Online-Partnersuche zwischen Vertrauen und Verantwortung

In diesem Artikel erfahren Sie, warum Gleichklang seinen Weg bewusst gegen den Strom des Online-Datings geht – und was das für unsere Beziehungssuche bedeutet. Auch zur in wenigen Tagen online gehenden neuen Gleichklang-Plattform erfahren Sie am Ende dieses Artikels mehr.

So kann das Geschäftsmodell des Online-Datings die Bindungsbereitschaft senken

In meinem letzten Blogartikel hatte ich über eine Studie geschrieben, die womöglich für manche überraschende, in jedem Fall jedoch beunruhigende Ergebnisse hatte:

  • Die Bindungsbereitschaft von Teilnehmenden in einem Experiment zum Online-Dating sank in dem Moment, in dem ihnen – fälschlicherweise – mitgeteilt wurde, dass es weitere Profile gäbe.

Dieser Befund ist deshalb relevant, weil das gesamte Geschäftsmodell des Online-Datings im Grunde darauf beruht, dass Teilnehmenden angeboten wird, aus Alternativen zu wählen, und ihnen zugleich die Möglichkeit zugesagt wird, künftig weitere Alternativen präsentiert zu bekommen.

Gleichzeitig hatte ich in meinem vorherigen Blogartikel eine Studie vorgestellt, die zeigte, dass Personen mit geringer Bindungsbereitschaft seltener Partnerinnen zu einem späteren Zeitpunkt fanden als Personen mit hoher Bindungsbereitschaft.

Das Ganze spielt sich übrigens wohl auf einer Zwischenebene zwischen Bewusstsein und Unbewusstem ab:

  • Würden die Betroffenen direkt befragt, warum sie noch Single sind, würden vermutlich die wenigsten angeben: „Weil ich nicht bindungsbereit bin“. Eher würde von unpassenden anderen Personen, mangelnden Gelegenheiten, schlechten Dating-Plattformen, vielleicht auch mangelnder Zeit etc. gesprochen werden.

Zusammengenommen ergeben diese Befunde die beunruhigende Aussicht, dass womöglich ausgerechnet das Geschäftsmodell des Online-Datings die Bindungsbereitschaft der Teilnehmenden senken kann.

Ziehen wir nun auch noch den zusätzlichen Befund hinzu, dass die Single-Raten ausgerechnet in der Zeit explodierender Kontaktmöglichkeiten steigen, komplementiert sich das Bild:

  • Womöglich liegt das Steigen der Single-Raten auch daran, dass aufgrund des Geschäftsmodells des Online-Datings, welches auf Alternativen beruht, die Bindungsbereitschaft der Teilnehmenden sinkt und sie daher seltener eine Partnerschaft finden.

Auf meinen Artikel erreichte mich ein Kommentar eines Lesers, auf den ich gerne eingehen möchte. Ich möchte dies mit allen Leser:innen teilen, weil sich hier ein ernst zu nehmendes Problem zeigt, dem wir tatsächlich auch außerhalb des Datings an allen Ecken und Enden in unserem Alltag begegnen:

Kritische Rückmeldung eines Lesers

  • Ein Leser äußerte zu meinem Artikel insbesondere die Bedenken, dass meine Interpretation wissenschaftlicher Befunde zu eng an das eigene Angebot gebunden sein könnte. Er sah die Gefahr eines Interessenkonflikts, wenn ein Betreiber einer Dating-Applikation psychologische Annahmen formuliere, die das eigene Geschäftsmodell stützen. Aus seiner Sicht fehle es an einer ausreichenden transparenzbezogenen Distanz, da wissenschaftliche Begriffe selektiv eingesetzt werden könnten und so die Grenze zwischen psychologischer Information und Marketing verschwimme. Er betonte, eine seriöse Darstellung erfordere das klare Benennen von Unsicherheiten, Grenzen und Gegenbefunden, gerade wenn wirtschaftliche Interessen im Hintergrund stehen.

Zur berechtigten Frage nach Interessen, Marketing und wissenschaftlicher Verzerrung

Im Grunde kann ich den Aussagen des Lesers nur zustimmen, wenn ich sie in unserem bestehenden gesellschaftlichen Kontext betrachte:

  • Dienstleister:innen betreiben Marketing, um die Anzahl der entsprechenden Nutzer:innen zu erhöhen oder bestehende Nutzer:innen dazu zu motivieren, die Dienstleistungen weiter in Anspruch zu nehmen. Die von Unternehmen entsprechend gegebenen Informationen dienen also einem eigenen Zweck. Es ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die entsprechenden Informationen oft selektiv sind.

Ein großer Teil von Informationen, die uns über die verschiedenen medialen Kanäle und sozialen Netzwerke erreichen, dient tatsächlich direkt oder indirekt den Interessen von Unternehmen. Vor diesem Hintergrund besteht überall die Gefahr eines Bias.

Leider betrifft dies allerdings keineswegs nur die direkte Darstellung von Unternehmen, sondern sogar die Wissenschaft selbst:

Sachlage ist, dass ein erheblicher Anteil an wissenschaftlichen Projekten zum aktuellen Zeitpunkt durch Unternehmen direkt oder indirekt finanziert oder mitfinanziert wird. Zudem werden durch solche Finanzierungsschwerpunkte aber auch allgemeine Themensetzungen forciert, denen selbst Wissenschaftler:innen folgen, die nicht durch Unternehmen direkt oder indirekt finanziert werden. Denn auf wissenschaftliche Befunde wird oftmals geantwortet, Replikationen oder Widerlegungen werden angestoßen. Allein durch die Förderung von Forschungsprojekten können so ganze Forschungsbereiche kreiert oder Schwerpunkte gesetzt werden.

Natürlich haben Medien, die ebenfalls Unternehmen sind. Also etwa Zeitungen, Magazine, soziale Netzwerke, Fernsehsender etc. Selbst ein staatlicher Rundfunk hat ein Interesse. Einerseits wird zunehmend auch hier Wirtschaftlichkeit erwartet, anderseits gibt es Lobbyinteressen, die sich an Entscheidungsträger:innen und Kontrolleur:innen werden.

