Über die Reihenfolge der Gefühle beim Beziehungsstart

Verliebtheit

Nach meinen Beobachtungen bleiben Menschen nicht nur Single, weil sie keine passende Person finden, sondern nicht wenige auch deshalb, weil sie den Moment, in dem eine Beziehung entstehen kann, nicht erkennen.

Erkennen wir den Moment, wenn eine Liebesbeziehung entstehen kann? Um diese Frage dreht sich mein heutiger Artikel.

Wie sind Ihre eigenen Erfahrungen? Ich würde mich freuen, wenn Leser:innen ihre Erfahrungen oder Ansichten zu dieser Thematik unten in den Kommentaren teilen.

Psychologische Befunde zur frühen Phase romantischer Beziehungen und ihre Bedeutung für die Partnersuche

Bode und Kolleg:innen untersuchten Unterschiede zwischen Menschen im Verlauf der frühen Phase von Beziehungen.

Hierzu befragten sie 808 Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren. Es handelte sich also um eine relativ junge Stichprobe, in der viele Teilnehmende Studierende waren.

Auch wenn eine direkte Übertragbarkeit auf die Gesamtgesellschaft so nicht unmittelbar möglich ist, wissen wir aus der psychologischen Forschung dennoch, dass Befunde mit Studierenden sich hinsichtlich relevanter Haupteffekte und grundlegender Strukturen in der Regel gut auf andere Gruppen übertragen lassen. Wir neigen alle dazu, Gruppenunterschiede zu überschätzen (Alter, Geschlechter, Länder, Kulturen etc.) – aber genau darauf komme ich auch gleich noch zu sprechen.

Eine Stärke der Studie bestand auf jeden Fall darin, dass die Teilnehmenden aus 33 verschiedenen Ländern stammten.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

In der Studie ging es den Autor:innen vorrangig um die Analyse von Unterschieden zwischen Männern und Frauen in diesen frühen Liebesbeziehungen:

  • Häufigkeit bisherigen Verliebtseins
  • Zeitpunkt des Verliebtseins relativ zum aktuellen Beziehungsbeginn
  • Intensität romantisch-leidenschaftlicher Liebe
  • Ausmaß des Denkens an die geliebte Person
  • Bindung im Sinne von einer festen Entscheidung für die Stabilität der Beziehung

Als Kontrollvariablen wurden zusätzlich Alter, Geschlechterverhältnis, gesellschaftliche Geschlechterungleichheit, die Dauer des Verliebtseins in Monaten sowie die Zeit seit dem letzten Geschlechtsverkehr berücksichtigt.

Das eigentlich Interessante

Während sich die Autor:innen in ihrer Interpretation vorwiegend für Geschlechterunterschiede interessierten, erscheint mir die Studie viel eher geeignet als weitere Bestätigung der Geschlechterähnlichkeitshypothese der Psychologin Janet Shibley Hyde, die postuliert, dass Männer und Frauen sich primär ähnlich sind. Denn alle gefundenen Unterschiede waren klein, und einige verschwanden vollständig, sobald Kontrollvariablen einbezogen wurden. Mehr zur Geschlechterähnlichkeitshypothese finden Sie in meinem vorherigen Artikel „Mehr Gemeinsamkeit als Unterschiede zwischen den Geschlechtern“.

Ferner interessiert mich die Studie aber hauptsächlich aus einem zweiten Grund. Dieser wird von den Autor:innen selbst nicht thematisiert, aber für Mitglieder von Gleichklang und für Partnersuchende generell ist er von brennendem Interesse:

  • Verlieben wir uns erst und beginnen sodann eine Beziehung, oder ist es genau umgekehrt?

Befunde der Autor:innen

Dies sind zunächst einmal die reinen Ergebnisse:

  • Häufigkeit bisherigen Verliebtseins: Unkorrigiert berichteten Frauen im Mittel eine Häufigkeit bisherigen Verliebtseins von 2,32, Männer von 2,64. Unter Kontrolle von Alter, Geschlechterverhältnis, gesellschaftlicher Geschlechterungleichheit und Dauer des Verliebtseins blieb der Geschlechtereffekt bestehen. Der zusätzliche, allein durch das Geschlecht erklärte Anteil der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden in der Häufigkeit des Verliebtseins betrug 1,0 %.
  • Zeitpunkt des Verliebtseins relativ zum Beziehungsbeginn: Der Zeitpunkt des Verliebtseins wurde als zeitliche Differenz zwischen Beziehungsdauer und Dauer des Verliebtseins berechnet. Negative Werte bedeuten, dass das Verliebtsein vor dem Beziehungsbeginn lag, ein Wert von null bedeutet Gleichzeitigkeit, positive Werte bedeuten Verliebtsein nach dem Beziehungsbeginn. Unkorrigiert lag der Mittelwert bei Frauen bei 1,92 Monaten, bei Männern bei 0,98 Monaten. Der Unterschied betrug also 0,94 Monate. Auch nach Kontrolle von Alter, Geschlechterverhältnis und gesellschaftlicher Geschlechterungleichheit blieb der Geschlechtereffekt bestehen. Der Anteil der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden, der allein durch das Geschlecht erklärt wurde, betrug erneut 1,0 %.
  • Intensität romantischer Liebe: Bezogen auf die Intensität romantischer Liebe berichteten Frauen unkorrigiert im Mittel etwas höhere Werte als Männer. Unter Kontrolle von Alter, Geschlechterverhältnis, gesellschaftlicher Geschlechterungleichheit, Dauer des Verliebtseins und Zeit seit dem letzten Geschlechtsverkehr blieb der Geschlechtereffekt bestehen. Das Geschlecht allein erklärte dieses Mal 1,1 % der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden..
  • Ausmaß des Denkens an die geliebte Person: Beim Anteil der wachen Zeit, in der an die geliebte Person gedacht wird, zeigten sich die größten Geschlechtsunterschiede. Frauen gaben im Mittel einen deutlich höheren Zeitanteil an als Männer. Dieses Mal konnte das Geschlecht für sich tatsächlich 4 % der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden erklären.
  • Bindung (Entscheidung für die Beziehung): Beim Bindungserleben lagen die unkorrigierten Mittelwerte von Frauen minimal höher als die von Männern, der Unterschied war jedoch komplett, wenn die Kontrollvariablen berücksichtigt wurden. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass das Geschlecht exakt 0 % der Unterschiede zwischen den Teilnehmenden erklärte.

Einordnung der Geschlechtsunterschiede

Insgesamt zeigt sich, dass alle Geschlechtsunterschiede klein sind. Am ausgeprägtesten ist noch der Unterschied im Ausmaß des Denkens an den Partner oder die Partnerin. Bei allen übrigen Variablen lag der durch das Geschlecht erklärte Varianzanteil entweder bei etwa einem Prozent oder verschwand vollständig.

