Studie widerlegt Mythen zur Sexualität im Alter – ältere Singles berichten
Lauren Harris und Celia Melanson veröffentlichten im Journal of Sex Research kürzlich eine → faszinierende qualitative Studie zur Sexualität im Alter unter dem bezeichnenden Titel „The Shop Is Not Closed“: Sex and Sexuality Among Older Adult Daters.“
Die Studie füllt eine Wissenslücke zu Sexualität im Alter und älteren Singles:
- Denn während es eine Menge an Studien zur Sexualität von älteren Menschen in partnerschaftlichen Beziehungen gibt, fehlt der Bereich der Singles, die im mittleren oder höheren Lebensalter nach Beziehungen suchen, weitgehend.
Ausführliche Informationen zur Partnersuche im Alter können Sie sich auch in meinem Video anschauen:
Zudem behandeln die folgenden Artikel in diesem Blog ebenfalls das Thema „Dating im höheren Lebensalter“:
- Partnersuche im hohen Alter – was wir alle davon lernen können
- Partnersuche in unterschiedlichen Altersstufen
- Distanz, Nähe, Alter und Unabhängigkeit
- Liebesgeschichten im höheren Lebensalter
Auf unserer eigenen Homepage gibt es ebenfalls einen interessanten Artikel zur → Partnersuche ab 80.
Warum diese Studie für alle Altersgruppen relevant ist
Übrigens wendet sich dieser Artikel nicht nur an ältere Menschen, sondern an alle, auch an Singles im Alter von 18 Jahren:
- Denn auch wenn es altersspezifische Aspekte gibt, ebenso wie geschlechts- oder genderspezifische Aspekte, teilen wir doch alle viel mehr miteinander, als uns trennt. Gerade von den Erfahrungen von Menschen, die außerhalb unserer eigenen Gruppe, z. B. unserer eigenen Altersgruppe, sind, können wir oft für uns selbst lernen.
Ein Beispiel ist der LGBTQ+-Bereich, von dem viele Heterosexuelle lernten, dass andere Modelle der Beziehungsführung, wie offene Beziehungen oder polyamore Beziehungen, möglich sind. Diese sind nämlich im LGBTQ+-Bereich deutlich häufiger als im heterosexuellen Bereich und erreichen im Durchschnitt die gleiche Beziehungszufriedenheit.
Umgekehrt ist es beispielsweise für schwule Männer ebenso interessant, einmal den Blick auf heterosexuelle Beziehungen zu werfen. Unter schwulen Männern meinen nämlich manchmal selbst diejenigen, die sich eigentlich eine monogame Beziehung wünschen, dass Monogamie quasi gar nicht möglich sei, weil sie nicht in der Natur des Menschen liege.
Nach dieser Vorrede nun aber zur Studie von Harris und Celia Melanson darüber, was ältere Singles sexuell suchen.
Stereotype und Forschungslücken zu Sex beim Dating im höheren Lebensalter
Die Autorinnen führen einleitend aus, dass alleinstehende ältere Menschen häufig als asexuell oder desinteressiert an sexuellen Beziehungen wahrgenommen werden, was aber tatsächlich ein verbreitetes Stereotyp sei.
Zwar belegen Studien, dass sexuelles Verlangen im Durchschnitt mit dem Alter abnimmt und viele ältere Erwachsene mit wachsendem Alter zunehmend mit körperlichen Einschränkungen wie Erektionsschwierigkeiten oder vaginaler Trockenheit konfrontiert seien, aber tatsächlich sei vieles unbekannt über die Rolle von Sex beim Dating älterer Singles.
Denn die bestehende Forschung stelle verpartnerte Personen in den Mittelpunkt und vernachlässige die Erfahrungen der wachsenden Zahl alleinstehender älterer Menschen. In den USA gebe es jedoch heute fast 23,7 Millionen alleinstehende Erwachsene ab 65 Jahren, und der Anteil nehme weiter zu – was übrigens in Deutschland, Österreich und der Schweiz ähnlich sei.
In Wirklichkeit seien viele ältere Singles an sexueller Aktivität interessiert, aber es fehlten ihnen oft die Gelegenheiten. Was sind nun aber die Vorstellungen und Wünsche älterer Singles, welche Rolle spielt Sex für sie, und wie gehen sie mit sexuellen Herausforderungen um, die gegebenenfalls mit dem Alter zunehmen?
Ältere Singles und ihre sexuellen Wünsche
Die Erstautorin führte strukturierte Interviews mit 50 Frauen und 50 Männern im Alter von 60 bis 83 Jahren durch. Alle beteiligten sich am Online-Dating und wurden über vier Online-Dating-Websites gewonnen.