Insofern betrifft der Einwand des Lesers letztlich alles, was in unserer Gesellschaft existiert – von Wissenschaft über staatliches Handeln, das in Wirklichkeit ebenfalls durch wirtschaftliche und privatwirtschaftliche Interessen beeinflusst sein mag. Es handelt sich also um ein globales Problem, keineswegs nur um eine spezifische Kritik an Gleichklang.

Trifft die Kritik des Lesers auf meinen Artikel zu?

Die Kritik des Lesers ist absolut nachvollziehbar, und ich denke, es handelt sich um Fragen, die sich auch andere Leser:innen aus guten Gründen stellen.

Trotzdem, denke ich, trifft die Kritik des Lesers in diesem Fall nicht zu. Dies möchte ich im Folgenden verdeutlichen und damit gleichzeitig diesem Artikel eine positive Perspektive geben:

  • Trotz alledem, trotz der Sachlage, dass ein riesiger Teil von Interessen, von Informationen in unserer Gesellschaft rein interessenbasiert geprägt ist, bedeutet dies nicht, dass alle Informationen falsch wären. Zudem können auch Unternehmen oder andere wirtschaftlich Tätige – also alle, mit deren Handeln ein direktes oder indirektes ökonomisches Interesse verbunden ist – das eigene Interesse haben, die Wirklichkeit zu erkunden, wie sie ist, und dies auch korrekt mitzuteilen.

Warum bei Gleichklang die Psychologie das Geschäftsmodell bestimmt – und nicht umgekehrt

Tatsächlich ist es im Fall von Gleichklang genau umgekehrt, als der Leser denkt:

  • Nicht das Geschäftsmodell bestimmt unsere Struktur und unser Vorgehen, sondern die Struktur und das daraus abgeleitete Vorgehen bestimmen unser Geschäftsmodell.

Unser ursprüngliches Interesse – schon im Psychologiestudium als Idee – war, eine Struktur zu schaffen, die die Beziehungsfindung auf der Basis psychologischer Erkenntnisse optimieren kann. Das Ergebnis ist unsere heutige Plattform. Das Geschäftsmodell entstand aus der psychologischen Struktur, aus dem Interesse an einer psychologisch maximal auf die Beziehungsfindung ausgerichteten Struktur heraus. Es ist von daher nicht die Ursache der von uns implementierten Struktur, sondern ihre Folge.

Und genau deswegen haben wir auch über die letzten 20 Jahre immer wieder erhebliche Veränderungen, insbesondere unseres Matching-Algorithmus, umgesetzt, eben weil sich wissenschaftliche Befunde veränderten:

  • Am Anfang stand etwa die Persönlichkeitsähnlichkeit ganz im Vordergrund – manche Plattformen halten daran seit Jahrzehnten nach wie vor fest. Da aber der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass die allgemeine Persönlichkeitsähnlichkeit höchstens eine geringe Rolle spielt, haben wir unsere Plattform umstrukturiert.
  • Hauptsächlich wird mittlerweile nach Passung zentraler Lebenskonzepte vermittelt, die die Basis für eine mögliche Kompatibilität beinhalten.

Hätten sich die psychologischen Befunde nicht in dieser Weise geändert, hätten wir an unserem ursprünglichen Ansatz festgehalten, der ökonomisch nach wie vor – wie andere Plattformen zeigen – ohne Weiteres vertretbar ist. Eben weil offenbar mithilfe von Marketing auch solche Modelle zum Erfolg gebracht werden können, die aktuellen wissenschaftlichen Befunden widersprechen.

Wo wir von Marketing-Ratschlägen abweichen

Marketingtechnisch entspricht vieles von dem, was Gleichklang tut, genau nicht dem, was Marketingexpert:innen empfehlen:

  • Ich erinnere mich an eine der ersten Empfehlungen einer größeren Werbeagentur, die wir zu Beginn unserer Tätigkeit im Sinne einer Anfrage eingeschaltet hatten. Wir hatten gerade erst gestartet. Es gab damals noch kein einziges Gleichklang-Paar.

Was jedoch war die Empfehlung der Marketing-Agentur?

  • Sofort Erfolgspaare im Internet präsentieren.

Wir haben mit der Agentur sodann keine Zusammenarbeit begonnen.

In einem zweiten Bereich halten wir uns nicht an die Marketingempfehlungen:

  • Gerade für den Online-Bereich, wo mit der Nutzung eines Angebotes nicht sofort sichtbare Kosten für den Anbieter entstehen, wird es allgemein empfohlen, Personen sofort eine kostenlose Teilnahme zu ermöglichen.

Dabei gilt, dass das Kostenlos keineswegs unbedingt die Realität zu sein braucht, es genügt, wenn es so heißt, aber de facto anders ist:

  • Dies können wir bei den größten deutschsprachigen Dating-Plattformen hervorragend sehen, wo die kostenlosen Test-Accounts tatsächlich mit keinerlei brauchbarer Funktionalität, also keinerlei Möglichkeit , Partner:innen zu finden, verbunden sind.

(Dies gilt nicht für die Dating-Apps wie Tinder, wo die kostenlosen Varianten echte Funktionalität beinhalten.)

Ziel solcher kostenlosen Test-Mitgliedschaften bei Dating-Plattformen ist es nicht, etwas für die Nutzer:innen zu tun. Vielmehr liegen dieser Methode die folgenden Ziele zugrunde:

  • Es ist so einfach, eine große Anzahl von Mitgliedern zu gewinnen, mit der geworben werden kann. Auch können so ohne Wartezeiten jederzeit Vorschläge gemacht werden. Da viele glauben, das helfe der Partnerfindung, wirkt sich dies günstig für die Plattformen aus.
  • Gleichzeitig entsteht ein großer Pool an Interessent:innen, die so dann für kostenpflichtige Premium-Angebote gewonnen werden können.

Bei den großen Partnervermittlungen im deutschsprachigen Raum wird dies so gehandhabt, dass die Funktionalität für die kostenlosen Accounts so stark eingeschränkt ist, dass Mitglieder weitestgehend gezwungen sind, auf einen kostenpflichtigen Account zu wechseln, wenn sie auch nur die geringsten Möglichkeiten haben wollen, jemanden kennenzulernen.

