Liebe und Sex gehören zusammen – oder auch nicht?
Mit genau dieser Frage befasst sich eine neuere psychologische Studie, die freie Assoziationen zu Liebe, romantischer Liebe und Sex empirisch erhoben und ausgewertet hat.
Die Ergebnisse sind überraschend und zeigen, wie eng diese Begriffe auf den ersten Blick miteinander verknüpft sind und wie stark sie sich zugleich in ihren Bedeutungsfeldern unterscheiden. Sichtbar wird ein hohes Maß an Dynamik und Widersprüchlichkeit im Verhältnis zweier Grundkonzepte menschlichen Erlebens, die unser Denken, Fühlen und Handeln weltweit prägen.
Daraus ergeben sich viele weiterführende Einsichten und Handlungsmöglichkeiten für erfüllte Sexualität und Beziehungen, denen ich in meinem heutigen Artikel nachgehe.
Freie Assoziationen zu Liebe, romantischer Liebe und Sex
Christopher Manoharan und Victor de Munck untersuchten in einer empirischen Studie, mit welchen unmittelbaren freien Assoziationen die Begriffe Liebe, romantische Liebe und Sex verbunden sind. Ziel der Arbeit war es, die konzeptuellen Beziehungen dieser drei Begriffe auf der Ebene spontan aktivierter Bedeutungen zu klären und empirisch zu bestimmen, wie sie sich semantisch voneinander abgrenzen und miteinander verschränken.
Die Studie bat die Teilnehmenden, spontan Wörter und kurze Begriffe zu nennen, die sie jeweils mit Liebe, romantischer Liebe und Sex assoziieren. Diese Begriffe wurden quantitativ nach Häufigkeit, Rang und Überlappung sowie qualitativ nach semantischen Mustern ausgewertet.
In den freien Assoziationen zeigte sich zunächst als ein Hauptbefund, dass Sex und Liebe offensichtlich hochgradig assoziiert sind:
- Sowohl bei Liebe als auch bei romantischer Liebe war das jeweils erste und höchstassoziierte Wort Sex.
- Umgekehrt war bei Sex wiederum Liebe das am häufigsten genannte Assoziationswort.
Diese wechselseitige „Spitzenassoziation“ zeigt eine unmittelbare und sehr starke semantische Nähe zwischen Liebe und Sex auf der Ebene der allerersten spontanen Aktivierung.
Bereits ab der zweiten Ebene divergieren die Bedeutungsfelder jedoch deutlich:
Ab der zweiten Assoziation zeigt sich ein geradezu frappierendes Auseinanderlaufen von Sex, Liebe und romantischer Liebe – genauer gesagt:
- Liebe und romantische Liebe bleiben eng verbunden, aber Sex stellt sich plötzlich als etwas komplett anders dar
Die Assoziationen der Liebe
Für Liebe lauten die ersten zwanzig Assoziationen in absteigender Häufigkeit:
- Sex, Herz, Leidenschaft, Musik, Familie, Einheit, Freundschaft, Ehe, Romantik, Vertrauen, Emotion, Glück, Gefühl, Frieden, Mitgefühl, Schmerz, Verpflichtung, Teilen, Fürsorge, Schönheit.
Diese Begriffe stehen für emotionale, kognitive, soziale und existenzielle Dimensionen von Nähe, die in einen Beziehungs-, Vertrauens- und Sinnkontext eingebettet ist.
Die Assoziationen von Sex
Für Sex ergeben sich die folgenden zwanzig häufigsten Assoziationen:
- Liebe, Ficken, Berührung, Nässe, Sperma, Wärme, Orgasmus, Kuss, Stöhnen, Vergnügen, Schweiß, Penis, Entladung, Oralverkehr, Intimität, Beißen, Lecken, Unterwerfung, Lippen, Dominanz.
Diese Assoziationen sind nahezu vollständig auf den Körper, auf Körperteile und auf konkrete sexuelle Handlungen am oder mit dem Körper bezogen. Sie sind also stark physisch, geradezu konkretistisch und vielfach „derb“.
Emotionale oder relationale Bedeutungen (Intimität) treten nur am Rande auf und sind in eine Auflistung rein körperlicher Zustände oder Praktiken integriert.