Die Interviews wurden per Telefon- oder Videogespräch durchgeführt, sodann aufgezeichnet und transkribiert.
Die Auswertung erfolgte qualitativ mittels einer offenen induktiven Codierung, bei der die Autorinnen wiederkehrende Muster und Themen identifizierten. Diese ließen sich zu drei übergeordneten Themen verdichten, die im Folgenden dargestellt werden.
Drei übergeordnete sexuelle Themen älterer Singles
Sex ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer Beziehung
Fast drei Viertel der Befragten erklärten, dass sie keine Beziehung ohne sexuelle Aktivität eingehen wollten, und hier gab es keine Unterscheidung zwischen Männern und Frauen (Anmerkung: zwei sehr ähnliche Zitate sind tatsächlich im Original so ähnlich):
- Carl (60): „Sex ist immer noch ein großer Teil meiner Beziehung. Und wenn das kein großer Teil deiner Beziehung ist, wird es nicht passieren.“
- Evelyn (65) betonte: „Wenn du keinen Sex haben willst, wozu dann eine Beziehung? … Wenn du nur befreundet sein willst, ist das in Ordnung. Aber wenn du versuchst, eine Beziehung zu führen, dann muss Sex ein Teil davon sein.“
- Mitch (69) beendete eine Bekanntschaft, weil die „romantische Komponente sehr minimal“ war und er sich wie in der Highschool fühlte.
- Angela (73): „Nein, Sex muss ein Teil deiner Beziehung sein. Wenn du also keinen Sex haben willst, wozu dann eine Beziehung haben? Wenn du nur einen Freundschaft haben willst, ist das in Ordnung. Aber wenn du versuchst, eine Beziehung zu führen, dann muss Sex ein Teil davon sein.“
- Audrey (68): „Bin ich verrückt? Nein. Ich bin in der Blüte meines Lebens, ich bin attraktiv und sexy und sinnlich. Wenn jemand sagt, dass das hinter ihm liegt, sage ich: Okay, viel Glück und hab ein wundervolles Leben.“
- Howard (62) zeigte sich ebenso entschlossen: „Wenn eine Frau nicht an Sex interessiert wäre, bin ich raus. Ich möchte es tun, solange ich noch kann. Ich werde meine Zeit und Energie nicht an eine Frau verschwenden, die das nicht will.“
- Dean (68) stellte klar: „Das wäre ein Ausschlusskriterium. Ich bin immer noch in der Lage, intim zu sein. Das wäre also ein Ausschlusskriterium. Ich meine, es könnte mit einer Freundschaft enden, anstatt mit einer Beziehung. Punkt.“
- Carla (61) ergänzte: „Ich bin in der Blüte meines Lebens. Ich bin attraktiv, sexy und sinnlich.“
- Joseph (66) betonte den Unterschied zur bloßen Freundschaft: „Ich suche keine Begleiterin. Wenn ich eine Begleiterin suchen würde, könnte ich genauso gut einen Mann bei mir einziehen lassen.“
- Richard (65) berichtete von Frauen, die sehr sexuell aktiv sein wollten und ihre Wünsche klar äußerten: „Ich war mit einer Frau aus. Und sie wollte nur Sex. Andere sagten: „Richard, du hast keine Ahnung“ – sie versuchte zu sagen, dass Frauen auch Wünsche haben.“
Einige Befragte zeigten sich offen für Beziehungen ohne vaginalen Geschlechtsverkehr, jedoch nicht ohne sexuelle Intimität insgesamt:
- Suzanne (62): „Wenn ich ihn wirklich lieben würde, würde ich sagen: Nun, du hast zwei Hände. … Es gibt Maschinen (Anmerkung: gemeint offenbar Vibratoren). Mach dir keine Sorgen!“
Andere brachten ihren Optimismus zum Ausdruck, dass Veränderungen bei sexuell desinteressierten Partner:innen möglich seien:
- Douglas (68): „Vielleicht kann ich das ändern. Denn Sex ist Sex. Liebemachen ist etwas, das man aufbaut. Wenn sie sagt, ich bin immer noch nicht interessiert, müssen wir herausfinden, warum.“
Körperliche Veränderungen werden als Herausforderung gesehen
Die Teilnehmenden waren sich bewusst, dass der alternde Körper anders funktioniert, doch sie betrachteten diese Veränderungen nicht als unüberwindbare Hürden, sondern als lösbare Herausforderungen.