Letztlich fungieren die deb kostenlosen Teilnehmenden gemachten Vorschläge als Lockreize, um die Inanspruchnahme der Bezahlfunktion anzuregen.

Ging es uns bei Gleichklang um rein wirtschaftliche Überlegungen …

Würde die Struktur von Gleichklang vorwiegend durch an Gewinn orientierte Überlegungen bestimmt, hätten wir von Anfang an kostenlose Mitgliedschaften angeboten.

Und wir hätten in diesem Fall fraglos – wie wir in unserer eigenen Datei sehen können – schon jetzt mindestens einige hunderttausend Mitglieder.

Warum wir dem Marketingtrend nicht folgen?

Wir folgen dem Trend nicht, weil er im diametralen Gegensatz zu dem Ziel einer tatsächlichen Beziehungsfindung über das Internet steht. Dies ergibt sich aus einer einfachen psychologischen Beobachtung:

  • Kostenlose Angebote werden gerne angenommen, auch wenn ein ernsthaftes Interesse gar nicht besteht. Gerade im Internet, wo sich die kostenlosen Angebote quasi als Selbstverständlichkeit eingebürgert haben, wird die Schwelle erst durch eine Kostenpflicht so stark erhöht, dass sich wirklich nur noch diejenigen anmelden, die tatsächlich ein ernsthaftes Interesse haben.

Für die Beziehungsfindung ist jedoch das ernsthafte Interesse an einer Beziehungsfindung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung:

  • Wenn wir also erfolgreich sein wollen bei der Beziehungsvermittlung, helfen uns kostenlose Angebote nicht. Im Gegenteil, sie schaden. Denn bei kostenlosen Angeboten melden sich vielfach auch Personen an, die andere Motive haben, als sie der Beziehungssuche entsprechen.

Dies ist auch der Grund, warum Studien zeigen, dass bei Tinder hochgradig heterogene Motive bestehen und die Partnersuche alles andere als an erster Stelle steht.

Bei Gleichklang ist dies tatsächlich anders:

  • Wer sich hier anmeldet und Partnersuche als Option anklickt, sucht nahezu immer vorrangig tatsächlich nach einer partnerschaftlichen Beziehung.

Vielfältige weitere Probleme sind mit kostenlosen Angeboten verbunden:

  • Andere Motive, wie  virtuelle Chats oder Ablenkung, verleiten Personen dazu, sich mit zahlreichen Profilen anzumelden. Dabei können dann unter anderem Altersangaben, Bildungsangaben, geschlechtsbezogene Angaben frei variieren. Das Phänomen ist allgemein bekannt und wird als Fake-Profil bezeichnet. Es kann auch bei kostenpflichtigen Angeboten keineswegs ausgeschlossen werden, ist jedoch bei kostenlosen Angeboten absolut virulent.

Es spricht für sich, dass sich hieraus erhebliche Erschwernisse für die Partnerfindung ergeben.

Aber es können sogar ernsthaftere Gefahren entstehen:

  • Love-Scammer sind also Internet-Betrüger:innen, die über Online-Dating-Plattformen und soziale Netzwerke Kontakte aufnehmen, Liebe vortäuschen und im Anschluss Geldforderungen stellen. Wir bemühen uns mit allen Möglichkeiten der manuellen Prüfung jedes Profils, technischer Abgleiche wie auch durch die Rückmeldung von Mitgliedern, solche Profile zu erkennen und zu sperren. Dies gelingt jedoch nicht immer. Meistens kommt es jedoch selbst dann nach nicht allzu langer Zeit dazu, dass Profile automatisch gesperrt werden, weil Zahlprozesse platzen. Denn Love-Scammer verwenden nicht ihre eigenen Zahldaten, sondern die Zahldaten anderer Personen, die – wenn sie dies merken – Gelder zurückrufen. Auch dieser Mechanismus der zusätzlichen Sicherheit fällt bei kostenlosen Profilen weg.

Wir haben uns daher vom ersten Tag an für einen ausschließlich kostenpflichtigen Beginn entschieden. Dies ist nicht der leichtere, sondern der schwerere Weg, wie wir gerade in den Anfangsjahren schmerzlich erlebten.

Kostenpflicht ohne Exklusion: Warum unser Modell inklusiv bleibt

Die Sachlage der Kostenpflicht verbinden wir bei Gleichklang gleichzeitig mit einer konsequenten Inklusion:

  • Vor dem Hintergrund unserer ökologisch und sozial orientierten Ausrichtung möchten wir keine Plattform betreiben und möchten auch niemandem das Gefühl geben, Mitglied einer Plattform zu sein, die Personen mit finanziellen Engpässen ausschließt.

Da aber die Lösung kostenlos nicht möglich ist, weil dies die Beziehungsfindung schädigt, haben wir daher unsere Ermäßigungsangebote eingeführt:

  • Jedes Mitglied kann zwischen dem Normaltarif und dem Standardermäßigungstarif einfach per Klick auswählen.
  • Alle Personen, die über so begrenzte finanzielle Ressourcen verfügen, dass sie auch den Standardermäßigungstarif nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten begleichen könnten, können sich an uns wenden und erhalten die Möglichkeit zu einem besonderen Ermäßigungstarif. Standardmäßig sind dies 24 Euro im Jahr.
  • Weitere Ermäßigungen beziehen sich auf 18, 12 und 6 Euro im Jahr. In Fällen existenzieller finanzieller Not wird der Ermäßigungstarif auf 1 EUR reduziert.

Wir stellen die Möglichkeit dieses Ermäßigungstarifs an verschiedensten Stellen auf unserer Webseite dar, einschließlich in der Gebührenliste:

  • Mit diesem Vorgehen ermöglichen wir es einerseits, durch die Kostenpflicht unsere Datei vor dem ansonsten nicht vermeidbaren Zustrom unseriöser Profile zu schützen, und gleichzeitig niemanden von Gleichklang auszuschließen.

Wäre dieses Vorgehen für uns ökonomisch effektiv, würden sicherlich auch die vielen großen und kleineren Dating-Plattformen ähnliche Angebote offerieren. Die Ermäßigungs- und Sozialtarife bleiben jedoch unser Alleinstellungsmerkmal im gesamten deutschrachigen Bereich.