Männer und Frauen sind damit alles andere als zwei grundsätzlich unterschiedliche Menschentypen, sondern vor allem bemerkenswert ähnlich.

Für mich ist dies die zentrale Botschaft der Studie, auch wenn die Autor:innen selbst den Schwerpunkt anders setzen.

Tatsächlich habe ich, wenn ich solche Ergebnisse lese, die mittlerweile für nahezu alle Merkmale vorliegen, immer wieder den Eindruck, dass wir in einer geschlechtsfixierten Gesellschaft leben:

  • Wir legen zwanghaft den Fokus auf ein Merkmal, das nur einen minimalen Anteil der Unterschiede zwischen uns erklärt.

Beziehung zuerst, Verliebtsein später

Der für mich entscheidende Befund betrifft die zeitliche Abfolge von Beziehungsbeginn und Verliebtsein.

Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Sowohl bei Männern als auch bei Frauen beginnt im Durchschnitt zuerst eine Beziehung, und erst danach tritt Verliebtsein auf.

Der zeitliche Abstand zwischen Beziehungsbeginn und Verliebtsein ist bei Männern im Mittel kürzer als bei Frauen. Unabhängig davon ist der zentrale Befund, dass wir uns meistens nicht verlieben, bevor wir eine Liebesbeziehung beginnen, sondern erst eine Beziehung beginnen und uns danach verlieben.

Viele denken, es sei umgekehrt!

Ich betone diesen Befund so und schreibe einen eigenen Artikel über ihn, weil mein Eindruck nach 19 Jahren „Partnervermittlung“ ist, dass viele die umgekehrte Reihenfolge erwarten und genau aus diesem Grund eine Reihe von ihnen partnerlos bleibt.

In Wirklichkeit ist alles sogar noch etwas komplexer:

  • Nicht jeder Mensch verliebt sich, und wir können einen anderen Menschen lieben, ohne jemals in diese Person verliebt gewesen zu sein. Zudem beginnen die meisten Beziehungen als Freundschaften, die sich erst später zur Liebe vertiefen.

Zwei vorherige Artikel untersuchen diese Aspekte tiefergehend:

Konsequenzen für die Entscheidung zum Beziehungsbeginn

Ich schlage diese drei Kriterien für den Beziehungsbeginn vor:

  • Erstens sollte der Wunsch nach einer Beziehung tatsächlich vorhanden sein, ebenso wie die Bereitschaft, eine Beziehung aufzubauen. Ist dies nicht der Fall, sollte die Partnersuche pausieren, während die Freundschaftssuche fortgesetzt werden kann.
  • Zweitens sollte eine grundlegende Vereinbarkeit der Vorstellungen vom Leben und von Beziehung vorhanden sein, mindestens im Sinne der Möglichkeit, sich aufeinander zuzubewegen. Es geht also weniger um bereits bestehende Passung als um die Möglichkeit, Passung miteinander aufzubauen.
  • Drittens sollten sich beide Personen wechselseitig sympathisch sein und den Eindruck haben, sich ein gemeinsames Leben miteinander vorstellen zu können.

Ein Ja zu allen drei Punkten ist der richtige Zeitpunkt für den Beziehungsbeginn, unabhängig davon, ob Verliebtsein vorliegt oder nicht.

Sind wir verliebt, verneinen aber einen dieser Punkte, ist Vorsicht und gemeinsames Ausloten angezeigt. Genau das Gleiche gilt, wenn wir nicht verliebt sind.

Beginnen wir wechselseitig mit einem dreifachen Ja eine Beziehung, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir uns im weiteren Verlauf entweder verlieben oder direkt in eine stabile Liebe übergehen.

Dabei sollten wir aber nicht erwarten, dass der zeitliche Verlauf bei beiden Personen identisch ist:

  • Im Durchschnitt verlieben sich Männer etwas früher. Aber die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind, wie wir gesehen haben, so gering, dass ebenso gut das Gegenteil der Fall sein kann. In gleichgeschlechtlichen Beziehungen entfällt der Geschlechterunterschied ohnehin, während individuelle Unterschiede natürlich bestehen bleiben.

Zu viel Verstand, zu wenig Gefühl?

Die Frage kann nach meiner Einschätzung klar verneint werden:

  • Wenn wir eine Beziehung möchten, einen anderen Menschen mögen und uns vorstellen können, mit dieser Person durchs Leben zu gehen und dies alles auch noch wechselseitig ist, spricht nicht nur der Verstand, sondern auch unser Gefühl.

Die Liebe ist ein häufig missverstandenes Phänomen, und für den Beziehungsbeginn ist womöglich gerade dieses Missverständnis – dass Verliebtsein zwingend vor der Beziehung stehen müsse – das größte Hindernis.

Mein Rat:

  • Räumen Sie das Hindernis aus dem Weg. Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich eine Beziehung einzugehen, steigt dadurch erheblich, anstatt immer wieder im „leider nur Freundschaft“-Modus zu verbleiben.

Bei Gleichklang begleiten wir Sie derweil gerne weiterhin zum Beziehungsglück, indem wir gemeinsam mit Ihnen nach Menschen suchen, mit denen eine Kompatibilität entstehen kann:

▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang

Weitere Links:

verbundenheit

35 Kommentare

  • Dörte sagt:

    Guten Morgen, ein gesundes neues Jahr wünsche ich allen Gleichklang Menschen!
    Das Finden eines neuen Partners ist noch nicht geglückt, aber die Begleittexte hier finde ich immer wieder interessant und inspirierend. Sie regen zum Nachdenken an, ich reflektiere meine Gedanken, meine Erwartungen, mein Handeln. Das will ich hier einfach mal teilen und wünsche alles eine gute Zeit.

  • Michael sagt:

    Beziehung zuerst, Verliebtsein später – Das funktioniert nicht bei jedem Menschen, denke ich.

    Das gibt mir nun das Gefühl, man schaut zuerst, ob die Wünsche die man hat, erfüllt werden. Arbeit vorhanden, das passende Alter, die Hobbys, die zum eigenen Lifestyle passen, was man eben auf der Wunschliste stehen hat. Und dann erhofft man sich, dass danach Gefühle entstehen (oder beschränkt sich das nur auf das Verliebtsein?).

    Was, wenn es nicht zu Liebe kommt? Arrangieren sich dann die meisten Menschen, da ja die „harten Fakten“ stimmen, nur eben das Gefühl stimmt nicht?

    Ich halte diesen „Befund“ auf keinen Fall für allgemeingültig. Würde sogar so weit gehen, dass ich das sehr berechnend finde und auch etwas abstoßend (vielleicht bissl zu hart ausgedrückt), nicht anziehend. Unfair, wenn man das dem anderen Part nicht mitteilt.