- Rhonda (74): „Wir sind sehr zufrieden. Es gab Probleme. Da wir nicht mehr jung sind, gab es einige Probleme, aber das waren Dinge, mit denen wir umgehen konnten.“
- Bonnie (63) normalisierte diese Veränderungen ebenfalls: „Viele Männer haben Probleme, nach dem 50. Lebensjahr eine Erektion aufrechtzuerhalten. Punkt. Das ist normal.“ Sie betonte aber auch die notwendige Bereitschaft, etwas zu tun: „Aber wenn der Mann nicht bereit ist, medizinische Hilfe zu suchen, um eine Pille zu bekommen, bin ich raus. Das ist kein Kompromiss; das ist ein Ausschlusskriterium. Weil es für die Frau und den Mann sehr frustrierend ist.“
- Dorothy (72) betonte die Potenziale, die aktiviert werden können: „Wenn er sagen würde: ‚Das Beste funktioniert nicht mehr‘, dann könnten wir einen Weg finden, das Beste zum Funktionieren zu bringen.“
- Louise (61) schilderte konkret, wie sie einem Partner bei Erektionsproblemen helfen konnte: „Als er Viagra ablehnte, schlug sie vor, in ein Reformhaus zu gehen, um etwas Ganzheitliches zu besorgen.“ Entscheidend ist, dass über Probleme gesprochen wird.
- Audrey (68): „Aaron hatte tatsächlich dieses Problem und hat es nicht angesprochen. Und ich habe ihn gezwungen, es anzusprechen.“
Auch hormonelle Veränderungen bei Frauen wurden als ebenso lösbar betrachtet.
- Scott (71): „Es gibt einige Frauen auf der Dating-Seite, die dir sagen, dass sie Hormone nehmen, um ihren Sexualtrieb zu steigern. Wenn sie dir das sagen, kommunizieren sie auch, dass sie (Anmerkung: für Sexualität) offen sind!“
- Brenda (67) machte deutlich, dass keineswegs über alle Frauen im höheren Alter generalisiert werden kann: „Ich mag Sex. Und ich bin immer noch sehr sexuell aktiv und nehme keine Hormone!“
- Howard (62) betonte ebenfalls die Unterschiedlichkeit der Verläufe: „Die Libido verlangsamt sich. Es ist vielleicht 50:50 – einige Frauen sind nicht mehr interessiert, aber es gibt auch einen Prozentsatz, der es ist.“
Qualität und Häufigkeit entwickeln sich weiter, bleiben aber erfüllend
Sex ist im Alter oft seltener und wird teilweise auch als weniger intensiv beschrieben. Doch die Befragten betonten Anpassungsmöglichkeiten und dass eine abnehmende Häufigkeit den Wert der sexuellen Beziehung nicht schmälere:
- Howard (62): „Es muss vielleicht nicht einmal im Monat oder zweimal im Monat sein, aber es ist notwendig, um den Fluss in der Beziehung aufrechtzuerhalten. Ich glaube nicht, dass das Händchenhalten allein funktionieren würde.“
- Carla (61) beschrieb ihre Beziehung: „Wir gehen nicht jedes Mal ins Bett, wenn wir uns sehen. Wir genießen einfach unsere Gesellschaft und das, was wir haben.“
- Vincent (68) berichtete ebenfalls: „Wir haben nicht jedes Mal Sex, wenn wir uns sehen, aber wir lieben uns.“
- Harvey (63) fand sogar einen positiven Effekt der geringeren Häufigkeit: „Es wird aufregend, weil ich es jetzt sporadischer mache. Das hält die Aufregung auf einem guten Niveau.“
- Marjorie (66) sah ebenfalls einen Wandel, mit dem ein Umgang möglich ist: „Manchmal kannst du körperlich nicht den Sex haben, den du hattest, als du jünger warst. Es ist wichtig und angenehm, aber manchmal kannst du nicht auf die gleiche Weise Sex haben. Also muss es mehr in der Beziehung geben für die Kontinuität. Sex verändert sich.“
Die Befragten nutzten dabei auch Humor, um den Wandel positiv zu deuten:
- Jeff (61) verglich sich mit Michael Jordan: „Als Michael Jordan für die Bulls spielte, konnte er 82 Spiele bestreiten. Aber als er zu den Wizards ging, war er älter. Er konnte dir immer noch großartige Momente bieten, aber nicht 48 Minuten eines großartigen Spiels. Ich kann dir einen großartigen Moment bieten, aber kein großartiges Spiel!“
Ausnahmslos alle betonten, dass Sex auch im Alter lohnend und bedeutungsvoll bleibt.