Selektive und nicht-transparente Informationen?

Im Kommentar wird zudem befürchtet, dass wir – um unser Wirtschaftsmodell zu unterstützen – selektive und intransparente Informationen geben. Auch dieser Vorwurf ist grundsätzlich gesellschaftlich alles andere als von der Hand zu weisen. Der Begriff ist bekannt unter der Bezeichnung Rosinenpickerei:

  • Aus wissenschaftlichen Befunden picken sich interessegeleitete Organisationen, aber auch Privatpersonen dasjenige heraus, was ihren Standpunkt bestätigt.

Im Fall von Gleichklang ist es allerdings umgekehrt:

  • Wir lesen den wissenschaftlichen Forschungsstand nicht, um uns Rosinen herauszupicken, sondern um unsere Vorgehensweise kontinuierlich anzupassen. Finden wir Informationen, die mit unserem aktuellen Vorgehen nicht in Einklang stehen und sich als ausreichend stabil und zuverlässig darstellen, ändern wir unser Vorgehen.

Bezüglich der Blogartikel möchte ich ergänzen, dass alle externen wissenschaftlichen Studien – das ist die große Mehrheit der zitierten Befunde – immer mit einem Link zu dem entsprechenden Originalartikel versehen sind:

  • So können sich Leser:innen, wenn sie es möchten, vergewissern, dass die Befunde korrekt dargestellt werden und können sich gleichzeitig im Überblicksteil des Artikels auch über den Kontext und andere Befunde informieren.

Im vorliegenden Fall handelt es sich meines Wissens um die einzige Studie, die konkret im Dating-Bereich die Auswirkungen rein imaginierter Alternativen auf die Bindungsbereitschaft untersuchte. Deshalb habe ich es bei der Darstellung dieser einen Studie belassen.

Grundsätzlich handhabe ich es bei meinen Blogartikeln so ähnlich wie damals, als ich noch als Gerichtsgutachter im Strafverfahren tätig war:

  • Gerichtsgutachter:innen im Strafverfahren sehen sich widerstreitenden Interessen ausgesetzt. Richter:innen haben Vorstellungen über konkrete Fälle und sind gleichzeitig die Auftraggeber:innen, die also über den wirtschaftlichen Erfolg der Gutachter:innen entscheiden. Rechtsanwält:innen und die betroffenen Straftäter:innen haben oftmals gänzlich andere Interessen, können sich ggf. gegen Gutachter:innen massiv zur Wehr setzen. Interessen gibt es ebenfalls seitens der Staatsanwaltschaft sowie seitens der Öffentlichkeit, wobei dies bis hin zur Skandalisierung von Gutachtenergebnissen in Medien gehen kann. Es handelt sich insofern um eine Tätigkeit, in der ganz offensichtlich Interessen-Kollisionen zum Normalfall gehören.

Wie wirkt sich dies aus?

  • Werden sich alle Gutachter:innen ausschließlich an den Ansichten der Richter:innen orientieren, da diese die Auftraggeber:innen sind, die aus eigenem Ermessen frei entscheiden können, welche Gutachter:innen sie heranziehen, und damit über den wirtschaftlichen Erfolg der Gutachter:innen entscheiden?
  • Oder ist der Einfluss der Öffentlichkeit stärker, zum Beispiel aufgrund der Furcht, negativ in den Medien besprochen zu werden?
  • Oder möchten sich Gutachter:innen scharfen Befragungen durch Rechtsanwält:innen entziehen, die sich auch auf ihre Kompetenzen beziehen können?

Die Sachlage ist, dass all diese Einflüsse in gewisser Weise fraglos wirksam sein werden, zumal unser Verhalten eben nicht nur durch explizite Intentionen, sondern auch implizit beeinflusst wird.

Trotzdem entspricht es nicht der Realität, dass damit alle Gutachten nur noch interessegeleitet erstellt werden. Ich selbst habe es mir bei Gutachten zur Richtschnur gemacht, alle möglichen Interessen oder mögliche Konsequenzen komplett auszublenden, um allein anhand der vorliegenden Befunde zur letztendlichen gutachterlichen Aussage zu gelangen. So wurde es dann losgesandt, egal, wessen tatsächliche oder vermutete Interessen sich welche Antwort wünschten. Genauso handhabten das viele andere Kolleg:innen ebenfalls.

Sprich:

  • Auch bei offensichtlichen Interessenkollisionen – und selbst wenn eigene Motive und Interessen ebenfalls eine beträchtliche Rolle spielen – ist es uns Menschen möglich, dennoch realitätsbezogen zu handeln.

Bei meinen Blog-Artikeln handhabe ich es auf die gleiche Art und Weise.

Alternative Strukturen im bestehenden ökonomischen System

Es steht wohl außer Zweifel, dass unser ökonomisches System keineswegs davon angetrieben wird, die Lebensbedingungen aller Menschen, Tiere sowie den Erhalt unserer Umwelt zu maximieren.

In Zeiten von Klima-, Biologie- und Umweltkatastrophen, Kriegen, Unterdrückung und Grausamkeit wäre es vermessen, dies auch nur als ernsthafte Möglichkeit zu erwägen.

Trotzdem gibt es innerhalb dieses ökonomischen Systems ebenfalls alternative ökonomische Strukturen, die sich darum bemühen, einen positiven oder mindestens keinen negativen Beitrag bezüglich des Wohlergehens von Mensch, Umwelt und Tier zu leisten.

Wir sehen solche Strukturen unter anderem – um nur instruktiv an ein paar Beispiele zu gehen – in den vielen kleinen Biogeschäften, in vegetarischen und veganen Restaurants, mindestens bei den kleinen Produzent:innen von veganer Biokost, bei Fair-Trade-Anbietern, Kooperativen, Genossenschaften und in vielen weiteren Bereichen.

All diese wirtschaftlich Tätigen haben dennoch eigene wirtschaftliche Interessen. Wollen wir daraus schließen, dass alle von ihnen nunmehr nur noch der Irreführung von potenziellen Konsument:innen oder Klient:innen dienen, um diese maximal auszubeuten?