Die Assoziationen der romantischen Liebe
Die romantische Liebe ist zwar von der Liebe im Allgemeinen unterscheidbar, aber bezüglich der wiederum assoziativen Betrachtung ihrer Assoziationen deutlich näher an ihr als am Sex. Die zwanzig häufigsten Assoziationen lauten hier:
- Sex, Leidenschaft, Blumen, Kuss, Glück, Zusammensein, Liebe, Dating, Ehe, Gefühl, Kuscheln, Vertrauen, Verständnis, Fürsorge, Wärme, Reinheit, Herz, Schönheit, Freundschaft, Spaß.
Diese Liste zeigt eine Kombination aus beziehungsbezogenen, emotionalen und auch körpernahen Begriffen, ohne jedoch in einen sehr konkretistischen Körperbezug zu kippen.
Die widerstreitende Nähe-Ferne-Beziehung zwischen Liebe und Sex
Es ist fraglos bemerkenswert, dass beide Liebesbegriffe einerseits sehr stark mit Sex assoziiert sind, sich aber gleichzeitig in den nachfolgenden Assoziationen kaum strukturelle Ähnlichkeiten mit Sex zeigen. Nach der ersten Zentralassoziation „Liebe – Sex“ scheint es so, als ob beide nichts miteinander gemein haben.
Wir nennen es Liebe, meinen aber Sex, jedenfalls erzeugen die auseinanderlaufenden Assoziationen den Eindruck, als ob die Zentralassoziation „Liebe – Sex“ in Wirklichkeit etwas anders bedeutet, oder viel schwächer ist, als es zunächst scheint.
Als einzige klare Überschneidungen zwischen Sex und romantischer Liebe bleiben Begriffe wie Kuss und Wärme. Diese teilen beide Bereiche, mögen aber im Fall der Liebe emotional und relational gemeint sein, während sie sich im Fall des Sexes womöglich auf die körperlichen Wahrnehmungen von Wärme und Küssen beziehen, so wie eben der Begriff der „Nässe“, der schließlich ebenso mit Sex (aber nicht mit Liebe) assoziiert ist.
Betrachten wir die Assoziationen unter Liebe und insbesondere unter romantischer Liebe näher, finden wir weitere (auch) erotisch konnotierte Begriffe, wie Leidenschaft, Kuscheln oder Intimität. Diese treten aber eben gerade nicht als typische Assoziationen zu Sex auf, sondern erscheinen hier in einer emotional eingebetteten.
Genau hierin liegt der zentrale Unterschied:
- Während Sex über körperliche Explizitheit definiert wird, integriert romantische Liebe körperliche Nähe in Beziehung, Emotion und Verbundenheit.
Die Autoren interpretieren ihre Befunde so, dass romantische Liebe zwar näher an der Liebe liege, aber auch eine größere Schnittmenge mit Sex aufweise. Ich finde diese Schnittmenge (Küssen, Wärme) aber allein anhand der Assoziationsbefunde minimal.
Doppelstruktur von Liebe und Sex
Ich glaube, diese Befunde machen eine Doppelstruktur von Liebe und Sex deutlich, die wir weltweit auch in der Gesellschaft beobachten können:
- Einerseits denken wir bei Liebe an Sex und bei Sex an Liebe. Wir sprechen entsprechend auch in der Umgangssprache von „Liebemachen“, wenn es um Sex geht. Gleichzeitig sehen wir Sex jenseits aller Liebe – bis zu Sex als Gewalt und Unterdrückung. Liebe als Gewalt und Unterdrückung würden wir demgegenüber kaum noch als Liebe bezeichnen, Sex aber schon – offensichtlich ein Unterschied.
Es gibt weitere empirische Befunde, die auf eine assoziierte und gleichzeitig gegenläufige, insofern paradoxe Beziehung zwischen Sex und Liebe hinweisen:
- So fanden Michelle A. Larva, Justin K. Mogilski und Shari M. Blumenstock in einer neueren Studie, dass Erotizismus als körperlich lustorientierte sexuelle Dimension und Fürsorglichkeit als emotional-prosoziale Liebesdimension beide vollkommen unabhängig voneinander die Beziehungszufriedenheit vorhersagten. Dabei war aber Fürsorglichkeit der erheblich stärkere Vorhersagefaktor. Fürsorglichkeit und Erotizismus selbst waren miteinander nahezu komplett unkorreliert. Die Beziehungsdauer wiederum korrelierte leicht positiv mit Fürsorglichkeit, aber leicht negativ mit Erotizismus.
Ich glaube, es lassen sich aus diesen Erkenntnissen gleichzeitig Hinweise für eine Beziehung und eine Gegenbeziehung zwischen Liebe und Sex entnehmen:
- Sagen wir Liebe, denken Menschen an Sex. Sagen wir Sex, denken sie an Liebe. Dieser Befund ist durch die Assoziationsstudie von Christopher Manoharan und Victor de Munck klar belegt.
- Liebe im Sinne von fürsorglich bezogener Emotionalität erhöht unsere Beziehungszufriedenheit, Sex aber auch.
- Sex ist aber stärker partialistisch auf Körper, Körperteile und Körperpraktiken bezogen, Liebe ist emotional, sozial und physisch integrativer.
- Bei lang andauernden Beziehungen mag die Liebe an sich sogar steigen oder bestehen bleiben, Sex nimmt meistens ab.
Dass Sex und Liebe auf der Ebene der ersten Assoziation zunächst sofort in einem Fluss miteinander genannt werden, mag einerseits an gesellschaftlichen Konventionen liegen, etwa an der normativen Einbettung von Sexualität in Liebesbeziehungen. Andererseits zeigt sich hier auch ein tieferes Erleben, welches trotz alledem einen innigen Bezug zwischen Liebe und Sex erlebt, vermutet oder anstrebt.
Die Wirklichkeit der Sexualität betrachten
Als ich meinen Artikelentwurf mit einem Freund besprach, zeigte er eine leichte Irritation, ob die Leser:innen die aufgelisteten Assoziationen von Sex nicht als pornografisch verstehen würden.
Wir waren uns aber auch einig, dass die Auflistung sein muss. Schließlich zeigt sich genau in dieser Liste der Hauptbefund der Autoren.
Trotzdem finde ich es psychologisch interessant, dass genau diese Bedenken kamen, die natürlich ausschließlich die Assoziationen von Sex betrafen und nicht die Assoziationen von Lieben, die offensichtlich als harmlos wahrgenommen werden.
Ich glaube, wir sollten es zur Kenntnis nehmen und nicht ausblenden, dass die Assoziationen von Sex in solch einer konkretistischen und drastischen Art und Weise mit Körperteilen, sowie Handlungen an und mit Körpern verbunden waren. Hätten diese Assoziationen keine psychische Signifikanz, hätten sie sich nicht in dieser Art und in diesem Ausmaß gezeigt.
Wir können die Befunde erst einmal annehmen und uns damit auseinandersetzen, ohne uns in normative gesellschaftliche Reflexe zu flüchten und den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Sexualität hat also offenbar tatsächlich auch etwas Dranghaftes und Konkretistisches, auch etwas Egozentrisches und mindestens in Teilaspekten Partialistisches, was nicht immer und in jeder Form mit dem harmoniert, was wir uns als Liebe oder romantische Liebe vorstellen. Wenn wir anhand der Assoziationen schauen, was ansonsten ganz direkt und profan mit Sex assoziiert wird, wird doch ein gewisser Abgrund zur Liebe deutlich.
Das bedeutet nicht, dass wir keine Integration von Liebe und Sex anstreben oder erreichen könnten, sondern es bedeutet, zunächst einmal wahrzunehmen, dass da im sexuellen Begehren noch etwas anders ist, was wir nicht so einfach als Liebe beschreiben können. Und genau dies mag der Grund sein, warum Sex so oft in unserer Welt sogar als das glatte Gegenteil von Liebe, sogar als Hass auftreten kann.
Aber die reine Leugnung der rein geradezu profan körperbezogenen Assoziationen setzte nicht das Erleben außer Kraft, was sich anhand dieser Assoziationen zeigt, sondern kann dieses im Gegenteil sogar noch verstärken.
Sexuelle Verleugnung schadet
Drei Beispiele möchte ich nennen, die verdeutlichen, dass eine reine Leugnungshaltung sicher nicht zu mehr Liebe im Sex führt:
- Als die Seitensprungplattform Ashley Madison gehackt wurde, zeigte sich, dass ausgerechnet Anhänger der Republikaner:innen, also besonders konservative Menschen, diese überproportional oft nutzten. Diejenigen, die bloß nicht über Sex reden wollen, scheinen genau diejenigen zu sein, die sich besonders gerne sexuell dort bewegen, wo niemand hinschaut.
- Frühere penisplethysmographische Untersuchungen, die die Durchblutung des Penis bei Präsentation erotischer Stimuli beobachteten, kamen zu dem Ergebnis, dass gerade homophobe und nach eigenen Bekunden heterosexuelle Männer besonders stark durch pornografische Szenen zwischen Männern erregt werden. Solche Kreise fürchten, dass Sexualaufklärung homosexuell macht, aber nicht, weil diese es täte, sondern weil sie es tatsächlich selbst sind, dies aber nicht annehmen können.
- Schließlich gibt es in diesem Kontext aufschlussreiche Einzelberichte von fundamentalistischen Predigern sowie politisch homophob agierenden Protagonisten, deren öffentlich vertretene moralische Positionen in einem eklatanten Widerspruch zu ihrem privaten Verhalten standen. Besonders bekannt wurde der Fall des evangelikalen Predigers Ted Haggard, der sich über Jahre hinweg vehement gegen Homosexualität und die Öffnung der Ehe ausgesprochen hatte, während später bekannt wurde, dass er parallel dazu sexuelle Kontakte zu einem männlichen Escort unterhielt. Ein Beispiel aus dem politischen Aktivismus liefert der Anti-Homo-Ehe-Aktivist George Rekers, der über Jahrzehnte als Psychologe, Baptistenprediger und Mitbegründer konservativer Lobby-Organisationen auftrat und vehement gegen die Öffnung der Ehe und gegen Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare kämpfte. Rekers hatte im Mai 2010 eine mehrwöchige Europareise unternommen, bei der er einen jungen Mann engagierte, den er über die Escort-Website Rentboy.com kennengelernt hatte. Dieser berichtete später, er habe dem Prediger auf der Reise auch erotische Massagen gegeben, was eine erhebliche Medienaufmerksamkeit auslöste und Rekers dazu brachte, von einem nationalen Anti-Gay-Gremium zurückzutreten
Solche Fälle verweisen auf ein wiederkehrendes Muster, bei dem streng normierende, religiös oder politisch aufgeladene Sexualmoral sich mit gegenteiligen sexuellen Praktiken verbindet, was für die Betroffenen im Übrigen in der Mehrheit der Fälle mit erheblicher innerer Dissonanz und Belastung verbunden ist.
Integration durch Offenheit und Sexpositivität
Was könnte nun die Antwort sein, wenn zwei Konstrukte einerseits assoziiert und andererseits so verschieden, fast gegenläufig sind?
Der beste Zugang ist nach meiner Einschätzung, Authentizität und Sexpositivität miteinander zu verbinden:
- In ihrer sexuellen Konfigurationstheorie weist die Sexualwissenschaftlerin und Neurowissenschaftlerin Sari van Anders darauf hin, dass sexuelle Orientierung viel mehr ist als das Interesse an Merkmalen von Geschlecht/Gender. Zahlreiche weitere Faktoren greifen vielmehr in unser sexuelles Erleben ein.
Anstatt von einer einzigen Orientierung können wir daher eher von einer individuellen sexuellen Konfiguration sprechen. Zu dieser gehören auch die konkreten Körperwahrnehmungen und Praktiken, die wir uns wünschen, nicht nur abstrakt, sondern konkret.
Sari van Anders weist zudem darauf hin, dass die Anzahl der gewünschten Sexualpartner:innen ebenso mit in den Bereich der sexuellen Konfiguration gehört:
- Manche möchten mit niemandem eine sexuelle Interaktion (asexuell), manche nur mit sich selbst (autosexuell), die meisten jedoch mindestens mit einer Person (monopartnersexuell) oder mit mehreren (polypartnersexuell).
Nun kommt der entscheidende Punkt:
- In den meisten Beziehungen wird über solche Themen kaum gesprochen. So wie mein Freund zunächst vorschlug, doch die (offenbar peinlichen) Assoziationen wegzulassen, um die sich jedoch mein Artikel dreht. Es lässt sich sicherlich in allgemeinere Worte verpacken, aber so genau weiß dann niemand, was gemeint ist.
Im Ergebnis fehlender Kommunikation stoßen sexuelle Konfigurationen aufeinander, die miteinander nicht vereinbar sind. Oder eine gemeinsame Konfiguration gelingt nicht, weil beide Einzelkonfigurationen unkenntlich bleiben.
Studien zeigen tatsächlich, dass die sexuelle Zufriedenheit durch offene Kommunikation ansteigt.
Sexuelle Kompatibilität erkennen
Es gibt Menschen, für die Liebe und Sex deutlich voneinander getrennt sind. Lieben sie, wollen sie keinen Sex; haben sie Sex, lieben sie nicht. Ebenso gibt es Menschen (Demisexualität), bei denen sexuelle Anziehung nicht einmal wahrgenommen wird, bevor Liebe entstanden ist. Die Mehrheit bewegt sich zwischen diesen beiden Polen, wobei viele sich – hier sehen wir die Validität der Assoziation Liebe–Sex – eine Verbindung von Liebe und Sex wünschen.
Im Fall derjenigen, für die Liebe ihr sexuelles Interesse löscht, wird eine Integration von Liebe und Sex kaum möglich sein, es sei denn, es gelingen neue Erfahrungen.
Wenn alle aber offen miteinander sprechen, werden sich zwischen diesen und jenen, die umgekehrt Sex mit Liebe verbinden wollen, keine Beziehungen entwickeln. So bleiben Stress, Konflikte, Enttäuschungen und Verletzungen erspart.
Es gibt andere, die erleben eine Verbindung zwischen Sex und Liebe, die aber nicht vollständig ist oder die nicht nur an eine Person gekoppelt sein kann. Am ehesten werden diese Personen Passung und sexuelle Erfüllung in offenen Beziehungen, in polyamoren Beziehungen oder in Swingerbeziehungen finden.
Solche konsensuelle Nicht-Monogamie ist etwas komplett anderes als Fremdgehen, wobei konsensuell nicht-monogame Beziehungen das gleiche Ausmaß an Stabilität und Zufriedenheit erreichen können wie monogame Beziehungen, in denen die Monogamie tatsächlich eingehalten wird.
Finden sich diejenigen, die beiderseits eine Integration von Sex und Liebe in einer monogamen Zweierbeziehung wünschen, liegen ebenfalls gute Startvoraussetzungen vor. Wagen sie es nun noch, Sexualität nicht nur zu praktizieren, sondern auch über sie zu sprechen, wachsen die Chancen für sexuelle und beziehungsbezogene Zufriedenheit weiter an.
Derweil gilt für alle, dass sexuelle Anziehung und Erregung durch einen Neuigkeitscharakter aktiviert werden kann:
- Bleibt alles immer gleich, nimmt meist das Interesse ab, wobei auch dies kein Untergang zu sein braucht, schließlich berichten viele langjährige Paare von einer hohen Beziehungszufriedenheit bei geringerer oder sogar komplett beendeter gemeinsamer Sexualität.
Wer aber etwas für die Beibehaltung der sexuellen Spannung tun möchte, dem bieten psychologische Erkenntnisse einige Werkzeuge an die Hand:
- Paare können sexuelle Leidenschaft daher immer wieder neu beleben, indem sie gemeinsam neue, ungewohnte, spannende, abenteuerliche und herausfordernde Aktivitäten unternehmen. Entscheidend ist nicht der sexuelle Inhalt, sondern der Neuigkeits- und Erweiterungscharakter der Erfahrung.
Die positiven Effekte neuer und spannender Aktivitäten erhöhen sogar unabhängig von ihrem Einfluss auf die Sexualität ebenfalls die Beziehungszufriedenheit selbst.
So können sich Liebe und Sex am Ende doch begegnen – als ein komplexes, dynamisches und in Teilen widersprüchliches Paar, das durch Spannung, Abenteuer und Neuigkeit immer wieder neu zueinanderfindet.
Drei Videos für eine hohe sexuelle Zufriedenheit
- Wie werden Paare sexuell kompatibel
- Sex und Liebe – wie hängen sie zusammen?
- Sexualpraktiken und sexuelle Anziehung
Unser Ansatz bei Gleichlang für eine erfüllte Sexualität
Bei Gleichklang versuchen wir, nicht nur die Dauerhaftigkeit von Beziehungen und den fürsorglichen Umgang miteinander, sondern auch die sexuelle Zufriedenheit und Erfüllung derjenigen zu fördern, die sich über uns kennenlernen.
Natürlich haben wir darauf keinen direkten Einfluss, aber was wir machen können, ist, durch einen Abgleich der wechselseitigen Konfigurationen eine gute Ausgangslage zu schaffen.
Genau deshalb werden auch eine Reihe von Fragen zur Sexualität gestellt:
- Soll Sexualität schnell oder langsam beginnen? Suche ich eine Beziehung ohne Sexualität? Soll Sexualität nur mit einer Person in einer monogamen Konstellation stattfinden, oder wünsche ich mir eine offene Beziehung, Swinger-Beziehung (gemeinsame Sexualität als Paar mit Dritten) oder eine Polyamorie? Habe ich eine BDSM-Neigung?
Diese und weitere Fragen helfen uns, unter unseren Mitgliedern diejenigen herauszufinden, die prinzipiell auch eine sexuelle Kompatibilität miteinander aufbauen können. In jedem Fall helfen uns die Fragen, offensichtliche Unpassungen zu vermeiden und die Entwicklungsmöglichkeiten für eine erfüllende Sexualität zu verbessern.
Sexualität ist in gewisser Weise ebenso profan wie die obige Assoziationsliste, kann aber dennoch mit Liebe verbunden sein (wenn wir dies möchten) und aktiv zu unserer Beziehungszufriedenheit beitragen.
Es macht deshalb Sinn, sich der eigenen Erlebensweisen bewusst zu sein und gemeinsam die Möglichkeiten im Begegnungsprozess auszuloten.
Auf diesem Weg begleiten wir Sie bei Gleichklang gerne:
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5 Kommentare
Super, vor allem über die Vertuscher. Siehe Doppelmoral und deren Ausprägung durch Mißbrauch, gerade unter der rigiden moralistischen katholischen Lehrmeinung.
Dankeschön, das war hilfreich.
mir fiel immer wieder auf,
dass Männer mit Liebe
Sex meinen und Frauen
mitspielen (müssen),
auch wenn sie eine
ganz andere Qualität möchten…
Sehr interessante Ergebnisse, wobei mir bei der Untersuchung der Assoziationen eine Differenzierung zwischen den Befragten fehlt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Cis-Frauen und Cis-Männer genau die gleichen Begriffe genannt haben. Und ich vermute, dass es auch zwischen anderen signifikaten Personengruppen (Alter, Religion, sexuelle Orientierung etc.) Unterschiede in den Antworten gegeben hat.
Darüber hinaus frage ich mich, ob es hier und da Übersetzungsgenauigkeiten gegeben hat, z.B. beim Wort „Nässe“ gibt es durchaus Bedeutungsunterschiede zwischen Englisch und Deutsch. Da wäre der Begriff „Feuchtigkeit“ oder „Feuchte“ doch naheliegender.
Wenn dann noch als Parameter hinzukäme, inwieweit und in welchem Umfang und in welcher Häufigkeit pornografische Medien genutzt werden (gerne auch inklusive der Art der Medien), wären sicherlich noch deutlich interessantere Ergebnisse zutage gekommen.
Oftmals ist es auch der Fall, dass Fremdgeher dann doch nicht mehr auf diese zweite Person im Beziehungsgefüge verzichten wollen und man von einer Bindung sprechen kann. Auch gibt es langjährige Beziehungen in denen ein Partner oft zum gegengeschlechtlichen Elternteil mutiert und man sich sozusagen auf dieser Deutung des Partners ausruht anstatt sich den ursprünglichen Konflikt mit Eltern in der Kindheit anzuschauen. So wird der Partner als Projektion der kindlichen Konflikte missbraucht und natürlich hat man mit dem Elternteil keinen Sex. Die Studie ist interessant aber liefert nach meinem Verständnis nicht die Antworten zur Entstehung dieser Trennung von Sex und Liebe in Beziehungen. Es scheint zwei Stränge von Sexualität zu vermischen: den archaischen Trieb der in den meisten Beziehungen Motor für Erotik darstellt, und der Liebe welche Intimität ersehnt auf einer höheren Entwicklungsstufe. Trieb ist Werkzeug und Liebesbeziehung ist Handlungsebene, Gestaltung, Schöpfung. Der Trieb ist anfällig für Missbrauch, Fehlentwicklungen, Motivation für Flucht aus der Beziehung bzw den ungeklärten Kindheitstraumata.
Lieber Herr Gebauer, vielen Dank und Respekt für den Versuch auch mit vielen Fremdwörtern den Kern zu treffen. Die zentrale Aussage, jedem die Freiheit zum Ausleben zu gewähren scheint sich immer weiter durchzusetzen. Auch in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Kälte. Die Entscheidung sich noch einmal umzuorientieren fällt mir dadurch etwas leichter. Bleiben sie weiter so unterstützend und gesund. Jens-Peter Glau.