Tragen wir alte Muster in neue Beziehungen?
Weiter geht es in diesem Artikel mit der Auswertung der großen Gleichklang-Umfrage 2026:
- Wiederholen wir unsere Beziehungsmuster? Machen wir womöglich gar immer wieder die gleichen Fehler in Beziehungen?
- Liebe als Engagement besteht darin, sich fortgesetzt für eine Beziehung einzusetzen und an Veränderungen zu arbeiten. Typische Bilder hierfür sind die Liebe im Garten oder die Liebe als Reise.
- Liebe als Versorgungsgemeinschaft bezieht sich darauf, sich eine sichere, gemeinsame Heimat zu schaffen. Das kann im wahrsten Sinne des Wortes das gemeinsame Haus sein, es geht aber auch um Dauerhaftigkeit und gemeinsame Absicherung.
- Liebe als Sex und Lust stellt die körperliche Nähe und das gemeinsame erotische Verliebtsein in den Vordergrund einer partnerschaftlichen Beziehung.
- Liebe als Familiengründung bezieht sich darauf, dass die Liebe sich letztlich in den gemeinsamen Kindern zeigt.
- Liebe als Freiheit geht darum, dass die Liebe keine Regelverpflichtungen oder Vereinbarungen benötigt, sondern die Beteiligten sich in einer Beziehung auf ungelebte Freiheit wechselseitig aufeinander einstellen.
- Liebe als Monogamie versus Nichtmonogamie beschreibt Beziehungen, in denen sexuelle und emotionale Treue vereinbart wird, oder Beziehungen, in denen die Beteiligten sich darauf einigen, dass sexuelle Kontakte zu Dritten möglich sind oder die betreffenden Personen auch gleichzeitig mehr als eine Partnerschaft führen können.
- Liebe als Rettung beinhaltet den Gedanken, dass die Liebe eine grundlegende Veränderung einer hochgradig belastenden Lebenssituation – psychisch oder materiell – bewirken kann.
- Liebe als Nutzenkalkül betrachtet die Liebe wie eine Art Geschäfts- oder Tauschbeziehung, berechnet also die wechselseitigen Vorteile und Nachteile. Solange die Vorteile überwiegen, besteht die Beziehung fort.
- Liebe als Schmerz beinhaltet die Form der Liebe, die durch starke negative Gefühle wie Eifersucht, Angst, Ärger und Wut gekennzeichnet ist – ähnlich wie Liebe als Terror und Krieg, also eine toxische Beziehung.
Häufigkeit der Liebesdimensionen in aktuellen und vergangenen Beziehungen
Wie häufig treten diese Dimensionen der Liebe auf?
Sortiert nach absteigender Häufigkeit ergeben sich für die letzte/aktuelle Partnerschaft aus unserer Befragung die folgenden prozentualen Anteile. (Diese addieren sich übrigens nicht zu 100 %, weil wir natürlich auch in einer Beziehung gleichzeitig mehrere Dimensionen der Liebe umsetzen können. Das ist tatsächlich sogar nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall):
- Liebe als Monogamie führte mit 75,7 Prozent. Nicht-Monogamie ist also vergleichsweise selten, wenngleich keine Rarität.
- Liebe als Engagement folgte mit 71,4 Prozent. Die Beteiligten schildern die Liebe wie einen Garten und beschreiben einen ständigen Prozess der gemeinsamen Zielsetzung und Veränderung.
- Liebe als Versorgungsgemeinschaft erschien mit einer Häufigkeit von 41,0 Prozent an dritter Stelle. Sich wechselseitig dauerhaft Sicherheit zu geben und sich auch materiell zu versorgen, ist nach wie vor ein dominantes Beziehungsmodell.
- Liebe als Sex und Lust folgte mit Abstand, die aber dennoch immerhin 23,3 Prozent benennen.
- Liebe als Familiengründung kennzeichnete 12,3 Prozent der Beziehungen. Dies hängt sicherlich auch mit dem typischen Durchschnittsalter der Gleichklang-Mitglieder von 50 Jahren zusammen, wo dieses Modell bei der letzten Beziehung bereits nicht mehr dominierte.