Sexuelle Intimität ist auch im höheren Alter ein zentraler Teil neuer Beziehungen
Die Autorinnen gelangen zu dem Ergebnis, dass sexuelle Aktivität für alleinstehende ältere Erwachsene ein integraler Bestandteil neuer Beziehungen sei. Gerade in neu beginnenden Beziehungen mache Sex mehr aus als das i-Tüpfelchen, das er in vielen lang andauernden Beziehungen auf einer gefestigten emotionalen Basis darstelle.
Für ältere Singles gehe es beim Sex um Beziehungsaufbau, wobei sie aktiv sowohl emotionale als auch körperliche Intimität suchten und dabei eine hohe Anpassungsfähigkeit zeigten. Körperliche Einschränkungen würden als Herausforderungen gesehen, die es zu bewältigen gelte – etwa durch medizinische Unterstützung oder Veränderungen der Häufigkeit und des sexuellen Repertoires.
Insgesamt ergebe sich aus den Angaben der befragten älteren und alten Singles, dass diese ihr Altern als ein positives oder zukunftsorientiertes Altern beschrieben, das mit Sexualität und Partnerschaft einschließlich ihrer Herausforderungen vereinbar sei. Die Befragten fokussierten sich dabei weniger auf die Einschränkungen, die mit dem Alter kommen, als vielmehr auf Chancen und Möglichkeiten.
Die Autorinnen schließen aus ihren Befunden, dass es wichtig sei, Stereotype, die ältere Menschen entsexualisieren, zu hinterfragen:
Jenseits normativer Erwartungen
Die Schlagzeile, dass in dieser Studie alle Befragten großen Wert auf Sexualität legen, ist fraglos aussagekräftig. Für manche könnte sie aber auch als Druck erscheinen, wenn sie selbst diese sexuelle Orientierung nicht teilen. Entscheidend ist daher, die Befunde in einem positiven Sinne als Option zu verstehen, nicht aber in einem normativen Sinne als Vorschrift.
Bei Gleichklang versuchen wir, unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, ihre eigene Balance zu finden. Mithilfe der Suchoptionen „sexuelle Beziehung versus platonische Beziehung“, „schneller Beginn von Sex versus langsamer Beginn“, „Interesse versus Desinteresse an sexuellen Experimenten“, „Sex vor oder nach Entstehen einer Liebesbeziehung“ sowie „Interesse versus Desinteresse an unverbindlichen erotischen Kontakten“ erheben wir den individuellen Wunsch- und Erlebensraum der Partnersuchenden bei Gleichklang und können dadurch passende Mitglieder zusammenbringen, die auch im sexuellen Bereich Kompatibilität miteinander aufbauen können.
So begleiten wir gerne weiterhin unsere Mitglieder aller Altersstufen, sexuellen Orientierungen, Geschlechter und Gender bei ihrer Beziehungssuche:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
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18 Kommentare
ich fand seinerzeit auch die Ausführungen David Schnarchs zu Sexualität im Alter sehr interessant. Verkürzt und ohne Anspruch auf Zitierfähigkeit blieb bei mir da der Gedanke hängen, dass Alter und Reife ein Potential für extatische Sexualität öffnen, das sich jüngeren Menschen tendenziell eher verschließt.
Aus eigenem Erfahren, aka anekdotischer Evidenz kann ich das bestätigen.
In den von Dir zitierten Ausschnitten der Interviews fühle ich mich indessen von einem Geist angeweht, an dem ich mich schon länger störe, einer Grundhaltung, die im Partner vorrangig einen Bedürfniserfüller sieht.
exemplarisch wird das für mich in diesem Ding: werf Dir Viagra ein, damit Du besser funktionierst.
ich selbst würde das als eine anti-extatische Haltung verstehen, eher als konsumierende bezeichnen, und ich würde auch eher meine Ernährung wieder auf omnivor umstellen, als mich auch nur emotional auf so eine Frau einzulassen, sprich gar nicht.
Aus persönlicher Beobachtung als Pflegefachkraft im Rahmen eines Einsatzes in der Gerontopsychiatrie möchte ich abschließend noch etwas hinzufügen: körperliche Intimität schien mir sogar für viele Menschen noch ein elementares Grundbedürfnis zu sein, selbst wenn die kognitiven Fähigkeiten nicht mal mehr für Sprache oder selbstständige suffiziente Nahrungsaufnahme reichen.
und abseits aller Lächerlichkeit hatte es auch etwas schönes das Glücksempfinden von Menschen zu sehen, die miteinander herum machen, aber nicht einmal mehr den Sinn und Zweck von Schuhen verstehen. Als wirklich professionelle Pflegefachkraft besteht die eigene Aufgabe dann auch eher darin, zu verhindern dass es dabei zu traumatisierenden Übergriffen kommt. Explizit besteht sie aber nicht darin Intimität im Geiste irgendeiner Moral oder Anstößigkeit per se zu verhindern. In einem ’normalen‘ Altersheim sieht das idR schon ganz anders aus. Allerdings reicht die Palette von dem was als anständig empfunden wird wirklich von jedem erdenklichen bis zu jedem unerdenklichen Ende, und ist definitiv auch nicht altersabhängig.
