Warum Online-Dating nicht unterhalten darf, wenn eine Beziehung entstehen soll
In meinem heutigen Artikel greife ich auf eine Arbeit der Psychologinnen Johanna Degen und Andrea Kleeberg-Niepage zurück, die sich mit dem in letzter Zeit zunehmend beachteten Phänomen des Dating-Burnouts beschäftigen.
Ich stelle zunächst kurz die Hauptbefunde der Autorinnen vor, um sodann zu dem nach meiner Einschätzung größten Irrtum über das Online-Dating zu gelangen.
Ausgehend vom Dating-Burnout und diesem größten Irrtum zeige ich sodann einen einfachen Lösungsweg auf, der sofortige Erleichterung bringt, den Dating-Burnout auflöst und so die Aussicht auf eine echte Beziehungsfindung ermöglicht.
Erschöpfung statt Beziehungserfüllung
Johanna L. Degen und Andrea Kleeberg-Niepage beschäftigen sich in ihrer qualitativen Untersuchung mit der Erkenntnis, dass Dating-Plattformen zwar als effiziente Möglichkeit der Partnersuche beworben werden, bei vielen Nutzer:innen jedoch Gefühle von Erschöpfung, Frustration und Sinnverlust hervorrufen.
Die Autor:innen konnten dabei insbesondere die folgenden Muster idenfizieren:
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- Wiederholte Enttäuschungen und Verlust von Vertrauen: Die Befragten schildern, dass die anfängliche Hoffnung auf Nähe, Beziehung oder Verbindlichkeit zunehmend von Enttäuschungen abgelöst wird. Wiederholte Erfahrungen von Ghosting, oberflächlicher Kommunikation, Respektlosigkeit oder impliziter Abwertung führen zu Frustration, Misstrauen und emotionaler Distanz. Viele entwickeln eine skeptische Haltung sowohl gegenüber anderen Nutzer:innen als auch gegenüber den Plattformen selbst, deren algorithmische Logiken und ökonomische Interessen als entmenschlichend erlebt werden. Diese Erfahrungen gehen häufig mit Selbstzweifeln, Kränkungen und dem Gefühl einher, austauschbar oder nicht ausreichend attraktiv zu sein.
- Rückzug, Abstumpfung und defensive Dating-Strategien: Um sich vor weiteren Enttäuschungen zu schützen, berichten viele Befragte von emotionaler Abstumpfung, reduzierter Investitionsbereitschaft und ritualisiertem, fast automatisiertem Swipen. Kommunikation wird knapper, Erwartungen werden gesenkt, und Begegnungen werden vorschnell abgebrochen. Gleichzeitig neigen viele dazu, das wiederholte Scheitern zu internalisieren und als persönliches Versagen zu deuten. Diese Verhaltens- und Deutungsmuster verstärken das Gefühl von Erschöpfung und Sinnlosigkeit und tragen wesentlich zur Verfestigung des Burnout-Erlebens bei.
- Vergleichbarkeit, Austauschbarkeit und Misstrauenskultur: Online-Dating fördert eine Praxis ständiger Vergleichbarkeit und geringer Verbindlichkeit. Die dauerhafte Verfügbarkeit alternativer Optionen begünstigt Parallel-Dating, Austauschbarkeit und vorschnelle Kategorisierungen. In den Interviews finden sich daraus folgend auch zahlreiche verallgemeinernde Zuschreibungen gegenüber bestimmten Gruppen, etwa entlang von Geschlecht/Gender oder Dating-Stilen. Diese pauschalisierenden Deutungen verstärken gegenseitiges Misstrauen und führen zu zunehmend verhärteten Erwartungen an andere.
- Sich selbst verstärkende negative Abwärtsspirale: Negative Erwartungen, die aus wiederholten Enttäuschungen entstehen, führen zu defensiven, distanzierten oder instrumentellen Verhaltensweisen. Diese erzeugen wiederum genau jene oberflächlichen und unverbindlichen Interaktionen, die die negativen Erwartungen bestätigen. Dating-Burnout zeigt sich damit als sich selbst stabilisierendes System, welches über die Erfahrungen der Einzelpersonen hinausgehend innerhalb der Dating-Strukturen erzeugt und permanent reproduziert wird.
Originaltöne der Befragten
Diese Zitate der Befragten aus der Studie von Johanna L. Degen und Andrea Kleeberg-Niepage verdeutlichen nach meinem Erleben sehr gut, was beim Online-Dating von vielen innerpsychisch erlebt wird:
- Das ganze Wischen, die Zahlungen, das Entmatchen und immer wieder dasselbe Schreiben – das macht mich depressiv.
- Ich bereue es, ein ganzes Wochenende mit Wischen und Chatten verbracht zu haben. Es fühlt sich wie Zeitverschwendung an, ohne jeden Wert. Stattdessen könnte ich draußen sein, Menschen treffen, Dinge erledigen.
- Nach einem Date weiß man einfach, dass alle weiterwischen. Ich ja auch – wer will schon der Teil sein, der sich zu sehr bindet?
- Ich liebe den Kick neuer Matches, das gibt mir das Gefühl, lebendig zu sein, während mich das eigentliche Dating erschöpft.
- Am Anfang war ich total begeistert von Dates, bis man lernt, dass sie nichts bedeuten. Selbst eine feste Verabredung heißt nicht, dass jemand erscheint, und Situationships enden mit Ghosting.
Das entscheidende Missverständnis
Für mich liegt die Wende in den wissenschaftlichen Studien zum Online-Dating und auch in der Presseberichterstattung, die ich seit etwa zwei bis drei Jahren beobachte, fast wie eine Katharsis. Es wirkt, als würden manche langsam aufwachen und feststellen, dass das gesamte Online-Dating, der Siegeszug der Dating-Apps und der milliardenschwere Markt etwas ganz anderes sind, als zuvor allgemein angenommen wurde.
Darüber hinaus gibt es jedoch ein entscheidendes Missverständnis über Online-Dating, das nach wie vor vielen nicht bewusst ist. Aus dessen Erkenntnis lässt sich vieles auflösen, was die Befragten in diesen Studien so eindrücklich beschreiben.
Das grundlegende Missverständnis lässt sich wie folgt beschreiben:
- Online-Dating wird als ein Erlebnisprozess verstanden, der durch ständige Kontaktaufnahme zu einer Beziehung führen soll.
Mit „Erlebnisprozess“ ist gemeint, dass die Erwartung besteht, Online-Dating dürfe gerade nicht zu Lustlosigkeit, Erschöpfung oder Langeweile führen. Man möchte etwas erleben, und Online-Dating soll diese Erwartung erfüllen.
Mit ständiger Kontaktaufnahme ist gemeint, dass viele – oder fast alle – glauben, Online-Dating zeichne sich vorrangig dadurch aus, dass jederzeit Kontakt zu anderen aufgenommen werden kann oder zumindest potenziell möglich ist.
Der größte Irrtum und das entscheidende Missverständnis ergeben sich jedoch erst aus der Verknüpfung dieser beiden Erwartungen mit einer dritten und fundamentalen Erwartung:
- der Annahme, dass genau dies letztlich zu einer Beziehung führen würde.