Nun folgen die selteneren Formen der Liebe:
- Liebe als Schmerz kennzeichnete nach Angaben der Befragten 9,6 Prozent der Beziehungen.
- Liebe als Rettung wurde mit 8,7 Prozent angegeben.
- Liebe als Freiheit wurde als ein ebenfalls seltenes Beziehungsmuster von 7,1 Prozent der Befragten geschildert.
- Liebe als Nutzen war die seltenste Form der Beziehung, die von 5,5 Prozent der Befragten angegeben wurde.
Welche Liebesdimensionen machen glücklich – und welche unglücklich?
Wie glücklich oder unglücklich machen nun diese verschiedenen Formen der Beziehungsgestaltung?
- Statistisch zeigten sich signifikante Assoziationen mit einer höheren Beziehungszufriedenheit und der Liebe als Engagement, der Liebe als Sex und Lust sowie der Liebe als Freiheit.
- Demgegenüber zeigten insbesondere die Liebe als Schmerz und die Liebe als Nutzen einen negativen Zusammenhang zur Beziehungszufriedenheit.
- Aber auch die Liebe als Familiengründung sowie die Liebe als Rettung wiesen einen systematischen negativen Zusammenhang zur Beziehungszufriedenheit auf.
- Keinen Zusammenhang zur Beziehungszufriedenheit hatten demgegenüber die Liebe als Versorgungsgemeinschaft und die Liebe als Monogamie versus Nichtmonogamie. Das bedeutet: Im Durchschnitt waren Menschen in monogamen Beziehungen oder in nichtmonogamen Beziehungen, in Beziehungen mit oder ohne Versorgungsgemeinschaft ungefähr gleich glücklich.
Konkrete Zufriedenheitswerte: Wie viele sind sehr glücklich?
Nur für die statistisch tatsächlich signifikanten Zusammenhänge sind hier die Zufriedenheitsauswirkungen der neun Dimensionen der Liebe noch einmal anhand von reinen Häufigkeitszahlen konkret dargestellt.
Dabei ist jeweils angegeben, wie hoch der Anteil derjenigen ist, die für ihre Beziehung eine sehr hohe Zufriedenheit (9, 10 oder 11 auf einer Skala von 1 bis 11) angegeben haben:
- Liebe als Freiheit zeigte die höchste Zufriedenheit: 42,2 Prozent derjenigen, die diese Dimension umsetzten, gaben ihrer Beziehung die höchsten Zufriedenheitswerte. Bei denjenigen, bei denen keine Liebe als Freiheit vorlag, betrug dieser Prozentsatz nur 24,9 Prozent.
- Liebe als Sex und Lust folgte an zweiter Stelle: 38,4 Prozent der Betreffenden wiesen eine sehr hohe Zufriedenheit auf, während bei denen, die ihre Beziehung nicht als Sex und Lust gestalteten, die Hochzufriedenen nur einen Anteil von 22,4 Prozent einnahmen.
- Liebe als Engagement kam an dritter Stelle: 30,9 Prozent der Betreffenden gehörten hier zur Gruppe der Hochzufriedenen, während bei den übrigen nur 18,0 Prozent hochzufrieden waren.
Und so sieht es bei den Dimensionen aus, die mit einer geringeren Beziehungszufriedenheit assoziiert sind:
- Liebe als Schmerz ging mit der geringsten Zufriedenheit einher: Nur 5,7 Prozent der Betreffenden wiesen ihrer Beziehung eine sehr hohe Zufriedenheit zu, während dieser Prozentsatz bei denjenigen, die Liebe als Schmerz nicht erfüllten, immerhin 28,3 Prozent betrug.
- Bei der Liebe als Rettung bejahten nur 18,0 Prozent eine sehr hohe Zufriedenheit. Bei denjenigen, die diese Form der Liebe nicht bejahten, betrug der Prozentsatz der Hochzufriedenen demgegenüber 26,9 Prozent.