    Es wird hier von Verliebtsein und Liebe gesprochen. Was ist mit den Gefühlen? Was ist mit sexueller Anziehung, emotionaler Bindung? Ich könnte nicht mit einem Menschen zusammensein, bei dem das fehlt. Das findet man aus meiner Sicht besser vor einer Beziehung heraus.

    Klar, wir sind hier beim Onlinedating. Man sieht den anderen Menschen erstmal nicht wirklich. Ich schaue schon, ob mir das Gesicht sympathisch ist oder ob noch ein Kinderwunsch vorhanden ist, hab also auch eine (kurze) Checkliste. Selbst nach einem Treffen, wenn man sich sympathisch findet, würde ich nie auf die Idee kommen, gleich eine Beziehung zu starten.

    Anziehung ist entweder da oder nicht. Dass da etwas später nachkommt, ist mir bisher noch nicht passiert. Dazu braucht es aus meiner Sicht keine Beziehung, um das herauszufinden.

    Also, Beziehung zuerst? Nein, Danke. Das Kennenlernen darf gerne mehr als 2 Wochen dauern, aber wenn sich nach 6 Monaten keinen Gefühle einstellen, hat das aus meiner Sicht keinen Sinn, wenn man den Weg weitergeht. (Die Zahlen hab ich mir aus den Fingern gesaugt, kann jeder austauschen, wie er möchte, mich aber darauf nicht festnageln)

    Würde wirklich alles soweit in der Beziehung passen, aber eben ohne Liebe, dann fände ich das einfach nur traurig. Ist die Schnittmenge für die Beziehungspartner groß genug, muss nicht alles passen, wenn Liebe/Verliebtsein mit im Spiel sind. Das ist mir wichtiger und ich tue mich leichter, dafür in anderen Bereichen Kompromisse zu machen.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Deine Aussage, Du würdest ohne Gefühle keine Beziehung beginnen, steht nicht im Widerspruch zum Artikel und zu dem, was Paare sogar mehrheitlich erleben. Zitat: „Wenn wir eine Beziehung möchten, einen anderen Menschen mögen und uns vorstellen können, mit dieser Person durchs Leben zu gehen, spricht nicht nur der Verstand, sondern auch das Gefühl.“ Es ist ein Gefühl, und zwar ein Gefühl, das signalisieren kann, dass Menschen zusammen sehr glücklich werden können. Diejenigen, die dieses Gefühl als Indikator für einen Beziehungsbeginn nehmen, werden entsprechend oft auf dieser Basis langfristig glückliche Beziehungen aufbauen. Es ist also dezidiert ein Gefühl, und ich würde sagen, es ist ein Liebesgefühl, nur ist es eben vermutlich ein anderes Liebesgefühl, als Du erwartest.

  • Anne Alter sagt:

    Danke für den Artikel 💛Ich frage mich – da es der Durchschnittswert ist – ob es nicht eher Typensache ist. Die Zahlen würden mich interessieren: denn wenn es auch viele gibt, die erst lieben und dann Beziehung, sehen wir die ja gar nicht in der Studie, sondern nur den Mittelwert (also gibt es mehr, die erst die Beziehung beginnen und sich dann verlieben). Aber ob diese Aussage vom Autor stimmt, das glaube ich gerade noch nicht, ohne die Zahlen genau zu sehen.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Die Autor:innen haben nicht veröffentlicht, wie die prozentuale Verteilung vorher versus nachher aussieht, und sie haben auch keinen Längsschnitt untersucht. Was wir aus anderen Studien wissen, ist, dass im Mittel etwa zwei von drei Beziehungen als Freundschaft beginnen.

      Dein Gedanke ist auf jeden Fall interessant, aber durch den Artikel nicht beantwortbar. Es müsste sich dann ein längsschnittliches Cluster zeigen, das bei manchen Beziehungen so und bei anderen andersartig entsteht. Ich kenne ehrlich gesagt keine Untersuchung dazu, die dies so dezidiert zum Gegenstand hätte.

      Was ich allerdings weiß aus unseren eigenen Daten, ist, dass die gleichen Personen lebensgeschichtlich oft schon auch unterschiedliche Muster beschreiben. Ich habe von Mitgliedern gehört, die sich bei Gleichklang zum ersten Mal verliebten, obgleich sie vorher bereits Beziehungen hatten. Und ich habe von Mitgliedern gehört, die sich früher bei Beziehungen verliebten, sich hier aber nicht verliebten und nun doch glücklich miteinander sind. In beiden Fällen habe ich auch von Trennungen gehört.

      Ich nehme schon an, dass in gewisser Weise persönlichkeitsbezogene Aspekte hier mit hineingehen. Es gibt Menschen, deren positives Erleben und auch hypomanische Verarbeitungsweisen leichter aktivierbar sind. Womöglich gehören diese tatsächlich zu einem Cluster, was die Entstehung von Liebesbeziehungen betrifft. Es kann aber auch sein, dass die Unterschiede sich einfach nur daraus ergeben, was wir glauben, was für Liebe notwendig ist, was sich wiederum ändern kann.

  • Jeanne sagt:

    @Michael: ich teile mit Dir das Anziehung und Sympathie am Anfang da sein sollten, damit man ein gutes Gefühl hat sich weiter zu daten und es auch etwas gibt zum „Austauschen“:) Ein Gefühl der anziehung ist aber für mich nicht das Gleiche wie Verliebtheit oder Liebe!. Die kann sich auch im Verlauf einstellen und dann sehr verlässlich da sein. Zu diesem Thema schrieb Arnold Retzer ein interessantes Buch mit dem Titel “ Lob der Vernunftehe“. Ich persönlich finde es entspannend sich etwas neutraler zu begegnen und zu schauen wie es ist mit der Passung. Und damit meine ich gar nicht irgendwelche „objektiven Daten“ wie Du oben genannt hast, sondern eher emotional. Das braucht mehr Zeit. Ich persönlich bin froh wenn es langsamer geht und ohne den Sturm von Verliebtheit. Auch wenn das natürlich auch toll ist, ist dann aber aus meiner Sicht fragiler- weniger mit langzeitperspektive.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Ich glaube, du hast es auch besser und klarer herausgearbeitet als ich. Ich wollte ja nicht sagen, dass gar keine Gefühle da sein sollen. Ich glaube einfach nur, dass wir manchmal nicht erkennen, dass ein Gefühl da ist, was eine belastbare Basis für eine Beziehung ist.

      Ich glaube, Retzer (über den ich bereits las, dessen Buch ich aber noch nicht gelesen habe – werde ich nachholen) meint es letztlich ähnlich: Er sagt ja nicht, dass Gefühle keine Rolle spielen, sondern er weist auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, wie wir durch einen guten Umgang miteinander positive Partnerschaften aufbauen können.