Du hast da nicht ganz unrecht. In der Tat ist diese Grundhaltung, die in Partner Bedürfniserfüller sieht, in den Texten vorhanden. Nicht nur in den Texten, sie prägt den Zugang zu Partnerschaften weiterhin stark. Allerdings kommt hier hinzu, dass es dezidiert um das Thema Sexualität geht. Sexualität ist tatsächlich ein Primärverstärker; wir suchen sie also um unserer selbst willen. Das kann direkt sein („meine Befriedigung“) oder indirekt (die gemeinsame Befriedigung wird zum konditionierten Reiz der eigenen Befriedigung). Letzteres ist partnerschaftlich besser. Aber dass wir in Beziehungen eben an unseren Bedürfnissen orientiert sind, kann dadurch auch nicht verdeckt werden. Das passt zu Studien, die teilweise zeigen, dass wir in Beziehungen durchaus glücklich sein können, obgleich die andere Person nicht glücklich ist, nämlich wenn unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Ich schließe daraus letztlich, dass wir die Wechselseitigkeit zur Maximierung des beidseitigen Glücks in den Fokus stellen sollten, aber auch die Wirklichkeit betrachten können, dass wir als Individuen an unseren Bedürfnissen orientiert sind. Wenn ich mir unter diesem Blickwinkel noch einmal die Zitate anschaue, finde ich schon, dass nicht in allen, aber in vielen Zitaten die Wechselseitigkeit zum Ausdruck kommt.
Evelyn (65) betonte: „Wenn du keinen Sex haben willst, wozu dann eine Beziehung? … Wenn du nur Freunde sein willst, ist das in Ordnung. Aber wenn du versuchst, eine Beziehung zu führen, dann muss Sex ein Teil davon sein.“
Angela (73): „Nein, Sex muss ein Teil deiner Beziehung sein. Wenn du also keinen Sex haben willst, wozu dann eine Beziehung haben? Wenn du nur Freunde sein willst, ist das in Ordnung. Aber wenn du versuchst, eine Beziehung zu führen, dann muss Sex ein Teil davon sein.“
Gebauer, wollen Sie uns verarschen? Das können Sie natürlich gern machen, aber wenn, dann bitte etwas geschickter. Danke.
Tja, da warst du etwas vorschnell. Denn die Zitate entsprechen exakt dem, was im Originalartikel, der auch verlinkt ist, gelesen werden kann.
Ich verstehe aber deine Reaktion:
Wir alle Menschen haben Vorstellungen, die psychologisch, faktisch, wissenschaftlich, statistisch nicht wahr sind. Wir sehen Anomalien, wo in Wirklichkeit nahezu identische Aussagen ohne Probleme gleichzeitig auftreten können.
Ich zitiere nun die ausführlichen Originale in Englisch:
Evelyn (age 65) agreed that a sexless relationship is simply a friendship, stating that, “No, sex has to be part of your relationship. So, if you don’t want to have sex, then what’s the use of having a relationship? . . . You can be friends without having sex. If you just want to be friends, that’s fine. But if you try to do a relationship, then sex has to be a part of it.”
Angela (age 73): “No, sex has to be part of your relationship. So, if you don’t want to have sex, then what’s the use of having a relationship? If you just want, you can be friends. You can be friends without having sex. If you just want to be friends, that’s fine. But if you try to do a relationship, then sex has to be a part of it.”
Du siehst, du hast dich geirrt.
Was ich kritisiere, ist dein unverträglicher Ton. Aber auch damit bist du nicht allein:
Schauen wir uns nur einmal die Leute an, die gegen Geflüchtete, gegen andere, gegen dies und das zu Felde ziehen, auch die verwenden solche Begriffe, wie „verarscht“ gerne und sie tun es ebenfalls vorschnell. Ebenso die, die meinen, Gleichstellung würden sie abziehen, weil sie bisher keinen Erfolg hatten etc. Auch bei misogynen Maskulinisten ist diese Wortwahl und die Geschwindigkeit der Reaktion ohne gründliche Prüfung typisch.
Damit will ich dich nicht in diese Reihe bringen.