- Aber auch die Liebe als Familiengründung war keineswegs ein Garant für besonders hohe Zufriedenheit. Im Gegenteil: Sie hatte einen – wenn auch geringgradigen – negativen Einfluss. 21,0 Prozent derjenigen, die diese Form ihrer Beziehung bejahten, zählten sich zu den Hochzufriedenen. Bei denjenigen, die diese Form der Liebe nicht bejahten, betrug der vergleichbare Prozentsatz 26,8 Prozent. Das zeigt jedenfalls aus dem Blickwinkel der Beziehungszufriedenheit: Kinder sind keineswegs der Garant für eine glückliche Beziehung.
Die Kernfrage: Wiederholen wir unsere Liebesmuster?
Damit komme ich nun zu der eigentlichen Frage dieses Artikels, nämlich, ob wir dazu neigen, unsere Liebesmuster zu wiederholen.
Ganz offensichtlich ist diese Frage insbesondere für zwei Gruppen von hoher Relevanz:
- Für die Gruppe der in ihren Beziehungen Unzufriedenen: Würden diese ihre Beziehungsmuster wiederholen, werden sie wahrscheinlich erneut unzufrieden werden.
- Für die Gruppe der Zufriedenen: Wiederholen die Zufriedenen ihre Beziehungsmuster, wird dies vermutlich erneut zu einer zufriedenstellenden Beziehung führen.
Aber auch die Gruppe derjenigen, die im Mittelfeld sind, kann natürlich profitieren, um einen Abfall der Zufriedenheit in ihrer nächsten Beziehung zu verhindern und einen Aufstieg zu erreichen.
Wiederholen wir unsere Muster? Die statistische Antwort
Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns als Erstes die Korrelationen zwischen der Angabe zu den Dimensionen der Liebe in den beiden letzten Beziehungen angeschaut.
Sollten wir dazu neigen, unsere Liebesmuster zu wiederholen, müssten sich hier statistisch signifikante, also nicht durch reinen Zufall erklärbare Zusammenhänge zeigen.
Und tatsächlich ist genau dies das Resultat:
- Für alle neun Dimensionen der Liebe zeigt sich eine positive Korrelation zwischen den letzten beiden Beziehungen.
Im Durchschnitt gilt also:
- Führten wir in der Vergangenheit beispielsweise eine Beziehung mit der Liebe als Engagement, der Liebe als Sex und Lust oder der Liebe als Freiheit, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch in der Gegenwart – wenn wir erneut in einer partnerschaftlichen Beziehung sind – eine vergleichbare Form der Beziehung führen werden.
Und dennoch gibt es eine wichtige Einschränkung – und oftmals, denke ich, ist dies eine gute Nachricht:
- Auch wenn alle Zusammenhänge fraglos statistisch hoch signifikant sind, sind sie doch vom Stärkegrad nur höchstens moderat.
Die Wiederholungsraten im Detail
Beginnen wir mit der Monogamie versus Nichtmonogamie, die einen besonders starken Zusammenhang über die letzten beiden Beziehungen hinweg zeigt:
- War meine letzte Beziehung monogam, wird meine folgende Beziehung ebenfalls monogam sein? War die letzte Beziehung monogam, gaben 82,3 Prozent an, dass auch die letzte/aktuelle Beziehung monogam ist. War die vorige Beziehung nicht monogam, sank dieser Prozentsatz jedoch auf 53,0 Prozent. Es zeigt sich also ein deutlicher Zusammenhang.
Ähnlich sieht es nun bei allen Dimensionen der Liebe aus, nur der Stärkegrad des Effekts ist unterschiedlich:
- War die letzte Beziehung eine Liebe als Rettung, war dies auch bei der nächsten Beziehung bei 24,0 Prozent der Befragten der Fall, während dieser Prozentsatz auf nur 5,0 Prozent absank, wenn die vorige Beziehung nicht auf der Liebe als Rettung beruhte.
- War die vorherige Beziehung eine Liebe als Engagement, gaben 84,5 Prozent der Befragten an, dass dies auch für die nachfolgende Beziehung galt. Dieser Prozentsatz sank auf 64,1 Prozent, wenn die vorige Beziehung nicht der Liebe als Engagement entsprach.
- War die vorherige Beziehung eine Liebe als Freiheit, war dies bei 29.2 Prozent für die folgende Beziehung erneut der Fall. Dieser Prozentsatz verringerte sich auf nur noch 6,0 Prozent, wenn die vorherige Beziehung nicht dem Muster der Liebe als Freiheit folgte.
