Toxische Beziehungen: Was sie ausmacht und wie wir sie verhindern können

Fotosymbol einer toxischen Beziehung

Angst vor einer toxischen Beziehung?

„Toxische Beziehung“ ist ein Begriff, den Betroffene selbst geprägt haben. Mittlerweile wird aber auch in wissenschaftlichen Publikationen der Begriff verwendet, und er macht fraglos seinen Sinn.

Im Grunde ist toxische Beziehung das Paradebeispiel dafür, wo wir in einer Beziehung genau nicht landen wollen. Und daher wundert es auch nicht, dass manche auch deshalb bei ihrer Partnersuche scheitern, weil sie Angst davor haben, sich in der falschen Beziehung wiederzufinden.

Am Ende meines heutigen Artikels stelle ich zwei einfach handhabbare Grundregeln, vor, mit deren Hilfe Partnersuchende folgendes nahezu mit Sicherheit erreichen können:

  • Die Partnersuche führt nicht zu einer toxischen Beziehung
  • Sie verlieren keine Beziehungschance

Leser:innen, die sich ausschließlich hierfür interessieren und aktuell keine Zeit oder keinen Raum haben, einen längeren Text zu lesen, können insofern nun auch bereits gleich zum abschließenden Teil gehen.

Wer aber gerne noch etwas mehr über toxische Beziehungen erfahren möchte oder darüber, was toxische Beziehungen, nicht-toxische Beziheungen oder Beziehungen im Graubereich voneinander unterscheidet, ist herzlich eingeladen, den Artikel chronologisch weiterzulesen.

Was sind toxische Beziehungen: Eine statistische Analyse

Wir hatten Mitglieder zu ihren vergangenen oder aktuellen Beziehungen befragt. Allen Befragten wurden 42 Aussagen über eine fortbestehende oder bereits beendete Beziehung vorgegeben, die sie als zutreffend oder nicht zutreffend einschätzten.

Wichtig ist dabei, dass wir uns besonders für toxische Beziehungen interessierten:

  • Die Teilnehmenden wurden daher zunächst gefragt, ob sie bereits eine toxische Beziehung oder eine Beziehung im Graubereich mit klaren toxischen Elementen erlebt hatten.
  • 572 Personen oder 36,76 % gaben eine toxische Beziehung an, 516 oder 33,0 % eine Beziehung im Graubereich und 474 oder 30,3 % berichteten, bislang keine solche Beziehung erlebt zu haben.
  • Lag eine toxische Beziehung oder eine Beziehung im Graubereich vor, wurden die Befragten gebeten, genau diese Beziehung einzuschätzen.
  • Nur diejenigen, die nach eigener Einschätzung noch keine toxische Beziehung und auch keine Beziehung im Graubereich erlebt hatten, schätzten stattdessen ihre aktuelle oder letzte Beziehung ein.
  • Von den insgesamt 1562  Beziehungen bestanden zum Befragungszeitpunkt 17,3 % noch fort, während 82,7 % bereits beendet waren.

Im Anschluss wurden die 42 Antworten mithilfe einer sogenannten Hauptachsenanalyse mit nachfolgender Promax-Rotation ausgewertet. Dieses Verfahren macht es, in aller Kürze beschrieben, möglich, aus vielen eher oberflächlichen oder konkreten Merkmalen auf dahinterliegende Dimensionen zu schließen, also gewissermaßen von der Oberfläche zur Tiefe zu gelangen.

Dies sind die sechs Dimensionen

1. Toxische Kontrolle und Einseitigkeit

Hier geht es darum, dass eine Person in massiver Art und Weise versucht, die andere grundlegend zu verändern, zu erziehen, zu kontrollieren, zu therapieren oder ihre eigenen Sichtweisen sowie ihre Eigenständigkeit zurückzudrängen.