Aber dein Kommentar zeigt drei Dinge:
Soziale Unverträglichkeit, Arroganz und Unwissen. Nicht weil du allgemein ein sozial unverträglicher, arroganter und unwissender Mensch sein müsstest, aber in diesem einen Fall mindestens hast du dich zu solch einer Reaktion hinreißen lassen. Lerne etwas daraus!
Klare Antwort. Sie mag hart oder gar unhöflich wirken. Doch es gibt Grenzen der Diplomatie. Auch klare Kante hat ihren Ort.
Ich finde es völlig oke, wenn man im Alter keinen Sex möchte oder eine Annäherung langsam und zaghaft erfolgt. Ich habe schon 30 Jahre mit niemandem mehr geschlafen . Wenn überhaupt, kann ich mir das alles nur mit langsam wachsender Nähe und nicht mit Leistung und Oberflächlichkeit vorstellen. Und Nähe bedeutet eben auch so zu sein wie man ist und wo man steht. Der Artikel wirkt sehr grob und stakatisch. Gegenfrage was will man eine Beziehung ohne Nähe?
Der Artikel gibt die Aussagen der Beteiligten wieder. Es wirkt vielleicht auch deshalb grob, weil die Beteiligten eben tatsächlich ganz direkt sprechen und ihre Bedürfnisse darlegen. Aber der Artikel schreibt auch das Folgende, was exakt wiederum deinem Erleben entspricht, oder:
Die Schlagzeile, dass in dieser Studie alle Befragten großen Wert auf Sexualität legen, ist fraglos aussagekräftig. Für manche könnte sie aber auch als Druck erscheinen, wenn sie selbst diese sexuelle Orientierung nicht teilen. Entscheidend ist daher, die Befunde in einem positiven Sinne als Option zu verstehen, nicht aber in einem normativen Sinne als Vorschrift.
Bei Gleichklang versuchen wir, unsere Mitglieder dabei zu unterstützen, ihre eigene Balance zu finden. Mithilfe der Suchoptionen „sexuelle Beziehung versus platonische Beziehung“, „schneller Beginn von Sex versus langsamer Beginn“, „Interesse versus Desinteresse an sexuellen Experimenten“, „Sex vor oder nach Entstehen einer Liebesbeziehung“ sowie „Interesse versus Desinteresse an unverbindlichen erotischen Kontakten“ erheben wir den individuellen Wunsch- und Erlebensraum der Partnersuchenden bei Gleichklang und können dadurch passende Mitglieder zusammenbringen, die auch im sexuellen Bereich Kompatibilität miteinander aufbauen können.
Sehr interessantes Thema. Schön, das es mal aufgegriffen wird! Man fühlt sich ja schon wie ein Exot. Leider sprchen Männer nicht gerne über Ihre Sexualität und eventuelle Schwierigkeiten. Sie sind da eher schambehaftet und zweifeln an Ihrer „Männlichkeit“
Es ist tatsächlich ein Grundproblem, dass Thematiken wie Erektionsstörungen etc. oft nicht aktiv aufgegriffen werden. Dabei können wir in Partnerschaften zu einer Integration jenseits von Scham und Hemmungen gelangen.
Liebe Susan,
ich glaube zu wissen, was Du meinst, erkenne mich in einem älteren Ich auch darin wieder.
Gleichzeitig, und vielleicht macht Dir das ja auch ein wenig Hoffnung, oder ermutigt Dich auch?, erlebe ich es inzwischen auch ganz anders.
Besonders in den doch noch raren aber stetig wachsenden Räumen, in denen wir Männer uns sicher fühlen, frei insbesondere von Konkurrenz- und Imponiergehabe, können wir auch zunehmend offener über Dinge wie Errektionsschwierigkeiten und Beziehungsprobleme reden. und wir erlernen in diesen Räumen auch eine adäquate Sprache dazu.
Ein ganz wesentlicher Punkt in alledem stellt aber auch die zunehmende Verunsicherung dar, die wir angesichts der öffentlichen Diskussion und unseres individuellen Erlebens von Dating und Beziehung erleben.
wir wissen nicht mehr was von uns eigentlich erwartet wird, und ein jeder sucht für sich nach einer Rolle und einem neuen tatsächlich auch authentischem Selbstverständnis.
und keiner weiß auch wirklich wo das endet; es gibt da sehr unterschiedliche Prognosen und Ansichten.
als Konsens wird aber inzwischen auch angenommen: es geht nicht um Performance und Viagra stellt im Vergleich zu Beckenbodentraining und positiver Selbstfürsorge die schlechteste Alternative dar. es kann aber auch nicht mehr um Körpergröße, die Größe der Genitalien oder die Einkommenshöhe gehen, nicht in einer Welt, in der wir uns von Oberflächlichkeiten weg, hin zu unseren tatsächlichen Gefühlen wenden.
mein persönlicher Eindruck aus all dem: in unseren emotionalen Grundbedürfnissen und Ängsten unterscheiden sich Männer und Frauen gar nicht so sehr.
