Ostern in einer verkehrten Welt

Hand erhoben zum Gebet

Alternative Ostergedanken, Mitgefühl und die Realität in einer dystopischen Welt

Ostern steht aus christlich-religiöser Sicht dafür, dass der am Kreuz gestorbene Jesus auferstanden ist. Gemeint ist der Jesus, der vorwiegend mit denen im Kontakt stand, die am Rand der Gesellschaft lebten:

  • Obdachlose, Arme, Ausgegrenzte, Sexarbeiter:innen, Menschen, die gegen die Normen ihrer Zeit verstießen.

Selbst war er Schutzsuchender, gehörte also zu derjenigen Gruppe von Menschen, die heute in unseren Meeren zu Tausenden ertrinken oder in vorgelagerten, tödlichen Zonen in Wüsten verdursten, durch eine international vorangetriebene Politik der Grenzsicherung in Ländern oder Gebieten eingesperrt werden, wo ein Leben, das als solches benannt werden kann, nicht möglich ist.

Wenn Wirklichkeit und Werte sich verkehren

Wir leben in einer Zeit, in der sich nicht nur Werte, sondern auch die Wirklichkeit verkehrt:

  • Fakten werden zu alternativen Fakten, Völkermord wird zur Selbstverteidigung, Flucht wird zum Verbrechen.

Wir sollen – so heißt es nun offiziell – lernen, die Sprache der Macht zu sprechen; Originalzitat nicht von Donald Trump, sondern von Friedrich Merz.

Was das bedeutet, sehen wir im Iran, Gaza, Libanon, der Ukraine, Russland, Venezuela oder auch in El Salvador und den vielen anderen Foltergefängnissen auf dieser Erde.

Wir sehen es aber auch bei uns selbst, wenn wir nur etwas genauer hinschauen, aus der Illusion der eigenen Überlegenheit aussteigen und die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen:

  • Wir verbrauchen weit mehr natürliche Ressourcen, als dieser Planet verkraften kann, und in einer Zeit der sich zuspitzenden und längst tödlichen Klimakatastrophe fahren wir den Klimaschutz zurück.

Während wir aktuell dabei sind, Präzedenzfälle zu schaffen, dass auch Nuklearanlagen bombardiert werden dürfen, treten zeitgleich immer mehr Vertreter von Politik und Wirtschaft für neue Nuklearanlagen ein.

Solarenergie haben wir bei uns dabei weitgehend sterben lassen und zeigen stattdessen Empörung über China, weil es dort eine Priorität ist, in die der Staat Milliarden investiert. Das sei Wettbewerbsverzerrung.

So liefert China längst aktuell weltweit mehr als 90 % aller Solartechnologie, was ihm übrigens negativ in die eigene Klimabilanz eingerechnet wird, da für die Herstellung dieser Ressource noch Kohle verbrannt wird.

Gewalt, die gelernt und übertragen wird

Ich könnte eine unendlich lange Liste schreiben, breche aber an dieser Stelle bereits ab – nur auf das Milliardenfache Tierleid möchte ich noch verweisen:

  • Gerade zu Ostern, wo wir uns an den bunten Ostereiern freuen, deren Produzent:innen womöglich längst die Schlachthäuser passierten und so womöglich gleichzeitig mit dem Ei in unserer Suppe schwimmen.

Ich glaube übrigens wirklich, dass die Tolstoi zugeschriebene Aussage „Solange es Schlachthäuser gibt, wird es Schlachtfelder geben“ psychologisch korrekt ist. Vieles, was wir in einem Bereich lernen, generalisieren wir auf andere Bereiche:

Lernen wir, Tiere, die schmerzempfindliche Wesen sind, zu missachten, zu gebrauchen und zu töten und dies zu normalisieren, ist es nicht weit, dass wir unter anderen Umständen das Gleiche mit Menschen tun.

Die Gedanken, Rechtfertigungen und selbst die Mittel sind ähnlich. So wundert es nicht, dass wir unsere Feinde oft zu Tieren erklären, um ihre Vernichtung zu fordern. Viele Beispiele dafür habe ich in meinem Artikel Entmenschlichung durch Tiervergleiche: Eine vegane Perspektive dargestellt.

Es sagt etwas über unser Bild von Tieren, ebenso wie über unser Bild vom Menschen aus.

Interessanterweise sehen wir diese Korrelation auch deutlich darin, dass Gewalt gegen Menschen, rechte Rhetorik, hartes Durchgreifen gegen Migranten besonders stark von denen propagiert werden, die viel Fleisch essen, antivegan eingestellt sind oder Freude am Fischen, Angeln oder Jagen haben. Das gilt für den größten Teil beispielsweise der republikanischen Kongressabgeordneten und Senator:innen in den USA, um nur ein Beispiel hierfür anzugeben.

Die Möglichkeit einer anderen Welt

Stellen wir uns an diesem Ostertag einmal eine folgende Welt vor:

  • Kinder lernen von früh an, Tiere nicht zu töten, auch Insekten zu beobachten, aber nicht zu verletzen. Es wird ihnen erklärt, dass wir so Leid vermeiden können, was wir selbst auch nicht erleiden wollen.

Nehmen wir an, nicht nur manche Kinder, sondern alle würden so aufwachsen:

  • Ich glaube, es gäbe keinen Krieg mehr.

Und noch eine Korrelation können wir deutlich erkennen:

  • Die aktuelle weltweite Rechtswende geht einher mit einer Abnahme des Interesses an der veganen Lebensweise – z. B. neuen Empfehlungen in den USA zu mehr Fleischkonsum oder Verboten in Europa, vegane Ersatzprodukte unter dem Zusatz „vegan“ mit dem Original zu benennen, während Begriffe wie „Fleischsalat“ selbstverständlich weiterhin erlaubt bleiben.

Nicht einmal mehr die Diskussion über einen vegetarischen Montag wäre heute gesellschaftlich noch denkbar.

Letztlich sind es zwei Seiten derselben Medaille:

  • Eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Mangels oder Unwillens, Mitgefühl in den Vordergrund unseres eigenen und gesellschaftlichen Lebens zu stellen.

Heute trifft es die Menschen in Gaza, Libanon, und Ukraine, ebenso wie es die Hühner, Kühe, Fische und Fische ohnehin seit jeher trifft – morgen könnten bereits wir es sein.

Das „Wehret den Anfängen“ hat eine tiefere Bedeutung, als wir es bisher praktiziert haben, und ist mittlerweile faktisch vergessen oder gar ins Gegenteil verkehrt.

Soweit ist die Gesellschaft gekommen, und es liegt an jedem von uns, aufzupassen, dass wir nicht mitgehen, sondern uns widersetzen.

