Wie beeinflussen Trauer und Trennung die Partnersuche?

Bild zeigt einen Mann im mittleren Alter in Trauer

Auswirkungen von Trauer und Trennung auf Partnersuche und neue Beziehungen

Diesem wichtigen Thema haben wir uns auch in unserer großen Gleichklang-Umfrage 2026 gewidmet:

  • Die bisher 1239 Teilnehmenden konnten zwischen verschiedenen Themen wählen, zu denen sie gebeten wurden, einen eigenen freien Text zu verfassen. 121 kreuzten hier das Thema Trennung und Trauer an. Von diesen 121 Personen schilderten tatsächlich 94 in ihren freien Texten ihre Erfahrungen mit Trauer und Trennung.

Diese 94 Texte haben wir nunmehr qualitativ dahingehend untersucht, welche wiederholenden Themenbereiche und Themen sich identifizieren lassen, und wie sich Menschen mit Trauer- oder Trennungserfahrung mit Partnersuche und Beziehungsgestaltung auseinandersetzen.

Dabei ergaben sich Ergebnisse, in denen sich vermutlich viele Leser:innen mit Trauer- oder Verlusterfahrung oder Trennungserfahrungen wiedererkennen werden.

Weitere Themen und Auswertungen

Übrigens wurde in der Umfrage keineswegs nur nach Trauer und Trennung gefragt. Vielmehr konnten die Teilnehmenden wahlweise zu jeweils einem dieser Themen schreiben:

  • Alleinerziehenden-Rolle
  • Alter, insbesondere höheres oder sehr hohes Lebensalter
  • Erkrankung oder Behinderung (körperliche Erkrankung, z. B. Krebserkrankung, psychische Erkrankung, körperliche Behinderung oder Sinnesbehinderung)
  • Finanzielle Not oder prekäre Lebenslage
  • Langzeitsingle oder absolute Beginner
  • Neurodivergenz, beispielsweise Autismus oder ADHS
  • Partnerverlust durch Trennung oder Tod
  • Pflegebedürftige Angehörige oder dauerhafte Pflegeverantwortung
  • Religion oder spirituelle Überzeugung
  • Sexuelle Orientierung, Geschlecht oder Gender
  • Starke ökologische Grundhaltung in einer nicht ökologisch ausgerichteten Welt
  • Auswirkungen der eigenen Familie oder eigener Kinder
  • Veganismus und Tierrechtsorientierung

In den folgenden Wochen und Monaten werden wir alle Texte auswerten und schrittweise die Erkenntnisse hier mit unseren Mitgliedern und Interessent:innen teilen.

Nun aber zu den Befunden über die Auswirkungen von Trauer und Trennung in den drei Themenbereichen:

  • Themenbereich I: Verarbeitung des Verlusts und Neuorientierung der eigenen Person
  • Themenbereich II: Beginn und Umsetzung der neuen Partnersuche
  • • Themenbereich III: Fortbestehende Auswirkungen der früheren Beziehung innerhalb neuer Beziehungen

Themenbereich I: Verarbeitung des Verlusts und Neuorientierung der eigenen Person

Die Betreffenden schildern, dass die Erfahrung von Trauer oder Trennung ihre bisherige Lebensorganisation verändert habe, was eine Neuorientierung notwendig macht. Es geht darum, das Leben noch einmal neu zu strukturieren, sich der eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten sowie des bisherigen Lebensentwurfs bewusst zu werden sowie davon ausgehend einen neuen Lebensentwurf für sich zu entwickeln:

  • „Nach dem Tod meiner Frau muss ich mein Leben neu ausrichten, und ich merke, dass für mich auch mit 70 Jahren noch mal ein neues Leben möglich ist.“

Eine Reihe der Schilderungen bezieht sich dabei auch darauf, dass die Betreffenden oft lange Zeit eigene Bedürfnisse zurückstellten, die nunmehr wieder stärker in den Vordergrund rücken können:

  • „Ich habe jahrelang Rücksicht auf den kranken Partner genommen und mein Leben hinten angestellt. Jetzt möchte ICH leben und wieder glücklich sein.“