In ‚der Frauenwelt‘ wird unsere Entwicklung aber auch sehr unterschiedlich aufgefasst. Das reicht wirklich von Annahme bis hin zu totaler Ablehnung.
Nun, diese eine Frauenwelt gibt es natürlich nicht, aber als Teil davon möchte ich Dich einladen zu überlegen, was Dir persönlich wichtig ist: möchtest Du lieber einen Partner, mit dem Du Dich ehrlich und offen austauschen kannst, oder bevorzugst Du den Typ ’neuer Macher‘, der in Deiner Beziehung die Führung übernimmt, ohne den alten Chauvinismus auszuagieren?
Du lädst wirklich auch in Dein Leben ein, was Du willst und siehst, und ich hätte das früher nie so gedacht, aber es gibt wirklich auch sehr viele echt tolle Männer, so wie es auch wirklich viele echt tolle Frauen gibt. und weder beim einen noch beim anderen Geschlecht sind alle schon vergeben (zugebende Maßen aber schon viele).
wie auch immer: hab Mut. erwarte nur nicht Perfektion. nähre das Gute und fixier Dich nicht auf das Negative.
Liebe Grüße
Aurelin
auf der suche nach einer beziehung mit erfüllter sexualität, kam ich zu gleichklang.
von den knapp 300 vorschlägen bisher, waren lediglich zwei, maximal drei halbwegs passend, was die gesuchte körperliche intensität angeht. ich bin ende fünfzig und habe ein offenbar überdurchschnittliches bedürfniss nach sexualität. daher – und wirklich nur aus diesem grund ! – suche ich ein frau die 10-20 jahre jünger ist. leider muss ich feststellen, dass selbst in diesem alter frauen häufig überfordert sind mit dem täglichen ausleben der sexualität. dabei geht es mir nicht nur um den reinen penetrationsakt, sondern vielmehr um eine erotik im alltag.
Wobei ich hier auch ein Problem in deiner Herangehensweise sehe, das ich einfach einmal benennen möchte, um dir vielleicht zu einem Beziehungserfolg zu verhelfen:
Dass von knapp 300 Vorschlägen nur zwei oder drei maximal passend sind, ist nach meiner Einschätzung eine Übergeneralisierung. Wir wissen aus unseren Umfragen mit Paaren, dass ungefähr die Hälfte den Vorschlag nicht als besonders passend erlebte. Sie sind glücklich, dass sie sich deshalb nicht versperrt haben. Wir können die Passung anhand der Vorschläge nur rudimentär feststellen und womöglich ist bei dir bereits eine implizite Ablehnungshaltung entstanden.
Ich würde dir raten, in deinem Profil das, was für dich zentral wichtig ist, deutlich zu machen und sodann mit den Mitgliedern wirklich in Kontakt zu treten.
Sexualität kann sich entwickeln, aber wir können auch unsere eigenen Vorstellungen entwicklungsfähig machen.
Ich bin 79, sehe gottseidank 10 Jahre jünger aus und wünsche mir immer noch Sex. Aber es bleibt beim Wunsch, weil schon Männer ab 65 oft Probleme haben und dann aufgeben. Ich habe Angebote von jüngeren Männern, aber ich zögere, weil das ja meine Söhne sein könnten……….
Grundsätzlich können Beziehungen mit Altersunterschied durchaus glücklich werden, und wir sollten dies nicht nur implizit den Männern als ein Lebensmodell zuweisen.
Ich kenne eine Kollegin, die über lange Zeit eine glückliche Beziehung mit einem 20 Jahre jüngeren Mann führte. Ich würde mir beide Möglichkeiten offenlassen:
Den Kontakt zu Jüngeren, wenn sie in dein Blickfeld treten, aufnehmen und auch mit den schon etwas Älteren noch einmal versuchen, durch Offenheit, die nicht in Druck eingebettet ist, einen Weg zu finden.
Die Kommentare der Interviewten wirken so, dass sie im Grunde auch in einen Swingerclub oder zu Prostituierten gehen könnten, da für sie eine Beziehung und deren Qualität primär durch Sex definiert wird.
Ich denke, das ist keine Frage des Alters, sondern der Persönlichkeit.
Es gab dazu auch mal einen Beitrag von 37°, Sex im Alter.
