Ein 85 jähriges Mitglied schreibt uns
Eine 85-jährige Teilnehmerin schreibt uns, sie habe sich die Teilnahme bei Gleichklang so nicht vorgestellt und werde kündigen, wenn sich nichts ändere. Sie ist bereits seit einigen Monaten dabei und hat insgesamt neun Vorschläge, von denen sie sich ungefähr die Hälfte über die Community-Kontaktlisten selbst zugestellt hatte.
Ihre Enttäuschung ist nachvollziehbar, und sie spricht etwas an, das viele ältere, aber auch viele Mitglieder im jüngeren Alter betrifft.
Gleichzeitig lassen sich gerade hieraus Chancen für die Partnerfindung aufbauen, wenn wir die Signale erkennen und dementsprechend handeln.
Ich habe dem Mitglied geantwortet, dass ich ihren Ärger gut verstehe, dass ihr Fall jedoch aus meiner Perspektive ein Beispiel dafür ist, wie sich aus schwierigen Voraussetzungen trotzdem Perspektiven ergeben können.
Als Betreiberin einer Dating-Plattform befinden wir uns in gewisser Weise in einer besonderen Situation:
- Einerseits melden sich bei uns diejenigen, deren Partnersuche bisher nicht erfolgreich war und die unzufrieden sind, beispielsweise mit der Anzahl der Vorschläge, wie es bei dieser Teilnehmerin der Fall war. Andererseits erhalten wir ebenso und auf täglicher Basis Zuschriften von Mitgliedern aller Altersstufen und Geschlechter, die uns die freudige Botschaft ihrer Partnersuche berichten.
So erfahren wir auch immer wieder von Konstellationen, die uns komplett entgangen waren:
- Lieber Herr Gebauer, ich habe meinen Lebensgefährten auch über Gleichklang kennengelernt, vor 3 Jahren, und nun ist er für uns 500 km von Wien nach Deutschland umgesiedelt. Ich glaube, ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, dass unsere Geschichte im ZDF bei 37 Grad gezeigt wurde, und zwar in der Sendung vom 13.5.25. … Ich fände es schön, wenn Sie diesen Termin, bei Netflix abrufbar, an Ihre Mitglieder weitergeben würden.
Demografische Realität und ihre Folgen
Vieles, was das Mitglied erlebt, ist nicht individuell, sondern ergibt sich aus der Demografie:
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In ihrem Alter stehen etwa acht partnersuchende Frauen einem partnersuchenden Mann gegenüber. Das ist unveränderbar und folgt direkt aus den demografischen Gegebenheiten, insbesondere aus der deutlich höheren Lebenserwartung von Frauen. Auch wenn sich niemand diese Situation ausgesucht hat, bleibt sie eine Realität, die keine Plattform ausgleichen kann.
Hinzu kommt eine zweite, ebenso nicht grundlegend veränderbare Entwicklung:
- Mit wachsendem Alter verschiebt sich die Richtung der Partnersuche bei Männern altersmäßig nach unten – es werden also, relativ zum eigenen Alter, immer jüngere Frauen gesucht. Das Phänomen ist in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben, und wir sehen es ebenso – wenn auch etwas abgemindert – bei Gleichklang.
Übrigens versuchen wir auch im Rahmen des Möglichen, das Phänomen etwas abzumildern, indem wir jedem Mitglied eine freundlich gemeinte Empfehlung persönlich zusenden, wenn das Mitglied einen Altersbereich gewählt hat, der vom eigenen Alter um zehn Jahre oder mehr abweicht. Manchmal zeigt dies Wirkung, und es sind bereits Beziehungen entstanden, weil die Einstellungen geändert wurden.
Alles zum Thema Partnersuche im Alter habe ich übrigens in diesem Video zusammengestellt.
Männer über 70 suchen also meist nach Partnerinnen, die mindestens zehn Jahre jünger sind, und dieser Trend nimmt mit wachsendem Alter weiter zu. Ein 85-jähriger Mann wird entsprechend typischerweise nach einer Partnerin bis etwa 70 oder 75 Jahren suchen.
Gleichzeitig beginnen – aus gutem Grund – auch Frauen ab 70 oder 75, vorwiegend nach Männern bis maximal des gleichen Alters zu suchen.
Dadurch ergibt sich – rein statistisch betrachtet – eine Überschneidung der Suchräume im hohen Lebensalter, die nahezu null beträgt.
Genau diese Sachlage macht diesen Fall nun so interessant für alle anderen Altersgruppen:
- Denn der verblüffende Befund, den wir bei der Auswertung der altersabhängigen Vermittlungsraten gemacht haben, ist, dass sich die Vermittlungsraten mit dem Alter, einschließlich des sehr hohen Alters, weitestgehend nicht voneinander unterscheiden. Die Überschneidung der Suchbereiche und die Anzahl der Vorschläge nehmen immer massiver zu, aber die Vermittlungsraten bleiben konstant.
Dies bedeutet wiederum statistisch gesehen Folgendes:
- Wenn ein erfolgreiches Gleichklang-Mitglied im Altersbereich von beispielsweise 40 bis 50 typischerweise bis zur eingetretenen Partnerfindung 50 bis 100 Vorschläge erhielt, erhielt ein ebenso erfolgreiches hochbetagtes Mitglied oftmals nur im gleichen Zeitraum eine Handvoll Vorschläge, manchmal weniger, manchmal mehr.
Inhaltlich oder psychologisch ergibt sich daraus dieser Schluss:
- Partnersuchende im hohen Alter benötigen oft nur sehr wenige Vorschläge, um eine Beziehung zu finden. Vermutlich, weil ihnen explizit oder implizit bewusst ist, wie rar die Möglichkeiten sind, sind sie eher bereit und in der Lage, sich auf die Auslotung einer Passung einzulassen und sich ohne größere „Auswahl“ für eine Beziehung zu entscheiden, wenn eine Resonanz entsteht.
Die Lektion, die unserer Partnersuche auf die Sprünge hilft
Und nun sind wir dort angekommen, wo wir von den Älteren lernen können:
- Sie fokussieren den Prozess stärker auf das individuelle Kennenlernen und sind eher bereit, sich bietende Chancen wahrzunehmen. Das jedoch braucht nicht auf Ältere beschränkt zu sein, sondern wir alle können durch diese Strategie die Erfolgschancen unserer Partnersuche verbessern.
Trotz scheinbar ungünstiger Rahmenbedingungen lässt sich also einiges tun, damit uns die Partnerfindung gelingt.
Was noch anzumerken war
Die betreffende Nutzerin macht übrigens einige sehr richtige Dinge.:
- Sie lässt ihren geografischen Suchraum offen und benennt zentrale Aspekte wie Gesundheit, Bildung und geistige Interessen, ohne ihre Partnerfindung an Körpergröße oder ähnlichen eher oberflächlichen Kriterien festzumachen.
Genau so erhöhen wir die Chancen:
- Offenheit bei äußeren Kriterien, aber Klarheit bei den inhaltlichen.
Eigeninitiative als Schlüssel
Was aber könnte die Teilnehmerin noch tun, um womöglich zu denen zu gehören, die sich an uns mit der Geschichte ihrer Partnerfindung wenden?
Die Durchsicht ihres Profils zeigte sofort den springenden Punkt:
- Das Mitglied hatte niemanden angeschrieben. Gerade wenn die Zahl der Vorschläge klein ist, ist aber die Eigeninitiative beim Anschreiben enorm wichtig und oftmals ausschlaggebend.
Insgesamt ist die Rate geschriebener Erstnachrichten bei allen gering, bei diesem Mitglied betrug sie 0 %. Bei anderen Mitgliedern schwankt sie zum Beispiel zwischen 2 und 5 %.
- Wenn ich nun insgesamt neun Vorschläge habe und keinen anschreibe, ist es also allein aufgrund dieser Basisraten unwahrscheinlich, dass ich eine Nachricht von einem anderen Mitglied erhalten werde.
Hinzu kommt der bereits mehrfach von mir beschriebene innerpsychische Prozess, der bei vielen Mitgliedern abläuft:
- „Die andere Person hat mein Profil angeschaut, aber nicht geschrieben – also ist sie nicht interessiert. Deshalb schreibe ich auch nicht.“
Jedes Mal, wenn wir uns ein Profil anschauen, ohne zu schreiben, entspricht dies implizit einer an das andere Mitglied gesandten Absage. Entsprechend warten wir dann meistens vergeblich auf eine Nachricht durch das andere Mitglied.
Wir raten jedem Mitglied, immer eigeninitiativ die Erstnachricht zu schreiben. Aber für Mitglieder mit sehr wenigen Vorschlägen, wie zum Beispiel Ältere, ist dies geradezu zwingend:
- Nur wer selbst aktiv wird, hat eine gute Aussicht, aus wenigen Vorschlägen eine Begegnung entstehen zu lassen.
Viele Paare berichten übrigens, dass sie am Vorschlag ihres späteren Partners zunächst gar kein Interesse hatten. Erst das Kennenlernen zeigte, dass die Einschätzung falsch war. Wer nicht schreibt, nimmt sich diese Möglichkeit:
- Nicht anzuschreiben sollte daher ausschließlich in den Fällen stattfinden, wo wir ganz sicher und ohne Zweifel aus einem Profil entnehmen können, dass selbst bei einem Kennenlernen keine Resonanz entstehen könnte.
Was das Mitglied ebenfalls richtig macht, war, die Kontaktlisten zu verwenden:
- Hier entstehen nicht nur Projekte oder Gemeinschaften, sondern Mitglieder melden uns gelegentlich zurück, dass durch die Nutzung der Kontaktliste ihre neue Beziehung möglich wurde.
Gerade bei der Nutzung der Kontaktliste gilt aber, dass es nicht reicht, jemanden zu speichern. Entscheidend ist vielmehr, die Zustellung des Vorschlages sofort mit einer kurzen, freundlichen Nachricht zu verbinden, in der wir uns auf die Kontaktliste beziehen und Interesse signalisieren. Wer dies nicht tut, wird nur sehr selten von der anderen Person etwas hören.
Unser 85-jähriges Mitglied hatte in ihrem Profil kein Profilbild. Statistisch sinkt ohne Foto die Wahrscheinlichkeit, eine Antwort zu erhalten. Die ohnehin geringe Chance, angeschrieben zu werden, reduziert sich so weiter.
Die stille Option
Aus all dem ergibt sich ein klares Bild:
- Bei Gleichklang wird eine Person in der hohen Altersstufe nur sehr selten Partnervorschläge erhalten und ebenfalls nur gelegentlich Freundschaftsvorschläge. Das lässt sich nicht ändern.
- Unsere statistischen Auswertungen zeigen allerdings, dass die Vermittlungsraten ab 80 Jahren kaum niedriger sind als in anderen Altersgruppen.
- Der Unterschied besteht darin, dass man lange Zeit scheinbar nichts sieht – und dann plötzlich doch etwas passiert. Aber das passiert nur dann, wenn wir unser Herz in die Hand nehmen und diejenigen, die uns vorgeschlagen werden, anschreiben.
- Wenn man auf die wenigen Vorschläge sofort freundlich reagiert, Offenheit zeigt und ein Profilbild hinzufügt, kann sich auch im hohen Alter eine Beziehung entwickeln.
Grundsätzlich gilt, dass für alle Gruppen mit wenigen Vorschlägen Gleichklang zu einer stillen Option wird, die unauffällig im Hintergrund wirkt, damit eines Tages eine Beziehung entstehen kann.