  • „Soll/sollte komplett neue Überzeugungen annehmen“
  • „Fühle/fühlte mich wie in einem Erziehungsprogramm“
  • „Partner will/wollte mich dominieren“
  • „Muss/musste mich permanent rechtfertigen“
  • „Partner akzeptiert/akzeptierte nur die eigenen Ansichten als gültig“

2. Toxische Invarianz und Durchgängigkeit

Partner:innen sind undurchschaubar, das toxische Muster ist durchgehend vorhanden und mit einer hohen psychischen Belastung verbunden:

  • „Meine Sichtweise wird/wurde nicht zur Kenntnis genommen, als es mich gar nicht gab.“
  • „Alle Veränderungsversuche sind/waren fruchtlos“
  • „In der Beziehung herrscht/herrschte ein fundamentaler Mangel an Balance“
  • „Partner zeigt/zeigte ein Muster aus Unehrlichkeit, Halbwahrheiten oder Intransparenz“
  • „In der Beziehung habe ich viele Momente von Unglück erlebt“

3. Antitoxische Ressourcen und positive Anteile

Diese Dimension ist umgekehrt gepolt. Sie ist also in toxischen Beziehungen gerade nur in sehr geringem Ausmaß oder gar nicht vorhanden:

  • „Negative Vorfälle sind/waren höchstens temporär“
  • „Ich bin/war mit der Beziehung zufrieden“
  • „In der Beziehung habe ich viele Momente von Glück erlebt“
  • „Auftretenden Konflikten stehen/standen wichtigere positive Bereiche in der Beziehung gegenüber“
  • „Die Beziehung ist/war stabil“

4. Toxische Eskalation und Gewalt

Eskalationen und Zuspitzungen zu Drohungen, Verfolgungen, Suizidalität und körperlicher Gewalt:

  • „Partner bedroht/bedrohte meine körperliche Sicherheit“
  • „Partner schlägt/schlug mich oder misshandelt/misshandelte mich“
  • „Partner droht/drohte mit Suizid“
  • „Partner stalkt/stalkte mich, verfolgte mich, tauchte ungewollt auf“
  • „Partner unternahm Suizidversuche“

5. Toxischer On-off-Charakter

Hochgradige Instabilität, Trennungen und Wiederversöhnungen sowie starke Schwankungen, wobei das Positive hier aber wegen der sofortigen Rückschwankung gerade nicht als Ressource zu bewerten ist.

  • „Es kommt/kam zu permanenten Trennungen und Wiederversöhnungen“
  • „Starke Schwankungen zwischen Positivem und Negativem“
  • „Es war von Anfang an manipulativ, willkürlich, verwirrend, intransparent oder in anderer Weise negativ“

6. Maniforme Euphorie

„Lovebombing“, hochgradige Euphorie und außergewöhnliche Wertschätzung. Aber Vorsicht, denn nachfolgend werden wir sehen, dass diese Merkmale eben nicht typisch für toxische Beziehungen sind:

  • „Absolute Verliebtheit, auf Wolke sieben“
  • „Wechselseitige Liebe ist/war spürbar“
  • „Partner war/ist in sehr hohem Ausmaß wertschätzend, zeigt/zeigte volle Aufmerksamkeit, Interesse und Fürsorge gegenüber meiner Person.“

Clusteranalyse: So unterscheiden sich toxische, nicht-toxische und Beziehungen im toxischen Graubereich in diesen sechs Dimensionen

Mithilfe einer Clusteranalyse (Two-Step-Clusteranalyse) wurde geschaut, inwieweit sich die Teilnehmenden anhand ihrer Ausprägungen in diesen Dimensionen in separierbare Gruppen einteilen ließen.