Wäre dies so, lebten wir wahrlich in einer Dystopie ohne Hoffnung. Glücklicherweise spricht wenig dafür, dass es so ist:

  • Gerade Menschen, die sich mit einem bestimmten Ziel – etwa vegane Lebensweise, nachhaltige Lebensführung – identifizieren, versuchen ganz natürlicherweise, einen Großteil ihrer Zeit für diese Ziele aufzuwenden. Deshalb wollen sie ungern in Berufen tätig sein, in denen sie womöglich das Gegenteil dessen tun, wofür sie einstehen, oder wo sie ihre Zeit mit gänzlich anderen Dingen verbringen, die ihnen eigentlich nicht am Herzen liegen. Deshalb neigen wir als Menschen dazu, wenn es uns möglich ist, uns auch beruflich so zu betätigen, wie es unseren eigenen Idealen entspringt.

Wir werden sicherlich nicht komplett aus den wirtschaftlichen Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft entkoppelt. Aber wir sind als Menschen dennoch dazu befähigt, uns durch wirtschaftliche Interessen nicht so dominieren zu lassen, dass wir uns aktiv daran beteiligen, diese Welt noch weiter zu schädigen.

Vorherige Artikel von mir zu gesellschaftlichen Themen und auch zur Verankerung der Gleichklang-Community sind u. a.:

Die Bedeutung von Vertrauen im Prozess der Beziehungsfindung

Fraglos ist ein nicht unerheblicher Anteil unserer Bemühungen bei Gleichklang darauf ausgerichtet, Vertrauen zu schaffen. Denn ohne Vertrauen in unsere Dating-Plattform werden beide Ziele nicht gelingen:

  • Weder die Partnerfindung der einzelnen Mitglieder noch das Fortbestehen und der ökonomische Erfolg unserer Plattform.

Das Thema des Vertrauens ist im Dating-Bereich brisant. Aus guten Gründen sind viele vorsichtig. So verwenden allein im deutschsprachigen Raum nach einer Übersicht der Verbraucherzentrale 187 Plattformen Chat-Moderator:innen, die rege in Kontakt treten, in Wirklichkeit aber natürlich niemals für eine Beziehung zur Verfügung stehen. Dies als ein krasses Beispiel zur Verdeutlichung.

Vertrauen ist aber nötig, weil Partnerfindung eine andere Sache ist als das Kaufen eines Stücks Kuchens:

  • Kaufen wir den Kuchen, erfolgt die Transaktion innerhalb von Minuten, und wir können sicher sein, in aller Regel das Produkt auch zu erhalten. Sicherlich ist es eine andere Frage, ob es uns nun schmeckt oder nicht. Für die Zukunft könnten wir aber gegebenenfalls woanders kaufen.

Die Nutzung einer Dating-Plattform ist mit solch einer Transaktion jedoch nicht vergleichbar – auch wenn sie leider oft damit verglichen wird:

  • Die Partnerfindung ist ein Prozess, der komplett außerhalb der Kontrolle der Plattform selbst liegt, sondern sich aus den Interaktionen der Mitglieder ergibt. Außerdem zeigen alle unsere Auswertungen (aber auch verfügbare Informationen aus der Literatur), dass Partnersuche in sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufen kann. Manche finden sofort, andere nach Monaten, andere nach Jahren, manche gar erst nach vielen Jahren.

Im Durchschnitt dauerte es bei erfolgreichen Gleichklang-Mitgliedern  zwei Jahre. Was wiederum in unseren Daten den gesamten Bereich von wenigen Tagen bis zu über 11 Jahren umfasst.

Natürlich können Personen aber bei Gleichklang eine Partnerschaft nicht mehr finden, wenn sie ihre Teilnahme beenden. Entsprechend können wir auch nur dann hohe Vermittlungsraten erreichen, wenn ein erheblicher Anteil der Mitglieder bereit ist, bei uns gegebenenfalls auch eine erhebliche Zeitdauer zu verbringen.

Da der Erfolg jedoch typischerweise erst am Ende steht, nämlich kurz bevor die Plattform verlassen wird, ergibt sich eine unauflösbare Koppelung von Vertrauen und Beziehungsfindung.

Ich kann völlig verstehen, dass niemand gerne einem Unternehmen oder einer Plattform vertraut. Ändern kann ich die Notwendigkeit, zu vertrauen, jedoch leider nicht. Letztlich kann ich aber Folgendes empfehlen:

  • Suchen Sie alles im Internet, was sie über Gleichklang finden können. Die Sachlage ist, dass es uns seit fast 20 Jahren gibt. Wir gehören damit zu den ältesten Dating-Plattformen im deutschsprachigen Raum.
  • Überzeugen Sie sich, dass wir öffentlich präsent bleiben. Sie finden uns genau dort (zum Beispiel in Anzeigen bei Schrot & Korn oder in veganen Magazinen), wo sich die Interessenslage und Ausrichtung unserer Mitglieder lokalisiert.
  • Wer uns als Mitglied schreibt, erhält von unserem Kundensupport immer und zeitnah Antwort, und wir bemühen uns, alle individuellen Probleme zu lösen. Nutzen Sie diese Möglichkeit.
  • Demnächst werden unsere Mitglieder auch sehen, dass wir bereit und in der Lage sind, eine Neuaufsetzung unserer Plattform zu ermöglichen.

Ich hoffe, dass diese Fakten genug Anlass geben, bei aller Skepsis und bei allen Zweifeln dennoch so viel Vertrauen zu investieren, dass Ihnen eine Beziehungsfindung bei Gleichklang gelingt.

Ein neuer Beginn – und doch bleibt das Wesentliche bestehen

Irgendwann in der nächsten Woche wird Gleichklang für ein bis zwei Tage nicht erreichbar sein. Im Anschluss erscheinen wir in neuem Gewand. Bei der Neuaufsetzung haben wir zahlreiche Wünsche von Mitgliedern berücksichtigen und umsetzen können.

Wir haben uns auch noch einmal alles angeschaut, was der psychologische Forschungsstand über Beziehungsfindung zu bieten hat, um gegebenenfalls Änderungen vornehmen zu können.

