Guter Umgang mit Ablehnung beim Online-Dating

Foto zeigt eine junge Frau mit zurückweisender Hand als Symbol der Ablehnung beim Online-Dating

Ablehnung beim Online-Dating

Eines der übergreifenden und wiederkehrenden Themen bei der Online-Partnersuche ist der Umgang mit Ablehnung beim Online-Dating:

  • Erlebte Ablehnung kann dabei, wie wir seit 2006 beobachten, sogar bis dahin führen, dass eine Partnersuche aufgegeben oder nicht mehr ausreichend effektiv betrieben wird.

Mit dieser Beobachtung von uns sind die Ergebnisse einer neueren Studie von Sarah Lutz und Christiane M. Büttner gut vereinbar:

  • Die Autorinnen untersuchten, welche emotionalen, kognitiven, also gedankenbezogenen, und verhaltensbezogenen Folgen es hat, wenn Nutzer:innen einer Dating-App nach einem zunächst zustande gekommenen Match wieder „entmatcht“ werden.

In dieser Studie wurde nur das technische Unmatch untersucht, was es bei Gleichklang nicht direkt gibt:

  • Die Ergebnisse lassen sich aber inhaltlich auf Ablehnungserfahrungen im Allgemeinen übertragen, wie etwa die Nichtbeantwortung einer Nachricht. Tatsächlich wissen wir aus Umfragen bei Gleichklang, dass recht viele Nutzer:innen sogar das Nichtöffnen ihres Profils oder das Nichtschreiben einer Erstnachricht an sie als Ablehnung interpretieren.

Da dies wiederum wechselseitig der Fall sein kann, ergibt sich hieraus die ungünstige Situation, dass unser Verhalten bereits als Absage aufgefasst werden kann, bevor wir irgendeine explizite Absage geben wollen.

Nun aber zur Studie von Sarah Lutz und Christiane M. Büttner:

Allgemeines Vorgehen

Die Autorinnen führten zwei Studien durch, die zu ähnlichen Ergebnissen führten. Ich stelle hier nur die Hauptbefunde dar, die sich unmittelbar in das Online-Dating einbetten lassen und Ideen dazu geben, wie die Effektivität der eigenen Partnersuche verbessert werden kann.

Die Teilnehmer:innen nutzten zunächst eine simulierte Dating-Plattform und wählten aus mehreren Profilen die für sie attraktivste Person aus. Anschließend erhielten sie die Nachricht, dass ein Match zustande gekommen sei, und sahen einen aufgezeichneten Chat mit dieser Person. Je nach Versuchsbedingung blieb das Match bestehen oder wurde von der anderen Person aus für die Teilnehmenden unbekannten Gründen aufgelöst.

Verwendete Maße

Soziale Ausgrenzung

Mit drei Aussagen wurde geprüft, ob das aufgelöste Match tatsächlich als soziale Zurückweisung erlebt wurde:

„Im Moment fühle ich mich ausgeschlossen.“
„Im Moment fühle ich mich ignoriert.“
„Im Moment fühle ich mich aktiv zurückgewiesen.“

Höhere Werte bedeuteten ein stärkeres Erleben sozialer Ausgrenzung.

Bedrohung grundlegender Bedürfnisse

Erfasst wurde, wie stark vier grundlegende psychologische Bedürfnisse beeinträchtigt waren:

Zugehörigkeit: zurückgewiesen versus angenommen
Selbstwert: abgewertet versus wertgeschätzt
Wahrnehmung der eigenen Existenz: unsichtbar versus wahrgenommen
Kontrolle: machtlos versus mächtig

Die vier Angaben wurden zu einem Gesamtwert zusammengefasst, der das Ausmaß der Bedrohung grundlegender persönlicher Bedürfnisse quantifizierte.

Negative Gefühle und Grübeln

Zusätzlich wurden negative Gefühle wie Traurigkeit oder Wut erfasst. Die Teilnehmer:innen gaben an, wie stark diese Gefühle sie im jeweiligen Moment prägten. Ebenfalls wurde untersucht, wie stark sie mit Grübeln reagierten. Dazu schätzten sie Aussagen ein wie „Im Moment versuche ich zu verstehen, warum ich mich so fühle, wie ich mich fühle.“

Reaktionen auf Ablehnung

Schließlich wurden drei mögliche Reaktionen auf die erlebte Ablehnung gemessen.

Prosoziale Kontaktaufnahme bezeichnete den Wunsch, anderen Nutzer:innen weiterhin freundliche oder wertschätzende Nachrichten zu senden.

Antisoziale Kontaktaufnahme bezog sich auf den Wunsch, anderen Nutzer:innen provokante oder unhöfliche Nachrichten zu schreiben.

Der Wunsch nach Rückzug beinhaltete das Bedürfnis, sich von der Dating-Plattform zurückzuziehen und keine weiteren Kontakte zu anderen Nutzer:innen zu pflegen.

Das sind die Hauptbefunde über Ablehnung beim Online-Dating

  • Soziale Ausgrenzung: Das Auflösen eines Matches wurde eindeutig als soziale Ausgrenzung erlebt.
  • Bedrohung grundlegender Bedürfnisse: Ein Unmatch bedrohte die Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Selbstwert, bedeutsamer Existenz und Kontrolle.
  • Negative Gefühle: Ein Unmatch verstärkte negative Gefühle.
  • Grübeln: Nach einem Unmatch berichteten die Teilnehmer:innen stärkeres Grübeln.
  • Geringere Bereitschaft zu freundlicher Kontaktaufnahme: Nach einem Unmatch nahm die Bereitschaft ab, anderen Nutzer:innen eine freundliche oder wertschätzende Nachricht zu senden.
  • Antisoziale Bewältigung: Die Bereitschaft, anderen Nutzer:innen provokante oder unhöfliche Nachrichten zu senden, nahm durch ein Unmatch nicht zu.
  • Rückzug: Ein Unmatch verstärkte den Wunsch, die Dating-Plattform zu schließen und keine weiteren Kontakte zu anderen Nutzer:innen aufzunehmen.

