gerade da noch am ehesten auf vertrautem Terrain und bleiben bei der Partnersuche dort, wo vertrautes Terrain ist. So landen wir vom Regen in der Traufe in immer wieder unbefriedigenden und instabilen Beziehungen.
Überhöhte Erwartungen
Überhöhte Erwartungen sind Erwartungen, die nicht nur unrealistisch sind, sondern die am Thema vorbeigehen.
Menschen können sich trotz aller Unterschiede und Differenzen lieben und glücklich sein.
Stimmt die Grundbasis, dass ein gemeinsames Leben möglich ist, sind darüber hinaus differenzierte Merkmalslisten schädlich.
Sie geben uns die leichte Möglichkeit, abzulehnen und sicherzustellen, dass sich an unserem Single‑Status nichts ändert. Streben wir eine ähnliche Form von Beziehung an und werden für uns zentrale Werthaltungen miteinander geteilt, können wir bei allen anderen Details großzügig sein und uns womöglich sogar anregen und bereichern lassen.
Strategien zur Vermeidung von Verletzungen
Die Angst vor Verletzung führt zu zahlreichen Strategien auch bei der Online‑Partnersuche, diese Verletzung zu vermeiden:
- Wir ziehen uns zurück, reduzieren unser Engagement, antworten nicht zeitnah, sagen ab oder wir ziehen uns emotional zurück, sodass gar keine emotionale Resonanz entstehen kann.
Dies hängt eng zusammen mit der Abwehrhaltung, die es uns quasi unmöglich macht, eine Beziehung zu beginnen oder sie zu halten, falls wir sie in der Anfangsphase noch in Schach halten können.
Sachlage ist auch:
Wollen wir jede Verletzung mit Sicherheit vermeiden, können wir keine Beziehung eingehen.
Wege aus der Selbstsabotage bei der Partnersuche
- Reflektion statt Selbstabwertung: Wir sollen nicht an uns zweifeln, sondern uns reflektieren und unser Potenzial erschließen. Bisherige Erfolglosigkeit bei der Online‑Partnersuche soll Sie also nicht depressiv nach unten ziehen, aber ebenso wenig helfen Ablehnung, Ärger, Abwertung von Dating‑Plattformen oder den anderen Partnersuchenden. Erkennen wir die Gründe, die in uns liegen, ist der erste Schritt getan, um aus der Selbstsabotage auszusteigen.
- Umgang mit Angst: Konfrontation statt Rückzug: Ängste überwinden wir nicht, indem wir ihnen nachgeben und das tun, was sie wollen, sondern indem wir uns mit ihnen konfrontieren und das Gegenteil dessen tun, was sie uns sagen. Je mehr Angst wir also wahrnehmen, desto wichtiger ist es, Dating‑Engagement zu zeigen, zeitnah zu reagieren, uns bald zu verabreden, uns emotional zu öffnen, Resonanz zu ermöglichen und sodann in den Beziehungsaufbau einzusteigen.
- Selbstwirksamkeit durch aktives Verhalten: Lernen wir von der Vermeidung in die Aktivität zu gehen, wächst mittelbar auch unser Selbstwertgefühl, sodass ein positiver Rückwirkungsprozess eintritt, der uns die Partnerfindung entscheidend erleichtert.
- Passende Beziehungsmodelle finden: Angst vor der Bindung können wir dabei auch dadurch reduzieren, dass wir unser Beziehungsmodell ändern – z. B. hin zu „Living Together Apart“, Fernbeziehungen, offenen Beziehungen etc. Für manche sind dies die besten Beziehungsmodelle, und es ist nicht hilfreich, wenn wir uns in Schablonen pressen wollen, die nicht zu uns passen.
- Vertrauen lernen trotz Enttäuschung: Verlust von Vertrauen ist bitter und die Vergangenheit hört nie auf. Aber wichtig ist, zwischen echten Warnsignalen und übermäßigem Misstrauen zu unterscheiden, uns für mögliche Enttäuschung zu immunisieren und gleichzeitig trotzdem den Vertrauensvorschuss zu geben, der nötig ist, wenn wir jemals die Liebe finden wollen.