Auf andere Art formuliert lautet das Missverständnis also, dass Online-Dating für uns ein unterhaltsames Erleben sein sollte, bei dem über einen fortwährend möglichen Prozess der Kontaktaufnahme mit anderen Personen eine Partnerschaft entsteht.
Der inzwischen häufig beschriebene Dating-Burnout entsteht aus der Enttäuschung darüber, dass Online-Dating kein unterhaltsamer Erlebnisprozess mehr ist – Erschöpfung, Langeweile – und die ständige Möglichkeit zu Kontakten eben meist nicht in einer Beziehung kulminiert.
Ich habe bereits oft darüber geschrieben, woran das Ausbleiben einer Beziehung liegt.
In aller Kürze:
- Das Ausbleiben einer Beziehung ist genau die Folge der Kontaktmöglichkeiten. Sobald wir mehrere Profile vergleichen, sehen wir alle Profile kritischer, hoffen auf ein noch besseres Profil, orientieren uns an immer oberflächlicheren Kriterien und können uns kaum gegen ein Absinken unserer Bindungsbereitschaft wehren. Das, was zur Beziehung führen soll, führt tatsächlich von ihr weg.
Warum halten wir dennoch so unverrückbar an dieser Erwartung fest?
Weil wir nach einem unterhaltsamen Erleben streben. Dieses können wir beim Online-Dating jedoch vorwiegend dann erleben, wenn Kontaktmöglichkeiten angeboten werden. Mehrgleisigkeit macht die Sache unterhaltsam, verhindert jedoch die Beziehungsfindung. Wenn dann über einen Zyklus von Kontakt zu Kontakt der Unterhaltungscharakter der Leere weicht, tritt der Burnout ein.
Die Auflösung der Verirrung
Ein einfaches Bild kann diese generalisierte und weitverbreitete Verkennung sofort auflösen:
- Online-Dating ist kein mehr oder weniger unterhaltsamer Prozess des Kontaktierens, sondern eine stille Option, die eines Tages anschlägt und so eine Beziehung möglich macht.
Dating ist kein Spiel:
- Wir sollten daher überhaupt nicht erwarten, durch den Dating-Prozess etwas Wohltuendes zu erleben – keine Unterhaltung, keine Abwechslung. Wenn wir keine Erlebenserwartungen haben, werden wir nicht enttäuscht. Und auch ein Burnout kann bei einer stillen Option nicht eintreten.
Wie soll diese stille Option aber zur Beziehung führen?
- In Wirklichkeit ist romantische Beziehungsfindung ein Prozess, der nur selten eintritt. Schließlich beginnt nicht jeden Tag eine neue Beziehung. Entscheidend ist allein, dass der Moment eines Tages eintritt, dass wir diesen Moment erkennen und ihn dann nutzen.
Genau dies wird jedoch erschwert, wenn wir permanent mehrgleisig fahren, ständig neue Profile sehen und hin- und herschreiben. Mit dieser Art des Online-Datings machen wir uns nur vor, etwas für unsere Partnerfindung zu tun. In Wirklichkeit tun wir etwas für unsere Unterhaltung – vielleicht auch für die Hoffnung, aber eine Hoffnung, die auf brüchigem Boden steht.
Was Partnerfindung ermöglicht
Ein System des Online-Datings, das die Aussicht auf Beziehungsfindung maximiert, muss gewährleisten, dass der Moment eintritt, erkannt und genutzt wird.
Mainstream-Dating-Plattformen haben ausnahmslos ein Freebie-Modell:
- Es gibt kostenlose Funktionen, die einen sofortigen Einstieg ins Dating ermöglichen. Dadurch strömen sofort viele Menschen in die Daten der Anbieter:innen, und genau so kommt es, dass ständige Kontaktoptionen und Matches an die Stelle der Partnerfindung treten.
Mindestens zwei notwendige Faktoren für die Partnerfindung werden durch dieses moderne Online-Dating jedoch außer Kraft gesetzt:
- Erstens, dass Suchende den Moment erkennen – Profile gehen in anderen Kontakten unter, echtes Ausloten findet nicht statt.
- Zweitens, dass Suchende den Moment nutzen – weil durch die Struktur des Auswahl-Datings die Bindungsbereitschaft sinkt. Das zeigt sich in Angst vor der eigenen Courage, plötzlicher Ambivalenz, dem Wunsch, erst einmal das Dating fortzusetzen: „Ich schaue mich um.“
Die klassischen Partnervermittlungen der Vergangenheit, bevor es das Internet gab, benötigten überhaupt keine Kandidat:innen in ihren Dateien zu haben:
- Ihre Leistung bestand darin, sich aktiv auf die Suche zu machen, wenn jemand ihren Service in Anspruch nehmen wollte. So entstand eine ausreichend gestreute, geringe Kontaktfrequenz, die es den Nutzer:innen ermöglichte, den Moment zu erkennen, in dem die richtige Person in ihr Blickfeld trat, und sodann – frei von Alternativen – in den Prozess der Beziehungsentstehung einzusteigen.
So ähnlich ist es auch im realen Leben, wo wir nicht durch eine Reihe von Kandidat:innen scrollen, sondern warten, bis jemand in unseren Lebensalltag eintritt.
Auch Eliana Silver fand so schließlich ihren Partner:
- Eliana Silver gehörte zu den 15 beliebtesten Profilen von Tinder, wurde Millionen vorgeschlagen und hatte so auf Tinder nicht einmal die geringste Chance, einen Partner zu finden. Als sie jedoch an der Universität einem einzelnen Mann begegnete, konnte sie die Passung erkennen und den Moment für die Beziehungsentstehung nutzen.
Unser Ansatz bei Gleichklang
Auf eine ganz ähnliche Art und Weise verläuft auch bei uns seit 2006 die Partnervermittlung:
- Wir stellen eine Plattform zur Verfügung, bei der sich Menschen anmelden, die eine Beziehung suchen und dafür auch bereit sind, einen monetären Beitrag zu leisten. Wir suchen sodann nach Passung der grundlegenden Werte und Beziehungsmodelle und bringen unsere Mitglieder durch Vorschläge in ihr wechselseitiges Blickfeld.
- Jeden Tag verlassen uns Mitglieder, jeden Tag kommen neue Mitglieder hinzu. Selbst bei den seltensten Konstellationen kommt der Moment, in dem wir eine Passung entdecken.
- Nun können die beiden miteinander in Kontakt treten, um abseits von Vergleichen, Auswahl oder Selbstpräsentation auszuloten, ob dies der Moment für eine Beziehung ist.
Auch wenn Gleichklang im Stillen ständig latent aktiv ist, geschieht einen großen Teil der Zeit manifest sichtbar nichts:
- Wir sind die stille Option, die nicht unterhält, aber anschlägt, wenn ein möglicher Beziehungsmoment sichtbar wird.
