Wie ängstliche Bindung durch Ablehnungsängste und Erwartungen unser Dating beeinflusst
Mein heutiger Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie das Ausmaß von Angst vor Ablehnung und die Erwartung, abgelehnt zu werden, einen Einfluss darauf haben, wie eine ängstliche Bindung oder eine ängstlich-vermeidende Bindung unser Datingverhalten beeinflussen.
Allerdings wird nicht alles behandelt, was Dating betrifft, sondern es geht spezifisch um schädliches, dysfunktionales, letztlich suchtgetriebenes Dating.
Das Problem des dysfunktionalen Online-Dating ist so groß, dass zur Erfassung eines solchen Datings bereits standardisierte Fragebögen in der Forschung entwickelt wurden. Der Charakter des suchthaften Datings ist dabei, dass es die Chancen der Partnerfindung mindert, indem das eigentliche Ziel aus den Augen verloren oder beschädigt wird und stattdessen neue Ziele, wie Selbstwertbestätigung, illusionäre Nähe oder auch Vermeidung echter Nähe an ihre Stelle treten.
Unsichere Bindung
Mit unsicheren Bindungsstilen habe ich mich bereits in mehreren Artikeln auseinandergesetzt:
In einem dieser vorherigen Artikel habe ich psychologische Befunde zu den Auswirkungen von ängstlicher Bindung (Verlustängste, Klammern, Nähe wird gesucht) und vermeidender Bindung (Bedürfnis nach Distanz, Nähe wird als Enge erlebt) beschrieben:
- Sowohl ängstliche Bindung als auch vermeidende Bindung führen zu einer geringeren Beziehungszufriedenheit als sie diejenigen erleben, die eine sichere Bindung haben.
Besonders kritisch ist für die Partnersuche – und damit bei der Partnervermittlung natürlich für das Matching – die Kombination aus ängstlicher Bindung bei der einen Person mit vermeidender Bindung bei der anderen Person:
- In diesem Fall werden Partnerschaften besonders stark belastet, weil die eine Person Nähe sucht, die andere aber Distanz. Genau auf diesen Ausschluss achten wir übrigens auch bei Gleichklang in unserem Matching-Algorithmus.
In meinem heutigen Artikel geht es um zwei konkrete Bindungsstile, die beide in die ängstliche Bindung eingeordnet sind:
- die ängstlich-klammernde Bindung sowie die ängstlich-vermeidende Bindung. Die rein vermeidende Bindung werde ich in einem separaten Artikel behandeln.
Die ängstlich-vermeidende Bindung ist eine in besonders hohem Ausmaß dynamische, in sich widerstreitende Kombination von sowohl ängstlichen als auch vermeidenden Tendenzen:
- Die hohe Dynamik ergibt sich aus dem Widerspruch innerhalb der gleichen Person, die Nähe sucht und klammert und der gleichzeitig Nähe zu viel wird und sie sich deshalb in Distanz flüchtet. Diese widerstreitenden Tendenzen können gleichzeitig oder sequenziell auftreten und sie werden jeweils situationsabhängig aktiviert.
Ablehnungssensitivität
Wie ich bereits sagte, geht es nicht nur um Auswirkungen von Bindung allein auf suchthaftes Datingverhalten, sondern um die Interaktion mit Ablehnungssensibilität:
Wie wirkt sich unsere eigene Ablehnungssensitivität (Angst vor Ablehnung, Erwartung, abgelehnt zu werden) darauf aus, wie eine ängstlich-klammernde oder eine ängstlich vermeidende Bindung unsere Online-Partnersuche beeinflusst?
Auch mit Ablehnungssensitivität habe ich mich bereits in vorherigen Artikeln auseinandergesetzt.
In einer eigenen Befragung zu Dating-Ängsten ließ sich dabei, die Angst, abgelehnt zu werden, als eine von vier Ängsten beim Dating identifizieren, wobei sie mit solchen Selbstbeschreibungen einhergingen:
- Ich bin besorgt, dass Dating-Partner:innen einen negativen Eindruck von mir haben könnten.
- Ich mache mir oft Sorgen darüber, welchen Eindruck ich auf Dating-Partner:innen mache.
- Ich mache mir zu viele Gedanken darüber, dass Dating-Partner:innen negativ von mir denken könnten.
- • Ich habe oft Angst, bei einer Verabredung von Dating-Partner:innen als unattraktiv wahrgenommen zu werden.
- Ich mache mir Sorgen, was Dating-Partner:innen von mir denken, auch wenn ich weiß, dass es keinen Unterschied macht.
- Ich habe oft Angst, dass die Person, für die ich mich bei der Partnersuche interessiere, meine Schwächen bemerkt.
Tatsächlich wird bereits aus diesen Selbstschilderungen deutlich, dass Ablehnungssensibilität selbst wiederum ein übergeordnetes Merkmal ist, welches sich unterteilen lässt in die reine Angst vor Ablehnung und die Erwartung, tatsächlich abgelehnt zu werden.
Genau in diesem Sinne wird die Ablehnungssensitivität auch in den Forschungsbefunden behandelt, die ich in diesem Artikel vorstelle und von denen ich hoffe, dass sie einigen Leser:innen helfen werden, ihre eigenen Muster besser zu durchschauen und so zu einem wirksamen Dating-Verhalten zu finden.