- Offenheit und Präsenz im Kennenlernprozess: Aktives Dating‑Verhalten und Offenheit erlernen, um so zu erkennen, dass wir uns gefunden haben. Nicht zwanghaft eine Partnerfindung verlangen, sie aber auch nicht angsterfüllt blockieren. Das Kennenlernen ist nicht als ein Prozess des ergebnisoffenen Auslotens. Wir haben beide das gleiche Interesse: Herauszufinden, ob wir gemeinsam sinnerfüllt durchs Leben gehen können.
Veränderung ist möglich
Erkennen wir unsere Selbstsabotage und arbeiten an ihr, kommt typischerweise eines Tages der Zeitpunkt, wo die Partnerfindung gelingt. Auf diesem Weg begleiten wir Sie bei Gleichklang gerne:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
Weitere Links:
Informationen zum Coaching:
Einzeltermine für ein Coaching können Sie jederzeit über meine Website vereinbaren. Wie überall gilt auch für das Coaching unser Grundsatz, dass bei Gleichklang niemand an finanziellen Engpässen scheitern soll. Das Coaching-Honorar kann daher ohne Probleme auch in niedrigen Monatsraten beglichen werden.


8 Kommentare
„Fokusverschiebung: Ursachen in der Person erkennen“
Es ist halt frustierend, wenn man nicht weiß, was man ändern soll, weil das Problem auf der anderen Seite liegt.
Ich kann im Alleingang die Partnerfindung sowie eine Beziehung zerstören, ohne das die andere Seite etwas dageben tun kann, wenn ich es wirklich will. Andersherum funktioniert das nicht.
Man ist einfach den Ängsten, Blockakden und zu hohen Ansprüchen der anderen Seite mehr oder minder hilflos ausgeliefert.
Ich kann das anschreiben übernehmen. vernünftige Nachrichten, geduldig sein und Fehler verzeihen, aber wenn die andere Seite mit der Lupe nach Gründen sucht, um die Partnerfindung aufgrund der eigenen Ängste zu unterbinden … was will man machen :-/
Es braucht eben Beide damit es mit der Partnersuche klappt, aber es reicht einer damit die Partnersuche scheitert!
Ganz genau. Und bewusst ohne emotional darauf einzugehen sehe ich darin das Argument begründet, sich offenherzig bei einer persönlichen Begegnung an einem sicheren Ort, das kann eine Rastbank am Flussufer sein, wie in einem Krimi, unter Umständen aber auch die eigene Wohnung, dann siebst du die Ängstlichen aus, ohne es ihnen böse zu meinen, über solche Inhalte, zB der Vergangenheit, austauscht. Das Dreiecks-Ping Pong über Netzwerke, wie es heute, für manche mit der Lupe, üblich ist, sehe ich zum scheitern verurteilt. Wie überhaupt jedes „judgement“, dass an den Datingpartner IN der Konsequenz herangetragen wird, dass man ihm damit den Raum eng macht, lässt sich immer finden, und immer nutzen. Aber nicht als Vernünftiger Weg IN einen Austausch, sondern es erinnert mich mehr an: „Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe“. …Stehts schauen, was von Beginn eines Kontaktes an gehen sollte, und was erst später gehen sollte; Geordnet in den Dating-Prozess eintreten. Ich erlebe, dass Viele zu viele Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen, und letztlich so mehr Zeit verlieren als gewinnen. Und vermute, dass Offenheit der Schlüssel ist, sich aus dieser Nummer mit der Doppelmoral, die du ansprichst, auf beiden Seiten gleichzeitig herauszukommen.
Danke für den Beitrag. Der Hinweis auf reale Begegnung als Prüfstein ist zentral. Vieles klärt sich im direkten Kontakt – nicht durch Vorausfilterung mit der Lupe. Wer sich hier verweigert, zeigt oft keine fehlende Passung, sondern Unsicherheit im Umgang mit Beziehungsoffenheit.
Das hat nichts mit Vorwurf zu tun, sondern mit Strukturerkenntnis: Beziehung entsteht nicht aus Kontrolle, sondern aus dialogischer Entwicklung. Dafür braucht es Rahmen, aber auch die Bereitschaft, nicht alles vorab zu definieren.
