Beobachtungen aus zwei aktuellen Studien zum modernen Online-Dating
Soeben hat uns ein Mitglied eine erfolgreiche Vermittlung über Gleichklang mitgeteilt, um diese Mitteilung des Erfolges gleichzeitig mit der Mitteilung ihrer Unzufriedenheit zu verbinden:
- „Hallo zusammen, ich möchte mein Abo ab sofort kündigen und bitte um Bestätigung.
Ich habe jemanden über Gleichklang kennengelernt und brauche die Plattform nicht mehr.
Die Vermittlungen von Ihnen waren eher schlecht wie gut … entweder viel zu weit weg oder überhaupt nicht mein Geschmack. Warum das so ist, weiß ich nicht. Ich habe mich auch nie groß mit Gleichklang beschäftigt. Schöne Grüße.“
Diese Zuschrift erinnert mich wiederum an eine etwas ältere Zuschrift eines anderen Mitglieds, welches uns mitteilte, seit Jahren in einer Beziehung mit einem anderen Gleichklang-Mitglied zu leben, welches sie über uns kennengelernt hatte. Auf keinen Fall könne sie uns aber empfehlen. Sie sei mit den Vorschlägen nicht zufrieden gewesen. Es seien zu wenige gewesen und sie hätten nicht gepasst.
Im ersten Moment erlebe ich es als bizarr, dass Mitglieder, die über uns eine Partnerschaft fanden, sich über unpassende oder zu wenige Vorschläge beklagen. Denke ich darüber aber nach, kann ich es nachvollziehen als ein Ergebnis der Struktur des heutigen Online-Datings und der Erwartungen, die durch dieses erzeugt werden.
Genau dazu habe ich gerade zwei neuere Studien gelesen, die untersuchen, was das moderne Online-Dating bei uns auslöst.
Bei den Betreffenden haben diese Prozesse glücklicherweise den Erfolg ihrer Partnersuche nicht verhindert. Sie mögen irritiert, unzufrieden, vielleicht sogar verärgert sein über die „unpassenden Vorschläge“, aber letztlich haben sie das gefunden, was sie suchten; eine Partnerschaft.
In anderen Fällen geht dies aber weniger günstig aus:
- Manche entwickeln implizite oder explizite Erwartungen entwickeln, die ihnen den Erfolg der Partnersuche unmöglich machen. Am Ende des Artikels, nach Vorstellung der beiden angekündigten Studien, werde ich den Bogen zurück zu dieser Problematik spannen.
Ich glaube, dass sich ein Lesen des gesamten Artikels lohnt und dies bei manchen LesernInnen womöglich mit zu einer neuen Beziehung beitragen wird.
Was Tinder mit uns macht
Johanna Degen und Andrea Kleeberg-Niepage (Autorinnen) untersuchten in einer neueren Studie mit dem Titel „The More We Tinder: Subjects, Selves and Society“ (Je mehr wir tindern: Subjekte, Selbst und Gesellschaft) die personalen und gesellschaftlichen Auswirkungen unseres modernen Dating-Verhaltens. Der Artikel wurde im Journal Human Arenas veröffentlicht und zeigt, wie tief mobile, bildbasierte Dating-Apps in unser Selbstkonzept und unsere Beziehungsvorstellungen eingreifen:
- Die Autorinnen untersuchten zunächst die Funktionslogik von Tinder anhand von Architektur und Praxis. Dabei konnten sie herausarbeiten, dass die Architektur von Tinder und die Nutzungspraxis, die dadurch angelegt wird, zu Schnellentscheidungen per Wischen, bildzentrierten Profilen und einer Nutzung in hohem Ausmaß durch zusätzliche kommerzielle Features wie Boosts und Super Likes führen.
In einer weiteren Studie analysierten die Autorinnen die Motive der Nutzer:innen mithilfe der wissenschaftlich etablierten Tinder Motives Scale.