Ängstlich-klammernde und ängstlich-vermeidende Bindung, Ablehnungssensitivität und dysfunktional-suchthaftes Datingverhalten
Topino, Griffiths und Gori untersuchten mit 450 Personen, darunter 203 Männer und 247 Frauen (leider waren keine nicht-binären Personen eingeschlossen), wie Bindungsstile und Ablehnungsangst zu einem schädlichen oder dysfunktionalen Dating-Verhalten führen können.
Ein solches schädliches Dating liegt beispielsweise dann vor, wenn die Nutzung von Dating-Apps suchtartige Merkmale aufweist.
Suchtartiger Gebrauch bedeutet eine Nutzung, bei der das Dating an sich zur Gefühlsregulation eingesetzt wird, dabei aber neben positiven Folgen ebenfalls negative Folgen hervorruft, die durch weitere Nutzung kurzfristig wiederum erneut verringert werden können, um jedoch langfristig zuzunehmen:
- Die App beruhigt, bestätigt oder lenkt kurzfristig ab, verstärkt aber langfristig Unsicherheit oder Leeregefühle und bringt die Betreffenden nicht zu dauerhaft tragfähigen Beziehungen.
Alle Teilnehmenden der Untersuchung verwendeten täglich Dating-Apps, waren zum Studienzeitpunkt Single und wünschten sich, über eine Dating-App eine Partnerschaft zu finden.
Die tägliche Nutzungsdauer schwankte deutlich:
- 74,9 % nutzten Dating-Apps bis zu eine Stunde täglich
- 20,4 % eine bis zwei Stunden täglich
- 3,6 % zwei bis fünf Stunden täglich
- 1,1 % mehr als fünf Stunden täglich.
Ergebnisse der Studie
Dies sind die Hauptergebnisse, die übrigens nicht alle unbedingt sofort intuitiv verständlich sind:
- Beide, ängstlich-klammernde Bindung und ängstlich-vermeidende Bindung, waren mit einem suchtartigen Gebrauch von Dating-Apps assoziiert. Der Zusammenhang war bei der ängstlich-vermeidenden Bindung dabei stärker als bei der ängstlich-klammernden Bindung.
- Der Zusammenhang der ängstlich-klammernden Bindung mit suchtartigem Dating-App-Gebrauch ließ sich vollständig über die Angst vor Ablehnung erklären. Dies bedeutet, dass ängstlich-klammernde Bindung nicht mehr mit suchthaftem Dating-Verhalten assoziiert war, wenn keine Angst vor Ablehnung bestand.
- Auch bei der ängstlich-vermeidenden Bindung spielte die Angst vor Ablehnung eine maßgebliche Rolle. Neben der reinen Angst vor Ablehnung war aber auch die Erwartung tatsächlicher Ablehnung bei ängstlich-vermeidenden Personen mit einer suchthaften Nutzung der Dating-Apps assoziiert. Der Zusammenhang zwischen ängstlich-vermeidender Bindung und suchthaftem Dating-App-Gebrauch ließ sich also durch die kumulativen Wirkungen von Ablehnungsangst und Ablehnungserwartung erklären. Ängstlich-vermeidende Personen fürchteten nicht nur Ablehnung, sondern rechneten auch tatsächlich mit ihr, und genau dies wiederum schien sie zu verleiten, ein suchthaftes Verhalten bei Dating-Apps zu zeigen.
- Allerdings nahm bei den ängstlich-vermeidenden Personen die Komplexität noch einmal zu: Anders als bei der ängstlich-klammernden Bindung verschwand der Effekt der Bindung auf das Dating-Verhalten nicht sofort, wenn für Ablehnungssensitivität (Angst vor Ablehnung, Erwartung, abgelehnt zu werden) kontrolliert wurde. Die ängstlich-vermeidende Bindung führte vielmehr statistisch selbst dann noch zu mehr suchtartiger Dating-App-Nutzung, wenn der Effekt der Ablehnungssensitivität statistisch kontrolliert wurde.
- Suchthafte Nutzung von Dating-Apps war mit besonders starkem Gebrauch der Apps assoziiert.
Ich ordne diese Befunde nun psychologisch-theoretisch ein, um sie verständlich und damit gleichzeitig praktisch für die Leser:innen nutzbar zu machen:
Psychologische Erklärung des Befunde
Ängstlich-klammernde Bindung
Ängstlich-klammernde Bindung geht mit einer erhöhten Angst vor Ablehnung einher, und genau dies führt dazu, dass in ihrem Beziehungsstil ängstlich-klammernde Personen in Gefahr laufen, bei der Online-Partnersuche in ein schädliches, dysfunktionales, ja suchthaftes Muster abzugleiten.
Hintergrund ist, dass ängstlich-klammernde Menschen eben nicht nur Angst haben, sondern ebenso einen sehr starken Nähewunsch:
- Die Ablehnungsangst entsteht genau daraus, dass die Betreffenden sich so sehr Nähe wünschen, dass sofort, wenn Nähe da ist, die Angst auftritt, diese Nähe wieder zu verlieren.
Was aber können wir tun, um Nähe zu erreichen und gleichzeitig die Angst vor Ablehnung zu reduzieren?
- Wir erreichen Nähe, indem wir eine App nutzen und mit Menschen in Verbindung treten. Dadurch reduzieren wir Gefühle von Einsamkeit, senken Ängste davor, allein zu sein etc. Die Angst vor Ablehnung bleibt aber aktiv und führt dazu, dass wir nach weiterer Nähe (z. B. weiteren Kontakten) suchen, um die Angst wiederum zu vermindern.