Man sieht das zudem an den sich ausbreitenden Sexualkrankheiten älterer Menschen:
Keine Verhütung, da Schwangerschaftsrisiko entfällt = höhere Infektionsraten bei älteren Frauen.
Da wäre es an der Zeit, wieder mehr den Fokus auf Eindämmung von Sexualkrankheiten zu legen in der Aufklärung.
Eine Empfehlung der Autorinnen war übrigens, auch im Bereich des höheren Lebensalters stärker über Sexualkrankheiten aufzuklären, was sich ein wenig mit Deiner Anmerkung deckt. Dennoch finde ich Deine Schlussfolgerung zu stark. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass wir internalisieren, dass das, was bei Jungen völlig in Ordnung ist, bei Älteren nun anstößig ist. Deutlich wird eben, dass Sex für die befragten Personen wichtig war, dass sie eine romantische Beziehung mit Sex verbinden wollen, dass sie körperliche Änderungen sehen, diese aber für kompensierbar halten und dass eintretende Änderungen der Häufigkeit und Art der Sexualität nicht die Wichtigkeit an sich tangieren. Wo siehst Du den Zusammenhang zur Prostitution?
Soweit ich das bisher verstanden habe, hat sexuelle Beziehung etwas mit Entspannung und bestenfalls zugewandter Beziehung zu tun, und der Leistungsaspekt, der in vielen Ausführungen zu dem Thema mitschwingt, erscheint mir vor Allem für die männliche Seite letztendlich fatal. Der angestrebte Höhepunkt ist meiner Erkenntnis nach ein rein biologischer, wenn nicht eine wirkliche „Verschmelzung“ erlebbar wird. Dies klingt vielleicht sehr romantisch und eher theoretisch – ich selbst habe seit beinahe 3 Jahrzehnten keine (solche) Beziehung.
Als Frau gehört auch die Bereitschaft dazu, etwas vom Körper des Mannes in sich aufzunehmen. Wenn das nicht stimmig ist, dann kann es zu körperlichen Reaktionen kommen, die als „Ansteckung“ erlebt und definiert werden.
Wenn wir ehrlich mit uns selbst und dem Anderen sind, kann dies wahrscheinlich zu einer Vertiefung der Beziehung und der Intimität führen und der anspannenden Umwelt eine Entspannungsoase gegenüber stellen.
Ich sehe das altersunabhängig, dass manche Menschen sexfixiert(er) sind und das beibehalten wird. Der Unterschied zu früher ist heute nur, dass auch Frauen offener darüber sprechen.
Prostitution im Sinne von Callboy/girl. Es gibt dazu Reportagen/Interviews, dass Frauen, die es sich leisten können, mitunter lieber einen Callboy buchen statt eine neue Beziehung eingehen. Manche Frauen sind verheiratet und buchen sich trotzdem einen Callboy.
Das zeigt sehr deutlich, dass Sexualität und sexuelle Befriedigung nichts mit emotionaler Nähe & Verbundenheit zu tun hat und bei starkem Sexfokus ein Entkoppeln vom „Beziehungsanspruch der Erfüllung innerhalb der Beziehung“ oft sinnvoll ist.
Auffällig war in den Berichten zudem, dass die Kundinnen der Callboys zusätzlich zum Sex auch die volle Aufmerksamkeit und Gespräche wichtig fanden, während viele Klienten der Callgirls vor allem „hübsche Begleitung plus Sex“ wollten (selbst da verdienen die Callboys mehr als die Callgirls, was wieder eine Benachteiligung von Frauen darstellt).
Viele „moderne“ Frauen propagieren zudem die Einstellung, dass eine Beziehung auf Augenhöhe nur bei identischem finanziellen Verdienst möglich sei. Letztendlich sollen Frauen heute also wie Männer sein, um wertgeschätzt und als gleichberechtigt betrachtet zu werden.
Ich hatte in einem Vortrag, in dem es um (verschiedene) Formen der Liebe mit Fallbeispielen gehört, dass zwei sehr alte Menschen über 80 im Altersheim, beide lange verwitwet, sich verliebten, körperlich nicht mehr imstande für Sex waren, jedoch sagten (vor allem der Mann), er hat zum ersten Mal erlebt, was Liebe wirklich bedeutet.
Und dann gibt es regelmäßig Leserkommentare, die sich beschweren, dass auf Gleichklang keine sextauglichen Frauen gefunden werden, wo sich beim Lesen die Frage stellt, wie körperlich attraktiv diese Männer selbst sind, die 99% der vorgeschlagenen Frauen aussortieren.