Indem wir unsere Mitglieder vor Choice Overload, kostenlosen Anmeldungen, Fake- und Spaßprofilen sowie Vermittlung nach Bilderscrollen schützen, tun wir das, was notwendig ist, damit der Moment für die Beziehungsentstehung Wirklichkeit wird.
Ich glaube, diese Zuschrift macht die Essenz deutlich:
- „Ich habe auf eurem wunderbaren Portal die Liebe meines Lebens gefunden. Trotz meines Alters (75) hat sich die Plattform als geeignet erwiesen. Ein wenig Geduld war erforderlich, um nach fünf Kontakten der richtigen Partnerin begegnet zu sein.“
Was mit Gleichklang als stiller Option eintrat, war der entscheidende Moment, also das, um das es eigentlich geht, was aber beim modernen Online-Dating oft vergessen wird. Er erkannte diesen Moment und konnte ihn in ein neues Liebesglück verwandeln.
Genau dies ist der Weg, auf dem Beziehungen entstehen – und von dem das Swipen auf den Apps nur ablenkt.
Wenn Sie dieser Ansatz Sie anspricht, begleiten wir Sie gern auf Ihrem Weg zum Beziehungsglück:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
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28 Kommentare
Das mit dem Dating Burnout bei den Datingapps stimme ich zu,
auch wenn ich noch nie eine benutzt habe.
Leider gibt es bei Gleichklang aber das entgegengesetzte Problem
der Dating Boreout.
Das jahrelange Warten ohne nennenswerte Kontakte/Austausch
erschöpft einen am Ende auch sehr stark.
Wenn ich meine Erfahrung mit Gleichklang beschreiben müsste,
dann würde ich es am besten mit einen Arztbesuch beschreiben.
Man hat einen Termin für 8:00 Uhr und erscheint 7:45 Uhr in der Praxis.
13:00 Uhr sitzt man immer noch im Wartezimmer … völlig erschöpft
… auf dem Stuhl zusammengesunken … das Bild an der Wand gegenüber
hat sich schon in das Gedächtnis eingebrannt … man fragt sich nurnoch warum
kann man es nicht verbessert/ändern?
Tut mir leid aber es ist kein guter Zustand bei Gleichklang
und wenn ich sehe, dass einige hier in den Kommentaren
bereits seit 7-8 Jahren suchen, dann weiß ich, dass ich
es nicht durchhalten würde und das man dringend
grundlegende Verbesserungen braucht und nicht nur
einen neuen Anstrich.
Ich glaube, du beschreibst bei Gleichklang etwas anderes als einen Dating-Burnout, nämlich eine Enttäuschung und Frustration darüber, dass die Partnerfindung bisher nicht eingetreten ist. Du bist seit 2,5 Jahren bei uns. Du hast eine Reihe von Vorschlägen erhalten und erhältst immer mal wieder neue Vorschläge. Du hast eine Reihe von Personen angeschrieben und hast bei etwa über einem Drittel eine Antwortrate erhalten. Das ist zwar im Vergleich zu Gleichklang eine etwas geringere Antwortrate, aber im internationalen Dating-Schnitt ist sie nach wie vor sehr gut.
All das hat sich jedoch über 2,5 Jahre verteilt. Gleichklang bildet also keinen quasi täglichen Teil deines Lebens, mit dem du dich dauerhaft beschäftigen würdest oder könntest. Es ist weiterhin eine oftmals komplett stille Option, die gelegentlich Bescheid gibt, und dann tust du etwas. Ausbrennen tust du durch diese Tätigkeit aber nicht – das ist der Unterschied.
Richtig ist allerdings, dass bisher keine Partnerfindung eingetreten ist. Woran das liegt, kann ich von hier aus nicht sagen. Die Unzufriedenheit hierüber ist absolut nachvollziehbar, aber ein Dating-Burnout im obigen Sinne ist es nicht.
Dieser Beitrag war wichtig. Ich selbst gehöre auch zu den Menschen, wie Sie ihn im Bericht am Anfang geschrieben haben. Ich bin nun seit sieben Wochen dabei, ich hab noch nicht einmal Zeilen geschrieben bekommen. Nur ich hab immer die Damen angeschrieben, aber selbst hier kaum Resonanz. Es kann aber auch daran liegen, weil innerhalb der nächsten 75 km keine Angebote kommen.
Für mich stellt es sich ein wenig anders dar. Du suchst in Bayern, Österreich und überall dort, wo Menschen umzugsbereit sind – das ist eine sinnvolle Einstellung. Du hast sehr viele Vorschläge erhalten und davon nur wenige angeschrieben (ca. 1 %). Von denen, die du angeschrieben hast, hast du in zwei von drei Fällen eine Antwort erhalten – eine sehr gute Antwortrate.
Ich würde dir einfach raten, aktiver zu werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich unter den vielen Vorschlägen niemand befindet, mit dem du in einer Beziehung glücklich werden kannst. Du solltest aber nicht einfach alle in einem „Aufwasch“ anschreiben. Sondern zum Beispiel: jeden Tag eine Person, dann 2–3 Tage warten und danach wieder jemanden anschreiben. Und jeweils nach einer Woche eine freundliche und einladende Erinnerung senden.
Sobald jemand zurückantwortet, erst einmal niemand Neues anschauen oder anschreiben, sondern ausloten, ob sich eine Beziehung entwickeln kann. Mit diesem Vorgehen hast du gute Aussichten.
Der Text beschreibt genau, wie es mir gerade geht. Ich bin in einem Dating-Burn-out und habe das starke Gefühl, überhaupt nichts mehr versuchen zu wollen. – „Gleichklang“ sehe ich als eine letzte Option. Leider ist es mir nicht gelungen, mich da anzumelden. Habe das Gefühl, das System schickt mich im Kreis. Aber ich versuche es noch einmal.
Nein, du kommst nicht wieder zu alten Teilen zurück, sondern du hast deine Suchkriterien für Partnerschaft angegeben, und jetzt kommt Freundschaft. Das sieht ähnlich aus, ist aber etwas anderes. Mein Rat: Logge dich ein, mache weiter und starte deine Teilnahme!
Danke, für diesen sehr guten, Augen öffnend und richtungsweisenden Beitrag!
Freue mich sehr, dass der Beitrag hilfreich ist!
Dieser Beitrag bestätigt genau die ökonomische Realität des Online-Datings: Würden die Algorithmen der großen Apps wirklich sofort den Traumpartner liefern, verlören die Anbieter ihre zahlende Kundschaft. Das System ist also auf ‚Dauerschleife‘ und ‚Unterhaltung‘ programmiert, nicht auf schnellen Erfolg. Gut, dass das hier so klar benannt wird.
Wobei es eine Nebenfolge der Optimierung auf ökonomischen Erfolg ist. Die Dating-Apps sind so aufgebaut, dass sie möglichst große Einnahmen erzielen. Danach wird die Struktur gesteuert. Niemand sitzt dort und sagt bewusst: „Ich will nicht, dass sie jemanden finden.“ Aber die App wird so strukturiert, dass die Einnahmen maximiert werden. Die Nebenfolge ist, dass selten tragfähige Beziehungen entstehen. Natürlich kennen wir alle jemanden, der über eine App fündig wurde, aber in Anbetracht der enormen Nutzer:innenzahlen sind es doch wenige.
Sorgt nicht die mangelnde (eigentlich naturgegebene) Frustrationstoleranz dafür, dass DER (potenzielle oder bestehende) Partner / DIE Partnerin nur noch für Wochen bis Jahre als „der/die 1“ akzeptiert wird?
Täglich umgeben von digitalen Kunstwelten/Pseudomenschen erwarten wir vom realistischen, echten Partner das Unmögliche. In der TV-Waschmittelwerbung gehen ja auch angeblich alle Flecken raus & am Ende der Illusion warten strahlendes Weiss oder leuchtende Farben, aber in der Realität?
Wer als echter Partner/Partnerin nicht beständig in 1001 Situationen unrealistische Leistung (Perfektion alias 100%+×) bereitstellt wird rasant passiv oder aktiv be- oder sogar verurteilt. Ständiger Vergleich mit anderen echten oder eben eingebildeten „Mitmenschen“ zersetzt jedes gemeinsame Paar-Fundament, wenn nicht erwachsen und verantwortungsbewusst reflektiert und zu Zweit miteinander kommuniziert wird.
Statt Kommunikation als Errungenschaft jahrhundertelanger menschl. Zivilisation zu kultivieren plappern wir mit hohem Sendebewusstsein Satzfetzen + Emojis in die digitale Kunstwelt oder unterhalten uns lieber mit Dritten über unseren Partner / Partnerin statt uns mit unserem Partner / Partnerin verbindend zu unterhalten.
Warum sollte sich das infantile Verhalten bei der „Partnersuche“ von jenem in bestehenden Partnerschaften relevant unterscheiden?
Ja, ich würde es Gamifizierung nennen. Die Gamifizierung des Online-Datings kann sich auch auf unsere Beziehungen auswirken. Bei einem Klienten – ich schreibe es an anderer Stelle – geht das so weit, dass er das Dating immer nach Beziehungsbeginn fortsetzt, sodass sich Beziehungen nicht wirklich vertiefen und nach Monaten auseinandergehen. Manche gehen auch dann in die Apps hinein, wenn es gerade Probleme in der Beziehung gibt, was sich ebenfalls ungünstig auswirken kann.
Ich möchte mich dem ersten Kommentar anschließen.
Zwar finde ich die Idee von Gleichklang wirklich gut, doch funktioniert sie meiner Erfahrung nach leider nicht.
Das, was vorgeschlagen wird und die Werte, die Sie vertreten kann ich teilen. Extrem viele Mitglieder scheinen dies aber nicht zu tun.
Ich bin mit sehr kurzen Unterbrechungen seit neun Jahren dabei. Eine einzige Person habe ich getroffen und wir haben nach fünf Monaten festgestellt, dass es für eine Beziehung nicht reicht.
Des Öfteren habe ich nach der Zusendung von Fotos eine Absage bekommen, obwohl ich sicherlich nicht unattraktiv bin.
Die Tatsache, dass ein Kind mit Behinderung bei mir lebt, macht meine Situation bestimmt besonders, aber wo, wenn nicht hier, sollte es Menschen geben, die sich trotzdem eine Beziehung vorstellen können.
Ihre Empfehlung jeden Vorschlag anzuschreiben, ist für mich nicht sinnvoll. Wenn jemand schreibt, dass er gerne und viel reist, sein Leben sich nur um das eigene „Wohlgefühl“ dreht, kann ich damit nicht viel anfangen.
Wenn ich mich dann mal traue jemanden anzuschreiben, bekomme ich entweder keine Antwort, eine Absage oder nach kurzem Mail Kontakt eine Absage.
Das ist sehr frustrierend und verletzend.
Ich weiß zwar, dass das von Ihrem Portal anders „geplant“ ist und trotzdem sieht meine Realität so aus.
Wenn alle Mitglieder sich an Ihren „Fahrplan“ halten würden, könnte es bestimmt funktionieren. Leider haben Sie darauf keinen Einfluss.
Du hast in 91 % der Fälle eine Antwort erhalten, allerdings sehe ich die 9 Jahre nicht, vermutlich warst Du vorher mit anderem Pseudonym angemeldet? Insgesamt liegt Deine Anschreibrate bei 1 %, was wirklich sehr niedrig ist. Die Antwortrate ist aber hervorragend. Absagen sind frustrierend, und es ist tatsächlich so, dass sich ca. 30 % der Mitglieder bereits in einem Kennenlernprozess befinden. Dass es für eine Beziehung damals nach 5 Monaten nicht gereicht hat, ist schade. Grundsätzlich würde ich trotz aller negativen Erfahrungen dazu raten, etwas aktiver zu werden. So verletzend Absagen auch sind, so verletzend ist es, wenn keine Antwort kommt. Letztlich ist nur das Anschreiben erfolgversprechend, wenn Du finden willst.
Gefühlt scheint das mittlerweile wie eine Seuche zu sein, die sich fest in unserer Gesellschaft breit zu machen scheint. Spannend wird auch sein, wie sich die Beziehungssituation/Beziehungsfindung einmal von Dating-Burnout betroffener Personen langfristig entwickelt.
Ich bin schon der Überzeugung, dass konventionelle Dating-Apps wie Tinder und Co solche Phänomene viel stärker befeuern, als das bei GK der Fall ist. Aber auch hier ist man nicht davor gefeit.
Aktuell befinde ich mich selbst in einer Phase des Dating-Burnouts. Jahrzente des Versuchens und Scheiterns, haben meiner Seele nicht gut getan. Hinzu kommt mittlerweile die Erkenntnis, dass man als Person mit emotionaler Instabilität, vorwiegend Personen mit ebenfalls vorliegenden psychologischen Defiziten anzieht. Das Verstärkt mittlerweile das Gefühl der Sinnlosigkeit der Beziehungsfindung, weil ich mich nicht in der Lage sehe, Energie für zwei Personen aufwenden zu können. Hinzu kommt die, aufgrund fehlender Stimuli, größer werdende emotionale Inkompetenz. Ich fühle mich schlicht nicht mehr kompetent genug oder emotional in der Lage, eine tiefergreifende zwischenmenschliche Bindung einzugehen.
In der Vergangenheit konnte ich mich trotz Misserfolgen immer mal wieder aufraffen, es doch mal wieder zu versuchen. Aber irgendetwas hat sich gerade verändert. Es ist nicht so wie sonst, dass es einfach nur frustrierend ist. Es fühlt sich mehr wie etwas an, was dauerhaft kaputt gegangen ist.