  • WILLI sagt:

    Den Tenor dieses Artikels nenne ich den pragmatischen Ansatz zum Aufbau einer Freundschaft bzw. Partnerschaft. Mein Erleben ist, dass bald nach Kennenlernen und vorhandener Beziehungsbereitschaft, ähnlichen Lebensvorstellungen und grundsätzlicher Sympathie das weitere Kennenlernen abgebrochen wird, weil der „Funke nicht überspringt“ bzw. sofortige Verliebtheit nicht eintritt.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Zu dieser Situation mit dem Funken wäre die Überlegung oder der empirische Hinweis aus Untersuchungen von Paaren, dass viele von denen, bei denen der Funke nicht übersprang, die aber zusammenkamen, nach einigen Jahren eine tiefe Liebe füreinander empfanden. Hätten sie aber auf den Funken gewartet, wären sie nie zusammengekommen. Ich glaube nicht, dass es ein reiner Pragmatismus ist, aber auch vernunftbetonte Überlegungen sind allen Bereichen des Lebens wichtig. Ich sehe es eher als eine Kongruenz von Vernunft und Gefühl, wobei wir dieses Gefühl nur häufig nicht ausreichend als Startsignal für eine Beziehung erkennen, weil wir ein anderes Gefühl erwarten.

      • WILLI sagt:

        Man kann die Frage auch anders formulieren: wie viele Menschen, für die das Überspringen des Funkens der wichtigste Faktor ist, finden überhaupt , bzw. dauerhaft tragfähige Beziehungen?

  • Mitglied sagt:

    Anscheinend sind einige der Gleichklangsuchenden aufgrund ihrer eigenen Vorstellungen langfristig Single.

    Wenn ich an die Beziehungsfindung im Bekanntenkreis – ohne Partnerbörse – denke, so wird das, was in den Blogartikeln und Studien steht bestätigt:

    Manche lernten sich kennen, waren zuerst befreundet, nach mehreren Jahren dann ein Paar.

    Andere hatten „gleich“ Sex, kannten sich überhaupt nicht richtig, lediglich wenige Wochen und nach etwa einem Jahr war’s wieder vorbei – weil Sex/uelle Anziehung kein Indikator für eine dauerhafte Partnerschaft ist.

    Liest man entsprechende psychologische Studien dazu, ist die Wahrscheinlichkeit einer toxischen Partnerschaft sogar größer, wenn der Anfang SO TOLL und SO sexgeprägt ist.

    Insofern besteht die Lösung für frustrierte Dauersingles womöglich darin, erst einmal mit professioneller Unterstützung die eigenen Bindungsmuster zu reflektieren und die frühkindlichen Prägungen mitsamt der Reaktionen des eigenen Nervensystems.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Grundsätzlich finde ich die Beispiele tragfähig. Wenn ich in meinen eigenen Kreis schaue, starten auch viele der fortbestehenden Beziehungen nicht sofort mit Verliebtheit, und andere waren äußerst verliebt und scheiterten. Und es ist nach meinem Eindruck auch tatsächlich so, dass es vielen sehr schwerfällt, positive Beziehungs­signale zu erkennen, wenn die Verliebtheit fehlt, und umgekehrt toxische Beziehungs­signale zu erkennen, wenn die Verliebtheit da ist.

      Dies gesagt, gibt es aber ebenfalls viele Beziehungen, die mit Verliebtheit starten und auch tragfähig sind. Ich denke da immer an das Beispiel einer Freundin, die sich Hals über Kopf verliebte, alles stehen ließ und nach England zog, wo sie seither noch immer mit demselben Mann zusammenlebt und meines Wissens glücklich lebt.

      Ich glaube, wir sollten beides zugleich gelten lassen: Gefühl und Verstand.

      Das Gefühl braucht dabei nicht zwingend stark, exaltierend zu sein. Es kann ein ruhiges Gefühl sein, das sich vertiefen kann. Der Verstand wiederum sollte aufzeigen können, dass wir eine gewisse Basis für Lebens­kompatibilität haben oder aufbauen können.

      Wenn ich mich wirklich komplett verändern möchte, dann brauchen meine eigenen Merkmale vielleicht keine große Rolle zu spielen. Wenn ich aber an zentralen Aspekten meiner Lebensphilosophie oder meiner Beziehungsmodelle festhalten will (was für die meisten gilt), dann sollte in diesen zentralen Merkmalen mindestens keine komplette Divergenz bestehen.

      Das Beispiel der Love-Scammer macht deutlich, dass Verliebtheit an sich kein unbedingt gutes Kriterium ist. Denn die Verliebtheit der Geschädigten ist enorm: Sie schweben im siebten Himmel und fallen danach ganz tief.

      Die Richtschnur kann nach meiner Ansicht sein, dass Gefühl und Verstand sich nicht widersprechen und Signale geben, dass eine Beziehung entstehen kann.

  • Mitglied sagt:

    In einer Dokumentation über Lovescammer wurden einige von diesen interviewt. Sie sahen das als „Dienstleistung“, weil sie der Person das sagten, was diese hören wollte und das „starke Gefühl“ gaben, was diese haben wollte.

    Leider wurden die Bindungsmuster und Kindheitsprägungen der Geschädigten nicht analysiert.

    Ich vermute jedoch, dass diese Lovescammer nur deshalb erfolgreich sind, wenn sie auf Menschen treffen, die ihren Wert, ihre Ressourcen im Außen suchen.

    Ein Android wäre deshalb für viele ebenfalls ein idealer Partner, weil er vollkommene Bestätigung bedeutet bei entsprechender KI-Anpassung.

    Die dystopische Variante wäre dann, wie in manchen Romanen jene, dass die KI-Androiden die Menschen nur noch kontrollieren und sie letztlich in Scheinbeziehungen leben.

    (Es gibt dazu eine interessante Kurzgeschichte, wo die Menschen sich mit der Volljährigkeit einen Androidenpartner erstellen dürfen – und natürlich den Fokus primär aufs Aussehen und stereotype Klischeeattribute legen. Die Beziehung ist für die Menschen deshalb nicht befriedigend.)

    Die Vorstellungen und Kriterien vieler in den Kommentaren hier, erinnern mich an die fiktiven Menschen in dieser Dystopie.