- War die vorherige Beziehung eine Liebe als Sex und Lust, dann galt dies für 37,5 Prozent der Beteiligten auch für die nachfolgende Beziehung, während dies nur für 19,2 Prozent galt, wenn die vorherige Beziehung nicht diesem Muster folgte.
- 15,9 Prozent derjenigen bejahten die Liebe als Nutzen für ihre letzte/aktuelle Beziehung, wenn dies auch bei der vorherigen Beziehung der Fall war. Dieser Prozentsatz sank auf nur noch 3,9 Prozent bei denjenigen, bei denen die vorige Beziehung nicht der Liebe als Nutzen entsprach.
- War die vorige Beziehung eine Liebe als Versorgungsgemeinschaft, so war dies auch bei der nachfolgenden Beziehung bei 48,3 Prozent der Befragten der Fall. Dies galz jedoch nur für 33,9 Prozent derjenigen, für die die vorherige Beziehung keine Liebe als Versorgungsgemeinschaft.
- Bei der Liebe als Familiengründung betrugen die entsprechenden Vergleichswerte 22,5 Prozent (wenn auch die vorige Beziehung auf Familiengründung beruhte) versus 9,4 Prozent (wenn die vorige Beziehung keiner Liebe als Familiengründung entsprach).
Schließlich zeigt sich der gleiche Zusammenhang auch für die Liebe als Schmerz:
- 14,9 Prozent derjenigen, für die in der vorherigen Beziehung eine Liebe als Schmerz vorlag, gaben an, dass auch die nachfolgende Beziehung erneut durch Schmerzen gekennzeichnet war. Dieser Prozentsatz nahm ab auf 8,6 Prozent für diejenigen, bei denen die vorige Beziehung nicht dem Muster der Liebe als Schmerz entsprach.
Die gute Nachricht:
- Die Wiederholungswahrscheinlichkeit ist gerade bei der Liebe als Schmerz gering. War unsere vorherige Beziehung eine Liebe als Schmerz, besteht zwar ein gewisses Risiko, dass sich dies wiederholt. Dieses Risiko ist jedoch keineswegs hoch.
Konsequenzen für die Praxis
Was lässt sich aus alledem nunmehr schließen?
Die Befunde machen deutlich, dass wir als Menschen im Beziehungsbereich sowohl dazu neigen, Beziehungsmuster zu wiederholen, als auch dazu in der Lage sind, Beziehungsmuster zu verändern.
Die Zusammenhänge sind stark genug, dass es sich lohnt, um sie zu wissen:
- Gerade wenn ich mich in einer unglücklichen Beziehung befunden habe, macht es Sinn, besonders sensitiv darauf zu achten, dass ich dieses Muster nicht wiederhole.
- Genauso macht es aber auch Sinn, das Muster zu betrachten, wenn die Beziehung glücklich war. Womöglich erkennen wir so, was wir tun können, damit sich unser vorheriges Beziehungsglück wiederholt oder wir sogar unser Glück noch steigern können.
Auf keinen Fall gibt es Grund zu Fatalismus oder Resignation:
- So statistisch signifikant alle genannten Zusammenhänge auch ausfallen, so sind sie gleichzeitig allesamt nur moderat.
Es wird viel Spielraum erkennbar:
- Die einen wiederholen ihre Beziehungsmuster, die anderen nicht.
Warum werden manche glücklichen Muster so selten gelebt?
Was mir sofort in den Daten auffällt, ist, dass manche besonders oft glückliche Muster besonders selten gelebt werden:
- So ist es auffällig, dass die Liebe als Freiheit besonders oft zu einem hohen Beziehungsglück führt, jedoch selbst nur sehr selten gelebt wird.
- Aber auch die Liebe als Sex und Lust macht besonders oft glücklich, ist jedoch keineswegs die typische oder häufige Form einer Partnerschaftsbeziehung.
Bei der Freiheit liegt es vermutlich daran, dass es uns schwerfällt, loszulassen. Durch feste Vereinbarungen, womöglich sogar durch Kontrolle, glauben wir, Sicherheit zu erhalten – und das ist auch richtig.