Im Ergebnis bleibt das meiste gleich. Das bedeutet, dies dürfte auch den Schock vermindern, der immer entsteht, wenn plötzlich eine Plattform vollkommen anders aussieht.

Hintergrund ist, dass viele Merkmale des modernen Online-Datings in Wirklichkeit Beziehungen entgegenstehen:

  • Kurzfristige Belohnungsreize, animierte Kommunikation, Vermittlung nach Geodaten und vieles weitere führen nach allem, was wir wissen, typischerweise nicht zu tragfähigen Beziehungen.
  • Auch die Anregung zu kürzesten Hallo-Nachrichten durch auf den ersten Blick eng begrenzte Messenger-Bereiche dient nicht einem authentischen Austausch.
  • Die Anzeige des Online-Status ist geradezu verheerend und schafft ein System des Misstrauens (was macht er/sie gerade?) und der zeitlichen Hetze (warum noch keine Antwort?), was gut sein mag für sofortige Flirt-Kontakte, aber ungeeignet ist für eine Beziehungsfindung.

Wie bisher haben wir daher auch in der neuen Plattform auf alle diese oft gewünschten, aber objektiv dysfunktionalen Komponenten verzichtet.

Unser Weg bleibt ein alternativer Weg

Wir erscheinen im neuen Gewand, aber der größte Teil des alten Gleichklangs wird weiter erhalten sein:

  • Wir werden eine alternative Dating-Plattform bleiben, die sich fundamental von den Mainstream-Dating-Angeboten unterscheidet und sich innerhalb der Gesellschaft bemüht, die Tendenzen für eine nachhaltige, ökologische, soziale, menschen- und tierwürdige Gesellschaft zu stärken.

Trotzdem wird es für viele Mitglieder auch erhebliche Fortschritte geben.

  • Erweiterung der Community-Kontaktlisten: Entscheidende inhaltliche Veränderungen haben wir bei den Community-Kontaktlisten vorgenommen. Bisher waren diese recht kompliziert. Sie konnten nur von Teilnehmenden der Freundschaftssuche verwandt werden. Diese mussten sich dann eine Person als Profilvorschlag zustellen lassen und diese so dann kontaktieren. Dies führte zu nicht wenigen Unterbrechungen von Kontaktaufnahmen und reduzierte die Effektivität dieser dritten Form der Begegnung bei Gleichklang erheblich. Nunmehr kann jedes Mitglied direkt aus der Liste heraus den Betreffenden eine Nachricht schreiben, um das Interesse für ein bestehendes Projekt oder eine gemeinsame Aktivität anzumelden. Wir hoffen und erwarten, dass die Community-Kontaktlisten in der Zukunft erheblich häufiger genutzt und eine große Anzahl an neuen Projekten und gemeinsamen Aktivitäten durch diese neue Form entstehen werden.
  • Barrierefreiheit: Wir werden wesentlich einfacher und barrierefreier für blinde und sehbehinderte Mitglieder in allen Funktionen nutzbar sein.
  • Mobile Nutzbarkeit: Wir sind weiterhin keine mobile App, die heruntergeladen und auf dem Handy genutzt werden kann, aber alle Funktionen sind sehr viel einfacher und komplikationsloser auf mobilen Geräten verwendbar. 40 % unserer Nutzer:innen nutzen Gleichklang mittlerweile mobil; diese 40 % werden erhebliche Erleichterungen erfahren.
  • Intuitiveres Nachrichtensystem: Das Nachrichtensystem ist nunmehr deutlich intuitiver verständlich, bewahrt alle Funktionen und führt weitere Möglichkeiten ein. Es entspricht nunmehr einem Messenger-System mit großem Textfeld und man kann auf einen Blick die gesamte Konversation mit einer Person betrachten. Filter- und Sortiermöglichkeiten erhöhen die Übersichtlichkeit wie auch die Möglichkeit zu einer umfänglichen Suche. Gleichzeitig haben wir aber auch die chronologische Ordnung aller Mails für diejenigen zur Ansicht beibehalten, die sich lieber so orientieren.
  • Bessere Übersichtlichkeit: Wir haben die Übersichtlichkeit in allen Bereichen verbessert. Es ist nunmehr deutlich einfacher, alle relevanten Informationen auf einen Blick zu erkennen und zu ändern.
  • Weiterentwicklung: Zudem haben wir mit der Neuaufsetzung gleichzeitig die technischen Möglichkeiten vorangebracht. In der Zukunft können wir jederzeit kurzfristig – zum Beispiel in einem 14-tägigen Rhythmus – Verbesserungen umsetzen. Auch die langfristige Arbeit an einer grundlegenden Erweiterung der Plattform ist nun möglich. Mitglieder von Gleichklang werden in den folgenden Jahren die hieraus entstehenden Potenziale direkt miterleben können. Unter anderem werden wir in kurzer Zeit auch in anderen Sprachräumen vertreten sein. Eigentlich kann heute jede:r Internetseiten problemlos übersetzen lassen. Die Sachlage ist aber, dass die Verfügbarkeit einer Webseite in einer bestimmten Sprache nach wie vor einen starken Einfluss auf die Nutzung hat. Wir hoffen künftig beispielsweise auf mehr Mitglieder aus Nachbarstaaten wie den Niederlanden oder Dänemark, aber freuen uns natürlich überhaupt darauf, mehr Mitglieder aus allen Kontinenten unserer Erde zu gewinnen.

Für unsere aktuellen Mitglieder ergibt sich aus der Neuaufsetzung im Übrigen keine Problematik:

  • Alle Daten werden automatisch übernommen. Auch jetzt, noch vor der Neuaufsetzung neu eintretende Mitglieder, werden sich so dann im Verlauf der Woche in einem neuen und doch in seiner Grundessenz fortbestehenden Gleichklang wiederfinden.