Zentraler Befund war:
- Neugier und Zeitvertreib dominieren die Nutzung; erst danach folgt das Beziehungsmotiv, danach das sexuelle Motiv. Diese Befunde decken sich mit weiteren Studien und legen nahe, dass Neugier und Zeitvertreib das Verhalten vieler Nutzer:innen prägen.
Dass sexuelle Motive eher gering ausgeprägt sind, widerspricht allerdings einzelnen Befunden, die in kontextuell erotisierten Umgebungen (z. B. Festivals) erhoben wurden. Vor allem aber können Neugier und Zeitvertreib ihrerseits durch erotisch-emotionale Impulse geprägt sein, ohne dass reale sexuelle Begegnungen stattfinden – vieles bleibt virtuell. Es wird nicht nach Sex im Sinne einer echten, nicht virtuellen Begegnung gesucht, sondern Neugier und Zeitvertreib werden erotisch aufgeladen erlebt. Dieser Aspekt kam in der Untersuchung der Autorinnen nach meiner Ansicht zu kurz.
Der entscheidende Befund ist jedoch, dass das Beziehungsmotiv beim Online-Dating alles andere als an erster Stelle steht. Dies passt zu Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass zwei von drei Nutzer:innen von Dating-Apps verpartnert sind.
Bei Gleichklang stellt sich die Situation übrigens vollkommen anders dar:
Bereits vor einigen Jahren stellten wir unseren Nutzer:innen exakt dieselben Fragen. Das Beziehungsmotiv schlägt alle anderen Motive – die anderen spielten nahezu keine Rolle. Hier nachzulesen mit genauen Daten: Gleichklang und Tinder: Wie unterscheiden sich die Nutzer?
Die Autor:innen fanden außerdem Effekte von Urbanität (Stadt/Land), Alter, Beziehungsstatus und sexueller Orientierung auf die Motivlage:
- In Großstädten wird mehr nach Selbstbestätigung gesucht, mit zunehmendem Alter Beziehungsorientierung. Nach Beziehungen wird Dating häufiger genutzt, um Ex-Partner:innen zu vergessen oder auch um sexuelle Erfahrungen zu machen. Männer und nicht-heterosexuelle Nutzer:innen nennen häufiger solche sexualitätsbezogenen Motive.
Insgesamt zeigen die Befunde, dass Dating-Apps vielfältige Erlebens- und Motivprozesse ansprechen, bei denen die Beziehungsfindung nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Wenn wir bei Online-Dating sofort an Beziehungsfindung denken, ist dies also in gewisser Weise eine Fehlwahrnehmung.
Aber selbst dieser Befund greift nach meiner Einschätzung noch zu kurz, unterschätzt das Problem in einer tieferen, psychologischen Sichtweise:
Auch die explizite Aussage „Ich suche eine Beziehung“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass dies wirklich der Fall ist und wenn, im Verlauf auch so bleibt. Die App-Architektur kann vielmehr durch Fotopriorisierung, Schnelligkeit und ständige Auswahl andere Motive priorisieren, auch wenn die Betreffenden weiterhin glauben mögen, dass sie eine Beziehung suchen.
Mein Coaching-Klient, der immer wieder kurzfristig neue Beziehungen beginnt, aber mit dem Dating danach nicht aufhört – sodass Beziehungen bald enden und neue beginnen –, ist ein Beispiel hierfür.
In einer dritten Studie wurden Interviews mit Nutzer:innen durchgeführt. In den Interviews wurde eine Logik permanenter Verfügbarkeit sichtbar:
- Wer erfolgreich sein will, muss durchgehend online sein, schnell reagieren und mehrere Kontakte parallel pflegen. Nutzer:innen kopieren erfolgreiche Profilelemente oder verwenden Standardtexte, um reaktionsfähig zu bleiben – denn Matches verfallen scheinbar nach Minuten.
Was sind die emotionalen Konsequenzen?
- Die Nutzer:innen berichteten über Schwankungen zwischen Euphorie und Reue, Stress, Ermüdung und dem Gefühl, in eine strukturlose Bedeutungslosigkeit eingebettet zu sein. Dating kann dabei aber auch als Coping-Strategie bei Krisen helfen, kann jedoch ebenso zu einem dysfunktionalen Coping führen, wenn Begegnungen nur noch der Kompensation kurzfristiger Defizite dienen.
Die Autorinnen fassen zusammen, dass der Dating-Markt rasches Aussortieren belohnt, Profil-Optimierung fordert sowie Sichtbarkeit als Bezahlfunktion einführt (z. B. Super Likes).
Erfolg oder Misserfolg werden internalisiert – als persönlicher Sieg oder als persönliches Versagen erlebt. Dies kann übrigens sogar zu einem Wettbewerb um Likes und Matches führen. Am Ende aber entsteht für viele Leere – nachzulesen in meinem früheren Artikel Über die Langeweile beim Online-Dating
Die Technisierung von Nähe
Mit einer anderen Methodik gelangte Sander De Ridder zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Er veröffentlichte 2022 im Journal Television & New Media seine Studie unter dem instruktiven Titel „The Datafication of Intimacy: Mobile Dating Apps, Dependency and Everyday Life“ (Die Datenfizierung der Intimität: Mobile Dating-Apps, Abhängigkeit und Alltagsleben).
De Ridder untersuchte, wie datengetriebene Technologien Intimität, Begehren und Beziehungsbildung verändern. Sein Ziel war es, die Datenfizierung der Intimität als existenzielle Transformation menschlicher Nähe darzustellen.
Dies sind seine Hauptbefunde:
- Mathematische Denkweise der Intimität
Dating wird zu einem mathematischen Prozess. Die „mathematical mind-set to dating“ bedeutet, dass Nähe berechnet und optimiert wird. Algorithmen schaffen Vorhersagbarkeit, Kontrollierbarkeit und Bequemlichkeit – zugleich aber Abhängigkeit von metrischer Logik.
Bei Gleichklang sehen wir dies, wenn beispielsweise irritiert reagiert wird, wenn scheinbare Unpassungen bestehen, obgleich doch unser Algorithmus für die perfekte Passung sorgen sollte. - Kommerzialisierung und Rationalisierung
Datenökonomie und Intimität verschmelzen. Dating-Apps werden Teil eines emotionalen Kapitalismus, in dem Gefühle ökonomisch verwertet werden.
Aus der Schlagseite der Einbettung in eine ökonomische Struktur entstehen so auch schnell Forderungen nach dem Motto: „Ich habe bezahlt, wo bleiben die Frauen?“ – wie es uns ein Nutzer vor einigen Jahren schrieb.
Indem beim modernen Dating tatsächlich Super Likes und Matches sowie Sichtbarkeit kaufbar sind, ergeben sich solche Einstellungen quasi als natürliche, besser konditionierte Konsequenz.
Wer will schon ein Stück Kuchen bezahlen, ohne es zu erhalten?
Hintergrund ist hier freilich eine Verwechslung, die durch das Dating aber Vorschub geleistet wird. In Wirklichkeit ist die Leistung weder der Vorschlag noch die Beziehung selbst, sondern die zur Verfügung gestellte Struktur und die Ratschläge, wie diese möglichst die Beziehungssuche unterstützen können. - Abhängigkeit und existenzielle Bedeutung
Menschen fühlen sich in die digitalen Dating-Umgebungen „hineingeworfen“. Diese Abhängigkeit ist nicht nur technologisch, sondern existenziell. Dating-Apps werden als alternativlos erlebt. Sie werden zur Voraussetzung für das Erleben von Nähe.
Dies ist nicht weit hergeholt: Tatsächlich ist die Möglichkeit zur Partner:innenfindung an dritten Orten – im Freundes- und Familienkreis, an der Arbeit und in Vereinen, in religiösen und politischen Bezügen – in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen.
Allerdings sind sie nicht komplett verschwunden, und wir können sie reaktivieren, wenn wir dies wollen und angehen. Zwar macht Public Phubbing in öffentlichen Räumen – jeder schaut aufs Handy – die Beziehungsaufnahme schwieriger, aber unmöglich ist sie nicht. - Ambivalenz zwischen Euphorie und Erschöpfung
Nutzer:innen beschreiben zugleich Aufregung, Hoffnung und Bestätigung wie auch Stress, Enttäuschung und Erschöpfung. Die „never-ending number of connections“ führt zu emotionaler Überreizung.
Hohe und niedrige Gefühle wechseln sich ab. Langeweile entsteht, die sich aber paradoxerweise beim Abbruch des Datings weiter vertieft. So gehören Dating-Apps zu den am häufigsten gelöschten und erneut installierten Apps im Internet. - Objektivierung und Vulnerabilität
Viele Teilnehmende fühlen sich zu Objekten gemacht – fetischisiert, sexualisiert, ausgestellt. Gleichzeitig legen jedoch selbst jene, die dies schmerzlich erleben, die gleichen Kriterien an andere an. Vorschläge werden durchgescrollt, verglichen, schnell weggeklickt – das betrifft nicht nur Männer, sondern ebenso Frauen und nicht-binäre Personen. - Normalisierung der Technologie
Trotz Kritik werden Apps als unvermeidlich empfunden und beginnen zudem, immer mehr unser Erleben von Nähe und Begegnung zu strukturieren. Die Strukturen der Apps geben uns vor, wie wir selbst reagieren.
Auswirkungen des modernen Online-Datings auf Gleichklang
Mir wird aus diesen beiden Artikeln vorwiegend deutlich, dass es weiterhin Raum gibt für unser Gegenmodell zum gegenwärtigen Online-Dating bei Gleichklang. Gleichzeitig stellen wir aber ebenso fest, dass diese Prozesse der Dating-Apps auch in unsere Plattform eindringen und das Denken und Erleben von Nutzer:innen bis zu ihrem Umgang miteinander und ihrem Umgang mit uns prägen.
Genau hier schließt sich der Kreis, und ich komme zu den Eingangsüberlegungen der beiden Mitglieder zurück. Manche wird uns klar: Das eigentliche Ziel von Gleichklang ist die Beziehungsstiftung. Diese ist es, worum sich alles dreht.
Implizite Zielverschiebungen durch die Struktur des modernen Datings
Wieso waren die beiden Mitglieder, die wir bei der Beziehungsstiftung unterstützen konnten, dennoch mit uns unzufrieden oder blickten zumindest kritisch zurück?
Ganz offensichtlich, weil bei ihnen – wie bei vielen anderen – eine implizite Zielverschiebung stattgefunden hat. Die Struktur des modernen Online-Datings fördert nicht das Beziehungsmotiv, sondern andere Motive. Der Wunsch ist die Belohnung durch das attraktive Profil. Und dies soll schnell und jederzeit präsentiert werden. Geschieht dies nicht, tritt Irritation und Unzufriedenheit ein.
Der Gedanke der Beziehungsstiftung ist demgegenüber ein gänzlich anderer:
- Schaffen wir den Raum, in dem eine hohe Aussicht besteht, dass eines Tages zwei Menschen sich begegnen und auch wahrnehmen können, die in eine Beziehung zueinanderfinden.
Dieses eigentliche Ziel ist von all dem, was wir beim Dating wünschen und erwarten, komplett befreit – schlimmer noch, es steht ihm mindestens in Teilen entgegen.
Um eine Liebesbeziehung zu finden, brauche ich weder eine Serie an Vorschlägen noch ständige Vorschläge; es genügt, dass Menschen gelegentlich in meinem Suchbereich sind und ich sodann auf die eine Person zugehe, mit der eine Beziehung entsteht.
Ich habe darüber ja bereits oft geschrieben; bei Gleichklang haben wir drei Gruppen – mit detaillierten Informationen und Empfehlungen nachzulesen in diesem vorherigen Artikel „Partnersuche optimieren: Welcher Vorschlagstyp sind Sie?:
- Viele Vorschläge: Diese Gruppe erhält viele, manchmal sogar zu viele Vorschläge. Hier ist die Herausforderung, Vorschläge auszusetzen, nicht in einen Scroll- und Vergleichsmodus zu gelangen und sich auf einzelne Begegnungen ohne Mehrgleisigkeit einzulassen.
- Gelegentliche Vorschläge: Diese zweite Gruppe (das Optimum) erhält relativ regelmäßig immer mal wieder den einen oder anderen Vorschlag. Diese Gruppe ist deshalb optimal, weil sie weder gefährdet ist, in einen scrollbasierten Vergleichsmodus mit Ablehnungsentscheidungen im Sekundentakt zu gelangen, noch gefährdet ist, aus Langeweile das Ruder wegzuwerfen.
- Selten Vorschläge: Diese dritte Gruppe erhält selten einmal einen Vorschlag; Wartezeiten von Wochen bis Monaten treten ein. Dies betrifft etwa Menschen im hohen Lebensalter (siehe meinen vorherigen Blog-Artikel), es betrifft auch z. B. Asexuelle oder Mitglieder, die (entgegen der Ausrichtung unserer Plattform) in nur sehr begrenzten Regionen suchen. Diese Gruppe hat keine geringeren Erfolgschancen als die Gruppe 1 mit den vielen Vorschlägen, aber die Kunst ist, aus den sehr seltenen Vorschlägen etwas zu machen. In dieser Gruppe ist es also absolut essenziell, auf die wenigen Vorschläge zu reagieren und jeden ernst zu nehmen. Wer dies tut, hat gute Aussichten.
Die Erwartungen des modernen Online-Dating hinterlassen jedoch in allen drei Gruppen ihre Spuren:
- Selbst Mitglieder der Gruppe mit den vielen Vorschlägen wollen manchmal mehr Vorschläge, die sie in rapidem Tempo alle ablehnen. Leider sind nicht wenige von ihnen in einem permanenten Vergleichs- und Auswahlprozess, wodurch eine Ablehnungsmentalität entsteht („Der Nächste wird besser“). Mehr über diese Ablehnungshaltung können Sie in diesem Artikel nachlesen: Unbewusste Ablehnungs-Haltung kann Partnersuche gefährden.
- Mitglieder der optimalen Gruppe mit gelegentlichen Vorschlägen nehmen ebenfalls manchmal nicht wahr, dass für sie bereits das Optimum umgesetzt wird, weil sie z. B. die Angewohnheit hatten, sich bei Tinder jeden Abend einzuloggen, um neue Matches zu produzieren. Das geht bei Gleichklang nicht, und tatsächlich schadet dies auch der Partnerfindung enorm. Wäre es anders, hätten alle bereits bei Tinder und auch den großen Partnervermittlungen gefunden. Doch die Wirklichkeit ist das Gegenteil. Die Raten der unfreiwilligen Singles sinken nicht, sie nehmen zu – eben weil die Mechanismen des modernen Online-Datings nicht die Entstehung von Beziehungen fördern, sondern diese eher hindern. In meinem Video „Gewollte Einsamkeit – die Masche der Dating-Apps“ stelle ich dazu zahlreiche Beobachtungen und wissenschaftliche Befunde vor.
- Mitgliedern der Gruppe mit seltenen Vorschlägen fällt es schwer, zu verstehen, dass ihre Situation sich aus einer durch uns nicht veränderbaren Sachlage ergibt, dass sie aber in Wirklichkeit genauso gute Chancen haben wie alle anderen Gruppen. Wir sehen nämlich in unseren Gruppenvergleichen jedenfalls keine gravierenden Unterschiede; tendenziell haben sogar Gruppen mit weniger Vorschlägen etwas höhere Vermittlungsraten. Lesen Sie hierzu auch die detailliert aufgeschlüsselten Erfolgsraten in diesem Artikel: Alles zu Erfolgsraten und Suchdauer bei Gleichklang
Rückblick auf die Anfangsjahre
Manchmal blicke ich mit einer gewissen Wehmut zurück auf unser Gründungsjahr 2006 und die folgenden ersten Jahre. Es gab keine Dating-Apps und kaum Mitglieder. Die Vorschlagsanzahlen waren extrem viel geringer, und lange Wartezeiten auf auch nur einen Vorschlag von Wochen bis Monaten waren für alle Mitglieder Alltag.
Trotzdem fanden die Mitglieder Partnerschaften, und es gab nur wenige Beschwerden. Mit einem Vielfachen an Mitgliedern ist unsere Vermittlungsrate seither nicht gestiegen, sondern leicht gesunken.
Der Fokus der Mitglieder, ihr absolutes Augenmerk lag damals darauf, einen Menschen bei Gleichklang kennenzulernen, der irgendwann hier in ihr Blickfeld treten würde.
Unter dieser Perspektive gelang es den Mitgliedern damals, unter sehr wenigen Vorschlägen Beziehungen zu finden. So wirksam und effektiv dieser Ansatz ist, so wäre er heute undenkbar.
Die Beschleunigung durch das moderne Dating hat den Wunsch nach permanentem Kontakt aktiviert; Wartezeiten werden als quälend erlebt, Dating-Apps haben Vorschläge zu liefern – doch Beziehungen entstehen dadurch sogar seltener, was wie in einem Teufelskreis nur noch mehr der gleichen Erwartungen erzeugt.
Gleichzeitig leiden aber auch alle unter dem Dating, erkennen die Marktlogik und auch den dehumanisierenden Charakter. So sinkt das Vertrauen in alle Plattformen, und die Geduld nimmt ab, was es jedoch nicht besser macht.
Bei vielen wird dadurch die Partner:innenfindung unmöglich. Leider sind davon Gleichklang-Mitglieder nicht ausgenommen:
- Die allgemeinen Dating-Strukturen wirken sich auch bei uns aus. Die meisten Mitglieder haben längst eine Person vorgeschlagen bekommen, mit der sie glücklich werden würden. Da sie aber die Perspektive gar nicht auf ein individuelles Ausloten und Kennenlernen (beiderseits) richten, merken sie es nie und warten auf neue Vorschläge, anstatt womöglich einen Schritt zurückzugehen und zunächst zu Menschen, die längst in ihrem Blickwinkel sein könnten, den Kontakt tatsächlich aufzunehmen.
Diese Prozesse der datengetriebenen Kontaktausrichtung können letztlich so weit gehen, dass selbst bei erfolgreicher Vermittlung – also wenn eine Liebesbeziehung entstanden ist – Unzufriedenheit verbleiben kann.
Der Blick liegt auf dem Vergleich und der kritischen Sondierung der Vorschläge, die scheinbar oder wirklich nicht passten. So ist selbst der Erfolg höchstens bittersüß und hinterlässt beim Mitglied den Eindruck, dass „mehr oder weniger alles nicht gepasst hat“.
Ich denke, dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, wie die Architektur und Grundausrichtung des modernen Datings das innere Erleben unserer Nutzer:innen prägen kann. Gerade deshalb glaube ich aber, dass es so wichtig ist, dass es weiterhin Gegenmodelle gibt.