  • Anonym sagt:

    Aus meiner eigenen Lebenserfahrung kann ich beiden Wege folgen. Verlieben und eine Beziehung folgt und auch mit persönlicher Sympathie kann ein Verliebtsein entstehen. Gleichzeitig habe ich inzwischen erkennen müssen, wie wesentlich eine Passung der Grundsätzlichen Werte für eine langfristige Beziehung hilfreich sind, meint, das sie das Zusammenleben doch wesentlich erleichtern. Allerdings wäre mir eine absolute Übereinstimmung doch zu langweilig, denn ich möchte in einer Beziehung auch eine gegenseitige Bereicherung erleben. Und doch: währende der Zeit einer Ayurveda-Behandlungs-Praxis hatten wir einen -halb-lustigen- Spruch, wie Menschen nach einer solchen Massage die Augen aufschlagen:
    Bei Männern dominierte eindeutig, „wow, war das schön.“(Ende) – unabhängig davon, welches Geschlecht der/die Massierende hatte.
    – Bei Frauen konnte des Öfteren! passieren: „wow, wenn er mich so massiert, muß er mich lieben…..“ (besonders, wenn der Therapierende ein Mann war)
    Ob dies bei gleichgeschlechtlich Interessierten auch der Fall war, kann ich allerdings nicht sagen/konnten wir nicht erkennen.

  • Aurelin sagt:

    mir ist nicht ganz klar, inwiefern diese Beobachtungen bei der Partnerfindung hilfreich sein sollen.
    ich würde eher annehmen, dass Verlieben ein Prozess ist, der richtig intensiv wird, wenn beide ein Ja zueinander und zu der Beziehung kommunizieren. Und Verliebtheit eine Zustandsbeschreibung dieses Prozesses darstellt.
    und ich find‘s nur bedingt hilfreich, Prozesse und Dynamiken anhand von Zustandsbeschreibung zu erklären oder zu verstehen, vor allem wenn es nur wenige Anbindungspunkte für den betrachteten Aspekt gibt und Zustände als absolut (Ja/ Nein) und nicht als graduell verstanden werden.
    Vielleicht könnte eine individuelle Prozessbeschreibung auch so aussehen:
    ich will und wollte eine partnerschaftliche Liebesbeziehung, und habe XY getan um eine erfahren zu können. dabei bin ich mit mehreren Menschen in Kontakt gekommen, mit denen mir eine Liebesbeziehung vorstellbar erschien, und bin verstärkt mit solchen in Kontakt gegangen, die ich toll und interessant fand. Einige sind auch mit mir verstärkt in Kontakt gegangen, und bei einer oder mehreren verspürte ich große Zuneigung und einen Anfang von Verliebtheit. Diese Gefühle sind dann regelrecht explodiert, als einer der anderen Menschen sehr ähnlich für mich empfand, und wir beide unseren Wunsch kommunizierten eine Liebesbeziehung miteinander zu führen. Ich fühlte mich überglücklich und empfand ein überwältigendes Gefühl von Freude und Befreiung, weil ich mich dieser Person so öffnen konnte, und in der wechselseitigen Öffnung auch so viel wechselseitige Annahme war und intime Bedürfnisse erfüllt wurden. Das war sehr berauschend und nahm in dieser Zeit einen sehr großen Teil meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
    In dieser Prozessbeschreibung ist Verliebtheit kein Ja/Nein Zustand, sondern ein Intensivitätserfahren.

    Im weiteren denke ich, dass dieses Erfahren durchaus auch in langfristige Beziehung übersetzt und übertragen werden kann, wenn die Beziehung selbst harmonisch in alle anderen Kontexte der Partner eingefügt wird und die Bedürfnisse und Erwartungen der Partner eine gewisse Erfüllung finden. Eine Frage von Selbst- und Beziehungsentwicklung.

    Der Punkt ist vielleicht der, dass Verliebtheit in dieser Beschreibung auch als sehr intensiv empfundene Liebe verstanden werden kann, und weniger als Phase einer Beziehung. Außerdem öffnet es Raum auch so etwas wie Erwartungen, Ängste und Bedürfnisse betrachten zu können, ganz real in tatsächlichen Beziehungen, aber auch in wissenschaftlichen Untersuchungen.
    Da ist einfach in jeder Hinsicht viel mehr Raum als in einer Auffassung, wie zB ‚die Chemie stimmt‘.
    Das wäre auch für Partnersuchende ein ziemlich hilfloser Ratschlag: zu sagen ‚die Chemie muss stimmen‘.
    Das wäre ja noch nicht mal falsch, aber was fängt man an mit so einer ‚Wahrheit‘?
    und was fängt man an mit einer ‚Wahrheit‘ wie ‚Verliebtheit beginnt idR nach Beziehungsbeginn‘?
    die Evidenz dieser Aussage will ich gar nicht in Abrede stellen, ich fürchte aber, dass sie auch als normative Erwartung verstanden werden kann, wie Beziehungsfindung am besten zu erfolgen hat.
    und aus den Kommentaren wird ja schon ein wenig deutlich, dass totale Verliebtheit gleichermaßen in glückliche Beziehungen wie toxische führen kann.

    Insofern wäre ich fast eher geneigt zu sagen: spring einfach rein und versuch zu schwimmen 😄denk hinterher drüber nach, nicht vorher. Selbst wenn Du Dich total in jemanden verliebst, der null Interesse an Dir hat. Ja, das ist peinlich und schmerzhaft. Na und? Dafür ist es auch unglaublich lehrreich. Liebe braucht auch Mut ❤️

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Du sagst absolut recht, dass wir alle Gefühle, Gedanken und Erlebensweisen auch quantitativ beschreiben können. Qualitative Darstellungen leugnen nicht das quantitative Element, sondern sind sprachlich wohl notwendig, damit wir miteinander kommunizieren können. In Wirklichkeit sind qualitative Darstellungen aber immer mehr oder weniger willkürliche Grenzen, die wir einem quantitativen Spektrum setzen. Jemand ist hochbegabt, hochsensibel, ängstlich, mutig, jemand liebt, jemand hasst – es ist auch immer eine Frage der Intensität. Da gebe ich dir auf jeden Fall recht.

      Absolut recht hast du auch, dass es kein neues, einfach nur entgegengesetztes normatives Modell geben sollte. Wobei meine drei Fragen im Grunde aber auch keine normativen Modelle diesbezüglich sind und tatsächlich ja die Frage des Verliebtseins nicht einmal berühren.

      Mit und ohne Verliebtsein, oder in deinen Worten mit mehr oder weniger Gefühlen, die wir als Verliebtsein bezeichnen können oder auch nicht, impliziert das dreifache Ja nach meinem Verständnis, dass hier etwas zwischen uns ist. Und genau in diesem Sinne würde ich folgen, dass es nun gilt, zu schwimmen und nicht nur am Rand stehenzubleiben.