Dies kann auch – oftmals übergangsweise – bedeuten, ein Leben ohne Partnerschaft als erstrebenswert wahrzunehmen:

  • „Jetzt fühlt sich mein Leben auch ohne Partner so stabil an, dass ich mich einfach aus Spaß umschaue. Ich brauche keine romantische Beziehung um der Beziehung willen, denn ich habe stabile Beziehungen zu Freunden, Kindern und Familie.“

Bei sehr vielen stellt sich auch die Fragestellung der Verarbeitung der konkreten Verlust- oder Trennungserfahrungen, die nicht spurlos an den Betreffenden vorbeigehen.

Für diejenigen, die ihre Partner:innen durch Tod verloren, bedeutet dies oft eine Reflexion von Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Sterbeprozess bis hin zu belastenden Todesumständen, wie Suizid, die einen wesentlichen Teil der Verlusterfahrungen bilden können:

  • „Meine Frau ist nach 57 Jahren Ehe und dann an Krebsleiden verstorben. Ich habe sie bis zu ihrem Tod gepflegt.“

Andere wiederum erleben es als herausfordernd, damit klarzukommen, durch Partner:innen verlassen worden zu sein:

  • „Ich bin von meinem langjährigen Partner wegen einer anderen Frau verlassen worden, ohne dass dieser die Beziehung beendet hat. Es hat sehr lange gedauert, bis ich mit der Trennung klargekommen bin, gelernt habe, alleine klarzukommen, zu verstehen, was ich überhaupt suche.“

Manche stehen aber auch zunächst unter dem Schock eines abrupten, unerwarteten, unerklärt plötzlichen oder völlig unerklärten Verlassenwerdens:

  • „Vor drei Jahren hat sich mein damaliger Freund nach sechs glücklichen Jahren plötzlich von mir getrennt.“
  • „Nachdem sich sämtliche Partnerinnen (Z.T. nach langjährigen Beziehungen) ohne irgendeine Vorhersehbarkeit von mir getrennt haben, habe ich entgültig das Vertrauen in die Menschheit verloren. Das erschwert die Partnersuche durchaus ein wenig.“

Gerade diejenigen, die Partner:innen durch Trennung verloren, schildern oft auch belastende innere Veränderungen im Sinne von vermindertem Vertrauen, Misstrauen oder auch Ängsten vor erneuter Verletzung:

  • „Starker Verlust/Verratserfahrung! Hinterlässt einen Mangel/Sehnsucht, aber auch verletztes Vertrauen, um mehr Mühe, zuversichtlich und hoffend zu sein.“

Andere wurden nicht verlassen, sondern haben selbst die Trennungsentscheidung getroffen. Für manche bedeutet dies, sich mit Schuldgefühlen, Gewissensbissen oder fortbestehenden Zweifeln, ob die Trennung richtig gewesen sei, auseinanderzusetzen:

  • „Ich habe mich getrennt, weil die psychische Disposition, ADHS und Suchtverhalten, mir eine Partnerschaft unmöglich macht. Es ist schwer, eigene Schuldgefühle abzuwehren: Das Gefühl, ihn im Stich zu lassen. Dabei kann meine Unterstützung durch ihn nicht angenommen werden, weil das zur Krankheit gehört.“
  • „Noch nicht richtig gelöst und unsicher, ob Trennung richtig war, und andererseits beschäftigt mit Partnerinnen-Suche, die anstrengend ist, daher gerade eher die Pause.“

Für andere ist die Frage der Richtigkeit der Trennung klar oder findet im Verlauf der Auseinandersetzung eine eindeutige Antwort:

  • „Jahrelange Dreiecksbeziehung, die mein Ex-Partner unbedingt halten und ich unbedingt auflösen wollte. Mir blieb nur zu gehen.“

Viele Teilnehmer berichten in ihren Texten, dass der Prozess der Ablösung und Verarbeitung Zeit brauche:

  • „Nach dem Tod meines Mannes wollte ich einige Jahre allein sein und hatte keine Lust auf eine Beziehung. Mittlerweile bin ich dann so alt, dass es nicht mehr viele Interessenten gibt.“
  • „Vor 2 Jahren verstarb meine langjährige Partnerin, mit der ich 35 Jahre verheiratet war. Nach dem Tod meiner Frau musste ich mein Leben neu ausrichten. Und ich merke, dass für mich auch mit 70 Jahren noch einmal ein neues Leben möglich ist! Es braucht dafür allerdings mehr Zeit, als ich am Anfang gedacht habe.“

Geschildert wird dabei auch, dass durch Verlust oder Trennung Gefühle zunächst blockiert sein können:

  • „Durch den schmerzhaften Sterbeprozess und den Tod meiner sehr geliebten Frau sind mentale wie auch körperliche Wunden entstanden, die nur sehr langsam verheilten. Dies zeigte sich bei der Partnersuche insbesondere durch die Unmöglichkeit, mir eine enge und intime Beziehung mit dem jeweiligen Gegenüber vorzustellen. Auch bei für mich sehr attraktiven Frauen ging dies nicht. Gute und persönliche Gespräche konnten mich auch nicht von der Fortsetzung des Kennenlernens überzeugen.“

Tatsächlich berichten manche der Befragten sogar, dass sie sich zu früh auf Partnersuche begaben, sodass die Partnersuche aufgrund des Verlustschmerzes und nicht erfolgter Verarbeitung scheitern musste:

  • „Zunächst habe ich mich zu früh auf Partnersuche gemacht bei Gleichklang. Das konnte nicht gelingen, da ich eigentlich nur mein altes Leben zurückhaben wollte. Jetzt nach zwei Jahren bin ich eher bereit für Neues.“

Die Phase der Verarbeitung von Verlust und Trennung sowie der Neuorientierung der eigenen Person geht schließlich in den zweiten großen Themenbereich über, nämlich:

Themenbereich II: Beginn und Umsetzung der neuen Partnersuche

Die Betreffenden schildern, dass es letztendlich der Wunsch nach emotionaler oder auch körperlicher Nähe, Zweisamkeit, Sexualität, Vertrautheit oder emotionalem Austausch ist, die ab einem bestimmten Punkt zur entscheidenden Motivation für eine erneute Partnersuche werden kann:

  • „Seit mehr als 30 Jahren lebe ich allein, möchte aber körperliche und emotionale Nähe.“

Manche der Befragten betonen dabei jedoch in ihren Schilderungen, dass gerade nach langen vorherigen Partnerschaften ihnen die Sicherheit und die Herangehensweise an eine neue Partnersuche fehle:

  • „Fühle mich wie um Jahrzehnte zurückgeworfen, komme in keine neue Beziehung, wurde Opfer von Love-Scamming und sehe mich eigentlich wieder auf dem Niveau eines absoluten Beginners.“

Dabei ist es nach den Schilderungen der Betreffenden häufig der Fall, dass frühere Beziehungs- und auch Verlusterfahrungen nunmehr die Erwartungen und die Partnerwahl prägen.

Hierbei kann es sich um positive wie auch negative Erfahrungen handeln, die zum Maßstab oder zu Auswahlkriterien werden.

So berichten manche, dass eine frühere intensive und positiv erfüllende Beziehung der Maßstab sei, an dem sie auch neue Partner:innen messen:

  • „Ich war sehr glücklich mit meiner Frau, die durch Lungenkrebs von mir ging. Wir waren so im Gleichklang mit unseren Einstellungen und das möchte ich wieder. Habe es auch schon fast hier gefunden. Wir waren aber nicht bereit, die Entfernung in Kauf zu nehmen. Ich denke, man lernt, nicht in Kauf zu nehmen.“
  • „Ich war sehr glücklich mit meiner Frau, die durch Lungenkrebs von mir ging. Wir waren so im „Gleichklang“ mit unseren Einstellungen und das möchte ich wieder.“

Für andere ergeben sich vor allem aufgrund von problematischen Beziehungserfahrungen rote Flaggen oder Grenzen:

  • „Meine erste und letzte Beziehung, 36 Jahre, war mit gemeinsamen Kindern, war zum Ende geprägt von toxischem Verhalten. Ich habe es nicht geschafft, mich klar genug abzugrenzen und gut für mich zu sorgen. Nun bin ich bei der Partnersuche sehr vorsichtig, ich habe natürlich Angst vor erneuter Verletzung. Meine Lust auf Experiment ist gleich null. Ich lasse nur noch einen Mann an mich heran, der ein deutliches Plus in mein Leben bringt. Die bisherigen wenigen Dates waren circa 80 Prozent davon geprägt, dass die Männer fast nur gesprochen haben und sehr wenig gefragt haben. Das mag auch an Nervosität liegen, doch meine Toleranz in diesem Bereich, den ich so gut kenne, ist erschöpft. Zwei Dates habe ich daraufhin abgelehnt, da ich die Männer unterm Strich für unreflektiert hielt. Solche Menschen lasse ich nicht wieder in mein Leben. Mein ganzer Schmerz ist also noch nicht geheilt.“

Gerade bei denjenigen, die Partner:innen aufgrund von Tod verloren und bei denen oft belastende Zeiten von Kranken- und Pflegediensten standen, kann sich zudem die Angst vor der Wiederholung einer solchen Krankheits- oder Pflegegeschichte ergeben:

  • „Ich habe Angst, einen Partner zu finden, der zwar aktuell gesund ist, dann aber wieder zum Pflegefall wird und stirbt. Dies belastet die Partnersuche sehr, da ich einen potenziellen Partner ständig checke, ob er irgendwie krank sein oder werden könnte.“
  • „Weil der Tod so sehr plötzlich kam, unerwartet, ohne Krankheit, ohne Ursache, jetzt wahrscheinlich immer wieder Verlustangst, selbst wenn eine neue Partnerin passen könnte, gebe ich schnell auf.“

Schließlich gibt es noch zwei kleinere Themen, die im Einzelfall aber sehr prägnant erlebt werden können:

In manchen der Schilderungen wird dargelegt, dass eine ähnliche Verlust- oder Trennungserfahrung des Gegenübers als besonders passend oder hilfreich erlebt werde. Eine solche vergleichbare Trauer-/Trennungserfahrung könne Grundlage eines besonderen Verständnisses sein:

  • „Ich stelle bei der Paarberatung fest, dass kaum jemand sich als verwitwet an einer Partnersuche beteiligt. Das wäre für mich ein interessantes Matching.“

Wiederum andere berichten von der plötzlichen Aktivierung alter Verlust- und Beziehungsmuster durch konkrete Dating-Begegnungen. Im neuen Kontakt werden frühere Verlusterfahrungen oder belastende Beziehungsmuster aktiviert:

  • „Dadurch waren meine Gefühle beim Kennenlernen häufig sehr intensiv. Wenn ich einen Menschen interessant fand und eine besondere Verbindung wahrnahm, beschäftigte mich dieser Kontakt teilweise sehr stark. Unklare Kommunikation, längere Funkstille oder widersprüchliches Verhalten lösten in mir schnell Unsicherheit aus. Ich begann dann, viel nachzudenken, Situationen zu interpretieren oder nach Erklärungen zu suchen. Die Angst, einen Menschen erneut zu verlieren, konnte dadurch manchmal stärker werden als die Frage, ob dieser Mensch und die konkrete Verbindung mir tatsächlich guttun.“
  • „Gleichzeitig versuche ich, nicht jedes ungute Gefühl sofort dem anderen Menschen zuzuschreiben. Ich frage mich zunehmend, ob eine konkrete Situation tatsächlich problematisch ist oder ob sie alte Verlustängste in mir aktiviert.“

ThemenbereichIII: Fortbestehende Auswirkungen der früheren Beziehung innerhalb neuer Beziehungen

Auch wenn die Partnersuche erfolgreich abgeschlossen ist, schildern Teilnehmende teilweise fortbestehende Auswirkungen ihrer früheren Beziehung auf eine neue Beziehung.

Nach dem Tod kann es sich hier um eine fortbestehende innere Bindung oder Präsenz handeln:

  • „Partnersuche als Witwer: Suche eines Neubeginns, aber emotionale Blockade und die verstorbene Partnerin mit ihren positiven Eigenschaften schwingen immer wieder mit.“

Bei Trennungen werden demgegenüber von manchen fortbestehende soziale und familiäre Verflechtungen betont, wie Kinder, und/oder der nach wie vor bestehende Kontakt zum Ex-Partner:

  • „Ich muss immer wieder die Erfahrung machen, dass beim Versuch zum Aufbau einer neuen Beziehung das Thema Ex-Partner und die gemeinsamen Kinder eine große Rolle spielen. Ständig wurde gefragt, wie es zur Trennung kam, wie das Verhältnis zur Mutter meiner Kinder jetzt ist und ob noch Kontakt zu ihr besteht. Und ja, es gibt noch Kontakt zu den Geburtstagen aller und zu Weihnachten. An einem dieser Ereignisse fingen dann die Probleme mit den neuen Beziehungen an. Sie waren beleidigt, traurig und enttäuscht, dass sie nicht eingeladen waren, dass meine Kinder die neue Partnerin nicht sofort akzeptierten, nicht zum Essen oder zu ihrem Geburtstag erschienen. Letztendlich scheiterte eine neue Beziehung mehrfach an diesem Thema. Ich konnte die Uhr danach stellen.“
  • „Ich musste immer wieder die Erfahrung machen, dass beim Versuch zum Aufbau einer neuen Beziehung das Thema Exfrau und die gemeinsamen Kinder eine große Rolle spielt.“

Aufgrund fortbestehender Familienverflechtungen werden entsprechend auch konkrete Konflikte in der neuen Beziehung geschildert:

Schließlich berichten mehrere auch allgemeiner davon, dass sie vom Regen in die Traufe rutschen und sich erneut negative Beziehungserfahrungen ergeben, die auch ähnliche problematische Beziehungsmuster wie in der Vorgeschichte beinhalten können:

  • „Momentan Unzufrieden, ähnliche Erlebnisse in der neuen Partnerschaft: Ich finde schnell vertrauensvollen Umgang zu Menschen, übersehe dann gern mal, dass meine Grenzen überschritten werden und habe dann Mühe, sie einzufordern, wenn mir ein Licht aufgeht.“
  • „2014 Tod der Ehefrau nach langjähriger MS mit überwiegend häuslicher Pflege. Nach zwei Jahren Bereitschaft und Wunsch neuer Partnerschaft. Über 10 jahre Erfahrungen mit Dating-Plattformen, nach mehreren Versuchen – einer führte zu einer einjährigen Beziehung mit Einzug der Partnerin bei mir, führte aber zu einem abrupten und für mich sehr verletzenden Ende“

Wegweiser für die Partnersuche nach Trennung oder Trauerfall

Natürlich kann es keinen fixierten Wegweiser geben:

  • Zu unterschiedlich sind die Erfahrungen, die Menschen mit Trauer und Trennung machten, wie sicherlich auch die dargestellten Fallbeispiele bereits deutlich machten.

Trotzdem waren alle die genannten Themen wiederkehrend und viele verweisen auf sehr allgemeine Erfahrungsmuster, die häufig mit Trennung und/oder Trauer verbunden sind.

Insofern lassen sich bei aller Individualität dennoch einige typische Leitlinien oder Empfehlungen ableiten, wie wir mit Trennung und Trauer im Kontext einer neuen Partnersuche oder Beziehungsgestaltung aus psychologischer Sichtweise umgehen können.

Zeit und Raum für Verarbeitung und Neuorientierung

Der Wegfall einer Partnerschaft ist nicht einfach nur der Verlust eines Gegenstandes, sondern ist vielmehr in tiefgreifende emotional-geistige, alltags- und handlungsbezogene psychische Prozesse eingebettet.

Manche befinden sich wie in Schockstarre, andere sehen sich in Gefühlen von Trauer, Enttäuschung oder auch Verbitterung wie gefangen.

Direkt aus dem Zustand einer solchen psychischen Okkupation oder Einengung oder Mangels heraus in eine neue Beziehung hineinzugehen, ist eher ungünstig.

Hilfreich ist es vielmehr für die meisten, sich ausreichend Zeit und Raum für die Verarbeitung der individuellen Trennungs- oder Trauererfahrung zu nehmen. Hierzu gehört, sich mit den Gefühlen und Verlusten auseinanderzusetzen, von Schockstarre, Trauer, Verbitterung, Ärger oder Wut in die Akzeptanz zu gelangen, eigene Anteile zu erkennen, Schuldgefühle zu überwinden und Frieden mit sich selbst zu schließen.

Erst wenn diese Neuorientierung sich bereits auf einem guten Weg befindet, kommt die Zeit für die Suche nach einer neuen Liebesbeziehung.

Die in dieser Zeit der Neuorientierung aufgebauten inneren und äußeren Ressourcen können wiederum positiv in eine neue Partnersuche und eine neue Liebesbeziehung eingebracht werden.

Einstieg in die Partnersuche

Wenn wir bei uns erneut den Wunsch nach Nähe, Zweisamkeit, Sexualität, Vertrautheit und emotionalem Austausch in einem romantisch-partnerschaftlichen Sinn verspüren, ist dies ein deutlicher Hinweis, dass der Zeitpunkt für die Partnersuche gekommen ist.

Doch ist dies noch keineswegs der Garant, dass nunmehr die Partnersuche konstruktiv verlaufen wird. Sie kann weiterhin auch vor dem Hintergrund der bisherigen Trennungs- und Verlusterfahrungen eine Herausforderung bleiben.

Gerade nach langen Beziehungen, wenn uns die Erfahrung und die Sicherheit mit einer Partnersuche fehlt, ist es wichtig, sich informiert in das Thema Partnersuche zu begeben, anstatt unreflektiert Automatismen zu folgen.

Sinnvoll ist es ebenfalls, auf der Basis der bisherigen Beziehungserfahrungen über Kriterien nachzudenken, mit denen wir an unsere neue Partnersuche herangehen können:

  • Womöglich sehen wir rote Flaggen in unserer bisherigen Beziehung und können nunmehr darauf achten, dass diese sich nicht wiederholen.
  • Oder es gibt positive Bezugspunkte, an die wir bereits bei der Partnersuche anknüpfen können.

Allerdings ist es bei solchen positiven Bezugspunkten wichtig, nicht eine Identität zu erwarten, sondern auch über die bisherigen Erfahrungen hinausgehende andersartige Beziehungserfahrungen und Menschen an sich heranzulassen.

Mit wachsendem Alter steigt gerade auch bei Frauen die Sorge, bald in eine Pflegerolle hineinzugeraten. Diese Sorge steigt wiederum bei denjenigen besonders stark, die einen Menschen verloren haben.

Für eine neue Partnersuche ist es wichtig, sich nicht in diese Ängste und Sorgen hineinzusteigern und trotzdem die Angst ernst zu nehmen:

  • Hierzu kann auch gehören, sich mit Möglichkeiten einer Lebensgestaltung und Inanspruchnahme von Hilfe und Unterstützung auseinanderzusetzen und gemeinsame Gespräche und vorherige Planungen zu tätigen, da letztlich Krankheit, Pflege und Tod existenzielle Themen sind, die niemals ausgeschlossen werden können.

Manchmal glauben wir, wir hätten unsere Verlust- und Trennungserfahrung verarbeitet, obgleich dies womöglich noch nicht ausreichend der Fall ist.

Erkennen tun wir dies daran, wenn durch die Dating-Situation plötzlich belastende Wahrnehmungen, Verlustängste, Verbitterung oder andere emotionale Reaktionen getriggert werden.

Es wäre illusorisch zu meinen, dass Verarbeitung immer entweder erfolgt oder nicht erfolgt. Tatsächlich lassen uns alle vergangenen Ereignisse niemals gänzlich los und emotionale Reaktionen können lebenslang auch in Wellen auftreten.

Entscheidend ist daher, zu lernen, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu unterscheiden:

  • Scheinbar vergleichbare Merkmale oder Verhaltensweisen von anderen Personen in der Gegenwart, zum Beispiel unserer Dating-Partner:innen, können etwas gänzlich anderes bedeuten als vorherige Verhaltensweisen unserer Partner:innen. Entsprechend ist es notwendig, dies gut zu reflektieren und keine voreiligen Entscheidungen in die eine oder andere Richtung zu treffen, sondern sich auf den Prozess des Auslotens einer Begegnung und einer Beziehungsentstehung einzulassen.

Gelegentlich wurde durch Mitglieder über die Jahre der Wunsch an uns herangetragen, gezielt beispielsweise eine Vermittlung von Menschen mit Verwitwungserfahrungen zu ermöglichen. Dies ist nachvollziehbar, weil tatsächlich der Rückgriff auf eine gemeinsame Erfahrungsgrundlage bezüglich eines so einschneidenden und tiefgreifend prägenden Ereignisses als hilfreich erlebt werden kann.

Wir haben dennoch bisher davon abgesehen, weil dadurch eine sehr starke Einschränkung des Suchraumes erfolgen würde, wobei sich diese allein auf ein biografisches Ereignis beziehen und zahlreiche für Beziehungen zentrale Merkmale in den Werthaltungen, den Beziehungsmodellen, den Lebenszielen etc. aussparen würde.

Tatsächlich gibt es auch empirisch keine überzeugenden Belege dafür, dass Menschen mit ähnlichen Trennungs- oder Verlusterfahrungen miteinander typischerweise tragfähigere oder stabilere Beziehungen entwickeln würden.

Insofern gilt jedenfalls nach dem aktuellen Stand, eher der Rat, einem Aufeinandertreffen mit einem Menschen mit ähnlichen Trauer- oder Verlusterfahrungen aufgeschlossen gegenüber zu sein, ohne dies aber per se als quasi notwendige Bedingung einzufordern.

Gestaltung einer neuen Liebesbeziehung

Mehr oder weniger stark treten oftmals im Leben Wünsche auf, noch einmal zu gänzlich neuen Ufern aufzubrechen.

Aber auch die neuen Ufer, die wir erkunden, bleiben Ufer. Und die Bewegungen in unserem Leben sind immer auch damit verknüpft, wie wir uns vorher bewegten.

Insofern ist es nicht erstaunlich, dass eine Reihe der Befragten betonte, dass ihre vergangenen Beziehungsverlust- und Trennungserfahrungen auch innerhalb einer neuen Beziehung fortdauern.

  • Partnerinnen, die verstorben sind, sind nicht mehr materiell auf dieser Welt, hören jedoch in unserem biografischen Gedächtnis, System und in unseren emotional-geistigen Reaktionen, Erlebensweisen nicht auf zu existieren. Die Toten und die Lebenden miteinander zu integrieren, ist seit jeher eine Anforderung, der sich Menschen in verschiedensten Kulturen auf unterschiedlichste Art und Weise stellen. Es kann hilfreich sein, mit dem neuen Partner oder der neuen Partnerin in einen offenen Austausch zu treten, sodass die psychische Fortexistenz der vorherigen Partnerinnen nicht von diesen als Bedrohung, störend oder gar entwertend erlebt wird.

Ebenso ist es so, dass sich vorherige Beziehungen in ihren konkreten, fortdauernden sozialen Verankerungen nicht komplett auflösen:

  • Eigene Kinder und weiterhin bestehende Kontakte zu Ex-Partner:innen sind hierfür die prägnantesten Beispiele.

Aus den Schilderungen der Teilnehmenden wurde deutlich, dass hierdurch schnell Spannungsfelder entstehen können, was sogar bis hin zur Auflösung neuer Beziehungen gehen kann.

Für die Partnersuche ist es daher notwendig, von Anfang an offen, transparent und authentisch bestehende soziale Bezüge darzustellen, um gemeinsam zu prüfen oder daran zu arbeiten, diese in eine neue Beziehung zu integrieren.

Relevant sind aber auch die Schilderungen, mit neuen Beziehungen von Regen in die Traufe zu gelangen:

Es handelt sich hier nämlich insofern um ein allgemeines Phänomen, als beispielsweise Studien zeigen, dass wir dazu neigen, uns Partner:innen zu suchen, die ähnlich sind wie unsere Ex-Partner:innen.

Da jedoch viele Beziehungen zuvor nicht komplett glücklich waren oder sogar unglücklich oder zerrüttet waren, bedeutet dies in vielen Fällen, dass ungünstige Muster sich wiederholen können.

In einer eigenen umfassenden Gleichklang-Auswertung fanden wir ebenfalls signifikante Zusammenhänge zwischen vorherigen Orientierungen zur Liebe – zum Beispiel Liebe als Versorgungsgemeinschaft, Liebe als Sexualität, Liebe als Freiheit, Liebe als Familiengründung, Liebe als Zweckbeziehung, Liebe als Schmerz, Liebe als Errettung etc. – zwischen vorherigen und neuen Beziehungen.

Trotzdem sollten wir solche Zusammenhänge auch nicht überschätzen oder gar als schicksalhaft deuten, da zwar all diese Zusammenhänge bestehen, jedoch vom Stärkegrad nur moderat ausgeprägt sind und sich bei zahlreichen neuen Beziehungskonstellationen tatsächlich nicht zeigen:

Wir sind insofern nicht an die Vergangenheit gebunden, sondern Veränderungen sind möglich, und dies gilt umso mehr, je stärker wir unsere eigenen Beziehungsmuster reflektieren und tragfähige, handlungssteuernde Schlüsse aus ihnen ziehen.

Hierzu gehört auch, eigene Muster, die sich womöglich ungünstig auf Beziehungen auswirken können, etwa Bindungsstil mit ängstlichen oder vermeidenden Komponenten, zu wenig Engagement, um immer wieder nach neuen Zielen und positiven Aktivitäten zu suchen, Defizite in der eigenen Kommunikation etc., zu suchen und bereits vor der Partnerfindung sowie im Kontext des Kennenlernens an konstruktiven Veränderungen zu arbeiten.

Resümee und Anlass zum Optimismus

Partnersuche und Partnerfindung sind grundsätzlich keine einfachen Prozesse. Es ist schon eine hohe Anforderung, einem Menschen zu begegnen, mit dem eine gemeinsame wert- und sinnerfüllende Lebensgestaltung möglich ist.

Gleichzeitig gelingt es aber den meisten nach einer Trennung, auch nach Trennung und Trauer, doch eine neue Beziehung aufzubauen, sofern sie dies wünschen und sich nicht – was ebenfalls ein gut begründeter Schluss sein kann – gegen eine erneute Partnerschaft entscheiden.

Ein Lichtblick ergibt sich aus einer weiteren Gleichklang-Auswertung, wo sich zeigte, dass im Durchschnitt die nächste Beziehung bei den Befragten ein Stück weit glücklicher verlief, und zwar selbst dann, wenn sie erneut scheiterte. Vor allem aber wurde ein besonderes Cluster einer zwar kleinen, aber nicht unbedeutenden Anzahl an Personen gefunden, die einen grundlegenden Sprung weg von einer rein auf Verpflichtung begrenzten, dysfunktionalen, schmerzbetonten, zweckorientierten oder anderweitig einschränkenden Beziehung hin zu einer Beziehung auf der Basis von Gegenseitigkeit, Freiheit und Erfüllung gemacht haben.

Trennung und Trauer sind insofern einschneidende Ereignisse, die wir gleichzeitig zum Ausgangspunkt für neue oder sogar erstmalig erfüllte Beziehungen nehmen können.

Auf dem Weg zur erfüllten Beziehung begleiten wir Sie bei Gleichklang gerne, indem wir Menschen zusammenbringen, die eine hohe Grundkompatibilität und eine echte Beziehungsbereitschaft haben:

▶ Zur Beziehungsfindung bei Gleichklang

Weitere Links:

Bild zeigt ein Paar beim Spaziergehen in einer Allee.

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