Online-Dating als Spiegel derselben Logik

Ein System, das die Fakten und Werte auf den Kopf stellt, sehe ich ebenfalls beim Online-Dating.

Hier kann ich es besonders gut beurteilen und beobachte seit 20 Jahren, wie die Ideologie der Optimierung durch den freien Markt in der Praxis zur Erosion von Beziehungschancen führt.

Alle glauben mittlerweile, dass bestimmte Dinge uns bei der Partnersuche helfen, die uns tatsächlich schaden:

  • Wir wollen mehr Vorschläge, mehr Matches, schnelle Kommunikation, Geodaten, bitte gleich nebenan.

Und wenn über Dating in den Medien oder im Internet geschrieben wird, geht es entsprechend auch oft um die Frage:

  • Was kann ich tun, um noch mehr Menschen zu erhalten, oder wie kann ich mich besonders attraktiv darstellen?

Die Anbieter setzen genau an diesen Stellen mit ihrer Monetarisierung an:

  • Wir können Superlikes kaufen, wir können mehr Vorschläge oder mehr Menschen kaufen, indem der Anbieter uns gegen eine Gebühr besonders vielen anderen Personen vorstellt.

Längst glaubt die Mehrheit, das sei für das Online-Dating hilfreich, ja es sei geradezu notwendig, und Empörung setzt ein, wenn die scheinbaren Notwendigkeiten nicht erfüllt werden.

Was wir hier nach meiner Ansicht sehen, ist, wie ein dysfunktionales politisch-ökonomisches System auch ein dystopisches Online-Dating schafft, so wie es jeden Tag dabei ist, diese Welt noch dystopischer zu machen.

Die Vorstellung, der Glaube, die Ideologie, dass der freie Markt über den Wettbewerb es richten wird, ist dabei offensichtlich falsch. Denn die Interessen der Anbieter:innen sind denen der Nutzer:innen tatsächlich entgegengesetzt:

  • Die Anbieter:innen wollen ihre Gewinne maximieren, die Nutzer:innen wollen eine möglichst dauerhafte partnerschaftliche Beziehung finden.

Indem die Anbieter:innen nun aber ihre Gewinne maximieren durch Superlikes, den Verkauf von Matches, den Einbau kurzfristiger Belohnungen und abwechslungsreicher Funktionen, tragen sie gleichzeitig automatisch dazu bei, die Chancen der Nutzer:innen für eine erfolgreiche Partnerfindung zu erodieren.

Sie verankern bei den einzelnen Nutzer:innen – ich habe dies bereits häufig ausgeführt – an der Stelle der Partnerfindung ein dauerhaftes Dating.

Dabei wird gleichzeitig durch die vielen verschiedenen Plattformen mit ihren unterschiedlichen Namen eine Vielfalt und Diversität vorgegeben, die nicht existiert. Fast alle relevanten Plattformen gehören nur einer verschwindend geringen Anzahl an Konzernen und werden nach exakt den gleichen Prinzipien betrieben.

Partnerfindung ist ein seltenes Ereignis, was jedoch typischerweise irgendwann einmal im Verlauf des Lebenslaufs – manchmal auch einige Male – eintritt. Grundsätzlich ändert hieran der Online-Bereich nichts:

  • Wenn ich mich am Online-Dating beteilige, besteht die Aussicht, dass irgendwann eines Tages eine Person vorbeikommt und von mir auch als solche wahrgenommen wird, mit der ich in Kontakt trete und wo sich dann zeigt, dass wir gemeinsam durchs Leben gehen können.

Dies ist die Partnerfindung als eigentliches Ziel des Prozesses der Partnersuche.

Das dysfunktional-dystopische Online-Dating tut jedoch nun alles, sodass das ursprüngliche Ziel der Partnersuche, nämlich die Partnerfindung, durch andere Ziele ersetzt wird:

  • Chat, Unterhaltung, Spaß, Ablenkung von Langeweile, Selbstwertbestätigung, die Betrachtung attraktiver Fotos etc.

Das Problem dabei ist, dass diese anderen Ziele nicht zum Ziel der eigentlichen Partnerfindung hinführen, sondern von ihm wegführen.

Was in dieser Zeit möglich bleibt

Was also tun in einer dystopischen Zeit?

Es hilft nicht, den dystopischen Charakter unserer Welt zu leugnen. Es hilft letztlich auch nicht, wegzuschauen, da uns die realen Verhältnisse immer wieder einholen.

Es ist nach meiner Einschätzung der bestmögliche Weg, sich innerhalb dieser dystopischen Welt Nischen zu suchen, Fenster zu kreieren, die einen Ausblick auf eine bessere Welt ermöglichen.

Genau in diesem Sinne betrachten wir auch unsere Tätigkeit bei Gleichklang:

  • Wir sind ohne Frage ökonomisch gegenüber den großen Dating-Systemen chancenlos. Wir sind nicht einmal ihre Konkurrent:innen, so bedeutungslos sind wir. Umgekehrt aber – dies ist die Möglichkeit, die weiterhin besteht – sind die großen Dating-Plattformen auch für uns keine Konkurrent:innen, da wir uns außerhalb der ideologisch-wertebezogenen Struktur bewegen, die diesen Dating-Systemen zugrunde liegt, und auch von ihnen nicht finanziell abhängig sind.

Auch wenn wir damit jenseits der Mehrheit sind, können wir so doch als bewusste Minderheit überleben und somit gleichzeitig die mit einem solchen alternativen Blick verbundenen Werte im besten Fall über diese dystopische Zeit hinweg retten helfen.

Ich glaube, dies ist der richtige Ansatz, um überhaupt in einer dystopischen, alle Werte und Wirklichkeit auf den Kopf stellenden Welt den Verstand behalten und ein menschenwürdiges Leben führen zu können.

Zur Beziehungssuche bei Gleichklang

Weitere Links:

Zwei Männer umarmen sich in den Trümmern von Gaza.