Resümee und Schlussfolgerungen

Die Autorinnen schließen aus ihren Befunden, dass ein ausdrückliches Unmatch trotz der dadurch geschaffenen Klarheit eine deutliche Form sozialer Zurückweisung darstelle. Die Ablehnung bedrohe grundlegende psychologische Bedürfnisse, verstärke negative Gefühle und könne Grübeln auslösen.

Zudem zeigten sich klare Auswirkungen der erhaltenen Ablehnung beim Online-Dating auf die Verhaltensintentionen für die weitere Partnersuche:

  • Nach einem Unmatch äußerten die Teilnehmer:innen eine geringere Bereitschaft, anderen Nutzer:innen freundliche oder wertschätzende Nachrichten zu senden. Gleichzeitig wollten sie sich häufiger zurückziehen, die Dating-Plattform schließen und keinen weiteren Kontakt zu anderen Nutzer:innen aufnehmen.

Die Autorinnen folgern daraus, dass Nutzer:innen nach einem Unmatch offenbar weniger versuchen, durch neue positive Kontakte ihr eigentliches Datingziel voranzubringen.

Stattdessen bevorzugen sie eher eine „selbstschützende“ Rückzugsreaktion, durch die weitere Zurückweisungen vermieden werden sollen.

Diese Befunde sind konsistent mit unseren eigenen Beobachtungen:

  • Der Anteil der Nutzer:innen, die durchgängig, weitgehend oder mindestens teilweise eine abwartende Haltung einnehmen, ist recht hoch. Gleichzeitig wird in Umfragen von uns seit Jahren von vielen eine zum Teil große psychische Belastung durch erlebte Ablehnungen geäußert.
  • Werden die Befunde der Untersuchung der Autorinnen zugrunde gelegt, lassen sich diese abwartenden Verhaltensmuster womöglich auch zu einem Teil mit Ablehnung erklären.

Wir haben es hier freilich mit einem dysfunktionalen „Selbstschutz“ zu tun, der nur kurzfristig entlastet, langfristig die Bedürfniserfüllung jedoch blockiert:

  • Gelassenheit im Umgang mit Ablehnungen ist daher eine wichtige Lernanforderung, die den teilweise aversiven Charakter der Online-Dating-Szene senken und gleichzeitig konstruktivere Handlungsweisen, zum Beispiel eine wertschätzende Erstkontaktaufnahme, ermöglichen kann.

Allerdings lassen sich ablehnungsbedingte Gefühle, die erlebte Zurücksetzung und das Grübeln nicht auf Knopfdruck abstellen.

Viel besser als unsere Gefühle und Bewertungen haben wir jedoch unsere eigenen Handlungsweisen direkt unter Kontrolle:

  • Während wir es zunächst kaum ändern können, dass wir mit Traurigkeit, Ärger, Grübeln etc. auf eine Ablehnung reagieren, haben wir Einfluss darauf, ob wir nunmehr wiederum wertschätzend Kontakt zu einer anderen Person aktiv aufnehmen oder ob wir im Gegenteil stärker in die abwartende Rolle gehen oder gar die Plattform, auf der wir eigentlich Beziehung finden wollen, verlassen.

Wenn wir uns auf dieser Handlungsebene gut regulieren, werden sich langfristig im Übrigen auch unsere Gefühle ändern:

  • Wir werden es vermehrt als auch emotional annehmbare Realität erleben, dass wir nicht von allen geliebt zu werden brauchen, dass Ablehnung nichts ist, was wirklich unseren Selbstwert tangiert, und dass wir uns durch Ablehnungen nicht die Aussicht auf eine Partnerfindung nehmen lassen brauchen.

Gleichzeitig können uns die Befunde aber auch noch einmal plastisch vor Augen führen, dass es Sinn macht, darauf zu achten, anderen nicht ungewollt Ablehnung zuteilwerden zu lassen:

  • Denn versenden wir ungewollt Ablehnung, werden die Empfänger:innen sich wiederum aus Selbstschutz häufiger zurückziehen.

Viele werden meinen, sie würden ja nur diejenigen ablehnen, die sie ablehnen wollten. Doch das stimmt oft nicht:

  • In Wirklichkeit beginnt Ablehnung nicht erst bei einem Unmatch oder einer Nicht-Antwort, sondern bereits beim Nichtöffnen eines Profils oder beim Öffnen eines Profils, ohne eine Erstnachricht zu schicken.
  • Denn nun denkt die andere Person, wir hätten uns ihr Profil angeschaut, seien aber nicht interessiert, sodass die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass sie uns eine Erstnachricht senden wird.

Menschen reagieren empfindlich auf Ablehnung. Wir können jedoch daran arbeiten, für uns selbst mehr Akzeptanz und Gelassenheit aufzubauen und uns gleichzeitig bewusst zu machen, dass implizite Ablehnung genauso wirkt wie explizite. Daher macht es überhaupt keinen Sinn, sich ein Profil anzuschauen und anschließend auf eine Nachricht der anderen Person zu warten.

Der entscheidende Rat lautet daher, wirklich annehmen zu können, dass andere uns ablehnen, und solange wir an einer Beziehung interessiert sind, proaktiv und eigeninitiativ auf die andere Person zuzugehen, mit der wir gemeinsam herausfinden möchten, ob eine Beziehung zwischen uns entstehen kann.