Dabei ergab sich als beste Lösung eine Gruppierung in diese drei Gruppen, die sich in 5 der 6 Dimensionen signifikant voneinander untertschieden:

  • Toxische Beziehungen (598 Personen, 38,3 %): Die toxischen Beziehungen zeigten die höchsten Ausprägungen bei Kontrolle und Einseitigkeit, Invarianz und Durchgängigkeit, Eskalation und Gewalt sowie On-off-Charakter und gleichzeitig die geringste Ausprägung bei Ressourcen und positiven Anteilen.
  • Beziehungen im Graubereich (642 Personen, 41,1 %): Diese Beziehungen zeigten im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen mittlere Ausprägungen bei Kontrolle und Einseitigkeit, Invarianz und Durchgängigkeit, Eskalation und Gewalt, beim On-off-Charakter sowie bei Ressourcen und positiven Anteilen.
  • Positiv balancierte Beziehungen (322 Personen, 20,6 %): Die positiv balancierten Beziehungen zeigten die geringsten Ausprägungen bei Kontrolle und Einseitigkeit, Invarianz und Durchgängigkeit, Eskalation und Gewalt sowie On-off-Charakter und gleichzeitig die höchste Ausprägung bei Ressourcen und positiven Anteilen.

Diese Unterschiede blieben auch bestehen, wenn Alter, Bildung, Geschlecht und sexuelle Orientierung statistisch kontrolliert wurden.

Während sich eine deutliche Überlappung zwischen der ursprünglichen Selbsteinschätzung als toxisch, grau oder positiv-funktional und den Ergebnissen der Clusteranalyse zeigte, waren beide Zuordnungen nicht identisch. Dies ist auch zu erwarten, weil die Selbsteinschätzung stärker davon abhängt, welche Schwelle eine Person subjektiv für Begriffe wie „toxisch“ oder „Graubereich“ anlegt. Die Clusteranalyse basiert dagegen auf 42 konkreteren Einzelmerkmalen der Beziehung und kann deshalb zu einer verlässlicheren Zuordnung kommen.

Die Befunde sprechen insgesamt für sich selbst. Die Befunde sprechen insgesamt für sich selbst. Deutlich wird, dass toxische Beziehungen sich insbesondere durch ein hohes, einseitiges und übergriffiges Ausmaß an Kontrolle und Manipulation, durch festgefahrene, dauerhaft negative und kaum veränderbare Beziehungsmuster mit einem grundlegenden Mangel an Transparenz, durch ein geringes Ausmaß an tragfähiger Zufriedenheit, stabilem Glück und echten positiven Veränderungen, durch Eskalationen bis hin zu Drohungen, Verfolgung und körperlicher Gewalt sowie durch On-off-Dynamiken mit wiederholten Trennungen, Wiederversöhnungen und starken Schwankungen zwischen Positivem und Negativem kennzeichnen.

Bemerkenswertes Ergebnis dieser statistischen Auswertung ist aber auch, dass sich die oft in Berichten beschriebene maniforme Euphorie mit Lovebombing, außergewöhnlicher Wertschätzung und hochgradiger Verliebtheit gerade nicht als typisches Merkmal toxischer Beziehungen erwies. Tendenziell wiesen hier sogar die tatsächlich positiven Beziehungen die höchsten Werte auf!

Warum diese Dimension der hochgradig positiven Zuwendung von Menschen in toxischen Beziehungen  für den Beziehungsanfang besonders oft geschildert wird, ergibt sich vermutlich psychologisch aus dem Kontrast:

  • Gerade weil eine toxische Beziehung später so negativ erlebt wird, werden die positiven Anteile so stark erinnert und irrtümlich als typisch für toxische Beziehungen erlebt. Tatsächlich sind aber nicht die positiven Anteile problematisch oder charakteristisch für toxische Beziehungen – sie kommen in als positiv erlebten Beziehungen sogar häufiger vor –, sondern ausschließlich die negativen Merkmale und der Mangel an als tragfähig erlebter Stabilität.

Wir sollten also vor solcher positiven Zuwendung keine Angst haben. Die Alarmglocken brauchen nicht zu läuten, weil Partner:innen außergewöhnlich zugewandt sind, sondern erst und nur dann, wenn wir hochgradig belastende und sich nicht ändernde negative Muster feststellen. Demgegenüber sind selbst starke Zuwendungsbekundungen nicht als Signal für eine mögliche toxische Beziehung zu bewerten.

Mehr über toxische Beziehungen finden Sie auch in dem vorherigen Artikel Toxische Beziehungen beim Online-Dating sowie in meinem Video „Alles über toxische Beziehungen“.

Zwei Grundregeln gegen toxische Beziehungen beim Online-Dating

Die Liebe kann eines der schönsten Gefühle sein. Und Menschen sind im Durchschnitt in Beziehungen meistens auch glücklicher als Singles. Aber diese allgemeinen Erfahrungen sind nur Durchschnittswerte:

  • Auch wenn eine befriedigende Beziehung zu unserem Lebensglück beiträgt, führt uns eine toxische Beziehung ins Unglück. Singles sind glücklicher als Menschen, die sich in einer toxischen Beziehung befinden.

Es hat also einen triftigen Grund, wenn wir darüber nachdenken, wie wir verhindern können, dass eine künftige Beziehung toxisch wird.

So ist es nachvollziehbar, dass viele mit Sorge auf das Online-Dating blicken. Dennoch brauchen wir uns nicht durch Angst den Weg verstellen zu lassen:

  • Denn mithilfe von zwei einfachen Grundregeln können wir eine toxische Beziehung im Entstehen verhindern und gleichzeitig auftretende Irritationen oder Turbulenzen klären und so unsere Beziehungschancen für eine glückliche Beziehung maximieren.

1. Stoppsignal setzen, wenn eine resonante Klärung von Irritationen nicht erfolgt

Eigentlich kann es uns gar nicht passieren, dass wir  hoffnungslos in eine perspektivlose Beziehung abgleiten und sodann massiv unter ihr leiden. Denn in dem Moment, wo wir Irritationen oder Unstimmigkeiten bemerken, ist es noch nicht zu spät.

In diesem Moment gilt es, innezuhalten und nunmehr zu versuchen, diese Unstimmigkeiten miteinander zu klären:

  • Nehmen wir eine resonante Klärung wahr, erleben wir das Gefühl der Erleichterung und folgen auf Worte Taten, sollte der Beziehungsaufbau weitergehen.
  • Stellen wir aber fest, dass eine resonante, auch emotional und verstandesgemäß integrierte Klärung nicht möglich ist, oder Worte leer bleiben, ist der Zeitpunkt gekommen, sich zu verabschieden.

Diejenigen, die scheinbar schicksalhaft in unglücklichen Beziehungen enden, haben in Wirklichkeit nur den Zeitpunkt verpasst, um rechtzeitig und noch ohne ausgeprägten Schmerz das Stoppsignal zu setzen.

Es geht wohlgemerkt aber nicht darum, einfach schneller aus der Beziehungsentstehung auszusteigen. Keineswegs. Im Gegenteil:

  • Es geht darum, sensitiv für echte Irritationen zu sein und sodann auszuloten, ob die resonante Klärung erfolgt. Erfolgt sie, kann der Beziehungsaufbau weitergehen. Erfolgt sie nicht, spricht alles dafür, dass sich Irritationen nur häufen und ein gemeinsames Glück nicht möglich sein wird.

Das Vorgehen ist eigentlich recht einfach:

  • Wir sprechen die Irritation an und hören, wie die andere Person reagiert. Natürlich hinterfragen wir auch uns selbst und achten sodann darauf, was wir denken und fühlen. Dies sprechen wir aus und machen so die Erfahrung, ob wir beide in Resonanz zueinanderfinden. Gelingt dies nicht und ändert sich daran auch nichts bei weiteren Begegnungen, sollten wir lieber freundlich auseinandergehen, als unglücklich zu werden.

Der entscheidende Hinweis ist die zunächst als deutlich belastend spürbare Irritation und im besten Fall die nachfolgende Erleichterung als positives Signal.

Ich glaube, es ist von zentraler Bedeutung, dass wir uns klarmachen, dass wir selbst in den Prozess der Beziehungsentstehung nicht blind hineintreiben, sondern aktiv handeln. Wir sind nicht passive Objekte dieses Prozesses, sondern gestalten ihn.