Jedoch kann mit dem Gewinn an Sicherheit ein Verlust an Glück verbunden sein. Gelingt es uns gemeinsam, unsere Beziehung so zu entwickeln, dass wir in maximaler Freiheit Gemeinsamkeit aufbauen, ist die Ernte am höchsten.
Sex und Lust werden sicherlich allgemein als positiv bewertet. Warum ist diese Form der Liebe dennoch selten?
- Trotz aller sexuellen Aufklärung und Offenheit neigen nach wie vor viele Paare dazu, nicht tatsächlich über sexuelle Wünsche und Möglichkeiten zu sprechen.
Offene Kommunikation über Sexualität ist jedoch einer der stärksten Faktoren zur Erhöhung unserer sexuellen Zufriedenheit. Wer hierüber mehr wissen möchte, dem sei mein vorheriges, langes Video empfohlen:
→ Psychologische Tipps zur sexuellen Kompatibilität
Optimistischer Ausblick: Wir sind keine Gefangenen unserer Vergangenheit, sondern können unsere Zukunft gestalten
Die gute Botschaft für unsere Partnersuche ist, dass uns bei jeder erneuten Beziehungsfindung erneut die ganze Welt offensteht.
Der Ratschlag lautet, sich noch einmal die eigenen Beziehungen und Beziehungsmuster anzuschauen, um Faktoren im eigenen Verhalten, der Partnerwahl oder der Beziehungsgestaltung zu erkennen, die sich nicht wiederholen sollten.
Ebenso hilfreich ist es, sich diejenigen Faktoren bewusst zu machen, deren Wiederholung wir uns wünschen.
Und schließlich gibt es vielfach eine dritte Art von Faktoren, nämlich die, die in vorherigen Beziehungen nicht anwesend waren, deren Anwesenheit jedoch unserem Beziehungsglück womöglich einen Sprung erlauben würde.
Machen wir uns all diese Faktoren klar, um mit einem neuen Blick und Offenheit an die Beziehungssuche heranzugehen.
Mithilfe unseres Vermittlungsalgorithmus versuchen wir bei Gleichklang nicht nur das Finden von Beziehungen an sich, sondern das Finden einer Beziehung zu erleichtern, die mit möglichst guten Voraussetzungen verbunden ist, um das Beziehungsglück zu maximieren.
Selbstverständlich ist die Partnerfindung hierzu nur der allererste Schritt. Letztlich entscheidet sich eine Beziehung daran, wie die Betreffenden miteinander umgehen und was sie aus ihrer Beziehung machen:
- Offene Kommunikation, die Bereitschaft, über neue Ziele und Veränderungen gemeinsam nachzudenken, und darauf zu achten, dass nicht nur Gewohnheiten, sondern immer wieder auch neue und spannende Aktivitäten die Gemeinsamkeit prägen, sind entscheidende Aspekte, von denen auch in psychologischen Untersuchungen belegt ist, dass sie die Beziehungszufriedenheit erhalten und immer wieder aufs Neue aktivieren können.
Hier können Sie übrigens mehr lesen im frei zugänglichen Kapitel meines Buches:
→ Beziehungsarbeit: So bleibt die Liebe bestehen
Wir sind also nicht Gefangene unserer vorherigen Beziehung, aber ebenso wenig besteht eine Garantie, dass positive Beziehungen sich wiederholen werden.
Was wir tun können, ist, unsere Beziehungsmuster zu reflektieren und bei der Partnersuche darauf zu achten, dass wir nicht einfach einem Menschen begegnen und Ja sagen, sondern einer Person begegnen, mit der echte Kompatibilität entsteht.
Auf diesem Weg begleiten wir Sie bei Gleichklang gerne:
▶ Zur Beziehungssuche bei Gleichklang
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8 Kommentare
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vielen dank für diesen beitrag.
um alte muster zu durchbrechen, habe ich mich bei gleichklang angemeldet. ich suche eine feste partnerschaft mit einer hypersexuellen frau.
leider konnte der algorithmus bisher noch in keinster weise jemanden finden, die diese voraussetzungen erfüllt. offenbar sind menschen, die besonders grossen körperlichen appetit haben, in keinster weise an einer festen partnerschaft mit nur einer person interessiert.
wie kann es mir gelingen dennoch die sich wiederholenden muster des ewigen partnerwechsels zu durchbrechen?
können sie mir dabei helfen?