Wer damit nicht zufrieden ist, kann zusätzlich eine große Plattform nutzen:
- Auch dort wird es im hohen Alter aber nur wenige ernsthafte Vorschläge geben, denn die demografischen Bedingungen gelten überall. Zwar wird es mehr Kontakte geben, doch viele davon passen nicht wirklich, weil Grundhaltungen, Lebensstil oder Bildungsnähe zu weit auseinanderliegen. Dadurch verliert die höhere Zahl an Vorschlägen wieder an Wert.
Trotzdem kann es motivierend sein, wenn die Stille zwischen den Kontakten etwas kürzer wird. So kann es sein, dass die Partnersuche durch eine Kombination beider Wege erfolgreicher verläuft – Gleichklang als langfristige, vertrauenswürdige Basis und eine große Plattform als zusätzliche Möglichkeit, damit die Langeweile nicht zu groß wird.
Auch im Alter von 85 Jahren bleibt die Partnersuche möglich, aber sie folgt anderen Regeln. Geduld, Offenheit und Eigeninitiative sind zentral.
Gleichklang bietet keine schnelle Vermittlung, sondern einen stillen, verlässlichen Raum, in dem aus wenigen Kontakten echte Begegnungen entstehen können. Es ist ein Weg, auf dem man lange nichts sieht – bis plötzlich etwas geschieht.
Sie gehören nicht zu denjenigen, die nur wenige Vorschläge erhalten, aber die Partnerfindung gelingt Ihnen nicht?
Bitte lesen Sie hierzu diesen Artikel auf der Basis eines Interviews von ntv mit mir. Das dort vorgestellte Schema kann Ihnen einen Weg zu einer Beziehung weisen.
Ich habe dem Mitglied geschrieben, dass wir sie sehr gerne auf ihrem Weg zur Beziehungsfindung weiterhin begleiten möchten:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
Weitere Links:
Informationen zum Coaching:
Einzeltermine für ein Coaching können Sie jederzeit über meine Website vereinbaren. Wie überall gilt auch für das Coaching unser Grundsatz, dass bei Gleichklang niemand an finanziellen Engpässen scheitern soll. Das Coaching-Honorar kann daher ohne Probleme auch in niedrigen Monatsraten beglichen werden.



3 Kommentare
Losgelöst von der jeweils eigenen Altersgruppe:
Vielen Dank dem Team Gleichklang für den überaus geduldigen Weg der wiederkehrenden, freundlichen Empfehlung, die eigenen Hürden bei der „Suche“ nach „der einen“ langfristigen, nährenden Paarbeziehung zu erkennen.
Damit meine ich, dass bei konkretem ! Partnerwunsch innerlich regelrecht eingenistete starre Filter persönlicher Eitelkeit wie z.B. „ICH schreibe nicht an – ICH LASSE mich anschreiben“, „unter 1,85m auf keinen Fall“ oder „nur im 50km Radius“ erkannt werden mögen. Oder anders formuliert und um ein derzeit inflationär auftauchendes Wort zu bemühen; Wer „toxisch“ selektiert, möge anschließend dann nicht über wiederkehrende, toxische, erschöpfende „Nicht“-Paarbeziehungen jammern.
Hallo, aus meiner eigenen Erfahrung möchte ich noch zu bedenken geben, dass ein beträchtlicher Anteil der über Achtzigjährigen das Internet gar nicht oder nicht als Möglichkeit der Partnersuche nutzt. Eine Anzeige in einer regionalen oder überregionalen Zeitung oder z.B. bei Schrot und Korn hätte bessere Chancen.
Liebe Grüße
Danke für diese wichtige Ergänzung!
Übrigens habe ich auch gute Ergebnisse von Anzeigen in der Zeit gehört. Das gilt sowohl für ältere als auch für Menschen im mittleren Alter. So sehr Anzeigen insgesamt abgenommen haben, können Anzeigen in Schrot und Korn und Zeit absolut zum Erfolg führen – mir sind mehrere Fälle bekannt. Ich würde aber trotzdem auch hochbetagten Partnersuchenden raten, das Internet zusätzlich zu nutzen. Denn auch in diesem Alter entstehen dort Beziehungen.