21 Kommentare

  • Aurelin sagt:

    Ostern ist nicht nur das Fest der Wiederauferstehung Jesu, es ist auch das Fest des wieder neu erblühenden Lebens 🌼🐣
    was vor 2000 Jahren in Israel und Palästina wirklich geschehen ist, kann man heute kaum bis gar nicht wissen.
    aber die Geschichte, das Narrativ, berichtet von einem Mann, der Wunder zum Wohle anderer bewirkte, der uns lehrte, unsere Nächsten zu lieben und uns selbst, und der uns nahe legte, nicht zu richten, sondern zu vergeben.
    und ja, er wurde sanktioniert, letzten Endes auf eine grausame Art hingerichtet.
    und unsterblich.
    diese Erzählung gehört zu den machtvollsten der gesamten Menschheit, und man muss kein Christ sein, um im Innern zutiefst davon berührt zu werden.
    sie lehrt uns auch, dass es unsere Entscheidung ist, die Entscheidung eines jeden einzelnen Menschen, ob er in der kraftvollen Energie von Wut und Kampf leben möchte, oder in der viel annehmenderen, sanftmütigen Energie von Liebe und wahrer Vergebung, in der die eigene Erfahrung von Leid zu segnender Transzendenz transformiert wird.
    auf die dystopische Welt des Online-Datings bezogen könnte man vielleicht sagen:
    Liebe Dich selbst. Liebe die anderen. geh nicht mit Groll in den Kontakt mit anderen, und hege keinen Groll, wenn sich jemand völlig daneben benimmt oder Dich verletzt, sondern geh in den Prozess wahren Vergebens. das ist ein innerer Prozess, und der ist alles andere als einfach, aber er transformiert Dich.
    es ist nicht Deine Entscheidung, wie andere sich verhalten, aber es ist Deine Entscheidung, wie Du mit Sehnsucht, Enttäuschung und Kummer umgehst. es ist Dein Raum und Deine Entscheidung, ob Du untergehen willst, oder ob Du immer wieder auferstehst.
    Es ist wirklich Deine Entscheidung wer Du sein willst in einer dystopischen Welt. Jemand mit einem Stein in der Hand, oder jemand der bereit ist wirklich in Kontakt und Beziehung zu gehen.
    Das wird Dich nicht vor Kummer und Leid bewahren, aber es wird Dich zumindest dahin gehend transformieren, dass Du mitfühlender wirst, verständiger, und dass Du vielleicht auch Wunder vollbringst. Muss ja kein großes sein.
    Die Selbstüberzeugung eines Menschen, der Liebe nicht wert zu sein kann man manchmal mit einem Lächeln aus dem Herzen heraus zerbrechen.
    wer vermag zu sagen, wie sehr man einen Menschen wieder aufrichten kann, einfach nur indem man ihm ein ernstgemeintes Kompliment macht?

    Lieber Guido, liebe Gleichklang-Menschen

    von Herzen: Frohe Ostern ❤️

  • cris sagt:

    Nicht zu empfehlen. Weder Veganismus, noch Partnerschaft.

    99% der Menschen repetieren nur und folgen ihrem kulturellen Imprint.

    Die Lösungen liegen orthogonal zum Text.

    Allerdings Frauen Sache. In diesem Zeitalter müssen die Frauen ran.

    Da kann ich als Mann nur ratlos zuschauen.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Ich denke, alle Geschlechter und Gender können und sollten aktiv werden. Wir brauchen nicht tatenlos zuzuschauen, wobei Achtsamkeit und eine bewusste Nachdenkpause durchaus hilfreich sein können.

  • Marie-Luise Lange sagt:

    Die alternativen Ostergedanken sind hervorragend und sprechen mir aus der Seele, vielen lieben Dank dafür.

  • uwe Kurzbein sagt:

    Wir müssen anders Denken.
    Wir müssen aus dieser Spirale der immer stärkeren und vermeintlich notwendigen militärischen Aufrüstung, die in den Gedanken gar nichts anderes mehr zulässt, herauskommen. Unter diesem Mantel werden die unsinnigsten Dinge entschieden, wie auch die der Aufhebung der Schuldengrenze, die eine Verschuldung zulässt, die keiner Kontrolle mehr unterliegt. Militärische Aufrüstung ist wie der Kapitalismus unbegrenzt und zwar bis zum Zusammenbruch oder bis zum Ausbruch des Krieges, der nur aufgrund dieser unsinnigen Aufrüstung entstanden ist.
    Dieses Denken, besteht aus der Annahme, dass um uns herum nur böse Staaten daran denken, uns zu überfallen und uns zu unterdrücken. Wir müssen in die Richtung denken, die uns zu Freunden macht, die uns zum Handeln bringt und nicht die, die uns Zerstörung bringt. Das ist sicherlich ungewohnt, weil alle Medien zurzeit die Maschinengewehre und die Panzer als erstrebenswert bezeichnen und als alternativlos darstellen. Wir müssen nicht denken, wie wir militärisch uns wehren können, sondern wie wir uns mit einem anderen Denken versöhnen und vereinigen können. Das Beispiel Frankreich.-Deutschland ist solch ein Wandel des Denkens, die Erzfeinde waren. Polen und Deutschland ist ein anderes Beispiel. Genauso waren auch zu Russland schon immer Anzeichen für ein anders Denken zu beobachten.
    Heute scheint der Feind ausgemacht. Es ist Russland. Russland überfällt andere Staaten und zerstört sie mit seiner militärischen Macht, so dass nur noch Trümmer übrigbleiben. Andere Feinde haben wir natürlich nicht. Trump kann in den USA und auf der Welt machen was er will. Grönland, Panamakanal und Kanada seinen nur als Stichworte jüngster Zeit genannt. Irak, Afghanistan und Syrien, sind weitere. Wir stehen an der Seite von Israel, komme was wolle, und an der Seite der Ukrainer, kommentarlos, weil wir ein schlechtes Gewissen haben, denn im 2. Weltkrieg sind durch deutsche Soldaten in der Ukraine 12 Millionen Menschen umgekommen. Da verdient es jetzt unsere Solidarität und grenzenlose Unterstützung. Und Russland? Wir haben in Russland fast 27 Millionen Menschen umgebracht. Wo ist denn seine Seite, an der wir stehen. Ist das nicht ein grenzenloses Dilemma, in dem stehen? Die USA haben die Waffen als Darlehen an die Ukraine verkauft. Die Darlehen werden von den europäischen, ganz besonders von den Deutschen Mitteln zurückbezahlt. So bezahlen wir die USA Waffen. Ist dieses Wahnsinnskarussel noch zu überblicken und sind unsere Politiker, die dieses Karussell anfeuern, nicht auf der Psychostation besser aufgehoben? Mit Waffen und mit Krieg ist heute, nach den Jahrtausenden Erfahrungen vom Flitzbogen bis zur Atombombe klar geworden, dass es der Welt nur besser gehen kann, wenn kein Krieg geführt wird und zum Spaten gegriffen wird, damit alle möglichst genug zu essen haben.
    Wie kann das andere Denken jetzt aussehen. In welche Richtung muss ich denken, wenn ich eine ruhige und friedliche Welt um mich herumhaben will.-Die eindeutige Richtschnur sind die Menschenrechte und die Menschenwürde. Wenn ich alle Entscheidungen danach abklopfe und ausrichte, werde ich sehen, wo der Weg entlang geht. Also nicht denken, wie ich den anderen besiegen kann, oder was soll ich machen, wenn er mit dem Panzer durch meinen Garten fegt. Das Denken sollte in die Richtung gehen, wie wir einen intensiven Handel zustande bringen, wie wir uns besser kennenlernen. Wir sollten uns an die gemeinsame Kultur zwischen Russland und Deutschland erinnern. An die großartigen Literaten und Komponisten, wir sollten uns daran erinnern, was wir Gemeinsames, Verbindendes haben und nicht nur an das Trennende. Die Welt ist durch den Handel intensiv vernetzt. Jede Störung bringt die Weltstraße durcheinander. Jeder Krieg ist eine Störung, ist ein Relikt aus dem Mittelalter. Die Richtung unserer Politiker geht in die Vergangenheit zurück, und leider sind sie so jung, dass sie sich nicht an den 2. Weltkrieg erinnern. 80 Jahre schien es, als hätten wir daraus gelernt. Jetzt wird wieder danach geschrien.
    Und was haben wir Männer damit zu tun? Noch nicht begriffen? Wir Männer sind es in diesem patriarchalen System, noch dazu in diesem kapitalistischen, ganz zu schweigen von dem Sucht- und dem sexualisierten System in dem wir alle leben, die aktiv diesen Zustand herbeigeführt haben. Das sind wir Männer: endlich erkannt!!
    Uwe K. den 22.3.2025