Sie schreiben, als hätten Sie endlich Ordnung in ein Gelände gebracht, das sich sonst notorisch der Kartografie entzieht. Ihre Argumentation ist geschlossen, fast elegant – und gerade deshalb irritierend. Denn sie wirkt weniger wie eine Beschreibung gelebter Beziehungen als wie deren nachträgliche Rationalisierung.
Was Sie „immer gleiche Fehler“ nennen, erscheint mir als ein klassischer Fall narrativer Kohärenzbildung: Aus der Rückschau wird Kontingenz geglättet, Ambiguität reduziert, Zufall in Struktur überführt. Das ist psychologisch verständlich – der Mensch ist ein Sinnbildungswesen –, aber es ist erkenntnistheoretisch heikel. Die Kohärenz Ihrer Darstellung ist womöglich kein Befund, sondern ein Effekt.
Hinzu kommt ein deutlicher psychologischer Reduktionismus. Sie lokalisieren die Ursache von Beziehungsscheitern primär im Individuum: blinde Flecken, Prägungen, unbewusste Muster. Damit verschiebt sich die Analyse stillschweigend von der Dyade zur Monade. Beziehungen aber sind keine Ein-Personen-Systeme. Sie sind emergente Gebilde, Resultate von Interaktion, Resonanz, Reibung – kurz: von Relationalität. Was als „Fehler“ erscheint, ist oft nichts anderes als Inkompatibilität zweier Strukturen, nicht das Defizit einer einzelnen.
Auffällig ist zudem die implizite Normativität Ihres Textes. Sie operieren mit einem Ideal gelingender Beziehung, das nirgends erklärt wird, aber permanent als Referenz mitläuft. „Fehler“ sind dann Abweichungen von diesem stillgesetzten Maßstab. Doch woher kommt dieser Maßstab? Ist er empirisch gewonnen, kulturell geprägt oder lediglich ein Derivat gegenwärtiger Selbstoptimierungssemantik?
Gerade hier schleicht sich – vielleicht ungewollt – eine moralische Ökonomie ein: Wer scheitert, hat offenbar nicht hinreichend an sich gearbeitet. Die Kategorie des „Fehlers“ individualisiert, wo man ebenso gut von Kontingenz, Timing oder sozialer Einbettung sprechen könnte. Damit wird Verantwortung internalisiert, während Kontextbedingungen aus dem Blick geraten.
Schließlich suggeriert Ihr Text eine Kausalität, die so klar vermutlich nicht ist. Psychologische Dispositionen mögen Präferenzen und Tendenzen strukturieren, aber sie determinieren keine Beziehungsausgänge. Zwischen Disposition und Ereignis liegt ein Feld von Zufällen, Begegnungen, historischen Momenten – ein Bereich, den Ihre Argumentation weitgehend ausblendet.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ihre Diagnose ist nicht unplausibel. Sie ist im Gegenteil so plausibel, dass sie fast zu glatt erscheint. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Wo alles passt, könnte etwas fehlen – nämlich jene Widerständigkeit der Wirklichkeit, die sich nicht ohne Rest in Muster überführen lässt.
Kurz gesagt: Sie liefern eine überzeugende Psychologie des Wiederholens – aber womöglich um den Preis einer Unterschätzung des Unvorhersehbaren. Wenn Liebe als logarithmische Vermittlung durch einen Datenhändler Anbahnung erfährt, fällt die amour fou der Rasterfahndung zum Opfer.
Die Zusammenhänge sind da, aber sie sind alles andere als perfekt. Und genau dadurch entsteht, wie der Artikel darstellt, viel Raum für Veränderung. Der „stilbesetzte Maßstab“ ist das Selbsterleben der Personen, die ihre eigene Zufriedenheit einschätzen, also das, worum es doch auch eigentlich geht. Der implizite Standard ist also tatsächlich explizit und er wird auch erklärt. Die Ergebnisse sind das, was die Betreffenden selbst erleben. Rückerinnerungen können mit Verschiebungen verbunden sein, aber im Hinblick auf die hier dargestellten Dimensionen können wir uns schon als Menschen mit sehr hoher Genauigkeit erinnern, ob wir eine Beziehung insgesamt z. B. als durch Freiheit oder Schmerzen geprägt, als monogam oder nicht monogam etc. erlebt haben. Ich denke, da ist ein gewisses Vertrauen in das Urteil und die Erinnerungen der Befragten begründet.
Danke für diesen faszinierenden Text.
Ein wenig Ver-rücktheit tut uns in der Liebe sicher gut.
Ich habe eine Anmerkung zu dem Thema: Liebe als Familiengründung.
Sicherlich sind Kinder kein Garant für eine glückliche Beziehung. Wenn man wegen eines Kinderwunsches („Torschlusspanik“, „biologische Uhr tickt“, „Eltern wollen Enkelkinder“) nicht auf die Kompatibilität von Charakter, Lebenszielen und Werten achtet, wird eine glückliche Beziehung zum „Lotteriespiel“ / zur Glückssache.
Ich vermute, dass die Auswertung der Studie die Zufriedenheit mit dem Modell „Liebe als Familiengründung“ zu negativ beurteilt:
1)Ein Großteil der Familiengründungen findet zwischen 30-40 Jahren Lebensalter statt.
Wenn eine derartige Beziehung glücklich ist, hält sie sehr wahrscheinlich bis die Kinder zwanzig Jahre später aus dem Haus sind und wahrscheinlich noch länger.
Menschen die mit ihrer Familiengründung aktuell glücklich sind, werden sich eher nicht auf Partnersuche bei Gleichklang begeben.
2) Jüngere Menschen unter dreißig haben meist keine eigenen Erfahrungen mit „Liebe als Familiengründung“
3) Der Altersschnitt dürfte bei ungefähr 50 Jahren liegen, wenn die Ergebnisse repräsentativ für die Gleichklang-Community sind.
Ich vermute, dass es hier eine Art Surivorship-Bias gibt. Auf Grund von „Durchschnittsalter“ und „Platform zur Suche einer Beziehung“, sind Menschen überrepräsentiert, deren Beziehung „Liebe als Familiengründung“ unglücklich war bzw. gescheitert ist. Also getrennt/geschieden und jetzt auf der Suche nach einer neuen Beziehung.
Ich vermute, dass Umfrageteilnehmer:innen, deren „Liebe als Familiengründung“ glücklich war, überwiegend Witwen bzw. Witwer sind. Das kommt aber heutzutage eher selten vor. Eventuell sind noch einige Menschen dabei, die mit ihrer „Liebe als Familiengründung“ glücklich und polyamor sind.
Ich bin Ende 30 und wünsche mir eine „Liebe als Familiengründung“ und suche bei Gleichklang.
Daher würde ich mich über eine Antwort von Herrn Gebauer freuen.
Hallo Herr Gebauer,
ich habe mir gerade Ihren neuesten Artikel (= Immer wieder die gleichen Fehler in Beziehungen?) komplett durchgelesen.
Das klingt weitgehend logisch.
Ja, Liebe als Freiheit, Liebe als Sex und Lust und Liebe als Engagement klingen auch schon nach hoher bis sehr hoher Zufriedenheit. Es macht durchaus Sinn, in vertraute Muster zurückzukehren. Weil man entweder positive Erfahrungen damit gemacht hat, oder zumindest weiß, wie man sich in diesen Mustern verhalten muss, oder beides.
Allerdings würde ich „Liebe als Schmerz“ nicht als Liebe bezeichnen. – Liebe und Schmerz schließen sich ja aus. Liebe ist ja genau das Gegenteil von Schmerz. Weil Liebe Menschen und generell Organismen – also, auch Pflanzen, Pilzen und Tieren, – ja was Gutes tut, während Schmerz Organismen ja was Schlechtes tut. Während Liebe ja förderlich für einen Organismus ist, ist Schmerz ja schädlich für einen Organismus.
Schmerz ist im Prinzip ein Alarmzeichen, dass der Körper oder die Seele gerade Schaden nimmt und man entweder fliehen, oder kämpfen sollte, um die schädigenden Umweltfaktoren zu beenden.
Wegen ihrer Kopplung mit Schaden treten Schmerzen ja auch immer nur im Zusammenhang mit Nahrungsbeschaffung – also, dem Verletzen und/oder Töten von Pflanzen, Pilzen und Tieren, -, der Bewegung im Raum, durch die man auch immer wieder andere Organismen verletzt und/oder tötet, dem Bekämpfen von ungewollten Lebewesen und Genervtheit, Ärger und vor allem Wut, wo es ja gerade darum geht, gegen andere Lebewesen körperlich und/oder psychisch zu kämpfen, auf. Aber auch Hass, wo es ja gerade darum geht, Lebewesen, die man als dauerhafte Feinde definiert hat, zu bekämpfen – teilweise sogar zu töten, ist sehr oft mit Schmerz gekoppelt. Letztendlich kann aber auch Sadismus – also, die Freude am Leid anderer, – zu Schmerzen führen.
Wegen schmerzhafter Schäden würde jeder früher oder später so eine Beziehung beenden. Weil es viel angenehmer ist, gar keine Beziehung zu haben als in einer Beziehung zu leiden.
Was ich mir beim Lesen Ihres Artikels auch gedacht habe, ist, dass extrem Schüchterne auch öfters 2- oder 3-mal in dieselbe Form von Partnerschaft reinwachsen.
Schüchternheit geht ja immer mit Bindungsangst, Konfliktangst und Verlustangst einher. Schüchterne und vor allem extrem Schüchterne haben Angst, eine Partnerschaft aus Eigeninitiative einzugehen, meiden Streitigkeiten und wollen die Tätigkeiten und Familie, Freunde und Bekannte im Alltag behalten.
Allerdings können sich auch extrem Schüchterne verlieben. Dann wollen sie natürlich auch den potentiellen Partner, den sie sich selbst ausgesucht haben und um den sie sich in einer sehr langen Kennenlernphase immer mal wieder bemühen, behalten.
Das Hauptproblem ist aber neben der Konfliktangst und Verlustangst in Bezug auf den Alltag die Bindungsangst. Bei der Bindungsangst hat der extrem Schüchterne ja Angst, was falsch zu machen, dass der potentielle Partner ihm durch bestimmte Verhaltensweisen schaden könnte oder dass andere mitbekommen, dass er sich in einer Kennenlernphase befindet.
Dass ich bisher alte Beziehungsmuster in neuen wiederholt habe, würde ich für mich auch ganz ohne wissenschaftliche Evidenz bejahen und ebenso für andere Menschen annehmen. ich finde das auch nicht verwerflich, sondern sehr schlüssig, folgerichtig und menschlich.
Jeder Mensch hat seine Themen, für niemanden ist das einfach, aber Partnerschaft wird einem diese Themen garantiert auf den Tisch legen.
Für mich ist darin entscheidend geworden, wie man damit umgeht.
Eine Option dabei ist natürlich sich zu trennen, um‘s dann mit jemand anderen zu versuchen. und es lässt sich auf eine Milliarde Arten erklären und rechtfertigen, weshalb genau das die einzig sinnvolle Möglichkeit ist.
Eine andere sich irgendwie damit zu arrangieren bis man sich selbst nicht wieder erkennt.
Und eine dritte sich damit auseinander zu setzen, mit seinen eigenen und den Themen des anderen. Wenn irgendeine Liebe mal da war, dann kann daraus tiefere Liebe erwachsen.
Die vierte Option schließlich: aufgeben und resignieren.
Gefühlt ist das gerade total en vogue, der ganzen Welt zu erklären, dass man als Single ja viel besser dran ist, weil Milliarden von Gründe.
Tja, ich muss da nicht recht haben. aus ungünstigen Mustern werde ich mich vermutlich auch nie vollständig befreien können. aber ich glaube doch, mich soweit aus Mustern emotionaler Abhängigkeit befreit zu haben, dass ich meine Probleme nicht mehr in anderen verorten muss und Option 3 wählen kann, mit dem klaren Wunsch nach echter und tiefer Verbindung ohne mich dabei im rosigen oder aufreizenden Sonnenschein zu verlieren, obwohl ich doch schon auch schon Sonnenschein sehr mag.