Grüße gehen an alle raus, die sich momentan in einer ähnlichen Situation befinden. Ich wünschte, ich könnte etwas tröstendes sagen, aber mir fällt nichts ein. Vielleicht gibt es da auch gar nichts, was in irgendeiner Form helfen könnte
Du schilderst eine Situation, die eine Interaktion beinhaltet aus Strukturmerkmalen von Plattformen, Merkmalen anderer Personen und eigenen Merkmalen. Ich sehe einen Teil der Lösung in einer anderen Haltung:
(1) Es ist nicht schlimm, Single zu bleiben; finde ich eine Partnerschaft, ist es einfach nur noch eine „Rosine“ dazu. Ich glaube, eine solche gelassene Haltung ist absolut zentral, und wer sie hat, wird sehr viel leichter durch Absagen gehen.
(2) Online-Dating ist eine stille Option, mit der ich mich nur dann beschäftige, wenn gerade jemand da ist, der potenziell passt, wobei ich dabei jede Mehrgleisigkeit vermeide. Ich habe alle Zeit der Welt.
(3) Ich weiß, dass ein Vorschlag online auch für spätere Paare, die so zusammenkamen, oft nicht besonders anziehend war. Entsprechend versuche ich, gemeinsam auszuloten, ob es klappen kann, fokussiere mich auf eine Passung der Lebensziele und Lebensphilosophien und erlaube uns auch immer einen zweiten oder dritten Blick, weil eben auch hier belegt ist, dass sich Wahrnehmungen über mehrere Treffen ändern können. Da, wenn ich konsequent Mehrgleisigkeit vermeide, Treffen selten sind, gerate ich nicht in einen Überforderungskreislauf. Ich bin aber auch nicht frustriert, weil ich mir erstens ein sinnerfülltes Leben als Single einrichte und ich keine Unterhaltung, Geschwindigkeit etc. vom Online-Dating erwarte.
Wenn wir allerdings selbst den Eindruck bekommen, dass unsere eigenen Themen schwer wiegen, kann es hilfreich sein, sich doch erst um sich selbst zu kümmern (Psychotherapie etc.), um hier zu einer Verbesserung zu gelangen.
Ghosting, Respektlosigkeit, übergriffiges Verhalten usw. begegnet einem auch auf Gleichklang.
In den Zuschriften fehlt leider das konkrete Vorgehen erfolgreicher sowie nicht erfolgreicher Gleichklangmitglieder, deshalb hier mein Fazit nach mehreren Gleichklangjahren:
Ausgangssituation:
– Ich wollte in derselben Stadt einen Partner mit pflanzlicher Ernährung kennenlernen.
– Ich habe, weil Gleichklang es empfiehlt, erstmal (fast) alle Vorschläge angeschrieben, selbst wenn sie mich die Profile nicht angesprochen haben.
– Suchradius später auf Umkreis erweitert.
=> Mehrere Jahre kein Erfolg
=> Sowohl vor als auch während Gleichklang Beziehungsoptionen außerhalb möglich gewesen (keine Datingapps), aber immer andere Städte (= ausschließlich Fernbeziehungsoptionen)
=> Deshalb weiterhin auf Gleichklang gesucht
=> Zu viele respektlose Kontakte auf Gleichklang erlebt, wesentlich extremer als in Onlinecommunities ohne Datingfokus
=> Mehrere Gleichklangpausen
=> Entscheidung nach längerer Pause, sich nochmal neu anzumelden
Anpassung der Suche:
– Keine Einschränkungen beim Wohnort (= gesamter DACH-Raum)
– Kein Anschreiben von Vorschlägen, die mich nicht angesprochen haben
– Starke Anpassung des freien Profiltextes auf Kernaspekte (die Mehrzahl der Mitglieder liest detailliert ausformulierte Profiltexte ohnehin nicht)
– Kein sofort öffentliches Foto/Galerie
– Kein Beantworten von Nachrichten aus Höflichkeit (führte in der Vergangenheit zu sinnlosen Diskussionen)
– Weniger strikte Ernährungsvorgabe als zuvor
=>
Nach einiger Zeit einen Vorschlag erhalten, der mich sofort angesprochen hat und den ich deshalb dann kontaktierte.
Fazit:
Freie Wohnortsuche und flexiblere Ernährungsweise ermöglichten die Findung.
Natürlich möchten die meisten einen Partner in derselben (Nachbar)Stadt finden, doch das gestaltet sich als schwierig, wenn man online sucht (ich würde da lieber auf Singletreffen in der eigenen Stadt gehen).
Außerdem sind heute viele Menschen beruflich sehr mobil – sie wohnen zwar in einer ganz anderen Stadt, sind beruflich jedoch in der Gegend unterwegs, wo man selbst ist.
Insofern ist meine Empfehlung aus eigener Erfahrung heute an alle, eine Onlinepartnervermittlung zur ortsunabhängigen Suche zu verwenden und sich nicht lokal einzuschränken, wie es vor den Internetzeiten der Fall gewesen ist und bei unbedingtem Wunsch im eigenen Wohnort jemanden kennenzulernen, offline zu suchen.
Danke für Deine Zuschrift, und Deine Schlussfolgerungen kann ich nur bestätigen. Ich vertrete die Position, dass eine romantische Beziehung für uns wichtig ist (wenn wir sie finden) und dass Liebe gleichzeitig regionale Probleme erheblich lösen kann. Wir sehen das in Studien, wir sehen es in unseren eigenen Daten. Ich sehe es übrigens auch in Kambodscha, wo ich lebe, wo wirklich niemand Anreisen von mehreren Stunden auch nur als Hindernis für ein Kennenlernen für eine Beziehung sehen würde – jedenfalls bin ich noch niemandem begegnet, der es anders sieht. Es ist komplett normal, dass die andere Person in einer anderen Provinz lebt und wegen Straßen etc. dauern Anreisen für geringere Distanzen wesentlich länger als in Deutschland. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass eines der häufigsten Argumente in Deutschland gegen eine Beziehungsentstehung („zu weit“) hier überhaupt nicht vorkommt und sich das offenbar auch in keiner Weise hinderlich auswirkt.
Außerdem einmal ein kleines Rechenbeispiel, um Deine Situation mit der Stadt zu verdeutlichen:
Nehmen wir Frankfurt und legen (großzügig) in der Rechnung zugrunde, dass dort 10 % der Erwachsenen Vegetarier- oder Veganer:innen sind. Nehmen wir an, dass der wechselseitige Alterspassungsbereich zu 20 % klappt (auch das ist großzügig, denn die vielen jungen Vegetarier:innen oder Veganer:innen kommen ja gar nicht infrage etc.). Nehmen wir eine Geschlechter-/Gender-Passung von 40 % an, ebenfalls großzügig unter Berücksichtigung aller geschlechts- und genderbezogenen sexuellen Orientierungen. Gehen wir davon aus, dass ein Drittel der infrage kommenden Personen Single ist, was wiederum realistisch ist und sogar im Bereich von 40–60 % großzügig gerechnet. Von diesen sind nach Umfragen ungefähr 50 % erst einmal gerne Single und suchen keine Partner. Von den restlichen sind zwei Drittel zum Online-Dating bereit, es aber aktuell wirklich zu tun (Handlungsumsetzung) liegt bei ca. 50 % von diesen. Nun müssen wir die (wechselseitigen) äußeren Kriterien mit zugrunde legen, wie Körpergröße, Figurtyp etc., sodass noch einmal nur 40 % der Verbleibenden infrage kommen. Aber es gibt noch 100 weitere Ausschlusskriterien, bei denen starke Ausschlüsse oder Einschlüsse konsequent umgesetzt werden (aus gutem Grund). Über den Daumen gepeilt und realistisch werden durch alle zusammen noch einmal 90 % der Personen ausgeschlossen. Schließlich gehen wir einmal großzügig davon aus, dass bei so einer spezialisierten Suchgruppe (für die Gleichklang affin ist) und in einer Stadt wie Frankfurt 20 % der infrage kommenden zu Gleichklang kommen. Dann ergeben sich insgesamt in ganz Frankfurt unter diesen Annahmen 2,3 Personen:
– Ausgehend von 645.556,5 Erwachsenen (18+) in Frankfurt ergeben sich bei einem Anteil von 10 % vegetarisch/vegan lebender Personen zunächst 64.555,7 Personen. Wenn davon ein Drittel Singles ist, verbleiben 21.518,6. Unter der Annahme, dass 50 % dieser Singles eine Partnerschaft suchen, reduziert sich die Zahl auf 10.759,3. Von diesen sind zwei Drittel online-bereit, was 7.172,9 Personen entspricht. Wenn wiederum 50 % aktuell tatsächlich online suchen, bleiben 3.586,4. Bei einer Altersbereichs-Passung von 20 % ergibt sich eine Zahl von 717,3. Wird darauf eine Gender-Passung von 40 % angewendet, verbleiben 286,9. Unter der Annahme, dass 40 % hinsichtlich äußerer („frozen“) Merkmale passen, reduziert sich dies auf 114,8. Wenn schließlich 10 % auch in allen weiteren Merkmalen passen, bleiben 11,5 Personen. Nimmt man nun an, dass 20 % davon bei Gleichklang sind, ergibt sich ein Endwert von 2,3 Personen.
Rechnen wir nun bundesweit, dürfen wir nach den neuesten Studien die Anzahl vegan/vegetarisch nur bei 5 % ansetzen, und bundesweit (außerhalb der Großstadt Frankfurt) sollten wir auch höchstens 10 % Suche bei Gleichklang zugrunde legen. Nun ergeben sich 63 Personen:
– Ausgehend von 70.360.209,9 Erwachsenen (18+) in Deutschland ergeben sich bei einem Anteil von 5 % vegetarisch/vegan lebender Personen zunächst 3.518.010,5 Personen. Wenn davon ein Drittel Singles ist, verbleiben 1.172.670,2. Unter der Annahme, dass 50 % dieser Singles eine Partnerschaft suchen, reduziert sich die Zahl auf 586.335,1. Von diesen sind zwei Drittel online-bereit, was 390.890,1 Personen entspricht. Wenn wiederum 50 % aktuell tatsächlich online suchen, bleiben 195.445,0. Bei einer Altersbereichs-Passung von 20 % ergibt sich eine Zahl von 39.089,0. Wird darauf eine Gender-Passung von 40 % angewendet, verbleiben 15.635,6. Unter der Annahme, dass 40 % hinsichtlich äußerer („frozen“) Merkmale passen, reduziert sich dies auf 6.254,2. Wenn schließlich 10 % auch in allen weiteren Merkmalen passen, bleiben 625,4 Personen. Nimmt man an, dass 10 % davon bei Gleichklang sind, ergibt sich ein Endwert von 62,5 Personen, also rechnerisch rund 63 Personen bundesweit.
Es ist absolut realistisch und kommt oft vor, unter diesen 63 eine Partnerschaft zu finden. Aber selbst unter den 2 in Frankfurt kann es gelingen, nur erwarten Menschen viel mehr Vorschläge, obgleich das gar nicht möglich ist. Wenn ein selteneres Merkmal da ist, muss regional ausgedehnt werden, wenn wir nicht mit ganz wenigen Vorschlägen zufrieden sind.
Für Asexuelle (1 %) gilt dies z. B. noch stärker, und wir sehen gute Vermittlungsraten für Asexuelle, was aber eben dadurch kommt, dass die meisten bundesweit suchen und dann wirklich aus den nach wie vor sehr wenigen Vorschlägen etwas machen, weil sie sie aufgrund der Passung und der Seltenheit besonders ernst nehmen.
Natürlich interagieren alle Kriterien miteinander, und deshalb kann es auch keine pauschalen Empfehlungen geben. Da wir in unseren Daten nicht sehen, dass Personen mit mehr Vorschlägen öfter Partnerschaft finden, sollten wir uns auch nicht nur an der Vorschlagsanzahl orientieren.
Grundsätzlich denke ich aber, dass für die allermeisten bei bundesweiter Suche keine Überforderung resultiert, damit auch kein Burnout, und die Beziehungschancen wachsen. Aber für Menschen, die dezidiert regional suchen wollen und die jeden Vorschlag wirklich entsprechend unserer Empfehlungen behandeln, sind die Chancen auch da.
Unterscheiden müssen wir zwischen Dating-Burnout als Ergebnis eines hochfrequenten Datings mit Vorschlägen und Unzufriedenheit darüber, dass es eben noch nicht zum Erfolg geführt hat. Dein Vorschlag zum Offline-Dating ist richtig, aber er führt oft zum Gleichen:
Es gibt Veganer:innen, die nehmen an jeder veganen Veranstaltung teil (Stammtische, Weihnachtsmärkte etc.) und bleiben doch partnerlos, weil sie lokal bleiben und es gar nicht so viele Menschen lokal gibt, die sie an den dortigen Terminen kennenlernen könnten.
Partnerfindung sollten wir realistisch als ein wirklich seltenes Ereignis ansehen, und wir können nur die Voraussetzungen schaffen, dass es irgendwann eintritt, wobei es nie eine Sicherheit gibt.
Nun könnten manche sagen:
Gleichklang ist halt zu klein.
Aber das ist ein Irrtum. Bist Du in Frankfurt mit der gleichen Suche bei Parship, hättest Du für diese Gruppe nicht 10 %, sondern z. B. 50 %, also sind es nicht 2, sondern 10 Vorschläge.
Aber:
Dies gilt nur unter der Voraussetzung, dass diese Gruppe bei Parship wirklich so vertreten ist und es überhaupt ein diesbezügliches Matching gibt, was es nicht gibt.
Die großen Plattformen können all diese Abfragen nicht machen (die man immer von allen machen muss, sonst bringen sie nichts), weil sie sich an den Mainstream wenden und der sonst abspringt (allein durch die Fragen und weil die Regtistrierung in kürzester Zeit durch sein muss). Außerdem müssen sie kostenlose Testphasen und Optionen einführen, weil sie sonst nicht einmal annähernd die Zahlen erreichen, die sie erreichen. Damit kannst Du die Vorschläge aber wieder nicht vergleichen und genau dadurch tritt der Dating-Burnout bei den auf Masse setzenden Portalen ein.
Das Rechenbeispiel verdeutlicht den Umkreissuchenfaktor gut und wäre auch hilfreich in Gleichklangs Tips weshalb eine überregionale Suche empfohlen wird.
Das „Entfernungsproblem“ als Ausschlusskriterium tritt in dieser Form bei Gleichklang als Datingseite auf. Nicht in Onlinecommunities ohne Datingfokus.
In meinem Bekanntenkreis sind sehr viele (inzwischen langfristige Partnerschaften), die sich zuerst online kennenlernten, weit verstreut innerhalb von Deutschland und mitunter sogar in verschiedenen europäischen Ländern, wo ein Treffen nur per längerer Zugfahrt oder Flug möglich war. Der Hauptunterschied zu Gleichklang ist, dass diese Menschen sich ohne konkreten Partnerwunsch kennenlernten und deshalb sich die Zeit zum Onlinekennenlernen gaben BEVOR sie sich offline getroffen haben. Manche trafen sich nach Wochen oder Monaten, manche nach Jahren.
Die typische Gleichklang-Erstnachricht besteht in einem 1-Satz-Text mit sofortiger Offlinetreffenforderung. So entstehen keine! Beziehungen, sondern der oft erwähnte Dating-Burnout für alle, die sich dann tatsächlich gleich treffen.
Das Problem ist demnach weniger die Entfernung, sondern die Erwartungshaltung und daraus entsteht der Frust.
Würden sich Menschen auf Gleichklang wie in anderen Onlinecommunities die Zeit zum Onlinekennenlernen geben, entstünde eine ganz andere Dynamik.
Sowohl Freundschaften als auch Partnerschaften entstehen mit und durch gemeinsame Interaktionen und dies lässt sich auch bei einer Onlineplattform nicht überspringen, auch wenn das viele anzunehmen scheinen.
Die meisten Mitglieder bei Gleichklang treffen sich nach einigen Wochen bis Monaten, wie wir aus unseren Umfragen wissen. Manche treffen sich auch schneller, und dann gibt es sogar Fälle, in denen sich Menschen erst nach Jahren treffen (kleine Anzahl). Das entspricht im Grunde dem, was Du schilderst. Grundsätzlich raten wir bei Gleichklang zu einem baldigen Treffen, wenn es einrichtbar ist, weil dies verhindern kann, dass Kontakte online einschlafen oder ohne echten Grund abgebrochen werden, was eben nicht selten vorkommt.
Mit der typischen Gleichklang-Erstnachricht, die Du beschreibst, scheint mir jedoch eine Unwahrscheinlichkeit vorzuliegen, weil die durchschnittliche Zeichenzahl weit über einem Satz liegt. Es gibt sicherlich auch solche Erstnachrichten, aber sie sind nicht der Regelfall bei Gleichklang.
Ja. und Ja. Ja 🙂
ich lese, auch in Ihren Antworten, so viel Tiefe, Leidenschaft und Präzision!
ein Fan von mathematischen Überlegung zu Beziehungsfindung war ich nie, aber streng genommen werden solche Berechnungen auch meistens postuliert, um zu zeigen, weshalb man keine Beziehung finden kann und das ist so fatal, weil es mit der Power unbestreitbar Logik zu beweisen versucht, dass es so sein muss.
und es kann so weh tun allein zu sein, und ich glaube nichts hat mehr Potential den eigenen Selbstwert anzugreifen und zu erodieren als erfolgloses Online-Dating. Die Counter-Stragegien gegen diese Frustration führen dann auch nicht selten dazu, dass man sich überhaupt nicht so verhält, wie man eigentlich sein möchte. Ich selbst hatte es deshalb jahrelang immer wieder schnell aufgegeben, weil ich‘s nicht ertragen konnte, und dann nach Monaten wieder aufgenommen, sobald ich mich aus mir selbst heraus stabilisieren und Glück in meinem Leben empfinden konnte.
und jetzt bin ich in einer glücklichen Beziehung, nicht zuletzt Dank Gleichklang! 🙂
aus spiritueller Perspektive sehe ich Beziehungsfindung noch einmal anders, denn Beziehungsfindung hat auch etwas sehr schicksalhaftes. Unsere Beziehung sind so wichtig, sie sind nicht nur Spiegel, sondern auch Weichen im Leben, und nichts daran ist zufällig. ‚Unter der Haube‘ in der Energie ist da so viel ineinander greifende Dynamik… und diese Dynamik wird durch das Empfinden von Mangel und dem Anhäufen von Frustration und Depression krass gestört und unterbunden… wenn Dating, also der Prozess des einander Begegnens keine Freude mehr macht und keinen Spaß, dann führt es auch nicht zu Beziehung.
und ich finde es sehr schön und hoffnungsvoll, dass Gleichklang von Beginn an mit einem Funktionsdesign begonnen hat, das Findungsorientiert arbeitet und nicht Marktorientiert und in Marktorientierung ein Wettbewerbsdenken abbildet, das Angebot und Nachfrage in oberflächlichen Attraktivitätsmerkmalen beschreibt und den Menschen suggeriert, sie müssten einfach nur noch perfekter sein, noch schlanker, sportlicher, jugendlicher, hübscher, erfolgreicher, vermögender um gemocht zu werden. Destruktiver geht es kaum.
Und es ist so wertvoll, dass Gleichklang dieses HöherSchnellerWeiter nie mitgemacht hat, sondern Raum bietet man selbst sein zu dürfen.
Jeder Mensch ist wertvoll. Nicht nur merkantil auserwählte Attraktoren. Jeder.
Die Annahme ist, dass alle Menschen auf Gleichklang eine Beziehung suchen. Meine Erfahrung: Konträr zu dem, was sie angeben, finden manche dann aber heraus: Ach nein, ich such doch nicht. Solange das bei Gleichklang so bleibt, kann es auch hier tödlich ermüdend enden. Solange Gleichklang diesen Aspekt nicht erkennt, wird die gebetsmühlenhafte Wiederholung des ja eigentlich so wertvollen Ansatzes, der Aufklärung des Dating, zunehmend öde.
Wobei ich Deiner Ansicht nicht ganz zustimme:
Wir haben die Motive erfragt, und es gibt keinen Grund, warum Mitglieder hier in anonymen Umfragen Falschangaben machen sollten.
Möglicherweise unterscheidest Du jedoch nicht zwischen Motiven und gleichzeitig vorhandenen Ambivalenzen, Ängsten oder Unsicherheiten. Hinzu kommt, dass Partnersuchende anderen gegenüber manchmal andere Gründe für ihr Verhalten angeben als die tatsächlich vorhandenen, etwa „Ich habe schon jemanden gefunden“ oder „Ich bin mir doch nicht sicher über meinen Beziehungswunsch“, um Ablehnung begründen zu können.
In unseren Umfragen wird jedoch deutlich, dass der Beziehungswunsch sehr hoch ist und er im Grunde der einzige Wunsch ist, weshalb die große Mehrheit unserer Mitglieder an der Partnersuche teilnimmt. Die Motivheterogenität haben wir bei Gleichlang tatsächlich nicht, wobei wir exakt die gleiche Skala verwendet haben wie in den veröffentlichten Studien zu Dating-Apps.