Bin ich achtsam, kann ich gar nicht erneut in eine toxische Konstellation geraten.

2. Beziehungsentstehung als kompetente Reise ins Blaue

Manche wollen gleich am Anfang absolute Sicherheit:

  • Doch Beziehungsentstehung ist eben nicht das Beschreiten eines bereits hundertfach durchschrittenen Weges, wo jedes Zeichen am Wege uns bekannt ist und wir nahezu automatisch mit geschlossenen Augen gehen könnten.
  • Beziehungsentstehung ist vielmehr eine Reise ins Blaue.

Manche haben vor solch einer Reise Angst und treten sie gar nicht erst an.

Aber wer sich zutraut, Probleme auf dem Weg zu lösen, Unterkünfte zu finden, umzuplanen, sich abzusprechen, neue Ziele zu vereinbaren, vielleicht den Weg zu ändern, zieht die Reise ins Blaue dem allseits bekannten Weg sogar oft vor.

Wenn wir Vertrauen in uns selbst haben, auf unserem Weg entstehende Barrieren zu umgehen und Hindernisse zu überwinden, wenn wir auftretende Irritationen klären und die richtigen Schlüsse ziehen, gelangen wir zum Ziel.

Die Merkmale toxischer Beziehungen als Orientierung

Die Kenntnis der Merkmale toxischer Beziehungen kann uns helfen, die Orientierung zu behalten:

  • Übermäßige Kontrolle und Einseitigkeit, Invarianz und Durchgängigkeit toxischer Muster, eine ausgeprägte On-off-Dynamik sowie ein Mangel an positiven Ressourcen  sind alles Hinweise darauf, dass wir irritiert sein sollten und nunmehr eine Klärung erforderlich ist.

Wir können Resonanz spüren, ebenso wie ihr Fehlen, und entsprechend handeln, bevor Abhängigkeit, seelische Schmerzen, Eskalation oder Gewalt in unser Beziehungsfeld treten.

Wir haben es mit Reflexion und Achtsamkeit bei der Partnersuche in der Hand, uns vor einer toxischen Konstellation zu schützen. So können wir guten Mutes die Reise fortsetzen, auch wenn wir den Weg erst auf dem Weg kennenlernen werden.

Auf diesem Weg zur Beziehung begleiten wir Sie bei Gleichklang gerne:

▶ Zur Beziehungsfindung bei Gleichklang

Weitere Links:

Foto eines Paaren beim Packen für einen Umzug.

6 Kommentare

  • Willi sagt:

    Meines Erachtens muss man die Toxizität einer Beziehung erst mal erkennen und bewerten können. Eine Analyse ist erst möglich, wenn die Person sich ihrer selbst bewusst ist, genug Autonomie besitzt und soziale Kompetenz um Beziehungen analysieren zu können. Vor dem Weg auf der Suche nach Partnerschaft ist also Persönlichkeitsbildung gefragt und ein stabiles soziales Netz welches Feedback geben kann.
    Leiden an Einsamkeit, finanzielle bzw. soziale Not und andere Abhängigkeiten können so in eine toxische Beziehung führen und so lange ausgehalten werden, bis man selbst zerstört ist.

  • Mara sagt:

    Ich schließe mich dem Vorredner an – um die Toxizität bzw. den Mangel an resonanter Klärung auszuloten braucht man schon ziemlich viel Kompetenz in Beziehungen. Plus die Fähigkeiten, seine Belange in so einer Klärung zielgerichtet und doch wertschätzend zu kommunzieren.