Bei Gleichklang begleiten wir Sie gerne über alle Hürden auf dem Weg zur Partner:innenfindung hinweg:

Zur Beziehungsfindung bei Gleichklang

Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen mit Ablehnung beim Online-Dating? Bitte teilen Sie diese mit uns in den Kommentaren – herzlichen Dank!

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Liebespaar

30 Kommentare

  • Paraschiv Alexander sagt:

    aus eigener erfahrung kann ich berichten, dass es nach fast 280 erhaltenen partnerschafts-vorschlägen schon so gut wie sicher der nächste vorschlag auch nicht passen wird. unter all den frauen gab es vielleicht 3-5 die wirklich gepasst hätten. fast schon selbstverständlich und natürlich ist es da, dass genau diese damen kein interesse hatten. dennoch schaue ich mir jeden vorschlag an und schreibe auch eine nachricht. auch wenn ich mir eine überdurchschnittliche einschätzungsfähigkeit anhand der gesichtsmerkmale ergänzt mit dem profiltext zutraue, so kann man dennoch nie zu 100% daraus erkennen, ob es wirklich passt, oder nicht.
    natürlich werden die meisten meiner nachrichten nicht beantwortet. was ich persölich für so unglaublich schlecht erzogen empfinde, dass im laufe der zeit meine ungeduld immer grösser wurde. wenn ich also sehe, dass sowohl meine nachricht gelesen, als auch mein profil besucht wurde, dann bekommt die dame noch zwei, maximal drei tage zeit sich zurück zu melden. danach stell ich das jeweilige profil auf „ignoriert“ um.
    leider greift dieses nochtmelden offenbar immer mehr um sich.
    ein wenig scheint es auch am algorithmus und seiner recht vage gehatenen passungsfindung zu liegen. die eigenen angaben werden nicht immer eingehalten.
    wenn ich zb angebe eine sehr hohe libido zu haben und daher jemanden suche, die es auch gerne bedienen mag, dann trifft das auf so gut wie keinen vorschlag zu.
    inzwischen ist dieses gefühl der ablehnung bei mir sehr abgestumpft. es ist zur kaum noch beachteten routine geworden.
    es ist auch sehr traurig, dass man dadurch zum abstumpfen erzogen wird. spiegelt jedoch die gesellschaft wieder.
    die gefühlswelt resigniert und meldet sich schon gar nicht mehr zu wort.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Dieser Prozentsatz der jedenfalls subjektiv erlebten Passung ist wirklich sehr gering. Mein Eindruck ist, dass du ein bestimmtes Schema hast, von dem du überzeugt bist, das aber eher dazu führt, dass dich Menschen nicht interessieren, mit denen du vielleicht doch glücklich werden könntest.

      Grundsätzlich finde ich es sehr gut, dass du Menschen aktiv anschreibst, auch wenn du sie zunächst nicht als passend erlebst. Vielleicht bricht der Prozess aber an irgendeiner Stelle ab: Gelingt es dir wirklich, mit innerer Unvoreingenommenheit mit einer Person in Kontakt zu treten und sie kennenzulernen?

  • Ulrike sagt:

    Hallo, interessant wäre eine Untersuchung über die Ablehnungsgründe. Ein hoher Prozentsatz lehnt deshalb ab, weil das Aussehen nicht anspricht. Männer bevorzugen hübsche, jüngere Frauen, Frauen wollen inzwischen auch Männer, die attraktiv aussehen, denn die Zeit der Existenzsicherung durch Heirat ist glücklicherweise vorbei….So reicht oft ein Blick auf das Profilfoto, um sich für oder gegen eine Kontaktaufnahme zu entscheiden….das betrifft beide Geschlechter gleichermaßen….tja, scheint ein unlösbares Problem zu sein…Kompromisse hinsichtlich der Anziehung machen in der Regel auf Dauer nicht glücklich…..

    • Kristina sagt:

      Ich kann das komplett nachvollziehen. Ich habe allerdings erst 80 Vorschläge bekommen. Und ja, mir gefallen so gut wie gar keine Vorschläge.
      Trotzdem habe ich mich anfangs bemüht Kontakte zu knüpfen, nicht so viel Wert auf Äußerlichkeiten zu legen usw.
      Aber auch ich habe trotz tollen Bildern und einem ansprechenden Profiltext (+ alle Parameter ausgefüllt und keine abschreckenden Besonderheiten) entweder zu 90% gar keine Antwort bekommen und ganze 2 Absagen.

      Vielen Dank, den Aufwand kann ich mir echt sparen.

      • Guido F. Gebauer sagt:

        80 Vorschläge sind ja keine kleine Anzahl, und es ist tatsächlich schade, dass dir niemand gefällt. Da allerdings auch viele Paare anfangs über ihre jetzigen Partner gesagt haben, dass sie ihnen nicht gefallen hätten, könnte es durchaus sein, dass sich aus dem einen oder anderen Kontakt in Wirklichkeit eine gute Beziehung entwickelt hätte.

        Dass du auf 90 % keine Antwort erhalten hast, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Das wäre eine absolute Seltenheit. Natürlich habe ich deshalb versucht, dies nachzuvollziehen, aber mit der von dir hier angegebenen E-Mail-Adresse ist kein Account verknüpft. Wenn du mir deinen Aliasnamen oder deine E-Mail-Adresse gern per Mail an gebauer@gleichklang.de mitteilst, schaue ich gern nach.

        Oder meinst du gar nicht, dass du keine Antwort erhalten hast, sondern dass du keine Erstnachricht bekommen hast? Dass mehr als 90 % der Vorschläge dich nicht zuerst anschreiben, wäre völlig normal. Waren die zwei Absagen Antworten auf deine Nachrichten oder waren es Erstnachrichten?

        Insgesamt habe ich momentan – allerdings nur nach dem, was ich von dir lese – nicht den Eindruck, dass du das Grundprinzip einer Partnerfindung als eher seltenes Ereignis, das irgendwann einmal eintritt, so nachvollzogen hast, wie es unserem Prinzip zugrunde liegt. Du kannst ohne jeden Zweifel bei Tinder und anderen Plattformen sehr viel mehr Kontakte aufnehmen. Das kannst du natürlich gern ausprobieren, wenn du denkst, dass sich der Aufwand dort mehr lohnt.

        Wie gesagt, ich kann hier nur anhand dessen, was du schilderst, ein wenig vermuten. Gern schaue ich aber noch einmal nach und schreibe dir dann genauer.

        • Kristina sagt:

          Ich denke das liegt daran, dass viele der Profile gar nicht mehr aktiv sind. Das merkt man ja daran, dass sich die Männer nach meinen Nachrichten, mein Profil nicht mal angesehen haben.
          Die zwei, die tatsächlich geantwortet haben, waren gerade in der Kennlernphase und haben daher abgesagt. Das fand ich nett.
          Und ein anderer, war emotional noch viel zu sehr bei seiner jetzigen Frau und Kindern und hat sogar noch da gewohnt (den hatte ich nicht erwähnt), aber so könnte ich keine neue Beziehung aufbauen, wenn man „parallel“ noch nicht frei ist.
          Und leider hat mich in der gesamten Zeit kein einziger Mann angeschrieben, ich rede alleine von meinen Aktivitäten.
          Wie dem auch sei, ich habe mir etwas mehr erhofft. Ja wir sind nicht bei Tinder, und die Qualität ist sicher besser, aber nach einem halben Jahr, ist dies nunmal meine Erfahrung.

          • Guido F. Gebauer sagt:

            Hallo Kristina,

            danke für Deine Antwort. Anhand Deines Anfangskürzels konnte ich nun doch einen Account finden.

            Ich sehe die Situation teilweise etwas anders. Du hast 140 Vorschläge erhalten, schaust Dir aber seit einigen Monaten keinen einzigen mehr an. Früher hast Du Dir alle Vorschläge angesehen, eine große Anzahl als uninteressant eingestuft und eine kleinere Anzahl angeschrieben.

            In 35 % der Fälle hast Du eine Antwort erhalten. Das ist weniger als der Durchschnitt. Ich kann allerdings nicht sagen, woran dies liegt. Übrigens haben Dir vier Personen eine Interessant-Einstufung gesandt.

            Bezüglich der Profile, die Du Dir seit Monaten nicht anschaust, musst Du wissen, dass die betreffenden Personen sehen, dass ihre Profile ungelesen geblieben sind. Dadurch kann der Eindruck entstehen, Du seist eine Karteileiche. Der Anteil tatsächlicher Karteileichen liegt bei Gleichklang bei ungefähr 4 %. Das können wir daran erkennen, dass sich 96 % der Mitglieder nach dem Erhalt einer Nachricht zeitnah wieder einloggen.

            Da die Partnersuche im Durchschnitt etwa zwei Jahre dauert und es tatsächlich nur ein einziges Mal klappen muss, würde ich Dir wirklich raten, einfach aktiv dabeizubleiben. Eine Partnerfindung baut sich nicht schrittweise aus der Anzahl der Kontakte auf, sondern ist immer ein singuläres Ereignis. Es muss nur mit einer Person passen.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Das Aussehen spielt eine Rolle, vor allem dann, wenn Nutzer sich die Logik der Dating-Apps zu eigen machen und mit dieser Logik auch bei uns vorgehen. Sie scrollen dann durch eine Liste und melden sich höchstens bei denjenigen, die sie besonders interessant finden.

      Das Aussehen ist dennoch nur ein Teilaspekt, und die Stärke der Orientierung daran variiert zwischen unseren Mitgliedern stark. Studien zeigen, dass es eher schädlich ist, hier keinerlei Kompromisse einzugehen, da sich die Wahrnehmung von Attraktivität beim Kennenlernen deutlich verändern kann.

      Wir lieben nicht nur diejenigen, die wir attraktiv finden, sondern beginnen auch, diejenigen attraktiv zu finden, die wir lieben. Übrigens habe ich zu diesem Thema auch ein Video gemacht „Zählt nur das Aussehen bei der Partnersuche?“: https://youtu.be/tuBl4YpEqZs

  • Chriz sagt:

    Ein Punkt fehlt mir im Artikel: Das Unmatch in der Studie war kommentarlos. Sie nennen es die Variante mit „geschaffener Klarheit“ … klar ist aber nur, dass das Match weg ist. Das Warum fehlt, und genau in diese Lücke fährt das Grübeln, das Sie selbst als Befund nennen. Man geht den Chat im Kopf durch, sucht die Stelle, an der es gekippt sein könnte, und landet am Ende bei sich selbst. Nicht weil das stimmt, sondern weil keine andere Information da ist.

    Zum Vergleich: Ein echtes Date endet normalerweise nicht damit, dass die andere Person wortlos aufsteht und geht… mit der Ausnahme, wenn man sich wirklich daneben benommen hat. Sonst gibt es irgendeine Form von Abschluss. Online ist der wortlose Abgang dagegen der Normalfall, und niemand findet etwas dabei.

    Das Missverhältnis dahinter stört mich am meisten. Unmatchen kostet eine Sekunde und keinen einzigen Gedanken… kein Formulieren, kein Innehalten, keine Frage an sich selbst, was das auslöst. Auf der anderen Seite sitzt jemand tagelang daran. Bei Hinge wird zusätzlich der komplette Chatverlauf gelöscht, es bleibt also nicht einmal etwas zum Nachlesen… nur die Version, die der eigene Kopf sich zusammenbaut, und die fällt selten freundlich aus.

    Ihr Fazit richtet sich an die abgelehnte Person: Gelassenheit lernen, weiter proaktiv bleiben. Nachvollziehbar, nur liegt die Anstrengung damit wieder bei der Seite, die ohnehin alles trägt. Ein kurzes Multiple-Choice-Feld beim Unmatchen, meinetwegen mit optionalem Freitext, würde die Kosten etwas zurückverteilen… und wäre nicht mehr als das, was offline selbstverständlich ist, vorausgesetzt die infos des felds werden wieder zurück an die gegenseitige gegeben…

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Grundsätzlich bin ich ganz bei dir. Tatsächlich hatten wir früher ein Pflichtfeld, über das entweder eine voreingestellte oder eine neu formulierte Nachricht zusammen mit der Ablehnung versandt wurde. Das führte jedoch zu so viel Kritik von Mitgliedern, die genau dies nicht wollten, dass wir die Funktion wieder abgeschafft haben. Vielleicht sollten wir dennoch darüber nachdenken, sie erneut einzuführen.

  • Tim sagt:

    Ich verstehe eine ganz konkrete Sache nicht.
    Wenn man in schriftlichen Kontakt gekommen ist, es scheint zu funktionieren, es geht hin und her. Dann nach einer Nachricht kommt plötzlich keine Antwort mehr. Ohne Erklärung, ohne irgendwas… Man wird einfach wortlos stehen gelassen und der andere löst sich in Luft auf.

    Stellen sie sich das mal in echt auf der Straße vor. Was soll ein Mensch denn da denken?
    Wenn mir die Möglichkeit zu einer wie auch immer Reflexion nicht zugestanden wird. Dann stehe ich komplett hilflos da. Mit leeren Händen und ausgeraubt wurde ich auch noch…
    Was soll man da denken? Das ist doch kein Wunder das einen das wütend macht.

    Warum kann man nicht wenigstens kommunizieren das einem etwas nicht gefallen hat??
    Daraus kann wenigstens einer etwas lernen! Wenn das verweigert wird tritt man weiter auf der Stelle.
    Genau DAS ist es was Partnersuche im Internet so kräftezehrend macht.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Was du beschreibst, ist das, was wir Ghosting nennen. Es ist beim Online-Dating leider ein bekanntes Phänomen, und im Einzelfall können wir oft nur darüber rätseln, woran es lag. Dazu habe ich ein eigenes Video gemacht:

      https://youtu.be/qLfLxt9BxTY

      Ghosting ist eine besonders belastende Form der Ablehnung, die sich leider zudem zyklisch fortsetzt: Menschen, die geghostet wurden, ghosten später häufiger selbst. Einen sicheren Weg, sich vor Ghosting zu schützen, gibt es leider nicht.

      Allgemein gilt der Rat, sich möglichst bald persönlich zu treffen, da eine länger andauernde Online-Kommunikation die Wahrscheinlichkeit von Ghosting erhöht. Allerdings kann Ghosting auch unmittelbar vor einer Verabredung auftreten, dann manchmal aus Angst vor der eigenen Courage.

  • Undine sagt:

    Wir sind alle aus dem grundlegend gleichen Grund auf so einer Plattform. Und ich gebe mir immer Mühe, eine Absage zu formulieren. Und Glück für eine passendere Partnerschaft zu wünschen. Wenn das jemand bei mir macht, fühlt es sich nicht so schmerzhaft an. Und irgendwie macht es mich weicher und ich fühle mich wohler, weil nichts im Raum stehen geblieben ist. Zumindest in meinem nicht.
    Mir raubt es viel Kraft, dieses asoziale Verhalten zu verdauen. Und es macht mich wütend, weil ich es respektlos finde.
    In mir entsteht immer mehr der Wunsch mich zu schützen. Mein Leben ist auch ohne eine Partnerschaft sehr schön und lebenswert. Vielleicht ist das einfach grundsätzlich der falsche Weg.
    Und ob die Leute reflektierter sind, bei Gleichklang, das sei mal dahin gestellt. Ich finde es dort genauso frustrierend wie anderswo.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Danke für deinen Kommentar. Ich kann das absolut nachvollziehen, und es ist bitter, wenn die andere Seite nicht antwortet. Ich habe hier bereits mehrfach einen Link zu internationalen Auswertungen geteilt. Dieser ist deshalb interessant, weil die dort berichtete Antwortrate extrem gering ist. Auch wenn deine Antwortrate von 46 % vielleicht nicht sehr hoch erscheint, liegt sie doch um Längen über dem, was beim Online-Dating üblich ist.

      Allerdings sollten wir es trotzdem nicht immer nur bei den Raten oder bei der Unzufriedenheit über Ablehnung belassen. Dass sich zwei Menschen begegnen, die ein Leben oder zumindest eine längere Zeit miteinander verbringen möchten, ist tatsächlich selten. Bis dahin erleben wir typischerweise Ablehnung.

      Das ist bitter, aber ich glaube wirklich, dass wir es annehmen müssen. Genau deshalb habe ich auch diesen Artikel geschrieben. Wie ich den Kommentaren entnehme, hat er viele Leser mit Ablehnungserfahrungen dazu motiviert, sich zu äußern.

  • Ingo sagt:

    Sie scheinen zu vergessen dass Ablehnung nicht die Ausnahme sondern die Regel ist. Ähnlich wie bei den schrecklichen Nachrichten mit denen wir inzwischen tagtäglich bombardiert werden bleibt als Lösung nur die Abstumpfung. Wie es jemand anders hier ja schon geschrieben hat. Aber ehe ich meine Gefühle betäube lasse ich die Partnersuche lieber sein.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Ja, absolut. Dass zwei Menschen sich füreinander entscheiden oder eine Beziehung auch nur ernsthaft erwägen, ist eine Seltenheit. Deshalb ist Ablehnung bei der Partnerfindung der Normalfall, während wir auf die Ausnahme warten. Diesen Prozess des Wartens auf die Ausnahme und des Schaffens einer Situation, in der sie eintreten kann, nennen wir Partnersuche.

  • Stadtmensch sagt:

    Ehrlicherweise würde ich mich über Ablehnung ja sogar schon freuen, dann könnte ich wenigstens mit dem Vorschlag abschließen. Was mir sehr häufig passiert ist totale Ignoranz. Ca. 70% der Frauen, die ich anschreibe antworten gar nicht, bei ca. 50% sehe ich aber, dass sie meine Nachricht gelesen haben. Da ich nicht zweigleisig fahren will (also mehrere Personen gleichzeitig anschreiben will), warte ich dann eine Woche, schreibe vielleicht sogar noch eine zweite Nachricht… Am Ende ist dann ein Monat um und ich weiß immer noch nicht woran ich bin.

    Meiner Meinung nach müsste man eine Ampel in Gleichklang einbauen. Wenn mehr als fünf unbeantwortete Erstnachrichten bestehen, wird man auf Rot geschaltet und es findet keine weiteren Zuordnungen zu Vorschlägen statt. Dadurch würden die Teilnehmer*innen sich angewöhnen, wenigstens irgendwie zu antworten. Und auch unbeabsichtigte Überlastungen würden automatisch verhindert (wenn man plötzlich sehr viele Vorschläge und Zuschriften bekommen und nicht mehr hinterher kommt).

    Aktuell erzieht das System die Leute dazu mehrgleisig zu fahren und mehrere Personen gleichzeitig anzuschreiben, weil man sonst Monate damit verbringt nur zu warten. Schade, denn es ist ja bekannt, dass sich durch parallele Anbahnungen eher nichts sinnvolles ergibt.

    • Felix sagt:

      Den Ansatz, dass das nicht-reagieren auf Nachrichten auch mal Konsequenzen nach sich ziehen muss, unterstütze ich absolut. In den Gleichklang-Statuten steht zwar schon drin, dass sich die Mitglieder dazu verpflichten, auf Nachrichten zu reagieren, aber das ist letztlich ein zahnloser Tiger.

      In eine „fertigen“ Beziehung müssen wohl beide Seiten für deren Erhalt investieren. Wenn es um die Anbandelung einer Beziehung geht, ist das Investment nach meiner Erfahrung ziemlich asymmetrisch verteilt. Ich sage es mal so: In den letzen vier Jahren, 140 Vorschläge. Davon habe ich ca. 20 % angeschrieben. Ich wurde exakt einmal initial von der anderen Seite angeschrieben. Das sagt ja schon viel aus.
      Dass das Investment so ungleich verteilt ist, darauf geht irgendwie keine Studie ein. Und wie sieht es aus, wenn die Zahl der Ablehnung auf ein unnatürlich hohes Maß anwächst?Vielleicht sollten sich die Studienschaffenden mal eine Analyse unter diesen Gesichtspunkten durchführen.

      • Guido F. Gebauer sagt:

        Hallo Felix,

        ich würde zunächst einmal auf deine Antwortquote von 53 % schauen. Diese liegt bei Gleichklang zwar leicht unter dem Durchschnitt, ist aber um ein Vielfaches höher als das, was in der Literatur sonst beschrieben wird:

        https://finance.yahoo.com/news/heres-many-messages-men-send-144203644.html

        Es handelt sich also im internationalen Vergleich um eine ausgesprochen hohe Antwortrate.

        Du hast insgesamt sechsmal eine Erstnachricht erhalten. Das errechne ich jedenfalls anhand der im Adminbereich angezeigten Erstnachrichtenrate. Typischerweise haben Mitglieder keine Erstnachrichtenrate von fast 20 % wie du, sondern – bei Frauen und Männern ähnlich – ungefähr 3 %. Wir hätten daher einige Erstnachrichten mehr an dich erwartet, aber tatsächlich nicht sehr viel mehr.

        Da du selbst 20 % deiner Vorschläge angeschrieben hast, hast du natürlich zugleich die Wahrscheinlichkeit verringert, eine Erstnachricht zu erhalten. Schließlich kann dich niemand mehr zum ersten Mal anschreiben, wenn du diese Person bereits zuerst angeschrieben hast. Insofern scheint mir diesbezüglich alles in Ordnung zu sein.

        Eine ganz andere Frage ist allerdings, weshalb bisher offenbar keine Beziehung entstanden ist. Das lässt sich aus den Statistiken nicht einfach ablesen. Es liegt jedenfalls nicht daran, dass die anderen Personen dir nicht antworten. Du hast genügend Antworten erhalten, auch wenn es sich möglicherweise überwiegend um Absagen handelte.

        Entscheidend ist, aus einem Kontakt tatsächlich eine Chance zu entwickeln, indem du nicht mehrgleisig, sondern immer schrittweise vorgehst, das Kennenlernen ernsthaft auslotest, Initiative und Motivation aufbringst, euch möglichst bald trefft und dich auf die Veränderungen einlässt, die mit einer Beziehung verbunden sind.

        Wie würdest du den bisherigen Verlauf unter diesen Gesichtspunkten einschätzen?

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Hi Stadtmensch,

      danke, dass du mir deinen Aliasnamen genannt hast, sodass ich mir deine Daten anschauen konnte. Deine Antwortrate liegt bei 50 % – es antworten dir also doch etwas mehr als nur 30 %. 🙂

      Mit deiner Haltung zur Nicht-Mehrgleisigkeit hast du absolut recht. Genau dies ist der Weg, auf dem irgendwann vermutlich doch eine Beziehung entstehen wird oder zumindest entstehen kann. Nicht mehrgleisig vorzugehen bedeutet allerdings nicht, dass du immer nur eine einzige Person anschreiben darfst.

      Wenn es so viele Vorschläge gibt, empfehle ich, dir jeden Tag ein bis zwei Vorschläge anzuschauen und eine Nachricht zu senden, sofern daraus möglicherweise eine Resonanz entstehen könnte. Sobald jedoch die erste Antwort eintrifft, die keine Absage ist, solltest du damit sofort aufhören. Kommuniziert zunächst online, wechselt bald zu einem Video- oder Telefongespräch und geht anschließend zu persönlichen Begegnungen über.

      Während dieser gesamten Zeit solltest du keine neuen Profile anschauen und keine neuen Kontakte aufnehmen. Meldet sich später noch jemand aus den früheren Kontakten, kannst du freundlich schreiben, dass du dich momentan in einem Kennenlernprozess befindest und deshalb nicht mehrgleisig vorgehen möchtest. Zugleich kannst du dich sehr über die Antwort bedanken und dir erlauben, dich noch einmal zu melden, sobald du sicher bist, dass du wieder frei für einen neuen Kontakt bist.

  • Martin sagt:

    Es ist gut, zu wissen, dass es vielen anderen genauso geht. Es ist zunächst schon enttäuschend, wenn man fast nie Antworten bekommt. Da fragt man sich schon „was mache ich falsch? Was gefällt ihnen nicht bei mir?“ Oft wäre man dankbar über Antworten.
    Da hat Ulrike zumindest geschrieben, dass Frauen eher Männer suchen, die attraktiv aussehen. Dann könnte allein das der Hauptgrund bei mir selbst sein. Denn ich habe meine Gesichtszüge schon immer so, die kann ich nicht ändern. Wenn gutes Aussehen für viele Bedingung ist…

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Hm, du hast 3,21 % der Vorschläge angeschrieben und eine Antwortrate von 57,69 %. Da du viele Vorschläge erhalten hast, kam es also durchaus zu einigen Kommunikationen und auch zu Antworten auf deine Erstnachrichten. Umgekehrt hast du ebenfalls Erstnachrichten erhalten.

      Allerdings hast du dir nur 13 % der Vorschläge angeschaut. In gewisser Weise tust du damit also selbst genau das, was du gleichzeitig kritisierst. Das ist für uns Menschen durchaus typisch. Wir können es jedoch reflektieren und verändern.

      Mein Rat wäre daher, aktiver zu werden und zugleich nicht von vornherein zu denken, dass die anderen dich ohnehin ablehnen werden. Wenn du auf der Straße spazieren gehst, wirst du sehen, dass Menschen mit den unterschiedlichsten äußeren Merkmalen Partnerschaften finden können. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass dies auch dir gelingen kann.

      Allerdings ist der Weg zur Partnerfindung oft im wahrsten Sinne des Wortes mit Ablehnungen gepflastert. Das können wir nicht ändern, und was wir nicht ändern können, können wir akzeptieren und sodann wird es leichter.

  • Michael sagt:

    Ich kann meinen Vorrednern nur zustimmen. Gleichklang unterscheidet sich hier kaum von anderen Plattformen. Nicht-Antworten, Nicht-Lesen und Nicht-Profilöffnen sind auch bei Gleichklang der Normalfall und nicht die Ausnahme.

    Mein größtes Problem ist aber, dass die Partnersuche einfach nie zum Erfolg führt,
    was eben an diesem Verhalten liegt, weil ein echtes Kennenlernen und herausfinden,
    ob es passt, nicht stattfindet.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Na ja, deine eigene Antwortrate ist mit knapp 35 % zwar für Gleichklang etwas unterdurchschnittlich, liegt aber immer noch weit über dem, was ansonsten international berichtet wird:

      https://finance.yahoo.com/news/heres-many-messages-men-send-144203644.html

      Insofern möchte ich das so nicht stehen lassen. Ich glaube, du irrst dich mit der Annahme, dass die bisherige Erfolglosigkeit an diesen Faktoren liegt. Denn die Paare, von denen wir jeden Tag hören, haben auch keine grundlegend anderen Raten. Es muss also an etwas anderem liegen.

      Vielleicht hilft dir mein Video „Warum bin ich Langzeitsingle?“, vielleicht auch nicht: https://youtu.be/L3rnkoEHg38

  • Adina sagt:

    Die Porösität der zustande gekommenen Matches ist schmerzhaft. Unabhängig wann eine Ablehnung eintritt. Die Hoffnung auf Erfüllung schmälert sich von Mal zu Mal. Doch erstickt der Wunsch nicht gänzlich an der Bitterkeit und atmet in sachten Zügen weiter.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Das ist doch eine gute Einstellung dazu, wie wir mit den Absagen umgehen können, die den Weg zur Partnerfindung normalerweise geradezu pflastern.

  • Toni sagt:

    Ich vermute, Frauen schreiben auf diesen Dating-Portalen oft mit mehreren Männern gleichzeitig. Da wird man halt schnell aussortiert und der „beste“ wird genommen. Wenn man Glück hat, bekommt man noch eine charmante Absage, meistens aber wird man geghostet oder gleich gelöscht. Partnersuche im Internet ist echt kräftezehrend.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Das ist kein Geschlechterthema. Männer schreiben ebenfalls teilweise mit mehreren Personen gleichzeitig. Bei Gleichklang kommt dies wegen der insgesamt geringeren durchschnittlichen Zahl an Vorschlägen für beide Geschlechter, unserer intensiven Beratungsleistungen, unserer Blogartikel und Videos sowie der Art der Menschen, die sich hier anmelden, seltener vor. Dennoch geschieht es auch bei uns häufig.

      Allerdings muss zwischen verschiedenen Stufen der Kommunikation unterschieden werden. Zunächst mehrere Erstnachrichten zu schreiben, ist völlig in Ordnung, auch wenn die Antwort einer Person noch nicht eingetroffen ist. Schließlich loggen sich bei Gleichklang viele Mitglieder nicht täglich ein, sodass Antworten einige Zeit dauern können.

      Sobald jedoch eine Antwort eintrifft, die keine Absage ist, sollte mit jedem neuen Kontakt Schluss sein. Wir empfehlen dies, weil dadurch die Chancen auf eine erfolgreiche Beziehungsfindung wachsen. Natürlich gibt es im Leben nicht nur null oder hundert Prozent. Wenn mehrere Erstnachrichten zeitlich versetzt verschickt werden, können sich trotzdem gleichzeitig zwei Kontakte entwickeln.

      Wichtig ist dann, sich bald zu treffen – aber nicht mit beiden Personen parallel und vergleichend. Ein solches Vorgehen führt typischerweise dazu, dass mit keiner der beiden Personen eine Beziehung entsteht. Stattdessen sollte zunächst ein Treffen mit einer Person stattfinden. Ab diesem Moment sollte ausschließlich das Potenzial dieses Kontaktes ausgelotet werden, ohne weitere Vergleiche anzustellen.

      Der anderen Person können wir zugewandt und freundlich mitteilen, dass sich gerade ein Kontakt vertieft und wir nicht mehrgleisig fahren möchten. Dieses Vorgehen wirkt vielleicht etwas rigide. Es erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Bindungsbereitschaft erhalten bleibt. Bei parallelen Kontakten geht sie oftmals verloren, ohne dass wir dies selbst bemerken.

  • Sebastian sagt:

    Hallo,
    noch eine Frage zum Thema, ein Kontakt: Wie lange sollte man die Aufnahme weiterer Kontakte Pausieren? Manchmal klappt es ja nicht gleich mit dem Treffen, Person will nur schreiben, nicht telefonieren, Treffen wegen Entfernung schwierig, wenn getroffen Entscheidung noch nicht sofort da. Kurzum, wann sagt man, wird nichts, bzw. ist eher Hinhaltetaktik und man sollte wieder neue Kontakte aufnehmen?
    Je länger man wartet, je schwerer fühlt sich die Absage/das nicht klappen ja dann an.
    Viele Grüße
    Sebastian

  • Sebastian sagt:

    Lieber Guido Gebauer,

    erst einmal ein großes Dankeschön für die Mühe, die du dir gibst, um Menschen zusammen finden zu lassen. Unabhängig davon, ob sie nun zahlende Kunden sind oder nicht, wie man an den Blogbeiträgen sieht.
    Wenn du über Ablehnung sprichst, dann scheinst du einen Elefanten, der im Raum steht, nicht korrekt zu adressieren. Das Geschlechterungleichgewicht, was Ablehnung betrifft. Wie du ja selbst schreibst, entsteht Ablehnung nicht erst, wenn ein Match aufgelöst wird, sondern schon davor. Ich zitiere mal aus einem Paper, das ich dazu gefunden habe:
    „Vast majority of men (even the highly desirable ones) receive less swipes than women with below average desirability.“

    https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0327477

    Ich sehe das ja selbst bei Freundinnen und Bekannten. Die werden mit Kontaktanfragen überschüttet, während ich schon froh sein kann, wenn eine Nachricht überhaupt mal beantwortet wird. Von Erstnachrichten an mich ganz zu schweigen. Ich rede ganz explizit nicht von Gleichklang, da es hier keine Swipe-Mechanik gibt. Ich wage aber zu bezweifeln, dass diese Tinderisierung des Dating-„Markts“ nicht auch zu Gleichklang rüberschwappt.

    Ich spekuliere jetzt ein wenig. Wenn ich mit Kontaktanfragen überschüttet werd, dann steigt in mir das Gefühl, ich hätte eine große Auswahl. Und wenn ich Auswahl hab, werd ich wählerischer. Umgekehrt scheint es für Männer eine erfolgversprechendere Strategie zu sein, statt die Angel auszuwerfen, das Schleppnetz auszupacken und den Beifang hinterher auszusortieren. Das scheinen zwei sich gegenseitig verstärkende Effekte zu sein, die auch Auswirkung auf die Dynamik auf Gleichklang haben. Frustrierend sind sicher beide Effekte, aber um in einem gängigen Bild zu bleiben: ich verdurste lieber auf hoher See als in der Wüste. Und vielleicht braucht es auch unterschiedliche Strategien mit diesen verschiedenen Formen von Ablehnung umzugehen. Individuell mag das sinnvoll erscheinen. Kollektiv hat es aber vermutlich sehr negative Auswirkungen. Ein wenig wie die Tragik der Allmende.

    Zu hoffen, dass Appelle per Blogbeiträgen einen signifikanten Einfluss auf diese Dynamik haben werden, ist glaub ich vergebens.
    Was uns im echten Leben dazu bringt, uns wie anständige Menschen zu verhalten, ist, neben dieser dünnen Schicht Zivilisiertheit und hehren Ansprüchen, Reputation. Die gibt es auf Dating-Plattformen so gut wie garnicht und es wundert mich wirklich, wieso das nicht versucht wird. Ein paar wenige Daten wie grobe Antwortrate oder Like-Dislike-Verhältnis wären schon ein Anfang. So wie es jetzt ist, muss man fast das Bild vom Menschen als deterministisches Reiz-Reaktionswesen bekommen. Und DAS stumpft mich viel mehr ab. Nicht die individuelle Ablehnung.

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