  • Elisabeth Hensler sagt:

    Lieber Herr Gebauer,

    danke für Ihre klugen und realistischen Ostergedanken, es ist richtig und wichtig, die Dystopie klar zu benennen, in der wir leben. Man gewöhnt sich leider schleichend an die Zersetzung humaner Werte und deshalb finde ich Ihre Worte sehr wichtig. Das Tolstoi-Zitat bleibt hängen.

    Trotzdem gibt es aber auch die Worte von Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist, wächst auch das Rettende“; sie helfen mir, die vielen kleinen guten Dinge und Initiativen zu sehen, die es auch in unserer Welt gibt.
    In diesem Sinne,
    trotz allem im Vertrauen in die Erneuerungskraft des Lebens,
    österliche Grüße
    Elisabeth Hensler

  • Frank Brenscheidt sagt:

    Vielen Dank für die Gedanken, wie wir in dieser dystopischen Zeit noch leben bzw. wie wir mit den dystopischen Entwicklungen und Krisen umgehen können.
    Ich denke auch, dass es wichtig ist, sich neben der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich-politischen Entwicklungen und den verschiedenen Krisen, alternative Inseln der Erholung, des Kontakts, der Kreativität, des Genuss, der Sinnlichkeit zu schaffen. Am liebsten würde man sich hier dauerhaft aufhalten, was nachvollziehbar ist, aber eben auch nur die ’schöne und gute Seite des Lebens‘ darstellt – nebenbei ist das ja auch nur ein Ideal, das die meisten Menschen nur punktuell oder phasenweise erleben können; selbst ohne äußere Krisen und negative Entwicklungen sind diese Inseln ein seltenes Gut, das wir uns z.T. mühsam erkämpfen, erarbeiten, organisieren müssen. Auch das ist mitunter zu einem Markt geworden!
    Wir Menschen brauchen diese Inseln, um Kraft und Energie zu tanken, um uns verbunden zu fühlen, um uns als handelnde Menschen zu erleben.
    Für Viele sind diese Inseln sehr rar geworden oder fast unerreichbar, haben sich auf wenige Momente reduziert und sind in ihrer Qualität eher karg und arm …
    Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, sich nicht nur auf den Inseln zu bewegen, sondern dafür zu sorgen, dass diese Inseln sich wieder ausbreiten, sie wieder zu einer Fläche werden, die von jedem Menschen betreten und erlebt werden können.
    Dabei können wir noch regelmäßig und relativ frei diese Inseln betreten, können uns dort aufhalten und sogar verlieren …
    Es stellt sich die Frage, wie es zu erreichen ist, dass die Inseln wieder wachsen, dass sie an Üppigkeit zunehmen, sie für alle Menschen wieder erreichbar sind, ausreichend Platz bieten.
    Wie können diese Inseln konkret aussehen, wie unterscheiden sich echte Inseln von Fakeinseln?
    Hierbei gehen die Meinungen und die eingeschlagenen Wege weit auseinander und stehen sich z.T. diametral gegenüber! In welcher Welt wollen, sollen wir leben?
    Zur Zeit scheinen die meisten mächtigen Personen, die überwiegende Anzahl von Regierungen, die Netzwerke einflussreicher Konzerne eine Welt zu erschaffen, die sich national, hegemonial, profitorientiert, egoistisch selbstbezogen und wenig sozial oder gar empathisch zeigt.
    Diese Bestrebungen und Haltungen vereinnahmen zunehmend das Denken und in der Folge auch das (Wahl-) Verhalten der meisten Menschen. (by the way sehen sich die meisten Mächtigen ganz nah an der Seite von (einem) Gott und es reicht viele Gläubige damit zu ihren Gefolgsleuten zu machen).
    Das dies zunehmend gelingt, hängt auch sehr stark mit unserer ‚Medienlandschaft‘ zusammen, die einerseits zur unkritischen Übernahme und Verbreitung der Narrative der Regierenden bzw. ‚der Mächtigen‘ neigen (das ist noch harmlos ausgedrückt!) und andererseits an einer social media Landschaft, die hauptsächlich durch profitorientierte Konzerne bestimmt wird. Anstatt wertebasierte (kann man dieses Wort noch schreiben?) Inhalte zu ‚transportieren‘, geht es darum die NutzerInnen möglichst lange zu binden. Dabei werden Algorithmen eingesetzt, die sowohl ‚fragwürdige Inhalte‘, mit einfachen Antworten und Lösungen, bevozugen, gleichzeitig, Komplexität und Differenziertheit verhindern als auch die NutzerInnen mit emotional aufgeladenen Inhalten in eine abhängige Rolle drängen, in der sie oft selbstvergessen hängen bleiben.
    Den meisten Akteuren kommt dies sehr entgegen, da kritisches Denken, obwohl es vordergründig teilweise noch als wichtig propagiert wird, zurückgedrängt werden soll. Dies merkt man an vielen ‚Fronten‘, wenn es darum geht alternative Ansätze, oppositionelle Vorschläge oder gleichwertige Narrative zu delegitimieren.
    Dabei werden gerne Themen und Haltungen durch stetige Wiederholungen in Verbindung mit rhetorischen Figuren und im Notfall auch dreisten Falschdarstellungen und Lügen, für einige Menschen unbemerkt, für andere Menschen offensichtlich, als einzige richtige Position, als Wahrheit verkauft, hinter der andere Perspektiven, Herangehensweisen und Gesellschaftsmodelle verschwinden.
    Um diesem Strom entgegen zu treten, braucht es gewaltige Kräfte!
    Zum Glück gibt es kleine Bündnisse, Vereine, NGO’s und Persönlichkeiten, die sich engagieren und tatsächlich punktuell Verbesserungen erreicht haben, Schlimmeres verhindert oder einzelne verbessernde Aspekte eingebracht haben.
    Aber die aktuellen Entwicklungen sind derart groß und alles andere überschattend, dass die Sorge bestehen muss, in einer ’neuen Welt‘ aufzuwachen, in der ‚Menschlichkeit‘ ein Begriff aus der Vergangenheit ist.
    Der geäußerte Gedanke, den Sie von Herrn Merz zitieren, weist darauf hin, wie weit dieses Denken schon auch in unsere Gegenwart vorgedrungen ist, ohne dass sich etwas wie Widerstand regt! Die Milliardenausgaben für Rüstung, die sich noch steigern werden und jährlich nicht mehr für wertvolle Vorhaben zur Verfügung stehen, sind die Vorboten einer möglichen Apokalypse, die Dialog nur noch als eine Auseinandersetzung mit Machtmitteln begreift.
    Wenn wir das nicht wollen und dieser Entwicklung, die bereits seit Jahren in voller Fahrt voraus rast, mit Schrecken entgegen sehen, ist es notwendig, dass jeder einzelner Mensch mehr einbringt und sich dagegen stellt!
    Ohne eine organisierte (Massen-) Gegenbewegung können wir kaum noch Einfluss auf die bevorstehenden Veränderungen nehmen!
    Auch die bereits bestehenden Organisationen, Vereine, Gewerkschaften, Sozialverbände und andere Institutionen müssen sich stärker und besser vereinigen und koordinieren – hier herrschen noch immer zu ‚große Berührungsängste‘ und zu viel Selbstbezogenheit.
    Diese große Allianz fehlt und ist doch die einzige Chance (fridays for future haben angedeutet, was möglich ist, bevor Corona die Welt mit Ängsten überzogen und alle anderen Themen beiseite geschoben hat!)
    Die repräsentative Demokratie sehe ich dabei eher als Hindernis als Teil der Lösung – die WählerInnenbewegungen zeigen zumindest erschreckende Meinungen, von welcher Seite sich Lösungen erhofft werden! Bürgerräte und Volksentscheide werden marginalisiert; Teilhabe ist ein Trüffel für Seitenthemen, eine sanfte Begleitmusik für größere und finanzstärkere Interessen.
    Also nochmal – aktiv werden! Die eigenen Werte einbringen! An ‚wichtigen Stellen‘ für eine Veränderung mitarbeiten! Die eigene Meinung in die Öffentlichkeit bringen und Verbündete suchen!
    Ohne Jünger hätte die Botschaft von Jesus auch keine Zuhörer gehabt, die Verbreitung hätte nicht stattgefunden! Vielleicht wäre es ja auch besser gewesen?
    In diesem Sinne, solidarische Grüße
    Frank Brenscheidt

  • marktversprechen sagt:

    Danke für diese schönen, weil zutreffenden Gedanken! Ist mir lieber, als wenn du für uns ein Kreuz auf einen Kalvarienberg schleppen würdest. Natürlich habe ich gegen gute Symbolpolitik nichts einzuwenden, doch nur sie allein – das zeigt die Vergangenheit – ist viel zu wenig.

    Aus meiner Sicht alles richtig, was du angeführt hast! Wenn die Menschen irgendwann einmal begreifen woran es liegt, wird sich bestenfalls -hoffentlich – ein anderes Handlungsmuster einstellen.
    Ist aber nicht unbedingt gewährleistet. Nur als Beispiel: Manchmal stoße ich hier auf Profile, die sich sehr mitfühlend und emanzipiert darstellen.
    Dann – in einer Rubrik, wo es um die Frage des Geldgebahrens geht – lese ich dann zuweilen: Investmentfonds, Immobilien, Aktien etc.
    Dann setzt es mich wieder einmal mehr auf meinen Hintern – wegen dieser Widersprüchlichkeit, oder besser gesagt, dieser Gedankenlosigkeit.

    Noch einen schönen Feiertagsausklang!

  • Anmerkung sagt:

    „Gerade zu Ostern, wo wir uns an den bunten Ostereiern freuen, deren Produzent:innen womöglich längst die Schlachthäuser passierten“

    Hennen als trans oder ähnliches zu kategorisieren ist grotesk. Es gibt keine Hähne, die Eier legen und genau solche Konstrukte, wie sie dieses Textbeispiel verdeutlicht, tragen letztendlich dazu bei, dass die Welt heute gespaltener ist und bereits gemachte Fortschritte abgeschafft werden.

    Die Mehrheit der Bevölkerung hat kein Interesse an Gendern, Eßvorschriften und ähnlichem und je stärker %tuale Minderheiten versuchen, Mehrheiten ihren Willen aufzuzwingen, desto wahrscheinlicher ist langfristig betrachtet ein harter Rückschlag.

    Ein weiterer Aspekt ist, dass eine Privatperson keinerlei Einfluß auf das globale Weltgeschehen hat und die permanente Verantwortungslast auf eben jene selbst in ihrem Leben machtlosen Menschen moralisch abzuladen, führt letztendlich zu einer Aufmerksamkeitsblockade aufgrund von Überforderung.

    Das Einzige, was Menschen tatsächlich tun können, ist, im direkten, persönlichen Umfeld achtsam zu agieren.

    Die großen Probleme der Menschheit werden auf lange Sicht von der Natur selbst gelöst werden – auf die eine oder andere Art und Weise.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Ich sehe es noch ein wenig anders. Mit Produzent:innen meine ich nicht nur die Hennen, die die Eier direkt legten, sondern auch z. B. die gebrauchten Hähne, um Eier befruchten zu können, damit neue Hennen und Hähne schlüpfen, wobei die Hennen dann wiederum direkt Eier produzieren.

      Ja, die Mehrheit identifiziert sich mit einer Welt voll von Krieg und Barbarei oder nimmt diese ohne Widerspruch hin, aber macht es das besser? Ich fürchte, es macht es schlechter. Unser Problem ist, denke ich, nicht, dass eine menschenrechts- und tierrechtsbewegte Minderheit der Mehrheit etwas aufzwingt, sondern dass eine Mehrheit nicht zuhört und die Zerstörung unserer Erde und damit auch aller Werte von Empathie und Mitgefühl hinnimmt.

      Eine Privatperson hat in sich kaum Einfluss, richtig, der Einfluss ist so gering, dass er schwer wahrnehmbar oder messbar ist. Und doch können viele kleine Schritte zu großen Bewegungen führen. In gewisser Weise sagst Du das genauso, nicht wahr? Zitat aus Deinem Beitrag: „Das Einzige, was Menschen tatsächlich tun können, ist, im direkten, persönlichen Umfeld achtsam zu agieren.“

      • Thomas sagt:

        Ihre jahreszeitliche Kritik der Festivitäten in allen Ehren, ich bewundere ihre grundlegende Systemkritik schon seit Jahren, und insbesondere ihre umfangreiche Textproduktion imponiert mir, aber nebenher scheint ihnen die Biologie ein wenig durcheinander gekommen zu sein.

        Hühner sind obligat spontane Ovulierer. Die Henne ist in dieser Hinsicht eine biologische „Ein-Personen-Fabrik“. Ihr marktzynischer Begriff der „Produktion“ kennt also nur eine Produzentin. Ihre merkwürdige These, auch die Väter von Legehennen seien an der Produktion von unbefruchteten Eiern der nächsten Generation beteiligt, ist nicht nur abstrus sondern genealogisch schlicht falsch.

        • Guido F. Gebauer sagt:

          Sie haben meine Anmerkung falsch verstanden. Es würde keine Legehennen geben, wenn es nicht auch Hähne gibt. Und diese Hähne werden ihrerseits getötet. Für mich sind sie daher mittelbare „Produzenten“. Allerdings ist das ehrlich gesagt auch wirklich ein Detail, welches nicht unbedingt für den Gesamtartikel so wichtig ist, jedenfalls nach meinem Dafürhalten.

  • Anmerkung sagt:

    Ja, im direkten Umfeld und persönlichen Kontakt kann jeder Mensch weitgehend selbst entscheiden, wie sie oder er sich verhält und das eigene Verhalten steht in einer Wechselwirkung zu den anderen Menschen. Deshalb sagen indische und buddhistische Meister: Sei selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst. Da nur auf sich selbst bezogen ein Mensch die Möglichkeit der Veränderung hat.

    Ich teile Ihre Ansicht, dass die Mehrheit der Menschen die Kriege gut findet oder sich gar mit neuen Angriffen identifiziert, nicht.

    Stattdessen ist der persönliche Alltag für die Mehrheit schon so belastend, dass das völlig ausreicht – und eben da müsste Entlastung stattfinden, um sich später oder zusätzlich auch mit globalen Themen zu beschäftigen, auf die einzelne Privatpersonen keinen Einfluß haben.

    Beispiel:

    Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungs- und Lebensmittelkosten ist der Kauf von Bioprodukten stark gesunken.

    Immer mehr Menschen haben immer weniger Geld zur Verfügung, während gleichzeitig Milliarden für fremde Kriege verschwendet werden.

    Die Anspruchshaltung, dass Deutschland die Probleme der Welt lösen soll, ist absurd.

    Insofern ist der Wunsch der meisten sehr schlicht: Keine weitere Geldverschwendung, sondern stattdessen endlich eine Lösung der landesinternen Probleme. Dafür ist weder eine vegane Ernährung noch Gendern erforderlich. (Vegane bzw. sogar vegetarische Ernährung ist in Deutschland teurer als Fleischkost).
    Die Kinderarmut in Deutschland steigt seit Jahren, ebenso die Altersarmut insbesondere von Frauen und Müttern, die alleinerziehend waren.

    In Ihren Artikeln hingegen geht es primär nur um Probleme anderer Länder, selten um die Probleme der hier lebenden Menschen.

    Richten sich diese Artikel somit nur an reiche, gut situierte Deutsche, die so viel Geld haben, dass sie keine persönlichen Alltags- und Zukunftssorgen mehr haben?

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Jedenfalls besteht schon einmal Einigkeit zwischen uns, dass wir im direkten Umfeld einiges tun können. Das ist sicher ein wichtiger Teil.

      „Die Anspruchshaltung, dass Deutschland die Probleme der Welt lösen soll, ist absurd.“

      Ich glaube jedoch, dass der Ansatzpunkt falsch ist, weil es umgekehrt ist. Leider – und das sollten wir sensitiv reflektieren und dann unsere Ansprüche entsprechend ausrichten – trägt Deutschland nicht weniger, sondern mehr zu den Problemen auf dieser Welt bei als viele andere Länder.

      Ein Beispiel:

      Kambodscha oder auch Pakistan benötigen weniger als eine Erde pro Jahr, also weniger Ressourcen, als die Erde in einem Jahr produziert. Das bedeutet: Wenn alle Menschen so leben würden, gäbe es den größten Teil der Umweltprobleme auf diesem Planeten nicht, denn wir würden weniger Ressourcen verbrauchen, als die Erde pro Jahr regenerieren kann. Deutschland hingegen liegt ungefähr bei drei Erden. Die Folgen tragen aber nicht nur oder überwiegend die Menschen in Deutschland, sondern die größten Folgen und die tödlichen Folgen des Klimawandels tragen zum Beispiel die Menschen in Pakistan in sehr hohem Ausmaß, bereits jetzt.

      Vielleicht aus diesem Guardian-Artikel eine Verdeutlichung, was das konkret bedeutet:

      „Heatwaves in Mecca (Saudi Arabia, 2024), Bangkok (Thailand, 2024), Phoenix (United States, 2023), Mount Isa (Australia, 2019), Larkana (Pakistan, 2015) and Seville (Spain, 2003) had seen thousands of deaths despite none approaching that wet bulb limit, the research found.“

      Ein zweites Beispiel:

      Deutschland verkauft Waffen in Kriegsgebiete, einschließlich für Angriffskriege, proportional mehr als sehr viele andere Länder dieser Welt.

      Mit anderen Worten:

      Die Vorstellung, wir könnten schließlich nicht die Probleme anderer Länder lösen, übersieht, dass wir gar nicht Teil der Lösung, sondern momentan Teil des Problems sind. Und wenn wir diese Haltung einnehmen, wird sich nie etwas ändern, weil wir uns nicht dafür einsetzen, dass sich die Politik unseres Landes verändert.

      Es setzen sich übrigens keineswegs nur oder vorrangig wohlhabende Menschen für eine Veränderung ein – ganz im Gegenteil. Auch die Idee, dass Veganismus etwas für Wohlhabende wäre, ist falsch. Viele Veganer:innen gehören eher zu denen, die weniger verdienen (im Gegensatz zum Klischee), und nach Studien schont die vegane Ernährung die Umwelt mehr als jede andere Form der Ernährung. Insofern passt die Thematik in diesen Artikel, zumal es hier außerdem auch um Tierleid geht und dessen Zusammenhang zu menschlichem Leid.

      Ich glaube, wir sind nur dann achtsam und sensitiv, wenn wir uns generalisiert um die Reduktion und Prävention von Leid aller bemühen.

  • Anmerkung sagt:

    „Kambodscha oder auch Pakistan benötigen weniger als eine Erde pro Jahr, also weniger Ressourcen, als die Erde in einem Jahr produziert. Das bedeutet: Wenn alle Menschen so leben würden, gäbe es den größten Teil der Umweltprobleme auf diesem Planeten nicht, denn wir würden weniger Ressourcen verbrauchen, als die Erde pro Jahr regenerieren kann. “

    Sie schlagen also vor, dass sämtliche Industrieländer zurück ins Mittelalter versetzt werden sollen, um dann dieselben Lebensbedingungen wie Kambodscha und Pakistan zu haben:

    – hohe Kinderarbeitsrate, Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung, Zwangsehen, Kinderehen

    – hohe Analphabetenrate

    – kaum Zugang zu Bildung

    – relativ hohe Sterblichkeit

    – Durchschnittslebensalter ~ 66 Jahre

    So ähnlich sah es in Europa früher auch aus und das Leid war damals keineswegs geringer – und die Menschen heute leiden dort ebenfalls.

    Deshalb ist eine Mittelalter-Rückkehr keine adäquate Lösung.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Deine Antwort zeigt genau das Problem. Wenn wir mit solchen Einstellungen an die Sache herangehen, kommen wir zu keinen Lösungen. Die UN schätzt die aktuelle Lebenserwartung in Kambodscha auf 71 Jahre, das ist ein paar Jahre weniger als in Deutschland, und das erklärt in KEINER WEISE den enormen Unterschied in der Klimabelastung: https://statbase.org/data/khm-life-expectancy/

      Das Klima wird nicht vorwiegend dadurch belastet, dass Menschen ein paar Jahre länger leben, das ist eine klassische Ausweichargumentation. Das Klima wird dadurch belastet, dass die Menschen, die leben, zu viel konsumieren, und eben nicht Gesundheitsgüter, sondern andere, die NICHT für unser Überleben gedacht sind. Es gibt in Deutschland keinen Deut weniger sexuelle Gewalt als in Kambodscha – wie kommst du nur darauf? Woher nimmst du diese Überzeugung und hast du auch die Millionen Tourist:innen mit eingerechnet?

      Es gibt in Kambodscha kaum Zugang zu Bildung? Woher nimmst du diese Information? Das ist einfach falsch. Der Zugang hat sich enorm verbessert und fast jedes Kind geht zur Schule. Die aktuellen, offiziellen Quellen (UNESCO, 2024) belegen, dass die Alphabetisierungsrate der Erwachsenen in Kambodscha im Jahr 2021 bei 85 % lag (verglichen mit 77,6 % im Jahr 2008). Aber dieser erhebliche Anteil entsteht auch dadurch, dass die ältere Generation, die die Roten Khmer, den US-Bombenkrieg etc. durchmachte, nicht alphabetisiert ist.

      Dein Bild von Kambodscha ist falsch. Vor allem aber: Das hat NICHTS mit dem Klimawandel zu tun, und zwar wirklich gar nichts.

      Wenn alle Menschen in Deutschland bei fortbestehender Gesundheitsversorgung und ausreichenden kalorischen Ernährung genau so leben würden wie in Kambodscha, würde Deutschland weiterhin nur ca. 1 Erde verbrauchen.

      Außerdem: Selbst wenn du recht hättest, würde das doch beweisen, dass mein Argument stimmt. Wer drei Erden verbraucht (wofür die anderen die Konsequenzen tragen müssen), ist doch in der Bringschuld. Du aber hattest die Ansicht vertreten, Deutschland könne nicht die Probleme der ganzen Welt lösen, obgleich doch nach deinen Angaben (wie nach meinen) die Sachlage die ist, dass Deutschland (wie andere wohlhabende Nationen auch) auf Kosten der anderen lebt und diese Erde zerstört, wofür vorwiegend die anderen die Folgen tragen müssen. Und das senkt dann z.B. in Pakistan BEREITS HEUTE die Lebenserwartung.

      Bei Kambodscha kommt noch hinzu, erneut die Mitverantwortung auch der westlichen Staaten für das Massenbombardement des Landes, den auch dadurch bedingten nachfolgenden Sieg der Roten Khmer und sodann für die diplomatische Unterstützung der Roten Khmer nach ihrer Niederlage über viele Jahre, wobei ihnen u. a. ein UN-Sitz gesichert wurde und ihre Bewegung weiterhin auch mit finanzieller Unterstützung des Westens (von Thailand aus) große Teile des Landes verminte. Für die Folgen wurden Entschädigungen geleistet.

      Bei Pakistan besteht die Verantwortung darin, dass westliche Staaten mit massiven Geldern das Land damals zum Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan bewegten, radikale Islamisten sich überall ansiedelten, Schulen und Trainingslager betrieben und dadurch die gesamte Gesellschaft bis heute geprägt und durchzogen haben. Ebenso unterstützten wir in der Folge eine brutale Diktatur, die die vorherige demokratische Entwicklung komplett rückgängig machte. Auch hierfür tragen die Pakistaner:innen weiterhin die Folgen, was gut dokumentiert ist. Auch hierfür wurde keine Enthschädigung geleistet.

      Ich denke, es gehört zur Wirklichkeit und ist der Schritt zur Veränderung, dass wir anerkennen, dass unsere Gesellschaften keine Vorbilder sind, sondern maßgeblich für Leid und Leben in der Welt verantwortlich sind und mehr zur Umweltzerstörung beitragen als andere. Entsprechend müssen wir dafür nun auch einstehen und entsprechende Entschädigungen leisten. Wir müssen beginnen, nicht mehr das Problem zu bleiben, sondern mit zur Lösung zu werden. Noch sind wir davon leider weit entfernt, wie sowohl Wahlergebnisse als auch offizielle politische Haltungen zeigen. Nach meinem Eindruck leben wir in einem Zustand der Leugnung.

  • E. Moll sagt:

    Bravo, Herr Gebauer ! Eine wirklich gute Analyse der seit Jahrzehnten betriebenen Politik in Deutschland, mit den von Ihnen sehr gut dargestellten Folgen für unser (Um-) Welt. Das Problem heisst schlicht KAPITALISMUS . Sprich Ausbeutung von Natur und Mensch in jeglicher Form. Die steigenden Börsenkurse der (nicht nur deutschen) Rüstungsindustrie sind ein weiterer Beweis dafür und Problem zugleich. Zum Glück kann sich bei uns jeder Mensch politisch einbringen : zur Wahl gehen, Petitionen unterstützen, Spenden für entsprechende Organisationen, den eigenen Lebensstil ändern (auch wenn es manchmal schwerfällt). Und hört endlich auf zu jammern auf hohem Niveau.
    Tut was, Leute ! Raus aus der Wohlstands-Wohlfühl-Komfortzone !!
    Beste Grüsse

  • Anmerkung sagt:

    Terre de Femmes, Unicef, Amnesty International usw. schreiben ausführlich über die Lebensbedingungen in Pakistan.