    Was ist mit den Menschen, die diese Kompetenzen nicht von Haus aus mitbringen? Im Wortsinne: sie haben es zu Hause nicht gelernt, weil sie schon in den prägenden Kindheitsjahren von einem toxischen Umfeld umgeben waren?
    Solche Menschen landen oft wiederholt in toxischen Beziehungen, weil sie diese Muster als „Normalität“ kennen gelernt haben. Selbst wenn man es später im Erwachsenenleben rational erfasst hat, ist es schwierig, sich aus solchen Mustern zu lösen, denn unbewusste frühe Prägungen wirken im Hintergrund stark weiter. Für Menschen, die noch in solchen Verstrickungen festhängen, wirken solche Sätze wie Hohn: „Eigentlich kann es uns gar nicht passieren, dass wir hoffnungslos in eine perspektivlose Beziehung abgleiten und sodann massiv unter ihr leiden.“
    Denn natürlich leiden sie weiter unter den toxischen, dysfunktionalen Beziehungsmustern, die sie von Haus, von den Eltern her mitbekommen haben noch lange und ebenso unter den toxischen Beziehungen, die sie wiederholt im Erwachsenenleben anziehen. Es passiert diesen Menschen, aber es ist nicht allein ihre Schuld.
    Kurz: Was, wenn die allererste Beziehung im Leben – die zu einem oder beiden Elternteilen schon hoffnungs- und perspektivlos war und man keine positiven Muster kennen gelernt hat?

  • Daniela sagt:

    Hallo,

    Hab bis vor kurzem in einer gelebt. Alles begann absolut harmonisch, wunderschön:

    Meine Ex-Partnerin und ich hatten zuerst eine uns *sehr* verbindende, vertrauensvolle Freundschaft, und erzählten uns einfach *alles*.
    Hatten unsere Lieblings-Emojis, hatten Tränen in den Augen, stellten wir uns uns beide in diesen vor… 😢

    Sie erzählte mir viel über ihre eigene sehr toxische Beziehung mit ihrem Ex, mit dem sie auch Kinder (Kindesalter und Erwachsene) hatte, und der furchtbar langen Dauer Martyrium von 20 Jahren.

    Sie stellte mir nach und nach ihren Freundeskreis vor, der dann auch meiner wurde.

    Letztes Jahr ist sie noch umgezogen (wohnten nicht zusammen, auch wenn ich sehr oft bei ihr war).
    Ich habe über Wochen mit ihr und Freundinnen den gesamten Umzugsstress bewältigt. Möbel-, Küchengeräte-Aufbauten, Schleppen, alles.

    Sie war dann zu einer Reha (Mutter-Kind-Kur) Anfang des Jahres. Ich habe Verlust- und Verlassensängste aus der Vergangenheit. (Da ich schonmal toxische Beziehungen erlebt habe…“

    Bereits zu der Zeit sollte ich seitens ihr Neukennengelernte Personen nicht mehr selbst auch kennenlernen. Danach ging es weiter: Ich wurde als lästig, anstrengend und nervend benannt. Ausgeschlossen.

    Die Schuld, an allem (des sich verschlimmernden Zustands Verlassens- und Verlust-Angst) sollte ich alleine haben: „Ich würde mich ja auch nur streiten wollen…“ 😖

    Sie legte gleichzeitig meine Erklärungen als Vorwürfe gegen sie aus, und auf die Goldwaage. Ich sollte mir – umgekehrt – aber alles gefallen lassen. 😢

    ALLE Freundinnen und Freunde aus dem gemeinsamen Freundeskreis fielen mir in den Rücken, als wir mit ihnen über unsere, für mich immer nur mehr noch einseitige Beziehung sprachen.

    Meine sich entwickelnden Depressionen wurden in den Dreck gezogen.

    Schließlich wurde ich wie weggeworfen… Als ich mit einer anderen Freundin sprechen wollte, sie war früher mal unsere gemeinsame Nachbarin und Freundin war: Der Unterschied war: sie war früher – vor mir – NICHT bereits mit meiner Ex befreundet, sondern entstand der Kontakt der ehem. Nachbarin mit meiner Ex und mir in gleichem Zeitraum, wurde mir von meiner Ex gedroht, ich von einer ihrer Töchter aufs übelste beschimpft…

    Ich weiss nicht, was DAS für ein Zusammenbräu von hass-säendem Narzissmus ist, der da an den Tag gelegt wurde.