Entsprechend haben wir bei Gleichklang alles auf die Optimierung der Partner:innen-Findungs-Ausgerichtetheit gestellt und erreichen – erfreulicherweise sogar im Vergleich zu anderen Plattformen – nach meinem Eindruck (es werden durch die anderen Plattformen keine differenzierten Auswertungen vorgelegt) einzigartige Erfolge.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass Mitglieder von Gleichklang regelmäßig eine Partnerschaft finden und sie außerdem mit der richtigen Grundhaltung und einem wirksamen Dating-Verhalten den Weg zur Partnerfindung selbst gestalten und voranbringen können. Mein Video „Wie gelingt Dir die Partnerfindung wirklich?“ gibt hierzu hilfreiche Informationen und Ratschläge.
Notwendigerweise entsteht durch diesen Ansatz bei Gleichklang eine bewusste Entschleunigung und immer wieder Notwendigkeit zum Innehalten:
- Es fehlt die Möglichkeit zur Beschleunigung, und es fehlen all die Merkmale, die heute viele für notwendig und selbstverständlich halten.
Wir werden diesen Weg weitergehen – auch mit dem neuen Gleichklang, das am 15. November 2025 online gehen wird. Wir haben wichtige Verbesserungen der Benutzerfreundlichkeit umgesetzt; alles ist logisch, klar und funktioniert mobil hervorragend. Gleichzeitig haben wir die Grundstruktur aber konstant gelassen und keine Annäherung an die Architektur der Dating-Apps vollzogen.
Wir hoffen damit, als Gegenmodell zum derzeitigen Online-Dating zugleich unsere Zukunftsfähigkeit gesichert und unseren dauerhaften Bestand bewahrt zu haben.
Wir freuen uns, wenn Sie diesen Weg mit uns gehen wollen!
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
Weitere Links:
Informationen zum Coaching:
Einzeltermine für ein Coaching können Sie jederzeit über meine Website vereinbaren. Wie überall gilt auch für das Coaching unser Grundsatz, dass bei Gleichklang niemand an finanziellen Engpässen scheitern soll. Das Coaching-Honorar kann daher ohne Probleme auch in niedrigen Monatsraten beglichen werden.


3 Kommentare
Sehr geehrter Hr. Gebauer,
Sie haben mein emotionales Empfinden beim „nutzen einer Dating App „sehr gut und wissenschaftlich auf den Punkt gebracht.Ihre Analyse hat mir vieles klarer gemacht,Danke dafür! werde mich (aus Kostengründen )beizeiten nochmal ,nach etlichen Jahren, bei Gleichklang anmelden.
wünsche eine gute Zeit, mit freundlichen Grüßen
Dorothée Toussaint
Danke für Deine Rückmeldung. Es gibt bei Gleichklang auch weiterhin den Ermäßigungstarif von 24 EUR/Jahr, der zudem auf 6 EUR/Jahr bei finanzieller Not ermäßigt wird. Einfach an das Team wenden.
„Manchmal blicke ich mit einer gewissen Wehmut zurück auf unser Gründungsjahr 2006 und die folgenden ersten Jahre. Es gab keine Dating-Apps und kaum Mitglieder. Die Vorschlagsanzahlen waren extrem viel geringer, und lange Wartezeiten auf auch nur einen Vorschlag von Wochen bis Monaten waren für alle Mitglieder Alltag.
Trotzdem fanden die Mitglieder Partnerschaften, und es gab nur wenige Beschwerden. Mit einem Vielfachen an Mitgliedern ist unsere Vermittlungsrate seither nicht gestiegen, sondern leicht gesunken.“
Ist das nicht eher der veganen Ausrichtung von Gleichklang geschuldet. Heute ist Veganismus schon fast in Mode. Überall bekommt man vegane Produkte, jedes Restaurant oder Kantine hat mindestens eine vegetarische oder vegane Mahlzeit und vegane Partnerbörsen bzw. Sparten gibt es mittlerweile immer mehr. Vor 20 Jahren war es noch ganz anders, damals wurden Veganer noch verstärkt angefeindet.