    Zu Kambodscha gibt es wenig Quellen, was auffällt (KI kann leicht zugängliche Berichte und Statistiken schnell auflisten, antwortet zu Kambodscha jedoch, dass keine belastbaren Daten vorliegen).

    Wenn man an den Spendenaufruf von Gleichklang mit dem kranken Jungen denkt, der in Europa gar nicht erst schwerkrank durch Mangelernährung geworden wäre (wo dann natürlich wieder den bösen deutschen ein schlechtes Gewissen eingeredet wurde, dass in Deutschland bessere Lebensbedingungen bestehen), dann können die Lebensbedingungen in Kambodscha nicht so toll („ähnlich gut“ wie in Europa) sein, wie jetzt behauptet.

    Deshalb ist es nicht tragend, ein isoliertes Merkmal stellvertretend als positives Gesamtbeispiel für Länder zu nehmen, wenn diese in anderen wesentlichen Bereichen schlechter abschneiden als Industriestaaten.

    Wieso nennen Sie keinen Industriestaat als Vorzeigebeispiel?

    Weshalb listen Sie nicht den Verbrauch reicher Staaten wie Dubai auf?

    Pakistan, Kambodscha und sämtliche anderen Länder würden als Industriestaat genauso schlecht dastehen bzgl „Ressourcenverbrauch“.

    Worin besteht also Ihre Lösungsvorstellung, wenn nicht ein Rückfall ins Mittelalter ohne Industrie?

    Ein wirklich naturnahes Leben haben nur Naturvölker geführt. Alle Hochkulturen – auch jene der Vergangenheit – erfanden Dinge, entwickelten sich technisch weiter und schadeten der Natur teils so stark, dass sie sich selbst auch geschadet haben. Die Menschheitsgeschichte war seit jeher zyklisch. Das Erdklima war schon immer zyklisch. In der Bibel tauchen Seuchen, Dürre, Naturkatastrophen inklusive Flut mit vielen Toten auf.
    Die starken Unterschiede in den regionalen Lebensbedingungen ebenfalls (es gab Phasen, in denen Asien, Arabien, das Alte Ägypten … viel weiter waren als Europa zur selben Zeit). Im Inkareich hatten alle Menschen das Lebensnotwendige (Nahrung, Kleidung, Wohnraum) – anders als im damaligen Europa. Nur gab es damals kein Internet, um dann anzukreiden, dass es den Inka ja viel besser als den Europäern geht. Das Inkareich wurde dann durch Umweltprobleme, regionale Kriege und spanisch/portugiesische Eroberer vernichtet. Ähnliches passiert derzeit in Europa auch. Innerer Zerfall, dem äußerer folgt.

    Der Unterschied zu früher ist zudem die Überbevölkerung (insgesamt zu viele Menschen) und die breiter gestreute globale Ausprägung (statt wie früher regional begrenzt).

    Ohne Internet würde wieder ein stärkerer regionaler Fokus entstehen plus Reduzierung des Energieverbrauchs. Für die mentale Gesundheit der Menschen wäre das in vielen Aspekten hilfreich. Für manche Menschen wäre es negativ, da es Zugang zu Wissen und Teilhabe einschränken würde.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Du missverstehst mich und glaubst, ich sei ein Fan von Pakistan. Ich sagte, dass unsere Art von Leben und Umgang Leid in anderen Teilen der Welt erzeugt und dass wir daher nicht Teil der Lösung, sondern maßgeblicher Teil des Problems sind.

      Natürlich sind die Lebensbedingungen in Pakistan katastrophal, und das zu einem guten Teil auch deshalb, weil westliche Staaten über Jahre hinweg eine extrem brutale Militärdiktatur maßgeblich unterstützt und aufgebaut haben, eng mit ihr kooperierten und zum Zwecke des Kampfes gegen die Sowjetunion in Pakistan unzählige, bis heute fortdauernde radikal-fundamentalistische Zellen unterstützten. Das hat das ganze Land seither geprägt.

      Du scheinst jedoch irrtümlich zu denken, wir hätten mit den Bedingungen in Pakistan nichts zu tun. Wir sind jedoch maßgeblich mitverantwortlich, auch für die extremen Überflutungen – nicht durch Pakistan verursacht, sondern durch den von uns verursachten Klimawandel.

      Ein Drittel des Landes war vor einem Jahr überflutet, mit Tausenden Toten und unglaublichen Verwüstungen, und zwar wegen des Klimawandels. Deshalb klagen Farmer:innen aus Pakistan aktuell unter anderem gegen Deutschland:

      „Lawyers acting for 43 men and women from the Sindh region sent the energy firm RWE and the cement producer Heidelberg formal letters before action on Tuesday, warning of their intention to sue later this year.

      Pakistan was the nation most affected by extreme weather events in 2022, according to the global Climate Risk Index. That summer, extreme rains flooded one-third of the country, killing at least 1,700 people, displacing 33 million people, destroying vast tracts of farmland and causing economic losses of up to $30bn.“

      Und schauen wir uns Konflikte innerhalb des heutigen Pakistans an, wie der Konflikt in Balochistan, so sind diese direkte Folge des Kolonialismus, weil Balochistan – ein eigenständiges Land mit eigener Kultur und Geschichte – durch den westlichen Kolonialismus, in diesem Fall UK, an Pakistan übertragen wurde. Nur ein Beispiel unter vielen.

      Die Folgen dauern bis heute fort und sind furchtbar.

      Sachlage ist nun einmal, dass ein Gutteil unseres Reichtums aus der Ausbeutung anderer kommt. Ich glaube, es hilft nichts, dies zu leugnen oder den Kopf in den Sand zu stecken, sondern wir sollten die Wirklichkeit annehmen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen, sodass wir, nachdem wir die Probleme erzeugt haben, nunmehr alles tun, um sie zu beseitigen.

      Damit haben wir noch nicht begonnen. Leider geht der Trend sogar in die Gegenrichtung.

      Ich glaube aber, es wird sich als Irrtum erweisen, zu meinen, wir könnten auf Dauer auf Kosten anderer leben und in einer Welt des Elends Mauern bauen, hinter denen wir uns sonnen können. Auch hilft es nicht, sich selbst in die Opferrolle zu begeben und ernsthaft zu glauben, bereits zu viel für andere zu tun, während wir tatsächlich andere ausplündern.

      Noch einmal zur Frage der Klimakatastrophe:

      Diese wird nicht durch das Gesundheitssystem oder die längere Lebenserwartung in Deutschland verursacht, sondern durch Verschwendung – insbesondere der wohlhabenderen Bevölkerung –, die nichts mit der Lebenserwartung zu tun hat. Das war unser eigentlicher Ausgangspunkt in der Diskussion.

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