Offenheit ist dabei kein Ideal, sondern eine funktionale Bedingung. Wer sie nicht zulässt, blockiert sich selbst – und damit den gesamten Prozess.
Richtig ist: Es reicht eine Person, um den Prozess scheitern zu lassen. Aber die eigentliche Blockade entsteht oft erst dann, wenn wir diesen Umstand nicht annehmen können und nicht lernen, mit Gelassenheit damit umzugehen.
Bei uns liegt nicht die Verantwortung, dass es klappt – aber es liegt bei uns, dranzubleiben und die Offenheit zu entwickeln, die notwendig ist, um überhaupt in Beziehung treten zu können. Wer das nicht tut, verfehlt sein eigenes Ziel – unabhängig davon, wie viele andere abspringen.
Hallo Michael,
du hast Recht: Es reicht einer von beiden, damit es nicht klappt. Ich finde diese Erkenntnis allerdings – bei allem Frust bzw. der Trauer, die sie in solchen Situationen erzeugt – auch entspannend: Ich kann tun, was ich kann. Mehr geht nicht. Der Rest liegt eben nicht in meiner Macht. Ich habe nicht auf alles Einfluss.
Letztendlich ist die Akzeptanz, dass der/die andere einen eigenen Willen, eine eigene Meinung und eine eigene Sicht auf das Leben hat, die ich ihm/ihr so weit als möglich lasse, etwas, was für eine funktionierende Partnerschaft grundlegend ist.
Ich finde, das schwierig in den Momenten, in denen man sich auf jemand eingelassen hat, diejenige/denjenigen gern hat, weiß: Das mit uns könnte gut werden. Weil ich fühle. Und weil ich fühlen möchte. Weil ich in solchen Momenten traurig bin, traurig sein dürfen möchte.
Es liegt eben nicht alles in meiner Macht. (Ganz anders als man es uns in manchem (Psycho-)Ratgeber weiß machen will.) – Vielleicht ist genau das auch gut so.
So geht Leben. Ich kann nicht alles kontrollieren, steuern, bestimmen. Die Idee, ich müsste nur dies oder jenes tun, dann kommt das dabei heraus, was ich mir wünsche, ist m.E. ein modernes Ammenmärchen.
Leben wir damit.
Sorgen wir dafür, dass wir einander in solchen Momenten unterstützen.
Und traurig sein dürfen, ohne dass die Trauer zu Frustration wird.
Vielleicht können wir uns gegenseitig Mut machen und damit ein kleines bisschen dazu beitragen, dass Ängste weniger werden können?
Ich wünsche dir gutes Durchhalten!
Genau das – einander anzunehmen und auch gemeinsam traurig sein zu dürfen, wenn es nicht klappt, ist hilfreich. Wir sollten uns nicht gegenseitig überreden, drängen oder verlieren wollen, um irgendwie in eine Beziehung zu kommen.
Das Treffen sollte wirklich komplett ergebnisoffen sein – als gemeinsames Ausloten. Wenn wir das so verstehen, können wir uns im Grunde über jedes Ergebnis freuen, weil es auf Wahrhaftigkeit beruht.
Dann wird auch echte Authentizität möglich: sich so zu zeigen, wie man ist, und klar zu sagen, was einem wichtig ist. Das schafft die Richtung, in die Verbindung entstehen kann – oder eben nicht. Beides ist in Ordnung.
Ich komme da wieder zu dem Würfelspiel Vergleich. Denn so stellt sich Partnersuche für mich da.
Es gibt Passungen, aber die sind selten. Aber nur damit kassiert man den Gewinn.
Meistens gewinnt die Bank.
Das ist eine treffende Metapher, die uns zu mehr Gelassenheit verhelfen kann. Der Weg zur Partnerfindung ist oft gepflastert mit Ablehnungen, Enttäuschungen und Wartezeiten. Wenn wir nicht mit einer gewissen inneren Gelassenheit an die Sache herangehen, besteht die Gefahr, dass wir Aktivitäten unterlassen, die aber für die Zielerreichung wichtig sind.