Was hier letztlich eintritt, ist, dass tatsächlich die funktionale Suche nach Nähe (die ja auch Menschen mit sicherer Bindung bei der Partnersuche ausüben) zurücktritt, und eine dysfunktionale Suche eintritt, bei der immer mehr Mechanismen die Suche bestimmen, die der Regulation unserer Gefühle und nicht dem eigentlichen Ziel gelten:
- Ängstlich-klammernde Personen nutzen Dating-Apps also nicht nur zur Beziehungssuche, sondern zur Selbststabilisierung, geraten dadurch jedoch in Nutzungsmuster, die sie eher destabilisieren, worauf sie im Sinne eines süchtigen Musters mit mehr emotionsregulierender Dating-Aktivität reagieren, sodass alles verschlimmert wird.
Entscheidend ist nun, dass all dies steht und fällt mit der Ablehnungsangst:
- Ohne Ablehnungsangst führt ein klammernder Bindungsstil alleine nicht zu einem schädlichen Datingverhalten. Aber in der Praxis haben Menschen mit ängstlich-klammernder Bindung natürlich immer Ablehnungsangst und sind dadurch gefährdet.
Ängstlich-vermeidende Bindung
Hier ist das Befundmuster viel komplexer, was aber auch nicht überraschend ist, schließlich kommen hier gleichzeitig nicht nur ein, sondern zwei Bindungsmechanismen zur Wirkung, die zudem in einem dynamisch-entgegengesetzten Verhältnis stehen.
- Einerseits gelten alle obigen Ausführungen uneingeschränkt, weil die Betreffenden ja tatsächlich ebenfalls eine ängstliche Bindung haben. Entsprechend wundert es nicht, dass sie ebenfalls zu suchthaftem Datingverhalten neigen und dass jedenfalls ein Teil davon durch ihre Ablehnungsangst erklärt wird.
Nun kommt aber die vermeidende Komponente dazu, die genau darin besteht, dass Nähe zu viel wird und Distanz erwünscht ist. Wohlgemerkt tritt diese Komponente aber nicht alleine auf, sondern in Kombination mit der gegenteiligen Komponente, die genau nach Nähe strebt.
Aber diese Nähe ist gleichzeitig mit Misstrauen, emotionaler Überforderung und Rückzug verbunden.
Hinzu kommt die tatsächliche Erwartung, abgelehnt zu werden:
- Wer dies erwartet, sucht sich womöglich Ablehnungsquellen, die weniger schmerzhaft sind. Eine Möglichkeit sind die Dating-Apps, und bei vermeidender Tendenz gilt dies zudem noch einmal in besonders hohem Ausmaß deshalb, weil Dating-Apps, ganz anders als direkte Treffen, es uns gleichzeitig leicht möglich machen, sofort wieder in die Distanz zu gehen.
In gewisser Weise sind Dating-Apps somit für Menschen mit ängstlich-vermeidender Bindung womöglich geradezu besonders verführerisch:
- Sie ermöglichen einerseits sofort Nähe, ermöglichen durch Herstellung weiterer und neuer Nähe auch den Umgang mit Angst vor Ablehnung, lassen erwartete Ablehnung als weniger schmerzhaft erscheinen (jemand anderes füllt die Lücke) und ermöglichen gleichzeitig, wenn die vermeidenden Tendenzen voll durchbrechen, erneut die sofortige Herstellung von Distanz.
Über reine Angst vor Ablehnung und Erwartung von Ablehnung hinaus ermöglichen Dating-Apps somit ihren ängstlich-vermeidenden Nutzer:innen eine besondere Regulation:
Sie können Nähe suchen, wenn das Nähebedürfnis durchdringt, ohne sich einzulassen. Sie können Kontakt beginnen, aber auch jederzeit abbrechen, und wenn andere den Kontakt abbrechen, sind diese anderen durch wiederum neue Personen ersetzbar.
- So können Menschen mit ängstlich-vermeidende Bindung Bestätigung durch zwischenmenschliche Zuwendung suchen und zugleich sich vor echter Nähe und Verletzlichkeit durch Rückzug schützen.
Es entsteht ein Hin und Her, welches genau der in der Studie erfassten suchthaften Nutzung von Dating-Apps entspricht.
Ich finde die Autor:innen haben diese Zusammenhänge sehr prägnant in dem Titel der Arbeit benannt:
- A Compulsive Search for Love Online: A Path Analysis Model of Adult Anxious Attachment, Rejection Sensitivity, and Problematic Dating App Use (Eine zwanghafte Suche nach Liebe im Internet: Ein Pfadanalysen-Modell zu ängstlicher Bindung im Erwachsenenalter, Ablehnungssensitivität und problematischem Dating-App-Gebrauch)
Nutzung von Online-Dating bei sicherer Bindung
Wie betreiben eigentlich Menschen mit sicherer Bindung die Online-Partnersuche?
- Menschen mit sicherer Bindung nutzen Dating-Systeme nicht nur ruhiger, sondern im Grunde auch bei Weitem pragmatischer. Sie suchen nicht nach Selbstwertbestätigung, Angstminderung, Vermeidung von zu viel Nähe. Sie suchen nach einer Person, mit der sie eine glückliche Beziehung eingehen können.
- Da es ihnen beim Online-Dating nicht um Regulation ihrer akuten Emotionalität geht, sondern um ein langfristiges Ziel, sind sie weniger gefährdet, den Suchtstrukturen der modernen Dating-Systeme zu nachzugeben. Sie können sich fokussierter auf das eigentliche Ziel ausrichten.
- Erreichen sie ihr Ziel, haben sie gleichzeitig bessere Aussichten, dass die Beziehung tatsächlich dauerhaft glücklich und tragfähig werden wird.
Veränderung durch Handeln
Es ist zu einfach gedacht, dass unser Verhalten von unseren Gedanken oder unseren Gefühlen, unsere Gedanken von unseren Gefühlen oder umgekehrt bestimmt werden. Alle drei Systeme sind in der Realität hochgradig miteinander vernetzt und beeinflussen sich wechselseitig.
Wir brauchen also nicht immer zuerst unsere Gefühle oder unsere Gedanken zu ändern. Es hilft oft, wenn wir als Erstes unser Verhalten ändern.
Bleiben wir dabei konsistent, folgen in der Regel auch Gefühle und Gedanken, die sich sodann wechselseitig beflügeln.
Es hat einen Grund, dass ich das Verhalten hier besonders in den Vordergrund stelle:
- Über unser Verhalten haben wir ein besonders hohes Ausmaß an direkter Kontrolle. Während es beispielsweise schwer ist, die Angst vor dem Turm abzuschalten, können wir uns einfach zwingen, trotz der Angst auf den Turm zu gehen. Tun wir dies oft und lang genug, nimmt die Angst vor dem Turm ab.
Damit komme ich nebenbei auf einen weiteren Aspekt zurück, der auch im Zentrum meines Buches A Perfect Match? Online-Dating aus psychologischer Sicht steht, den wir bei Gleichklang in den Fokus rücken und der einen Großteil meiner Coaching-Tätigkeit mit Klient:innen betrifft:
Partnersuche oder überhaupt Beziehungssuche (auch Suche nach Freundschaften, Gemeinschaften) ist ein Teil unserer Persönlichkeitsentwicklung:
- Einerseits ist es zentral, das eigentlich klare Ziel in den Fokus zu stellen und alles dafür zu tun, dass wir es erreichen. Darüber hinaus verändern wir uns durch unsere Erfahrungen bei der Partnersuche und unsere Erfahrung mit der Zielerreichung aber auch in einem weitergehenden Sinne selbst, einem Sinne, der Verhalten, Gefühle und Gedanken betrifft. Treten nachhaltige Veränderungen ein, sprechen wir von Persönlichkeitsentwicklung – jedenfalls dann, wenn die Veränderungen positiv sind.
Ein gut ausgerichtetes, am Ziel orientiertes Dating-Verhalten, bei dem wir all das in den Fokus stellen, was der Zielerreichung dient, nicht aber unserer kurzfristigen Emotionsregulation, kann gleichzeitig für uns der Weg sein, auf dem wir ängstlich-klammernde, ängstlich-vermeidende und überhaupt jede Form von unsicherer Bindung überwinden.
Dadurch können wir einen entscheidenden Schritt in unserer Persönlichkeitsentwicklung tun und gleichzeitig nicht nur unsere Beziehungsfindung fördern, sondern auch die Chance erhöhen, dass wir in unseren Beziehungen glücklicher werden. Der Folgeartikel am kommenden Wochenende setzt genau hier an und setzt insofern diesen Artikel fort. Er wird an dieser Stelle fortführen und Möglichkeiten darstellen, wie wir intentional unseren Bindungsstil ändern können.
Bei Gleichklang begleiten wir Sie gerne auf dem Weg zu Beziehung und sicherer Bindung:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen mit Freundschaft und Liebe? Bitte teilen Sie diese mit uns in den Kommentaren – herzlichen Dank!
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18 Kommentare
Ich bin weiterhin ein großer Anhänger des Konzepts von Gleichklang. Nach wie vor empfinde ich das als großartige Aufklärung für eins der wichtigsten Themen im Leben: Beziehungsfindung und Gestaltung. Nur glaube ich immer mehr, dass die meisten Menschen hier Gleichklang so nutzen, wie jede andere Dating App. Die anekdotischen Erfolge, die berichtet werden, würden sich auf anderen Plattformen auch finden. Interessant wäre doch etwa einmal zu wissen, wie viele der etwa 100 angezeigten Profile angeschrieben werden und wie viele nicht. Von anderen Plattformen wissen wir, 80 % der Frauen konzentrieren sich auf 20 % der Männer. Zwangsläufig geht so ein Großteil leer aus. Wie ist das bei Gleichklang? Orientieren sich die Beteiligten wirklich an den so vernünftigen und fairen Vorgaben? Was kann Gleichklang z.B. ändern, wenn Profile anzeigen, es werde eine Partnerschaft gesucht, was aber gar nicht so ist. Braucht es nicht mehr Anreize, sich an die Vorgaben auch tatsächlich zu commiten. Fragen über Fragen, wahrscheinlich getrübt von Frustration.
Mindestens bezüglich der groben Übergriffe (Gewalt, Stalking, Betrug etc.) halten sich Gleichklang-Mitglieder an die Vorgaben bei Weitem mehr als anderswo beim Online-Dating. Das wissen wir aus Befragungen unserer Mitglieder über erlittene entsprechende Vorfälle. Aber stärker innerpsychische, dynamische Prozesse (z. B. Wunsch nach Partnerschaft bei gleichzeitiger Ambivalenz und Vermeidung) treten auch bei Gleichklang-Mitgliedern auf. Vermutlich genau so oft, wie sie anderswo auftreten.
Die Frage, ob es mehr Anreize bedarf, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Anreize können sichtbares Verhalten oft ändern, verändern aber nicht immer das innere Erleben und können auch zu umgekehrten, unerwünschten Folgen führen. Beispielsweise können Anreize, dass geantwortet wird, dazu führen, dass mechanisch geantwortet wird.