Zum Vorwurf des Gebutsmühlenartigen:
Ich gebe hier aktuelle Studientrends wieder und gegenwärtig ist das Thema der Probleme bei Dating-Apps in der Literatur sehr aktuell. Ich würde es daher nicht als gebutsmühlenartig bezeichnen, zumal sich die einzelnen Schwerpunkte und Inhalte schon immer wieder unterscheiden.
Aber ganz Unrecht hast Du nicht und das hängt mit Folgendem zusammen:
Der Blog ist eben auch dazu da, die Mitglieder zu erreichen und alle wichtigen Aspekte müssen regelmäßig wiederholt werden, da leider alte Blogartikel durch Mitglieder seltener gelesen werden als neue. Es kommen jeden Tag neue Mitglieder zu uns und durch den Newsletter am Sonntag sollen sie die wichtigsten Aspekte über Online-Parternsuche, Erwartungen, Haltungen, Unterschiede zwischen den Datingseiten erfahren. Es ist in gewisser Weise ein Dilemma zwischen Wiederholungspflicht und Wunsch nach Neuem.
Dass die Beziehungswünsche der Mitglieder hoch sind, bezweifle ich nicht. Das erlebe ich nicht anders. Wenn es aber ans Umsetzen des Wunsches geht, entsteht eine neue Situation, in der sich viele neu orientieren, weil sie etwa den Wunsch nach Freiheit neu entdecken. Oder es zeigt sich: Der Beziehungswunsch kollidiert mit anderen Wünschen, es ist im ausgefüllten Leben gar kein Platz, alles soll bleiben wie es ist, eigentlich passt da keine Beziehung rein. Wunsch auf Wirklichkeit geprallt.
„Schaun wir mal“ gibt es auch viel bei Gleichklang.
Das mit dem Gebetsmühlenhaften ziehe ich zurück, da gebe ich Dir recht, das ist nötig und wichtig, das zu wiederholen und einzuschärfen.
Mich frustriert es nur manchmal, zu lesen , wie man es richtig macht, weil ich zu denken beginne, ich mache was falsch bzw. im nächsten Stadium: ich bin falsch. Und diese Individualierung von Selbstschuld ist immer blöd.
Da hast du sicherlich recht. Es treten zahlreiche ambivalente und widerstreitende Momente auf, wenn es ernst wird oder ernst werden könnte. Es fehlen bei uns diejenigen, die sich in Wirklichkeit mit zwei oder drei Aliasnamen nur virtuell vergnügen wollen. Es fehlen auch die, die ausschließlich Matches sammeln wollen zur Selbstbestätigung. Personen, die sich sexuell betätigen wollen, aber einen Beziehungswunsch vorgeben, gibt es sicherlich, aber sie sind die absolute Ausnahme bei uns. Auch Personen, die aus Trendorientierung oder wegen Ablenkung daten, sind bei uns nicht vertreten. Das ist der Unterschied.
Was bei uns ebenfalls in vollem Ausmaß wie überall vertreten ist, sind die vielfältigen Ambivalenzen, Ängste, Hemmungen, Veränderungsresistenz, Zweifel etc., die durch Beziehungsmöglichkeiten jedoch noch einmal aktiviert werden können. Hier hilft es letztlich nur, für sich selbst zu versuchen, zur Klarheit zu gelangen, den Beziehungswunsch zu reflektieren und sich mit Ambivalenzen auseinanderzusetzen. Aber natürlich haben wir das (höchstens) für uns selbst und nicht für die andere Person in der Hand.
Deshalb ist eine belastungsfreie Partnersuche schwer möglich, außer wir schaffen es wirklich, mit der Haltung der Gelassenheit und des „Ich-kann-unabhängig-vom-Ergebnis-zufrieden-sein“ an die Sache heranzugehen. Das kann gelingen, aber es ist nicht der Regelfall.
Gamification ist ein toller Begriff, wenn man eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema schreibt. Aber sind wir mal ehrlich, hedonische Gamification wie auf Tiktok und Temu ist eine andere Liga. Nein, Tinder funktioniert nicht, weil die Gamification dort so toll ist oder wir alle leidenschaftliche Glückspieler*innnen sind, sondern weil es so gebaut ist, dass Asymmetrien im Dating-Markt das System stabilisieren, statt es auf Grund von Frustration zu zerstören.
Ein Beispiel: Die Top 10% der Männer bekommen auf Tinder die Matches. Junge Frauen versuchen (meistens erfolglos) Partnerschaften mit genau diesen Männern einzugehen. Wenn sie stattdessen nur Sex mit anschließendem Ghosting bekommen und die Platform verlassen, gibt es weniger Konkurrenz um besagte attraktive Männer und damit bessere Chancen für die Verbliebenen Frauen. Das ist klassische nichtlineare Dynamik.
Grundsätzlich sind Dating-Apps tatsächlich suchterzeugend für eine Reihe von Nutzer:innen, was wiederum durch Studien gezeigt wird, die klassische Suchtmuster, einschließlich der Vernachlässigung des Alltags, nachweisen. Der Unterschied zu TikTok ist, dass dort die Gamifizierung allein an die Betrachtung gebunden ist (typischerweise solitär), während der Gamifizierungsfaktor bei Dating-Apps in der Hoffnung auf reale Kontakte und dem stattfindenden Austausch besteht. Dein Beispiel ist nur die halbe Miete. Gerade (im Durchschnitt) attraktivere Frauen werden einer Unzahl an Männern vorgeschlagen, die wiederum bei diesen auch öfter rein in die Bestätigungsrichtung wischen. Tatsächlich aber werden dadurch weder die Chancen der „attraktiven“ noch der „weniger“ attraktiven Nutzer:innen verbessert. Im Schnitt bleiben beide Nutzer:innengruppen erhalten. Natürlich gehen zunächst viele weg, aber viele kommen wiederum wieder. Und dann gibt es selbstverständlich auch erfolgreiche Vermittlungen.
Ich finde die Idee von Gleichklang eigentlich auch sehr ansprechend und bin deshalb nach meiner krankheitsbedingten Pause wieder hier gelandet. Ich habe aber das Gefühl das viele hier genau das gleiche Verhalten an den Tag legen wie auf anderen Dating Plattformen.
Habe mir alle vorgeschlagenen Profile sorgfältig angeschaut und alle die in Frage kommen könnten mit persönlichen Nachrichten angeschrieben.
Die Antwortrate ist aber trotzdem genau so unterirdisch wie überall sonst auch, nur eine Antwort überhaupt. Und dieser Kontakt hat sich nach einem Telefonat auch ohne Grund (zumindest für mich nicht ersichtlich) direkt erledigt. Ziemlich frustrierend wenn man Mühe und Zeit investiert für nix. Nicht mal ne Antwort ist drin, empfinde das als ziemlich respektloses Verhalten und hat mich schon überrascht das es hier wohl auch der Standard ist einfach ignoriert zu werden.