    Ich habe jetzt noch heftigen seelischen Schmerz. (Der Horror begann im Februar, endete im August)

    Meine Ex hat mit mir das gemacht, was ihr Frauenrechte-mit Füßen tretender Ex mit ihr für deren Horror-Ehe-Dauer von 20J machte…

  • Xyz sagt:

    Auch hier bei gleichklang sind leider Menschen unterwegs, die unehrlich und berechnend mit den Mitmenschen spielen.
    Monatelange, quälend langsamer WmE-mail-Austausch. Verabredungen, die nicht eingehalten werden. Vorschläge zu Treffen, die sehr zu Lasten einer Person gehen.
    Und dann ins Gesicht, nach ein paar Stunden Konversation: :Du bist mir zu alt.
    Hallo, das Alter war bekannt! Das ist ein perfide Art, mit der Lebenszeit, der Energie und den Hoffnungen seiner Mitmenschen umzugehen.
    Auch bei Gleichklang tummeln sich unfreundliche Personen.
    Und es sind männliche.

  • Johanna sagt:

    Danke Willi für diesen Kommentar – sehr treffend! Meines Erachtens braucht es für eine gute, nicht toxische Beziehung tatsächlich ein hohes Maß an Bewusstheit und die Bereitschaft, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen – mit den eigenen Verletzungen, Schmerzpunkten, Bedürfnissen und Abhängigkeiten.
    Dazu gehören für mich auch Selbstliebe und Selbstfürsorge und die Fähigkeit, mit Einsamkeit umgehen zu können, ohne deshalb an einer Beziehung festhalten zu müssen, die einem nicht guttut. Ich glaube, jeder/ jede muss einmal durch dieses Tal. Ebenso wichtig ist es sicherlich, andere Abhängigkeiten – soweit es einem möglich ist – zu erkennen und zu bearbeiten, seien sie finanzieller, sozialer oder emotionaler Art.
    Ich glaube, je mehr wir unsere eigenen Themen kennen und Verantwortung dafür übernehmen, desto freier und reifer können wir uns auf eine Partnerschaft einlassen. Gleichzeitig sind wir natürlich nie „fertig“, bevor wir eine Beziehung eingehen. Auch Beziehungen selbst bringen uns mit unseren ungeklärten Themen in Berührung und können dadurch Entwicklungsräume sein.
    Vielleicht begegnen uns deshalb manchmal genau die Menschen, an denen bestimmte eigene (oft auch schmerzliche) Themen sichtbar werden. Im besten Fall gelingt dann eine gemeinsame Entwicklung. Und wenn das nicht möglich ist, kann die Konsequenz eben auch sein, dass sich die Wege wieder trennen. Auch das gehört für mich zum Leben und zur persönlichen Entwicklung dazu.

  • Klaudia sagt:

    Ja, leider habe auch ich hier eine toxische Begegnung erkebt. ABER: die Warnzeichen waren von Anfang an da!! Ich wollte sie nur nicht wahrhaben weil „alles andere so toll“ war. Tja, ich wollte es einfach so gerne schön haben… Dabei gab’s schon beim schriftlichen Anfangskontakt eine 5-Tage dauernde Schweigepause (vorher tägliche Nachrichten) nachdem wir ein konkretes Treffen vereinbart hatten. Auch wurden Vorhaben zu telefonieren, mehrfach nicht umgesetzt. Später im Verlauf der ersten Wochen gab es – trotz mehrfacher Nachfrage – nie geklärte Schweigepausen. Dann schließlich wurde es offensichtlicher: Liebesentzug weil ich was „falsch“ gemacht hatte und Nähe nur, wenn ich die „Fehler“ Einsah. Das durchschaute ich zum Glück bald und trennte mich. Dennoch hatte es traumatische Wirkung – wegen der erlebten starken Widersprüche und Verdrehungen und Drohungen.

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