Wir kennen das aus einem ganz anderen Bereich, nämlich der Werbung. Früher gab es Modelle, dass Menschen bezahlt werden, dass sie Werbung anschauen. Vielleicht gibt es das auch heute noch, aber es ist fast verschwunden, weil sich zeigte, dass es extrem ineffektiv ist. Es reicht also nicht, ein Verhalten als Verhalten zu etablieren, wenn dies nur durch Anreize gesteuert wird, die nichts mit dem inneren Ziel zu tun haben.
Externe Anreize, die Plattformen geben, können als externer Zwang interpretiert werden, sie können Reaktanz auslösen (Trotzreaktionen) oder sie können zu rein äußerer Anpassung ohne innere Widerspiegelung führen.
Momentan sind wir vor allem aktiv durch Aufklärung und Informationen und da freue mich sehr, dass Du dies auch positiv wahrnimmst. Du sprichst von Frustration, was ist die Frustration genau?
Danke für deine Antwort! Frustration = fünf Jahre vergebliche Versuche
Verstehe, wichtig ist halt wirklich, dass Du ansonsten ein sinnerfülltes Leben hast, die Beziehung ist zusagen noch einmal der Zusatz, aber wir brauchen nicht ohne diesen Zusatz frustriert zu sein.
empfinde ich für mich ganz anders. mir ist Liebesbeziehung und Partnerschaft zentral. die anderen üblich-verdächtigen Lebenssinne wie Erfolg, Wohlstand, Ansehen, Status und ein großer Freundschafts- und Bekanntenkreis fallen da eher ab. ich würde jetzt auch nichts davon als unwichtig bezeichnen, aber diese Felder wiegen für mich nicht mal zusammen den von Liebesbeziehung auf. Dann ist da aber auch noch ein weiteres Feld (bzw zwei, aber kreatives Schaffen fällt da auch ab):
Spiritualität. und ich meine damit gelebte und praktizierte Spiritualität, nicht etwa Gemeinde-Spiritualität oder Spiritualität als schickes Accessoire.
ich bin. Energie und Bewusstsein. der Kosmos in einer Nussschale, und das ist nicht viel aber das wäre ich ja auch in einer Liebesbeziehung so. ich würde mich halt nur nicht so allein fühlen damit. Gleichzeitig weiß ich, dass auch das sehr illusionär ist. WIR sind verbunden.
Trotzdem: ich würde all das aufgeben für Liebesbeziehung, nicht zuletzt weil auch Liebesbeziehung ein spiritueller Weg ist, vielleicht sogar der Schönste.
ach, so ganz aufgelöst bekomm ich‘s nicht, selbst wenn mir gerade im Tagestakt deutlicher wird, woran ich eigentlich gescheitert bin.
Aber trotzdem? ein Zusatz sein? am Ende noch die Kirsche auf der Sahnetorte einer Frau mit ach so perfektem Leben?
Nein 🙂
wobei ich hinzufügen möchte, dass für mich in Liebesbeziehung die Grenze zwischen Subjekt und Objekt nicht zwischen Ich und Du verläuft, sondern zwischen Wir und Beziehung, aber das ist ein kniffliger Punkt, und btw auch super geeignet den Inneren Frieden praktizierender Buddhisten mal kurz vor die Tür zu schicken 😀
Mmmh – ich bin erstaunt, was Sie für Schlüsse ziehen. Ich würde meinen Beziehungsstil als „ängstlich-vermeidend“ bezeichnen – habe aber immer wieder für Jahre in einer festen Beziehung gelebt. Ich habe mich also gezwungen, in der Beziehung zu bleiben, obwohl Geben und Nehmen immer ungleich verteilt waren. Ich gab und daran gewöhnte man sich und hielt mich auf Abstand – ich gab mehr – und merkte irgendwann, dass ich zuviel gegeben hatte und finanziell und leistungsmässig am Ende war. Dann habe ich die Notbremse getreten (nach jeweils ca. 15 Jahren) meine finanziellen und leistungsmässigen Schieflagen allein behoben und einen neuen Start versucht…
Ich glaube nicht (mehr) an Liebe…
Ich weiß nicht, ob ängstlich-vermeidend der beste Begriff für die von Ihnen geschilderte Problematik ist. Ängstlich hieße ja klammernd, Verlustangst, unbedingtes Nähe-Streben. Vermeidend würde bedeuten, dass Ihnen Nähe im Gegenteil schnell zu eng wird. Ängstlich-vermeidend entspricht dem Auftreten beider Tendenzen in einer Person. Dass Sie nun nicht mehr an Liebe glauben, würde erst einmal für eine vermeidende Tendenz sprechen. Ist es auch angstbesetzt? Kommt der Verlust des Glaubens aus den geschilderten langjährigen Beziehungen oder den seitherigen Erfahrungen? Es gibt die Liebe ja nun einmal und viele werden in der Liebe auch glücklich. Vermutlich kann das bei Ihnen auch der Fall sein, wenn Sie wieder an die Liebe glauben und wirksame Schritte in die Wege leiten, um sie zu finden, und sodann an einer guten Beziehungsqualität zu arbeiten. Welche Schlüsse, die ich ziehe, erstaunen Sie?
Bitte löschen Sie meine Adresse in Ihrem Verteiler.
Ihre Ausführungen sind für mich nicht nachvollziehbar und auch nicht hilfreich.
Oh, das ist aber schade. Darf ich fragen, welche Ausführungen nicht nachvollziehbar sind und wie Sie es stattdessen sehen? Es kann natürlich auch einfach nur sein, dass für Sie das Thema ängstlich-vermeidende Bindung und deren Auswirkungen auf das Online-Dating nicht relevant ist. Aber es werden noch viele andere Beiträge kommen, von denen der eine oder andere vermutlich für Sie besser geeignet sein wird.
Jetzt habe ich den Artikel aufmerksam gelesen und die Problematik verstanden und finde mich da auch drin wieder.
Ich dachte jetzt kommen die konkreten Hinweis und Tipps wie man es anders macht , auf welche Dinge man achten sollte, wie man mit den Fallen im eigenen Verhalten besser umgeht .
Stattdessen ist der Artikel zuende ….??
Ah, ich hätte noch auf meinen vorherigen Artikel mit dem Abschnitt „Hinein in Bindungssicherheit und Beziehung“ verlinken sollen. Hier sind die wesentlichen Tipps diese:
„Für ängstlich gebundene Personen ist es zentral, sich auf eine offene und authentische Kommunikation über ihre Bedürfnisse vorzubereiten, dabei aber auch Veränderungen anzustreben und insofern von Partner:innen nicht nur Rückversicherung, sondern auch Förderung von Unabhängigkeit anzustreben. Indem sie ihren Selbstwert stärken, sich Herausforderungen suchen und Online-Dating als eine dieser Herausforderungen annehmen, tun sie einen entscheidenden Schritt, um ängstliche Bindung in Richtung sichere Bindung zu verändern.
Vermeidend gebundene Personen setzen den entscheidenden Schritt zur Veränderung, indem sie ihre Sehnsucht nach Beziehung wahrnehmen und aufhören, sich hinter Verpflichtungen zu verstecken. So wie sichere Bindung entsteht, wenn vermeidend gebundene Personen Verbindlichkeit praktizieren und Einsatz für Partner:innen zeigen, so reduziert sich auch die Vermeidung in der Partnersuche, wenn sie aktiv werden, Menschen anschreiben und sich auf Begegnungen sowie Kommunikation einlassen. Dabei gilt es erneut, das eigene Erleben zu kommunizieren und ein Modell zu finden, in dem Wünsche nach Rückzug und Eigenraum mit einer verlässlichen und liebevollen Bindung vereinbar werden.“
Für Personen mit beidem, also ängstlich-vermeidender Bindung, gelten beide Bereiche.
Was ich in diesem Artikel nur ganz kurz angeschnitten habe, ist, dass wir gleichzeitig unsere Bindungsstile auch dadurch ändern bzw. einen Beitrag dazu leisten können, indem wir auf der Verhaltensebene aus einem dysfunktionalen Dating-Verhalten aussteigen. Der Folgeartikel am kommenden Wochenende setzt genau hier an und setzte insofern diesen Artikel fort. Ich hätte hierauf noch am Ende hinweisen sollen, was ich daher auch jetzt als Ausblick einfüge.
Ich finde, es gibt zwei Blick-Richtungen auf die beiden beschriebenen Bindungstile (ängstlich-klammernd und ängstlich-vermeidend):
Zum einen ist die Frage:
Passt einer dieser Bindungsstile zu mir, oder nicht?
Falls ja, kann ich darüber nachdenken, wie ich damit umgehen möchte und was ich evtl verändern kann oder will.
Zum anderen ist die Frage:
Was tue ich, wenn ich jemandem begegne, der einen solchen Bindungsstil aufweist, bzw. wenn ich mich für jemanden interessiere, der einen solchen Bindungstil aufweist? Wie gehe ich damit um?
Letztendlich bleibt nur offene Kommunikation und ein gewisses Maß an Selbstreflexion auf beiden Seiten. Dann lässt sich mit den genannten Bindungstilen – vermutlich, vielleicht, hoffentlich – umgehen.
Ich dachte, bei meiner Erfahrung aus Dating-Apps, dass sich auf diesen vermutlich entsprechend viele Menschen mit der dargestellten Problematik ‚tummeln‘ (mich u.U. eingeschlossen ;-), was die Anzahl der negativen Erfahrungen erhöht und die Frustrationserlebnisse ebenso. Ein unglücklicher Kreislauf.
Für mich merke ich, dass ich zügige und regelmäßige analoge Treffen benötige, um aus Derartigem ausbrechen zu können, ein Gefühl für mein Gegenüber zu entwickeln und auf diesen einzugehen, oder eben nicht (mehr). Ich mag mich nicht an jeden binden, sondern nur an den Einen, Besonderen. Dafür bin ich bereit geduldig zu warten.
Ich lese all ihre Artikel und gehe an sich so vor wie Sie empfehlen. D.b. ich schreibe Personen an die mich interessieren. Was ich jedoch ganz oft feststelle, dass danach keinerlei Reaktion erfolgt. Oder, wie kürzlich bei einer Ausnahme, dass ich zuerst angeschrieben wurde, die Person eine starke Persönlichkeitsstörung aufwies und den Kontakt nach wenigen Tagen abbrach.
Bis dato haben mir Ihre Artikel dazu nicht weiter geholfen.
An sich jedoch überzeugt mich das Konzept bei Gleichklang. Auch war auch noch nie auf einer anderen Plattform
Also bezüglich der Antwortrate liegst du ganz im grünen Bereich. Ich konnte deine Statistiken anschauen, weil du deine E-Mail für den Account angegeben hast:
Anteil der Vorschläge, die du dir angesehen hast: 41,54 % (empfohlener Prozentsatz: 90 % oder mehr)
Anteil der Vorschläge, denen du eine erste Nachricht gesendet hast: 9,23 % (empfohlener Prozentsatz: 30 % oder mehr)
Anteil der Fälle, in denen du auf deine erste Nachricht eine Antwort erhalten hast: 63,89 % (durchschnittlicher Prozentsatz ist 60 %)
Ich würde dir raten, ruhig alle Vorschläge anzuschauen – und auch noch häufiger nachzuschreiben. Für den Fall einer nachfolgenden Anpassung oder eines Kontaktabbruchs habe ich in der Tat keine Lösung parat, außer die, dass wir darauf vertrauen können, dass es nicht immer so sein wird.
PS: Ich finde es schwierig, zwischen dem Vermeiden von Bindung aufgrund unterschiedlicher Bindungstile und der Tatsache, dass nicht jeder zu einem passt, zu unterscheiden.
Bei mir selbst spüre ich, ob es Angst ist, oder ob ich merke: Wir haben keine Basis. Die Gefühle sind unterschiedliche: Angst fühlt sich anders an als Langeweile, Genervtheit, Angestrengtheit, Konsterniertheit, Gereiztheit nach Gesprächen, Irritation bezüglich bestimmter Ansichten und Themen usw.
Andererseits hat mich Angst auch schon vor Beziehungen bewahrt, die für mich ungesund gewesen wären, wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Ich müsste also unterscheiden, um welche Art von Angst es sich handelt: Eine unbestimmte, nicht-zuordnenbare Angst warnt meist vor etwas. Die Angst vor Verlust, nicht-gut-genug-zu-sein, zuviel oder zuwenig zu sein usw. ist eher ein Hinweis auf ängstliches Bindungsverhalten.
So nehme ich das zumindest – vermutlich vereinfacht – bei mir war.
Ich finde, nicht jeder, der nicht jederzeit mit jeder nur halbwegs passenden Person eine Beziehung eingehen möchte, hat eine Bindungsstörung. Manchmal ist es auch einfach ein gesundes Wahrnehmen dessen, was man möchte.
Ich würde das gerne unterscheiden.
Oder worin liegt der Unterschied?
Du hast Recht, dass der Unterschied zwischen Bindungsvermeidung und echter Nicht-Passung nicht immer so einfach ist. Letztendlich könnten wir es auch so sagen: Jede einzelne Person entscheidet, was sie möchte oder nicht, und insofern ist jede Entscheidung legitim. Von Bindungsvermeidung sprechen wir vorwiegend dann, wenn eine Person irgendwie unter der Situation leidet, dass sie keine Bindung aufbaut, aber gleichzeitig generalisiert bei jeder noch so erdenklichen Möglichkeit Bedenken entwickelt, sodass objektiv kaum eine Beziehung entstehen kann. Ob dies der Fall ist oder nicht, kann nur mit einer einzelnen Person eruiert werden. Pauschal ist keine Feststellung möglich.
Ich gehöre zu denjenigen, die über Gleichklang ihren Partner fand… nach 3 Jahren. Und davor nutzte ich mind. 6 andere, gängige Portale… diese waren völlig sinnlos, da ich dort nur Oberflächlichkeit oder Erotik fand. Ich wurde von vielen Männern angeschrieben. Ja, sie stürzen sich wie Schmeissfliegen auf nen frischen Haufen… und baggern und baggern. (Das kann nur Rückzug oder Sexsucht bei den Damen bewirken. Ich hatte erst das zweite entwickelt, wegen Ermüdung dann das erste.)
Nur Ernsthaftigkeit und Tiefe fand ich nicht. Jeder, mit dem ich dort in Kontakt war, flatterte weiter.
Ich hielt das aus, über 10 Jahre, wechselte die Portale… und wartete… und probierte… und ja, ich empfand es in der Rückschau auch eher als Sucht, denn als wirkliche Hilfe.
Hier bei Gleichklang dauerte es auch, aber die Herren waren klarer in ihren Wünsche / Zielen. Sie hingen nicht so an einem dran. Und ich hatte mich nie auf ein Treffen eingelassen, wenn es nicht bereits per Schreiben und Telefonieren harmonierte. Somit hatte ich zumindest immer positive Begegnungen (dieser Satz bezieht sich auf alle Kontakte in den 15 Jahren). Bei Gleichklang war es nach 3 Jahren der erste Kontakt, mit dem ich regelmäsdig schrieb und dann regelmässig telefonierte …
Und ich wusste nach dem Zusammenkommen über 1 Jahr hinweg nicht, ob dieser Kontakt wirklich meine zweite Hälfte werden wird/ kann. Wir sind nach 5 Jahren immer noch nicht zusammengezogen, resp. in die Nähe. Aber alles andere läuft von Jahr zu Jahr immer besser. Wir wachsen aneinander… so, wie ich mir immer eine Beziehung gewünscht hatte!!!
Und mit ihm verlor ich die „Sucht“ nach Bestätigung durch Online-Dating… ich konnte mich von allen Portalen lösen.
Ich bin ein sehr liebesfähiger Mensch, was man aber auch als Angst vor Beziehungsverlust deuten kann.
Anlässlich nun meiner Erfahrungen von Krankheit, existentiellem Verlust an Sicherheit und im Zusammenhang mit Krankheit Lügen, Verfolgung und krassester Diskriminierung ist mir aber klar geworden, dass Männer nur hochegoistische Interessen an Frauen in ihren Beziehungen haben. Dies zum Einen am Beispiel meines Exmannes und Vaters meiner erwachsenen Kinder, mit dem ich nicht zuletzt im Interesse der Familie und Kinder bis dahin mit gewissem Engagement meinerseits eine sehr lockere aber respektvolle und freundschaftliche Verbindung gepflegt hatte. Mit Verständnis trotz allem für die Tatsache dass er mich durch seine Trennung doch in eine existentiell fatale und negativ lebensprägende Situation gebracht hatte.
Und am Beispiel meiner zweiten Langzeitbeziehung in meinem Leben, wo sich der Partner nach sieben Jahren als deutlich vermeidend und im Grunde nicht wirklich liebesfähig herausgestellt hat.
Männer erwarten grundsätzlich die Anpassung der Frau an ihre Person und damit eine Unterwerfung. Die hatte ich in beiden Fällen geliefert. Denn ich bin so erzogen und sozialisiert. Ich war naiv und meine Anpassung war getragen von eigener Flexibilität, Interesse an der anderen Person, aber auch Angst vor Disharmonie. Es kommt dazu meine Beobachtung, dass Sexualität meine Angst vor Bindungsverlust steigert, weil ich dann emotional abhängig werde. Ich habe vieles oder alles mit Liebe verwechselt, bis ich jedes Mal dann irgendwann als nicht tauglich klassifiziert und abgelehnt worden bin. Auf den emotionalen Müll geworfen würde ich sagen.
Ich bin hochsensibel.
Ich habe erkannt, Männer haben ein gesteigertes Interesse an der Befriedigung ihrer Vorstellungen und Wünsche, die nicht zuletzt sexuell motiviert sind.
Fehlt der Spaß am Sex zum Beispiel wegen Krankheit oder Überforderung nach der Entbindung, dreht sich allzu schnell das Fähnchen.
Ich habe auch das Interview mit einer renommierten Scheidungsanwältin gelesen. Ergebnis: Wenn beim zweiten oder dritten Kind der Spaßfaktor nachlässt zugunsten von Verantwortung, sind Männer einer absolut unmenschlichen Kälte fähig und sortieren ihre Frauen einfach aus.
Ich habe in meiner Verzweiflung auch ein Buch bestellt mit dem Titel: „Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen“ von Allan und Barbara Pease. Das Bild auf dem Cover: Ein Strichmännchen mit einem Herz überm Schritt und ein Rockfrauchen mit Herz in der linken Brust. Dieses Bild spricht Bände.
Ich habe an meiner Mutter erlebt und beobachtet, wie wenig ihr Verständnis und liebevolle Zärtlichkeit zuteil wurden als immer und schwer arbeitende Bäuerin und Mutter von fünf Kindern, aber doch immerhin Vertrauen und Loyalität.
Ich bin zu der Ansicht gelangt, dass unsere westliche Zivilisation die natürliche altruistische Neigung von Frauen und insbesondere Müttern vor allem ausbeutet und Männer die Ausbeutung der altruistischen Neigung von Frauen als selbstverständlich betrachten und in der Vergangenheit dann wenigstens mit existentieller Absicherung sozusagen bezahlt haben.
Sie sehen, romatische Gefühle halte ich mittlerweile für realitätsfern. Im optimalen Fall hat ein Paar günstige existentielle Rahmenbedingungen und haben beide eine reife, kritikfähige und verantwortungsbewusste Persönlichkeit. Nur dies kann eine solide Basis ergeben.
Liebe ist ein Geschenk wie ein Sonnentag. Ich erwarte, dass Liebe dann auch nachfolgende Regentage oder gar eine Naturkatastrophe überdauert. Das ist wahre Romantik.
Aber ich habe zweimal erlebt, dass ich anscheinend immer nur ungenügend bin. Schlicht weil ich nur ein Mensch bin und außerdem keine Sexbombe.
Sex ist das was Männer brauchen -und wenn man selbst vor die Hunde geht.
Sex. Und nicht Liebe, Aufrichtigkeit, Loyalität, Verständnis, Aufmunterung und Entgegenkommen bis beinahe zur Selbtaufgabe.
Deshalb habe ich nur Freundschaftssuche angekreuzt.
Tatsächlich habe ich mittlerweile noch mehr Angst vor männlicher Zudringlichkeit als vorher. Sie nimmt zu obwohl man eigentlich, glaubt man der allgemeinen Meinung, mit über 50 nicht mehr so attraktiv ist als Frau.
Und dass eine Nur- Freundschaft mit einem fremden Mann möglich ist, ist auch ein unrealistischer Wunschtraum, von dem ich ordentlich kuriert bin.
Aber mein Problem: Ich brauche den geistigen Austausch mit Männern. Nur Frauen, das halte ich nicht aus. Das ist mein Problem.
Dieser Text, merke ich, ist sehr persönlich und passt nicht hierher.
Gleichwohl drückt er mein Dilemma aus, mit dem ich hier nun seit ca. 1 Woche angemeldet und unterwegs bin.
Ich denke, was Männer angeht, bin ich mittlerweile schwer traumatisiert. Schwer verletzt. Eine weitere dritte Schwerverletzung überlebe ich kaum.
Tatsächlich hatte ich auch – Zufall oder nicht – jedesmal am Ende der Beziehung eine Schilddrüsen-OP: Kalter Knoten. Von der ich mich insbesondere im zweiten Fall kaum erholen konnte und über Wochen erschöpft darnieder lag.
Ich bin wohl übersensibel. Da hilft auch keine Therapie.