      Wo ich dir nicht ganz zustimme, ist die Aufforderung, auf jeden Fall hineinzuspringen, ohne nachzudenken. Dafür wissen wir aus der Literatur zu viel über das iummense Leid, das in toxischen Liebesbeziehungen entstehen kann, u. a. einer der häufigeren Gründe für Suizide und sogar zu Tötungsdelikte. Natürlich geht es so weit nur selten, aber es macht deutlich, was passieren kann, und meistens lassen sich im Vorfeld klare rote Flaggen erkennen, die nicht berücksichtigt wurden. Es rote Flaggen, an denen wir erkennen können, dass die Perspektive aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vorhanden ist. Ich glaube, hierauf sollten wir achten.

  • Jacqueline Schiller sagt:

    Der Beitag ist für mich zeitlich so passend, denn heute erhielt ich diese Nachricht:

    „… Ich habe die Zeit genutzt, um über uns und mich nachzudenken.
    Du bist so besonders, hast so viel Energie und Liebe und so viel Verständnis für mich und gibst mir so viel. Und ich kann dir das einfach nicht so zurückgeben, wie es sein muss und wie du es verdient hast. Das macht mich traurig. Ich weiß nur, dass mir was fehlt, damit es richtig anfühlt. Das merkst du ja auch. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass es funktioniert. Vielleicht hänge ich doch zu sehr an der Vergangenheit. Vielleicht sind wir doch nicht füreinander bestimmt. Vielleicht mache ich auch gerade alles falsch. Ich möchte dich nicht weiter immer enttäuschen. Du hast besseres verdient. Ich weiß auch nicht, ob es Sinn macht, es weiter zu versuchen und zu sehen, was wird. Mir fehlt die Verliebtheit, die Schmetterlinge…und die braucht es irgendwie schon, finde ich. Ich fühle mich nicht unwohl bei und mit dir und trotzdem scheint das nicht zu reichen. Es tut mir so leid und auch weh. Verstehen wirst du das sicher nicht. Du hast mir gesagt, was dir an mir fehlt. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Und ja, du hast wie so oft recht. Unbewusst und aus dem Bauch heraus war ich ja immer noch verhalten, was uns angeht. Wie gesagt, anfangs warst du meine Prinzessin aber warum auch immer, hat es sich anders entwickelt. Du hast nichts falsch gemacht. Aber scheinbar reicht es bei mir nicht, sonst wäre ich ja anders. Das ist mir die letzten Tage bewusst geworden. Das macht mich so traurig. Ich wollte dir niemals weh tun und weiß, das ich es gerade mache. Aber so halbherzig weiter zu gehen und zu hoffen…kann das eine gute Basis sein? Ich weiß, ich kann mir keine backen…
    Für mich fühlt sich auch gerade alles furchtbar an.
    Ich danke dir auf jeden Fall sehr für alles, deine Zeit, deine Liebe, die neue Sicht auf viele Dinge im Leben, deine Geduld und dein Verständnis. Ich würde dich gern so lieben, wie du es verdienst, aber das kann ich nun mal nicht erzwingen. …“

    Was kann ich denn tun, wenn der andere es so sieht, weiter so sehen will und keine andere Sichtweise einnimmt oder einfach die Beziehung probiert und fühlt?
    Ich habe selbst gespürt, dass es genauso funktioniert wie in den drei Beiträgen geschrieben. Vielen Dank dafür. Es ermutigt zumindest mich sehr, auch wenn es mich im Moment, die andere Person betreffend, leider nicht weiterbringt.
    Herzliche Grüße
    Jacqueline

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Danke, dass Du dies mit uns teilst. Ich finde es wirklich tragisch, weil es alles ein großer Irrtum ist und es nach dem, was ich hier lese, nicht den geringsten Grund gibt, auch nur deshalb an ein Beziehungsende zu denken. Wenn wir so viel Wert auf „Schmetterlinge“ legen, werden wir immer in Unsicherheit sein. Denn die Schmetterlinge halten ohnehin fast nie. Und in der Tat gibt es deshalb manchmal selbst nach Jahren guter Beziehungen Trennungen. Diejenigen, die so stark an die Macht und Notwendigkeit der Verliebtheit glauben, sind dann, wenn sie dies nicht ändern, in längeren Beziehungen immer im Risiko zu glauben, nun sei keine Liebe mehr da. Die gute Nachricht ist, dass viele dies doch lernen und irgendwann feststellen, dass eine Liebesbeziehung nicht auf dieses Gefühl angewiesen ist. Vielleicht wird es ja so auch in Eurem Fall!

    • Aurelin sagt:

      eine traurige Geschichte. und es steckt eine ganz eigene Art von Drama darin, weil Ihr beide so nicht erfahren könnt, ob es nicht doch gut werden kann und schön.

      ich sehe in ’seinem‘ Teil Deines Kommentars eine minimale Verschiebung von Verantwortung. Dieses Aussage, Du hättest ‚besseres verdient‘.
      Vor dem Hintergrund, dass Du wohl ihn wolltest, empfinde ich das als anmaßend. Gar nicht einmal in einer bösen Art. Es wird ja auch ersichtlich, dass er Dir nicht weh tun wollte, und dass ihm diese Beziehungsabsage selbst weh tut. Ich glaube das ist auch so, aber darin bleibt auch ungesagt, woran es eigentlich lag.
      Gleichzeitig ist aber auch davon die Rede, dass Du ihm sagtest, Dir fehle etwas an ihm …

      Nun, ich will und werde mir hier keine Coachingfragen anmaßen, dafür bin ich nicht qualifiziert, und der Rahmen ist der falsche.
      aber aus der Summe all meiner eigenen Beziehungserfahrungen des Scheiterns schließe ich persönlich, dass es die ungesagten Dinge sind, die eine Beziehung verhindern und scheitern lassen.
      Das knifflige daran: man sitzt nicht im Kopf des Partners.
      Aber immerhin im eigenen 🙂
      und Scheitern ist immer auch Chance für Weiterentwicklung, auch wenn‘s weh tut.

      ich wünsch Dir, dass Du einen guten Weg für Dich findest und auf diesem Weg eine erfüllende Beziehung.

  • Christopher Noc sagt:

    Hallo und ein schönes neues Jahr.

    Ich habe mir Ihren Artikel gerade durchgelesen.

    Allerdings seh‘ ich das Ganze anders:
    Ich selbst habe mich schon öfters in meinem Leben verliebt.

    Durch eigene Erinnerungen und Erfahrungen, zahlreiche Gespräche, die Dokumentation „EXPEDITION DURCH DEN KÖRPER“ sowie Ihr eigenes Buch „Guido F. Gebauer A Perfect Match?“ und Ihre selbst verfassten E-Mails und darin enthaltene Links komme ich zu folgenden Ergebnissen:

    Für eine Verliebtheit und Partnerschaft gibt es diese wichtigen Eigenschaften:

    1) Aussehen
    2) Stimme
    3) Geruch
    4) Charakter
    5) Humor
    6) Interessen
    7) Intelligenz

    Die hier aufgelisteten Eigenschaften, die für eine Verliebtheit und Partnerschaft wichtig sind, sind nach der Reihenfolge ihrer Wahrnehmung sortiert. Dabei ist die 1. Eigenschaft die als erste Wahrgenommene und die letzte Eigenschaft die als letzte Wahrgenommene.

    Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass die Reihenfolge der Wahrnehmung nicht der Reihenfolge der Wichtigkeit entspricht und nicht alle Eigenschaften nach deren erster Wahrnehmung schon in Gänze bekannt sind. Oftmals unterscheiden sich die Reihenfolge der Wahrnehmung und die Reihenfolge der Wichtigkeit voneinander. Darüber hinaus erfährt man viele Dinge über den potentiellen Partner erst dann, wenn man schon die nachfolgende Eigenschaft oder sogar schon alle wahrgenommen hat.

    Diese Auflistung ist daher vielmehr als ein 1. Eindruck zu sehen als ein vollständiger Scan der entsprechenden Person. Außerdem gilt auch zu bedenken, dass die hier aufgelisteten Eigenschaften von der Partnerschaft suchenden Person als sehr gut oder sogar perfekt empfunden werden müssen.

    Letztendlich müssen aber auch nicht alle der hier aufgelisteten Eigenschaften von der Partnerschaft suchenden Person als sehr gut oder sogar perfekt empfunden werden. Von diesen insgesamt 7 aufgelisteten Eigenschaften müssen wohl nur 4 als sehr gut oder sogar perfekt empfunden werden. Dabei sind Aussehen, Geruch, Charakter und Interessen auf sehr hohem oder höchstem Niveau für eine Verliebtheit und darauf basierende Partnerschaft essenziell. Mit dem Begriff „Interessen“ sind nämlich nicht nur für den potentiellen Partner wichtige Bereiche, sondern auch ethisch-moralische Überzeugungen und das Weltbild des potentiellen Partners gemeint. Die anderen 3 Eigenschaften müssen von der Partner suchenden Person nicht als sehr gut empfunden werden.

    Aus einem sehr guten oder sogar perfekten Aussehen und einem charakterlich sehr gut passenden Verhalten des potentiellen Partners ergeben sich die „Symptome der Verliebtheit“. Die Symptome der Verliebtheit sind Schmetterlinge und Hitze im Bauch, bei männlichen Menschen eventuell auch eine Erektion, schwitzige Hände, ein tonnenschwerer Körper, den man nur sehr schwer auf den potentiellen Partner zubewegen kann, riesige Freude und riesige Nervosität.

    Letztendlich sag‘ ich auf dieser Datengrundlage:
    „Ich habe die Symptome der Verliebtheit immer schon direkt gespürt. – Also, schon beim 1. Mal, wo ich einen attraktiven oder sehr attraktiven weiblichen Menschen das 1. Mal gesehen habe. Deswegen kam bei mir die Verliebtheit immer zuerst. Und wenn ich es jemals in eine Beziehung geschafft hätte, wäre die Beziehung erst nach der Verliebtheit gekommen.“

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Und wenn ich es jemals in eine Beziehung geschafft hätte, wäre die Beziehung erst nach der Verliebtheit gekommen.“

      Dies ist konsistent mit der Annahme, dass Verliebtheit kein hinreichender und übrigens auch kein notwendiger Prädiktor für das tatsächliche Entstehen einer Beziehung ist. Und weil in all diesen Fällen der Verliebtheit bei Dir offenbar keine Beziehung entstand, könnte sich sogar die Frage stellen, ob Du womöglich bereits in einer Beziehung wärest, wenn Du der Verliebtheit weniger Gewicht zugewiesen hättest. Gerade die Kontakte, wo die Verliebtheit da war, resultierten ja schließlich nicht in einer Beziehung. Vielleicht hast Du dadurch andere, tragfähige Möglichkeiten übersehen?

  • S sagt:

    Hallo Christopher! Bei deinen „Verliebtheitswahrnehmungen“ schwitziger Hände, riesige Nervosität und eines tonnenschweren Körpers, den man nur sehr schwer auf den Partner zubewegen kann würde ich eher auf ein ausgeprägtes Alarmsignal deines Nervensystems schließen, das dir sagen will, du machst hier gerade eine Bindungserfahrung, die dich an ein frühkindliches Trauma erinnert. Ob das ein guter Indikator für die Passung des Gegenübers und den Start einer Beziehung sein soll, möchte ich sehr stark bezweifeln!
    Liebe Grüße

  • Christopher Noc sagt:

    Ja, das versteh‘ ich.
    Es stimmt, dass eine Verliebtheit nicht unbedingt notwendig ist, um in eine Partnerschaft zu kommen. Und auch, dass man viel schneller und einfacher in eine Beziehung kommt, wenn man das Warten auf einen Menschen, in den man sich verliebt, vermeidet. Dadurch könnte ich wahrscheinlich schon in einer Beziehung mit dem passenden Pheromongeruch und den passenden charakterlichen, interessensmäßigen und vielleicht auch humormäßigen und intellektuellen Eigenschaften sein.

    Aber das reicht mir nicht. – Sag‘ ich ganz ehrlich.
    Wenn eine Partnerin nur vom Pheromongeruch, charakterlich, interessensmäßig und vielleicht auch humormäßig und intellektuell zu mir passen würde, wäre ich maximal nur zufrieden, aber nicht glücklich. Weil dann eine ganz entscheidende Eigenschaft, die mich glücklich oder überglücklich machen würde, fehlen würde.
    Erst, wenn eine Partnerin auch noch sehr schön ist, werd‘ ich in einer Beziehung wirklich glücklich.

    Ein sehr schönes Aussehen ist für mich nämlich interessensstiftend und für die Sexualität notwendig. – Das heißt also: Erst, wenn eine Frau sehr schön ist, hab‘ ich überhaupt erst Interesse, diese Frau anzusprechen und kennenzulernen. Und ich will auch nur mit sehr schönen Frauen Körperkontakt und Sex haben. Weil nur dann habe ich auch ein sexuelles Interesse.
    Man könnte auch sagen: Ein sehr schönes Aussehen ist die Initialzündung.

    Eine sehr angenehme Stimme wär‘ ein tolles Extra, aber nicht unbedingt notwendig. – Die Stimme sollte jetzt nicht abstoßend sein, aber mir reicht realistisch gesehen auch schon eine nur mittelmäßige Stimme.

    Außerdem ist mein Aussehenstyp und Persönlichkeitstyp so breit, dass ich am liebsten 2 Partnerinnen hätte. Die beiden Partnerinnen würden sich in Aussehen und Persönlichkeit so stark voneinander unterscheiden, dass eine Konkurrenz gar nicht möglich wäre. Weil jede Frau sozusagen ihre eigene „ökologische Nische“ hätte. – Das ist das Konkurrenzausschlussprinzip. Und genau das würde eine Partnerschaft mit 2 Partnerinnen sehr langfristig und stabil machen.

    Das heißt also: Ich wünsche mir eine Partnerschaft mit 2 Frauen, die sich in Aussehen und Persönlichkeit sehr voneinander unterscheiden und die beide vom Aussehen, Geruch, Charakter und Interessen sehr gut zu mir passen.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Wir haben alle für uns selbst die Möglichkeit, zu entscheiden, was unsere Präferenzen sind. Daran wollte ich in dem Artikel keinen Zweifel begründen. Mir ging es um diejenigen, deren Ziel eine Beziehung mit hoher Zufriedenheit ist. Wenn dies das Ziel ist, ist Verliebtheit nachweislich nicht vor Beziehungsbeginn notwendig. Wenn du aber die Verliebtheit an sich als Ziel hast und überzeugt bist, sonst kein Glück finden zu können, kannst du für dich dieses Kriterium natürlich anders setzen. Vielleicht hast du damit Erfolg, vielleicht auch nicht – aber als Single können wir ebenfalls glücklich werden.

      Insgesamt ist dein Kriterium jedoch ein wenig riskant, falls du damit ein Problem hättest, Single zu bleiben, und es ist auch für die andere Person riskant. Denn das, was du an Gefühlen beschreibst, wird nur in den wenigsten Fällen dauerhaft fortbestehen. Wenn dies zur Voraussetzung einer Beziehung gemacht wird, wird sich diese Beziehung eines Tages vermutlich auflösen, außer du änderst dein Kriterium. Viele suchen jedoch auch Verbindlichkeit und Sicherheit, also die Aussicht, dass beide auch in der Beziehung bleiben wollen. Auch das können wir nicht erzwingen, und wir können es nicht sicher vorhersagen. Die von dir beschriebenen Kriterien reduzieren nach meiner Einschätzung diese Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich.

  • Christopher Noc sagt:

    Hallo S,

    es stimmt, dass ich eine harte Kindheit und teilweise auch Jugend hatte. Deswegen war ich auch bis als junger Erwachsener schüchtern.
    Nur bei Genervtheit, Ärger und Wut konnte ich mich als Kind und Jugendlicher gegen andere durchsetzen.

    Aber seit der 1. Woche der 9. Klasse wurde meine Schüchternheit langsam immer weniger, bis ich sie im November 2023 verloren habe.
    Im Mai 2014, von September 2014 bis März 2015, von Juni 2017 bis Dezember 2018 und von November 2023 bis März 2025 habe ich mich aktiv um eine Partnerschaft bemüht. Das alles war persönlich, vor Ort.
    Von November 2023 bis März 2025 habe ich mich durch die Unterstützung eines damaligen Freundes und das Ansehen und Anhören einiger Videos und Podcasts von Dating-Coaches um Frauen verschiedenster Herkunft bemüht.

    Seit Januar 2025 bin ich schon bei Gleichklang, um hier Menschen zu finden, die besonders gut zu mir passen. Durch die vielen Angaben über einen selbst und die vielen angegebenen Wünsche für eine Partnerschaft hoffe ich, eine Partnerschaft zu finden, die wirklich zu mir passt.

    Aber ich würde hier nicht von einem ausgeprägten Alarmsignal meines Nervensystems reden, weil das sehr negativ klingt. So, als wäre der potentielle Partner eine Gefahr für einen.
    Ich würde hier einfach nur von der Angst, selber etwas falsch zu machen, der Angst, dass der potentielle Partner einen verspottet oder genervt, verärgert oder wütend reagiert, und der Angst, dass andere einen verspotten oder gegen diesen Kontakt vorgehen, reden. – Wer z. B. dagegen vorgehen könnte, wäre der Partner der entsprechenden Person, von dem man noch gar nichts wusste.

  • Christopher Noc sagt:

    Hallo Herr Gebauer.

    Ja, das sind natürlich die Risiken.
    Dass man bei sehr hohen Erwartungen entweder sehr lange, oder sogar für immer Single bleibt. Weil es natürlich immer unwahrscheinlicher wird, einen passenden Partner zu finden, je höher die Erwartungen sind.

    Deswegen guck‘ ich auch immer mal wieder, wo ich vielleicht Erwartungen runtersetzen kann. Aber es gibt auch viele Dinge, da kann ich keine Erwartungen runtersetzen, weil sie Prinzipien sind.

    Ja, auch als Single kann man glücklich werden.
    Aber in meiner Lebensplanung ist unter anderem auch eine Partnerschaft vorgesehen. In meinem Fall werde ich auch in allen möglichen anderen Bereichen eingeschränkt oder habe Probleme. Deswegen kann ich mit diesem Leben nicht glücklich werden.

    Genau deswegen ist eine Partnerschaft sehr wichtig, um mein eigenes Glück zu finden.

    • Guido F. Gebauer sagt:

      Selbstverständlich drücke ich für eine Partnerschaft auch alle Daumen – gerade weil sie wichtig ist. Vielleicht auch noch einmal überlegen, ob sie womöglich doch aus einer sich vertiefenden Sympathie entstehen könnte. Das aber nur als kleine Anregung und Tipp. Ich glaube schon, dass Lebensglück möglich ist, auch wenn wir mit Einschränkungen und Problemen konfrontiert sind. Partnerschaft ist ein Aspekt des Glücks – aber es gibt noch andere, zum Glück

      • Christopher Noc sagt:

        Vielen Dank.

        Ja, Sympathie ist natürlich sehr wichtig für eine Partnerschaft. – Ich überleg‘ mir mal, wo ich vielleicht noch Erwartungen runtersetzen kann.
        Aber viele Dinge sind auch Prinzipien. Da kann ich keine Erwartungen runtersetzen.

        Ja, und ansonsten sollte man natürlich auch die angenehmen, kleinen Dinge im Leben sehen. Dann kann man sich auch mal trotz Einschränkungen und Problemen freuen.

  • Christopher Noc sagt:

    Vielen Dank.

    Ja, ich überleg‘ mir mal, wo ich noch Erwartungen runtersetzen kann. Aber viele Dinge sind auch Prinzipien. Da kann ich keine Erwartungen runtersetzen.

    Ja, Sympathie ist natürlich sehr wichtig für eine Partnerschaft. – Sie ist sogar DER wichtigste Aspekt.

    Ja, ansonsten geht es auch noch darum, schon durch angenehme, kleine Dinge zufrieden zu sein.

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