Wir freuen uns, wenn Sie uns als Mitglied erhalten bleiben oder als neues Mitglied zu uns stoßen. Wir können Ihnen versichern, dass wir Ihre Beziehungssuche nach bestem Wissen und Gewissen weiterhin unterstützen und zum Erfolg bringen werden:

▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang

Weitere Links:

8 Kommentare

  • Michael sagt:

    Aktueller Blog:

    „Und genau deswegen haben wir auch über die letzten 20 Jahre immer wieder erhebliche Veränderungen, insbesondere unseres Matching-Algorithmus, umgesetzt, eben weil sich wissenschaftliche Befunde veränderten:“

    Letzter Blog:

    „Bei Gleichklang hatten wir die Chance, die Wirklichkeit beobachten zu können. Unsere Vermittlungsraten ganz am Anfang waren nicht geringer. Sie waren sogar leicht höher als heute. Eine massiv angestiegene Anzahl an Mitgliedern und Vorschlägen ging seither mit einer (glücklicherweise nur geringen) Verminderung der Vermittlungsraten einher.“

    Was bringt die Umstellung von „Persönlichkeitsähnlichkeit“ auf „zentrale Lebenskonzepte“, wenn die Vermittlungsraten gleich bleiben. Hätte man es doch einfach sein lassen können?

    Hier ist das große Problem was ich mit Gleichklang habe und was auch ein großer Kritikpunkt an der Wissenschaft im Bereich Psychologie und Dating ist. Die geringe Reproduzierbarkeit der Ergebnisse bzw. Aussagen.

    Gleichklang:
    Antwortraten: 60-70% (ca.68%)
    Suchdauer: Ca. 2 Jahre (geringer bei aktiven Nutzern)
    Erhaltene Erstnachrichten: 2,5 je 100 Vorschläge

    Ich:
    Antwortrate: 30-35%
    Suchdauer: Ca. 3 Jahre
    Erhaltene Erstnachrichten: 0 bei 160 Vorschlägen

    So sehr ich mich auch bemühe aber deine Ergebnisse und Aussagen aus Buch, Blogs oder Videos konnte ich die letzten 3 Jahre nicht reproduzieren.

    Im Bereich der Psychologie gibt es ja schon lange eine „Replikationskrise“. Ich nehme an, dass es dir bewusst ist? aber so viele Inhalte ich auch von dir in den letzten 3 Jahren genutzt habe, kann ich mich nicht erinnern, dass du schon einmal darauf eingegangen bist. Dabei wäre es für mich absolut essentielle, wenn man so viel mit wissenschaftlichen Studien im Bereich der Datingpsychologie arbeitet.

    Die Replikationskrise diskreditiert deine Arbeit hier eigentlich erheblich!

    Es wäre wichtig hierauf bezugzunehmen!

    • Bei einer Verteilung liegen immer manche über dem Durchschnitt und andere darunter. 35 % Antwortrate ist aber dennoch eine absolut hervorragende Antwortrate im internationalen Dating-Schnitt, und insofern bestätigst Du mit dieser bei Gleichklang unterdurchschnittlichen Antwortrate dennoch meine Auswertungen. Schau Dir einfach einmal die durch Männer erhaltenen Antwortraten von 1,5 bis 8 % in diesem Artikel von Business-Insider an. Da liegst Du hier bei Gleichklang ja im Traumbereich, auch wenn es richtig ist, dass es bei uns der untere Bereich ist.

      Da Du (was gut ist) wirklich sehr viele anschreibst, erhältst Du keine Erstzuschriften. Es ist aber nicht das Ziel, Erstzuschriften zu erhalten, sondern in Begegnung zu kommen. Ich sehe darin also kein Problem. Dennoch haben 35 % geantwortet und ich sehe auch, dass Du teilweise große Mengen an hin- und hergehenden Nachrichten mit der gleichen Person ausgetauscht hast. Es gibt bei Dir also keinen Mangel an Kontakten, aber es ist keine Beziehung entstanden, wofür ich die Gründe nicht aus solchen statistischen Daten ableiten kann. Dafür wären viel mehr Informationen nicht nur über die Inhalte der Nachrichten, sondern Dein ganzes Dating-Verhalten, Deine Einstellungen und Haltungen sowie alle bisherigen Begegnungen notwendig, aus denen sich keine Beziehung entwickelte.

      Ich sehe keine besondere Replikationskrise in der Psychologie. Die meisten wirklich fundamentalen Grundaspekte sind gut repliziert, z. B. Big Five in allen untersuchten Kulturen, Liebesstile in zahlreichen Kulturen, Risikofaktoren für kriminelle Rückfälligkeiten kulturübergreifend etc.

      Zu den Vermittlungsraten denke ich, dass wir hier Äpfel mit Birnen vergleichen. Die Mitglieder in unserer Anfangsphase, die sich sehr über einen Vorschlag alle 3-4 Monate freuten und in keiner Weise im heutigen Dating-Stil waren, kannst Du einfach nicht mit unseren heutigen Mitgliedern vergleichen. Ich vermute, kann es aber nicht beweisen, dass wir durch unsere Maßnahmen dazu beigetragen haben, dass der Abfall der Rate nur sehr niedrig geblieben ist.

    • Daniel sagt:

      Ist das dein Ernst? 30-35% Antwortrate auf einer Dating-Plattform als Mann? Bist du steinreich oder siehst überragend gut au?

  • Christine Schlink sagt:

    Ich möchte weiterhin auf ihrer Newsletter Liste bleiben und ihre wunderbaren Artikel lesen. Sie erwähnten eine Neugestaltung der Gleichklang Internet Präsenz. Muss ich mich irgendwie neu anmelden, um weiterhin
    Ihre Artikel zu erhalten? Und wie könnte ich mich für eine eventuelle Buchung durch Sie anmelden.
    Ganz herzlichen Dank, Christine Schlink

  • Simon sagt:

    „Bei den großen Partnervermittlungen im deutschsprachigen Raum wird dies so gehandhabt, dass die Funktionalität für die kostenlosen Accounts so stark eingeschränkt ist, dass Mitglieder weitestgehend gezwungen sind, auf einen kostenpflichtigen Account zu wechseln, wenn sie auch nur die geringsten Möglichkeiten haben wollen, jemanden kennenzulernen.“

    Das klingt übrigens einfacher als es ist. Das, was man bedenken muss, ist, dass eine Partnervermittlung mit kostenlosen Test-Mitgliedschaften an jeder kleinen Stelle verhindern muss, dass unbemerkt Informationen ausgetauscht werden können.

    Das bedeutet z.B., dass Profilbilder nicht angezeigt werden können, dass jeder Profiltext vor der Veröffentlichung genau überprüft werden muss, dass man nicht einmal den User-Namen frei wählen darf. Und das sind nur die Punkte, die ich mit Anfang 20 ausgenutzt habe.

    Sie hätten vielleicht mehr Geld eingenommen, aber Sie wären nicht glücklich geworden mit einer Plattform, die überall auf Misstrauen gegenüber den Mitglieder ausgelegt ist.

  • Bernhard sagt:

    Ich bin und bleibe ein Fan des Ansatzes von Gleichklang und immer wieder dankbar, dass Guido F. Gebauer Aufklärung zur Partnersuche betreibt. Ja, es ist für mich Aufklärung, auch im Kantschen Sinne als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Deshalb werde ich Gleichklang immer weiter empfehlen.
    Allerdings arbeiten viele Texte und vielleicht auch das Geschäftsmodell mit für mich nicht immer korrekten Annahmen.
    So heißt es oben: „Wer sich hier (bei Gleichklang) anmeldet und Partnersuche als Option anklickt, sucht nahezu immer vorrangig tatsächlich nach einer partnerschaftlichen Beziehung.“ Meine persönliche Empirie für Berlin sagt: Nein, das stimmt so nicht. Es gibt auch solche, die wissen nicht, ob sie suchen (sollen) und wollen dann, wie sie selbst erklären, doch keine Partnerschaft, sondern schauen mal.
    Und viele suchen auch nicht nach dem Wege und den Kriterien eine Partnerschaft, wie Gebauer vorschlägt – im Gegenteil.
    Zugespitzt: Viele ignorieren das Modell dahinter und nutzen es wie jedes andere Dating-Tool auch – oder zumindest auf die eigene Weise. Wie auch geschrieben wird: „Die Partnerfindung ist ein Prozess, der komplett außerhalb der Kontrolle der Plattform selbst liegt, sondern sich aus den Interaktionen der Mitglieder ergibt.“
    Nur möchte ich dann nicht lesen, dass wer – individuell – nicht erfolgreich ist, möglicherweise selbst schuld ist oder nicht richtig sucht. Nein, ich habe keine geringe Bindungsbereitschaft. Ja, ich habe schon viele Kontakte angeschrieben.
    Da wird dann meines Erachtens Selbstimmunisierung betrieben. Da bräuchte es vielleicht auch ein Eingeständnis: Leute, auch hier hat es viel von Lotterie. Es ist immer möglich, dass es nicht klappt. Man hat es nicht in der Hand.
    Außerdem hätte ich bei den Erfolgszahlen und -geschichten immer gerne eine geographische Differenzierung: Aus welchen Raum stammen sie, Metropole, kleinere Großstadt etc?
    Das ist jetzt bewusst scharf formuliert. Insgesamt ist es mehr als vorbildlich, dass auf den eigenen Seiten auch so ein kritischer Diskurs überhaupt stattfinden kann.

    • Vielen Dank, dass Du Dich so intensiv mit dem Ansatz von Gleichklang auseinandersetzt.

      Du sprichst mehrere Punkte an, die absolut berechtigt sind und die wir auch selbst immer wieder im Blick haben:

      Wenn wir schreiben, dass nahezu alle, die bei Gleichklang Partnersuche auswählen, vorrangig eine partnerschaftliche Beziehung suchen, beziehen wir uns dabei auf die explizite Angabe der Mitglieder in Umfragen (sowie bei der Tinder-Studie). Dieser Satz ist nicht als Aussage über ihre tatsächliche innere Klarheit oder Konsistenz gemeint, sondern lediglich als Aussage darüber, was sie bewusst aussagen. Dass viele Menschen jedoch gleichzeitig ambivalent sind, nicht genau wissen, was sie suchen, oder zwischendurch wieder Abstand nehmen, stimmt absolut. Ambivalenz, Verunsicherung, Bindungshemmungen, Veränderungsängste oder konkurrierende Bedürfnisse sind häufige Prozesse, die Partnerfindung sehr stark prägen. Diese Komplexität wollten wir nicht verkürzen. Bei den Dating-Apps kommt aber eben hinzu, dass nur eine Minderheit überhaußt sagt, dezidiert nach einer Beziehung zu suchen. Das macht es nach meiner Einschätzung noch schwerer.

      Du hast vollkommen recht, dass manche Gleichklang nutzen wie jede andere Plattform, unabhängig vom zugrunde liegenden Modell. Da versuche ich auch immer, gegen anzuschreiben. Dass viele Menschen die Hinweise auf nachhaltige Strategien nicht anwenden oder eigene Wege gehen, gehört zur Realität.

      Es liegt uns fern, den Eindruck zu erwecken, dass Erfolglosigkeit eine Frage der Schuld ist, aber vielleicht kommt es doch so rüber. Wenn wir Hinweise geben, was erfahrungsgemäß hilfreich sein kann, dann nicht als Zuweisung von Verantwortung im Sinne von Schuld, sondern als Angebot für bessere Chancen. Dass Menschen trotz intensiver Suche und hoher Bindungsbereitschaft keine passende Beziehung finden, kommt vor – und es wäre falsch, dafür einfache Erklärungen anzubieten.

      Ja, der Prozess der Partnerfindung bleibt trotz aller Bemühungen grundsätzlich nicht kontrollierbar, auch die Suchenden selbst können nur bedingt Kontrolle ausüben, eben weil neben der eigenen Person andere Personen autonom involviert sind. Wir können unterstützen, aber nie garantieren. Es gibt immer einen nicht steuerbaren Anteil. Ich würde es nicht als Lotterie bezeichnen, weil Handlungsmöglichkeiten und Strategien tatsächlich etwas bewirken können, aber unvorhersehbar bleibt der Prozess trotzdem.

      Insgesamt ist Deine Kritik hilfreich. Sie zeigt genau jene Spannungsfelder auf, in denen sich auch unsere Partnervermittlung immer bewegt.

1 Trackback or Pingback

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert